Ruhiges Newroz in Colemerg

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21.03.2012: Am nächsten Tag wird deutlich, dass sich der türkische Staat mit dem Verbot aller Newroz-Feiern ein politisches Eigentor geschossen hat. In der Stadt Colemerg, die offiziell 60.000 Einwohner hat, strömen die Menschen zu zehntausenden auf den zentralen Platz. Da wir nun den offiziellen Newroztag am 21.3 haben und die Feiern auch von Staatsseite erlaubt sind, bleibt alles ruhig, die Polizei greift niemanden an (Wie wir später erfahren, ist es in den Abendstunden dann doch noch zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Bevölkerung gekommen).

 

kerem_11_ColemergNeben der Bühne hängt ein großes Plakat auf dem die vier zentralen Forderungen der kurdischen Bewegung stehen:

  1. 1. Anerkennung der kurdischen Bevölkerung als Volksgruppe mit gesetzlich garantiertem Status
  2. 2. Anerkennung der Kurdischen Sprache als offizielle Sprache mit gesetzlich garantiertem Status
  3. 3. Anerkennung des Selbstbestimmungsrecht des kurdischen Volkes, Anerkennung eines politischen Statuses
  4. 4. Das Recht des kurdischen Volkes sich selbst zu organisieren unter gesetzlichen Schutz stellen

kerem_12_ColemergEs werden Grussworte verlesen, darunter auch ein gemeinsames von der DKP und der Antikapitalistischen Linken München (al[m]) überbrachtes (siehe Anhang). Die Menschen sind in Feierstimmung, Lieder von dem bekannten linken Sänger Ahmet Kaya werden abgespielt und politische Reden werden gehalten. Wir fragen uns, wieso der türkische Staat diese Feiern nicht schon in den Tagen erlaubt hat. Als wir aber sehen, dass fast die ganze Stadt daran teilnimmt, wird uns klar, dass die Türkei diese Machtdemonstration der KurdInnen verhindern wollte. (FOTO12)

kerem_13_SirnexGegen Mittag machen wir uns auf den 200 km langen Weg nach Sirnex (türkisch: Sirnak), vorbei an schneebedeckten Bergen. Unsere Begleiter erzählen, das es Planungen gibt hier ein Ski-Gebiet zu errichten, diese allerdings vom türkischen Staat ständig torpediert werden. Dieser sei an einer wirtschaftlichen Entwicklung in der Region nicht interessiert.

kerem_14_SirnexAls wir am Abend ankommen ist die Stadt leer. Überall patrouillieren Panzer und Wasserwerfer. Im Gespräch mit dem Pensionsbesitzer erfahren wir, dass es in den gegenüberliegenden Cudi-Bergen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Armee und PKK-KämpferInnen gekommen ist. Erst in Deutschland erfahren wir, dass insgesamt sechs Spezialkräfte und 25 Guerillakämpfer, darunter 15 Frauen getötet worden sind. Es scheint ein Frühling mit vielen Kämpfen und leider noch mehr Toten zu werden.

In der Innenstadt von Sirnex bietet sich uns ein komisches Bild: Während eine Gruppe von Jugendlichen in einem überdachten Großzelt Hallenfußball spielen, bauen keine fünf Meter davon entfernt andere Jugendliche eine Straßenbarrikade, um die Panzer auszubremsen. Diese Jugendlichen werden keine zehn Minuten später festgenommen, ihnen drohen nun mehr als zehn Jahre Haft. Dieser Kriegszustand wird auch für uns, obwohl wir uns erst seit ein paar Tagen in der Region aufhalten, fast zur Normalität. Während wir zu Abend essen, fahren Panzer am Lokal vorbei und schießen Tränengasgranaten auf unbekannte Leute. Wir stehen an der Bar und trinken ein Bier, während gleichzeitig in der Stadt Leute festgenommen werden. Irgendwie perfide.

