Amed – Hauptstadt des Widerstandes

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16./17.03.2012: Nach einem langen Flug und umsteigen in Istanbul kommen wir in Amed (türkisch: Diyarbakir) an. Der Flughafen ist voll von Polizei und Agenten in Zivil. Beim Verlassen des Gebäudes fährt uns ein kalter Wind ins Gesicht. Der Winter ist immer noch in der Region, in den nahen Bergen hat es so viel wie seit langem nicht mehr geschneit. Wir werden herzlich von jungen GenossInnen begrüßt. Gleich am Anfang betonen sie, dass es momentan sehr schwer ist politische Arbeit zu machen. Sämtliche Strukturen seien durch die tausenden Festnahmen geschwächt, die es in den letzten Monaten gegeben hat (allein in den letzten 15 Monaten waren es ca. 10.000 Verhaftungen). Viele Menschen müssten politische Positionen einnehmen, auf die sie nicht vorbereitet werden konnten.

Mit uns gleichzeitig angekommen ist eine Delegation aus Hamburg. Ein Teil von uns wird in einem Hotel in der Stadtmitte untergebracht, ein Genosse und ich werden bei Hasan* untergebracht. Er arbeitet bei der Stadtverwaltung von Amed. Dort ist er Beamter, außerdem ist er Redenschreiber für gewählte Vertreter seiner Partei, der BDP (Partei für Frieden und Demokratie). Diese ist seit 2009 mit mehr als 65% der Stimmen führende Kraft in der Stadt. Damals wurde sie noch unter dem Namen DTP (Partei für eine demokratische Gesellschaft) gewählt, die Ende 2009 verboten wurde. Als wir am Abend bei ihm ankommen, treffen wir auch Asude. Sie ist in Deutschland geboren, hat dort studiert und ist vor kurzem in ihre Heimat, nach Kurdistan zurückgegangen. Hier arbeitet sie nun ebenfalls bei der Stadt und ist für die Deutschlandbeziehungen verantwortlich.

kerem_01_DiyarbakirAm Samstag haben wir kein festes Programm. Wir treffen uns mit bisher angekommenen Delegationsteilnehmern aus der ganzen Bundesrepublik im zentralen Gebäude der BDP. Vor dem Haus tanzen, unter wehenden Fahnen in den kurdischen Farben, bereits jetzt schon einige dutzend Menschen um ein kleines Feuer herum, um frühzeitig das kurdische Neujahrsfest Newroz zu begehen.  Die Polizei hält sich zurück, alles bleibt ruhig. Im Gebäude selbst werden wir oftmals von jungen KurdInnen gefragt, ob wir Polizeispitzel wären, mehrmals werden wir unsicher beäugt. Dies zeigt die Unsicherheit in der viele Menschen hier leben. Niemand weiß genau, wer für die Polizei arbeitet oder nicht. Bei den tausenden Verhaftungen der letzten Monate spielt das eine große Rolle. Als wir uns zu erkennen geben und sagen, dass wir aus Solidarität mit den Menschen in der Stadt hier sind, wir die Stimmung entspannter und wir werden herzlich begrüßt.

kerem_02_DiyarbakirNach einigen Absprachen mit den anderen Teilnehmern der Delegation, zeigt uns ein Genosse die Stadt. Die alte Stadtmauer im Stadtteil Sur, die sich mehr als 5 km durch die Stadt zieht ist beeindruckend. Erstmal erwähnt ist sie 3000-4000 vor Christus. Fast ohne Unterbrechung markiert sie die alten Stadtgrenzen, nur an einigen Stellen ist sie von Lücken, die vom türkischen Staat in den 50er Jahren hineingesprengt wurden unterbrochen. Wir besuchen die verwinkelte Altstadt, in der man sich wirklich leicht verirrt. Die Architektur erinnert an die Bauart alter arabischer Städte, teilweise sind die Gassen so eng, dass kein Auto hindurch kommt.

kerem_23_DiyarbakirDie Altstadt ist gleichzeitig eine Hochburg des kurdischen Widerstandes, wobei es in Amed, das als Hauptstadt Kurdistans gilt, schwierig ist von Hochburgen zu reden, den: Die ganze Stadt befindet  sich im Widerstand.

