Uran-Munition im Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit !

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26.02.2012:  In diesen Tagen feierte Dr. Siegwart-Horst Günther seinen 87. Geburtstag. Ein Name und ein Tag, mit dem man vielleicht im ersten Moment nichts Besonderes verbindet. Doch Dr. Günther hat bleibende Verdienste im Wirken für die Friedensbewegung und gegen die imperialistischen Kriege der letzten fast 25 Jahre errungen, weil er den Einsatz von Uran-Munition in den Kriegen der USA gegen den Irak und gegen Serbien aufdeckte. In einem rückblickenden Interview mit Brigitte Queck (Erstveröffentlichung auf TELAXCALA), werden einige Facetten seines mit erheblichen Gefährdungen und Bedrohungen verbundenen Einsatzes lebendig.

Herr Professor, man nennt Sie weltweit den Entdecker des Golfkriegssyndroms, sprich  denjenigen, der den Einsatz von Depleted Uranium-Waffen im Krieg der USA und  Großbritanniens gegen den Irak nachgewiesen hat. Wie kam es dazu?

1990 erhielt ich eine Berufung als Professor an der Universität in Bagdad zu arbeiten. Es war die Zeit des Wirtschaftsembargos gegen den Irak. Über Weihnachten war ich zu Hause. Kurz danach wurde Irak von den USA und Großbritannien bombardiert. Nach dem 2. Golfkrieg bin ich in den Irak zurückgekehrt.

Auf dem Weg zwischen Bagdad und Amman fielen mir Geschosse auf, die mir seltsam vorkamen. In Basra, an der Grenze zu Kuwait, habe ich im Oktober 1991 Kinder mit Geschosshülsen spielen sehen. Eines dieser Kinder war an Leukämie, an einer für Kinder völlig untypischen Krankheit, erkrankt und kurze Zeit später gestorben.

Ich habe die Geschosse von der dortigen Polizei einsammeln lassen. Eines dieser Geschosse und Geschossummantelungen nahm ich mit nach Deutschland und ließ sie an 3 Universitäten untersuchen. Laborversuche an dem Luise Meitner–Institut, dem FU-Klinikum in Berlin-Charlottenburg und der Berliner Humboldtuniversität, erbrachten den Beweis, dass die USA von den Genfer Konventionen geächtete Waffen im Irak eingesetzt hat.

Was genau erbrachten diese Untersuchungen ?

Das von mir nach Deutschland mitgebrachte Projektil (mittlerweile als Depleted Uranium-Geschoss bekannt) hat eine raue Oberfläche, die bei Berührung einen radioaktiven Abrieb erzeugt. Durch falschen Umgang mit dem Geschoßprojektil entsteht die Gefahr der Kontamination und Inkorporation radioaktiven Materials, was zu einer Gesundheitsgefährdung führen kann.

Die Dosisleistung an der Oberfläche des Projektils beträgt ca.11 MikroSivers pro Stunde. Wenn also Soldaten, bzw. spielende Kinder in Kriegsgebieten mit diesen Geschossen einer 11 MikroSivers/h radioaktiven Dosisleistung nur 1 Stunde umgehen, oder sich in unmittelbarer Umgebung dieses Geschosses befinden, bekommen sie die von Wissenschaftlern bereits als gefährlich eingestufte radioaktive Dosis für ein Jahr und pro Person berechnet schon innerhalb dieser Stunde inkorporiert !

Darüber hinaus ruft diese radioaktive Munition unweigerlich Krebs, Immunschwächekrankheiten, Missbildungen und ähnliches hervor!

Warum, glauben Sie, wurden und werden von der NATO diese DU-Geschosse  bzw.-Bomben mit radiaktiver Substanz in Kriegsgebieten eingesetzt ?

Die Rüstungsindustrie benutzt die DU-Projektile, weil sie so schwer sind, eine hohe Dichte haben und somit in der Lage sind, Stahl, bzw. Zement wie Butter zu durchschneiden. Dabei werden Temperaturen von 1000-2000 Grad Celsius erzeugt! Panzer, bzw. Wohnhäuser, Brücken u. ähnl. verbrennen teilweise nahezu rückstandslos und es wird ein feiner Uranstaub freigesetzt, der kleiner als Blutblättchen ist und den man weder riechen, noch schmecken kann und der durch Winde und Stürme bedingt,  rund um den Erdball verbreitet wird. Die in das Grundwasser dringenden Uranteilchen richten zusätzlichen unermesslichen Schaden an.