Kerem Schamberger

Fotos: ?ivan

 

Newroz und Presse in Machmur

Kerem Schamberger befindet sich zur Zeit im Nordirak/Südkurdistan. Er berichtet:

Newroz-Machmur19.03.2017: Noch zwei Tage bis zum 21. März – dem Höhepunkt des Neujahrsfestes Newroz. In allen Teilen Kurdistans gehen schon in den Tagen zuvor Menschen auf die Straße. Sie feiern und protestieren. Denn das Neujahr ist nur bedingt mit dem in Europa bekannten Silvesterfest zu vergleichen. Klar, es wird viel getanzt und gesungen, aber gleichzeitig hat Newroz immer auch eine starke politische Komponente. Es ist das Fest des Aufbegehrens gegen Unterdrückung und Ausbeutung. Dies ist schon in seiner Mythologie verankert. Der Sage nach stürzte ein Schmied namens Kawa den grausamen, menschenfressenden Herrscher Dehok. Als Zeichen seines Sieges gegen die Ungerechtigkeit zündete er auf den Bergen Mesopotamiens ein großes Feuer an.

Im Zeichen des Widerstandes wird auch das Newroz-Fest in Machmur gefeiert, zu dem wir uns mit dem Rojnews-Jeep am 19. März auf den Weg machen. Die Stadt liegt 140 km westlich von Süleymaniye und befindet sich knapp 15km von der Front zum IS entfernt. In der Nacht sind die Luftangriffe der internationalen Koalition auf die Stellungen von Daesh, wie der IS im Nahen Osten herablassend genannt wird, zu hören.
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Der Putsch im Putsch

Veranstaltungen zur aktuellen Situation in der Türkei und Nordkurdistan
mit Kerem Schamberger

09.03.17: Luxembourg, 19:00 Uhr, Centre societaire 29, rue de Strasbourg Luxemburg-Gare, Veranstaltungshinweis
07.04.17: Oldenburg, 19:00 Uhr, Oldenburger Kulturzentrum PFL, Peterstr. 3
08.04.17: Bremen, 18:00 Uhr, Kulturzentrum KUKOON, Buntentorsteinweg 29, Veranstaltungshinweis Bremen
17.04.17: Berlin, 18:00 Uhr, ND-Gebäude (Münzenbergsaal), Franz-Mehring-Platz 1, Veranstaltungshnweis Berlin
18.05.17: Halle, 19:00 Uhr, Ort wird noch bekanntgegeben
19.05.17: Magdeburg, 19:00 Uhr, Ort wird noch bekanntgegeben


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Internationaler Frauentag

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Somos las nietas de las brujas que no pudieron quemar,
somos los colores de los lápices que no pudieron matar.
Somos las hijas de Juana, Rosa, Frida y las Mirabal,
somos zapatistas, montoneras, guerrilleras.

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


Nebelkerze "AKP-Auftrittsverbot" in Deutschland

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Kommentar von Kerem Schamberger 
10.03.2017: Ist uns eigentlich bewusst, dass die tagelange Debatte um ein Auftrittsverbot für AKP-Politiker in Deutschland von der Bundesregierung als Nebelkerze benutzt wird? Um gezielt von der eigenen deutschen Mitverantwortung beim Aufbau einer Diktatur in Ankara abzulenken. Schön hauen "wir" auf "die Türken" ein, die nichts von Demokratie verstehen, Frauenrechte missachten, Oppositionelle einsperren und alles was ihnen nicht passt mit dem Terror-Bannstrahl belegen. Die eigene Rolle wird dabei von der Bundesregierung geflissentlich aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

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Marta Harnecker: historische Prozesse verlaufen in Wellen

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22.03.2017: Anlässlich einer Konferenz über die heutige Bedeutung von Karl Marx kam Marta Harnecker nach Athen, wo der Journalist Tassos Tsakiroglou mit ihr über Marxismus, Venezuela und die lateinamerikanische Linke sprach. Marta Harnecker ist eine marxistische Soziologin, die als Tochter österreichischer Einwanderer in Chile aufgewachsen ist. 1969 veröffentlichte sie mit ' Los conceptos elementales del materialismo histórico ' (Einführung in die Grundlagen des Historischen Materialismus) ihr erstes Buch, das bis heute in 67 Auflagen erschienen ist und eine Gesamtauflage von über einer Million Exemplare erreichte. 'Los conceptos ... ' sowie die Serie 'Cuadernos de educación popular' (Hefte der Volksbildung) waren über Jahrzehnte Pflichtlektüre in der marxistischen Bildungsarbeit der kommuni...

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