Wir besuchen eine assyrische Kirche und treffen dort zufälligerweise die Bürgermeisterin Janette Mikhail von Ramallah, dem Sitz der palästinensischen Autonomiebehörde, der sich gerade in Amed aufhält und dort Gespräche mit dem Bürgermeister führt.

Am Abend führe ich ein Interview mit dem Vorsitzenden der Erziehungsgewerkschaft Egitim-Sen in Diyarbakir Kasim Birtek (s. JW vom 22.03.2012). In der Gewerkschaftszentrale hängen überall Bilder von getöteten und verhafteten Mitgliedern, derer dort gedacht wird.

Kerem Schamberger

* Alle Namen aus Sicherheitsgründen geändert

Fotos: ?ivan 

 

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G20 Hamburg: Jetzt erst recht! Demonstrationsrecht gegen Polizeiwillkür durchsetzen

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07.07.2017: Aus Hamburg kommen Bilder, die wir sonst aus der Türkei kennen. Vermummte Polizei setzt wahllos Knüppel, Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Demonstrierende ein, auch gegen Unbeteiligte. Am Boden Liegende werden brutal misshandelt. Bettina Jürgensen zu den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg:

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Europäische Bürgerinitiative: Glyphosat verbieten

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Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend. Und 2017 entscheidet die EU: Darf das Ackergift weiter auf unsere Felder gespritzt werden? Monsanto, Bayer und Co. kämpfen mit aller Macht für ihren Bestseller. Wir halten dagegen – mit einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI). Bis Ende Juni brauchen wir eine Million Unterschriften!

Gemeinsam haben wir 1.320.517 Unterschriften gesammelt!

Artikel: EU-Kommission und Monsanto stoppen - Glyphosat verbieten!


Logo-Weiloisirgendwiazamhaengd

Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen und aufzeigen, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

Filmvorführungen "Weiloisirgendwiazamhängd“
Montag, 5. Juni 2017, 11.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82131 Gauting
Montag, 5. Juni 2017, 14.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82229 Seefeld
Montag, 25. September 2017, 19.30 Uhr, Pfarrheim St. Severin in Mitterfelden
Dienstag, 17. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Kino Herrsching am Ammersee

Trailer zum Film: http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


Was nach Hamburg nicht untergehen darf

Was nach Hamburg nicht untergehen darf

ein Kommentar von Max van Beveren   

13.07.2017: Kaum zogen vermummte Gruppen durch Hamburgs Straßen, um Barrikaden zu bauen, Autos anzuzünden und einen Supermarkt zu plündern, war der Aufschrei in den Medien, in der Politik und in den Sozialen Netzwerken riesengroß und ist es nach wie vor. Die inhaltliche Kritik am G20-Gipfel, der weltweite Terror durch Kriegseinsätze, die Ursachen für Flucht und die brennenden Geflüchtetenunterkünften hierzulande verschwinden völlig hinter der Debatte um die gewaltsamen Auseinandersetzungen. Für die Regierenden sind die Gewalttätigkeiten ein willkommener Anlass, um weitere Grundrechtseinschränkungen und undemokratische Gesetze durchzusetzen, die nicht nur die gesamte Linke, sondern auch die restliche Bevölkerung treffen werden.

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Mit mut zu etwas Neuem

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Interview mit Claudia Stamm und Stephan Lessenich zur Gründung der neuen Partei

Frage: Warum habt Ihr die Initiative zur Gründung einer neuen Partei ergriffen?

Stephan Lessenich: Ich habe wahrgenommen, dass sich der Wind in der Welt und auch hier in Bayern dreht. Dass politische Parteien gerade hier im Freistaat im Angesicht der rechtspopulistischen Entwicklungen nach und nach Positionen geräumt haben, die früher selbstverständlich gewesen wären. Die Fluchtbewegungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass wir gesellschaftlich vor großen Herausforderungen stehen.

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


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