Wenn man bedenkt, dass einige dieser Komponenten von Depleted Uranium-Waffen eine Halbwertszeit von Millionen Jahren haben, erkennt man, wie bedroht unsere Mutter Erde, seine Bewohner und seine Natur sind.

Was geschah damals, als sie die Ihnen auferlegte hohe Geldstrafe des Amtsgerichtes Tiergarten für das Schmuggeln eines "radioaktiven Projektils", wie es im Bericht des Polizeipräsidenten in Berlin hieß, nicht bezahlten ?

Ich wurde daraufhin wie ein Verbrecher ins Gefängnis geworfen und dort misshandelt, so wie das in von mir dokumentierten Büchern 'Stumme Zeugen eines Krieges' und 'Uran-Geschosse: Schwergeschädigte Soldaten, missgebildete Neugeborene, sterbende Kinder', beschrieben wurde.

Wir haben Ihnen also quasi zu verdanken, dass Sie durch die Untersuchung dieses Depleted Uranium-Geschosses an 3 Instituten in Deutschland den Beweis erbrachten, dass es sich bei Depleted Uranium-Geschossen- und -Bomben um atomare Waffen  handelt?

Ja, natürlich. Man kann in meinem Strafbefehl des Amtsgerichts Tiergarten in Berlin am 15.01.93 wie folgt nachlesen:

"Sie werden angeklagt, in Berlin und anderen Orten des Bundesgebietes im Juli 1992  radioaktive Abfälle, zu deren Ablieferung Sie nach dem Atomgesetz oder einer aufgrund des Atomgesetzes ergangenen Rechtsverordnung verpflichtet waren, nicht abgeliefert zu haben, indem Sie etwa Mitte Juli 1992 in die Bundesrepublik Deutschland einreisten und dabei eine aus metallischen Uran bestehende Geschoßhülse mitbrachten, um diese hier als  Demonstrationsobjekt zu benutzen, wobei Sie es in der nuklearmedizinischen Abteilung  des Rudolf-Virchow Krankenhauses abgaben ... ."

Obwohl Sie Anfang der 90er Jahre von vielen als Verschwörungstheoretiker verhöhnt wurden, erkannten die Regierenden nur zu gut die Gefahr der Verbreitung der Wahrheit durch Sie und versuchten 1999, kurz vor dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien, in dem ebenfalls diese Waffe zum Einsatz kam (der unabhängige Wissenschaftler Wilms sprach von ca. 100 t radioaktiver Munition, die allein im NATO-Krieg gegen Jugoslawien, vor allem im Kosovo, verwendet wurden!) Sie zum Schweigen zu bringen.

Ja. Als Anlass nahm man eine seitens der Rentenversicherungsanstalt mir verweigerte Zahlung. Im Schreiben des Amtsgerichtes Husum vom 14.7.99 hieß es lapidar:

"Ich muss Sie... nochmals darauf hinweisen, dass von hier aus weder direkt eine Zahlung  veranlasst werden kann, noch eine Einflussnahme auf die Rentenversicherungsanstalt möglich ist. In diesem Verfahren geht es ausschließlich um die Frage, ob Ihnen eine Person als Betreuer zur Seite gestellt werden kann oder muss .... Sofern hier nicht bis zum 30.7.1999 eine Mitteilung über einen mit Herrn Dr. Platz (er war 1999 Leiter der Psychiatrie der Karl-Bonhoeffer-Klinik, d. Verf.) abgesprochenen zeitnahen Untersuchungstermin eingeht, muss ich davon ausgehen, dass Sie nicht bereit sind, sich freiwillig zu einer Untersuchung zum Sachverständigen zu begeben. Für diesen Fall beabsichtige ich - wie schon anlässlich vom 7.1.1999 erörtert - Ihre (geschlossene) Unterbringung und Beobachtung – zunächst für den Zeitraum von 10 Tagen - zur Vorbereitung des Gutachtens anzuordnen. Nach der Einschätzung des bei der Anhörung vom 7.1.1999 anwesenden Dr. Mulke besteht der Verdacht, dass bei Ihnen eine paranoide Entwicklung vorliegt, die die Kritikfähigkeit partiell einschränkt."

Man hat Sie daraufhin sogar mit der Zwangseinweisung in die Psychiatrie bedroht?

Ja. In einem Brief des Amtsgerichtes in Husum vom 22.10.99 (AZ: 2C861/97 und  C 1224/97 AG Husum), der mir nicht per Post, sondern an der Haustür und mit absichtlicher Verspätung an einem Donnerstagabend zugestellt worden ist (meine geschlossene Unterbringung in einer Psychiatrie sollte dann gewaltsam an einem Montag erfolgen!!) wurde mir darin u.a. mitgeteilt:

"Urlaubsbedingt kann eine Untersuchung des Betroffenen in dem vorgesehenen Fachkrankenhaus nicht vor dem 2. November 1999 beginnen. Das Gericht hat dementsprechend auch die maximale Dauer der Unterbringung zur Untersuchung des Gesundheitszustandes auf den 10. November 1999 beschränkt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird zu überprüfen sein, ob eine weitere geschlossene  Unterbringung zur Untersuchung des Geisteszustandes erforderlich ist."

Und weiter heißt es dort: "Die Unterbringung des Betroffenen in einer geschlossenen Einrichtung der Psychiatrie zum Zwecke der Vorbereitung eines Gutachtens zur Erforderlichkeit einer Betreuung  wird bis zum 3.11.1999 angeordnet. Wirkt die zuständige Behörde bei der Zuführung mit, darf sie - erforderlichenfalls mit Hilfe der polizeilichen Vollzugsorgane – Gewalt anwenden."

Die Herrschenden in diesem Lande waren offenbar sehr genau darüber informiert, dass  Sie
erstens  weder auf die Unterstützung ihrer Familie rechnen konnten (Ihre Frau, Ärztin wie Sie, war nach Hakenkreuzschmierereien an Ihrem Haus und Naziparolenbrüllereien vor Ihrem Grundstück aufgeschreckt, zumal sich nach diesem Vorfall keine Patienten mehr sehen ließen, hatte sich von Ihnen scheiden lassen und lebt jetzt irgendwo im Süden Deutschlands) noch zweitens eine Rechtsschutzversicherung besaßen. Es wäre in dieser Zeit also ein Leichtes gewesen, Sie Herr Professor, stillschweigend zu isolieren und somit für immer mundtot zu machen.


Natürlich! Auf einer Erfurter Tagung über den Jugoslawienkrieg 1999 lernte ich die 'Mütter gegen den Krieg' (heute nennen sie sich 'Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg') kennen. Als mir die briefliche Drohung an einem Donnerstagabend überbracht wurde, mich am kommenden Montag gewaltsam in die Psychiatrie abholen zu wollen, rief ich sie an und bat um Hilfe.

Die 'Mütter gegen den Krieg' setzten sich anderntags mit Dr. Diestel, in Verbindung und baten ihn, den Rechtsbeistand für mich zu übernehmen. Darüber hinaus informierten sie zusammen mit einem Hamburger Verein alle wichtigen Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehstationen darüber, dass ich in Gefahr bin.

Einer von dem Verein der 'Mütter...' fuhr außerdem nach Sankt Peter Ording, um zu verhindern, dass ich am kommenden Montag durch die Polizei abgeholt werde. Nach diesen Aktionen war ich nicht mehr allein und als ich dennoch in der Karl-Bonhoeffer Klinik auf meinen Geisteszustand untersucht werden sollte, begleiteten mich dann schon 5 Mitglieder dieses Vereins, sowie Professor Schott. Rechtsanwalt Schulz richtete sogar eine Telefonkette ein, über die im Ernstfall die  Medien informiert werden sollten!

Sie haben Einsicht in das Gutachten der Bonhoeffer-Klinik erhalten. Was konnte man darin lesen?

Es hieß dort, meine Person betreffend u.a., auch auf die wachsende Unterstützung von Teilen der Friedensbewegung hinweisend: "Es wurden jedoch paranoide Züge festgestellt. Ob diese jedoch ausreichen, um den Betroffenen geschäftsunfähig zu erklären, muss vom Gericht (medizinisches Sachverständigengutachten) geprüft werden. Herr Prof. G. ist nicht mit einer Betreuung einverstanden, sodass zur Einrichtung einer Betreuung gegen den erklärten Willen des Betroffenen dessen Geschäftsunfähigkeit nachgewiesen werden müsste ... In seinem energetischen Potential schien Herr Prof. G. gemindert, inhaltsbezogen (Urangeschosse, Umweltschädigung, radioaktive Verseuchung von Menschen) wurde eine gesteigerte Emotionalität deutlich ..."

Abschließend kam man jedoch im Gutachten zur Überzeugung "dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt Herr Prof. G. auch außerhalb einer gesetzlichen Betreuung in der Lage ist, seine Angelegenheiten selbst zu besorgen."

Allerdings wurde angeregt: "Sollte sich auf diesem Weg keine Lösung für die zu klärenden Angelegenheiten finden lassen, wird aus nervenärztlicher Sicht weiter angeregt unter dem Aspekt einer  Verlaufsbeobachtung nach einem gewissen Zeitraum (nicht vor einem halben Jahr) eine Nachexploration durchzuführen."

Wagten die staatlichen Organe, eine sogenannte Nachexploration bei Ihnen durchzuführen?

Eine solche Nachexploration wagte man sich denn doch nicht angesichts meines immer mehr steigenden Bekanntheitsgrades und durch die weltweite Anerkennung meiner Entdeckung der Gefährlichkeit von Depleted Uranium-Waffen.

Sie sind mit Dr. Leuren Moret, einer internationalen Expertin über Strahlungen, der früheren Mitarbeiterin von Marian Falk - einem früheren Manhattan–Projekt-Wissenschaftler und anerkannten Insider in den Livermore-Laboratorien, einem Experten des radioaktiven Fallouts - bekannt.

Ja, natürlich. Sie hat Depleted Uranium-Waffen als Trojanisches Pferd eines Atomkrieges  bezeichnet. Es muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass bis heute überall auf der Welt in Kriegsgebieten ausschließlich Depleted Uranium-Waffen eingesetzt werden und sowohl Vertreter der Rüstungsindustrie, als auch regierungsamtliche Kreise in den USA und allen kapitalistischen Ländern der Welt ihren Einsatz nach wie vor geheim halten und leugnen, dass es sich bei Depleted Uranium- Waffen um Kernwaffen handelt. Das hat seinen Grund! Wurde doch bereits vom Internationalen Gerichtshof von 1996 den Einsatz von Atomwaffen verboten!

Was würden Sie den Friedensbewegten, einschließlich den Atomkraftgegnern, in Deutschland und der Welt, heute mit auf den Weg geben wollen?

Krieg ist ein Verbrechen. Aber ein Atomkrieg, wie ihn die USA und ihre Verbündeten bereits unterschwellig führen, ist ein Verbrechen an der Menschheit, das nicht wieder gut zu machen ist.

Die Aufgabe als Friedensbewegten, aber auch aller Gegner des Einsatzes von Atomenergie ist es, die Menschen über die unermesslichen und nicht rückgängig zu machenden Veränderungen in der Natur, im Menschen- und Tierreich durch die Anwendung der neuzeitlichen atomaren Depleted Uranium-Waffen aufzuklären und dahin zu wirken,  dass deren endliches Verbot, vom Internationalen Gerichtshof bereits 1996 ausgesprochen, endlich umgesetzt wird. Dazu gehört Mut und Durchsetzungsvermögen.

Doch im Interesse unserer Nachfahren ist dringliches Handeln geboten!!


Siegwart-Horst Günther wurde am 24. Februar 1925 in Halle geboren. Er ist ein deutscher Tropenmediziner und Forscher zum Krankheitsbild durch Uranmunition. Gegenwärtig lebt er in Husum.

In der NS-Zeit war er Leutnant, mehrmals verwundet und wurde Mitglied der Widerstandsgruppe um Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Als man die Verschwörung gegen Hitler aufdeckte, wurde er im KZ Buchenwald inhaftiert.

Nach der Befreiung vom Faschismus studierte er von 1945-1950 Humanmedizin in Jena und promovierte bei Professor Döderlein. Als jüngster Professor der DDR bekam er eine 1956 Berufung nach Kairo. Von 1963-1965 arbeitete er in Lambarene bei Albert Schweizer. Danach folgten Tätigkeiten als Professor in Ägypten, Syrien, Israel und dem Irak. Von 1990-1995 arbeitete er an der Universitätsklinik Bagdad im Irak.

Nach dem 2. Golfkrieg sammelte er einige Stücke der von den USA im Irak verschossenen Uranmunition und reiste damit 1995 nach Berlin, um sie dort labortechnisch untersuchen zu lassen. Diese Untersuchungen und drei unabhängig voneinander arbeitende Labors bestätigten die radioaktive Gefährlichkeit dieser Geschosse.

Der Einsatz von Dr. Günther und die grauenhaften Auswirkungen der Uran-Munition in den Gebieten ihrer Anwendung wurden auch in dem frei verf
ügbaren Dokumentarfilm 'Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra' festgehalten.

Quelle (mit Dank für Copyleft): tlaxcala, Brigitte Queck

 

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Montag, 5. Juni 2017, 14.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82229 Seefeld
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