Immer noch gegen den Wind – Kulturpolitisches Forum der DKP 2012

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dkp_kulturforum_201202.01.2012: Vom 16. -17. November 2012 lädt die DKP wieder zu einem Kulturpolitischen Forum ein, diesmal nach Hannover. Zum Stand der Vorbereitungen sprach die UZ mit Isa Paape und Werner Lutz, beide in der Kulturkommission aktiv. UZ: „Immer noch gegen den Wind“, was dürfen wir uns denn bei diesem Titel vom Kulturpolitischen Forum versprechen?

Isa Paape: Bei der Wahl des Titels hat die Stimmung in der Vorbereitungsgruppe eine große Rolle gespielt. Zurzeit weht wohl allen demokratischen und linken Kräften der Wind ordentlich ins Gesicht. Die Schwierigkeiten, gemeinsam Widerstand zu entwickeln gegen die Abwälzung der Krisenlasten, gemeinsam gegen Resignation und lähmende Angst anzugehen, die machen sich natürlich auch in der Vorbereitung des Forums bemerkbar. Wir sollten also aus kulturpolitischer Sicht einmal genauer hinschauen, woraus sich die Macht der Herrschenden speist, wie ihre „Schockstrategien“ funktionieren, und welche Möglichkeiten wir haben, dieses Klima zu verändern. Auf die Veränderung kommt es uns doch vor allem an, und deswegen ist andererseits der Titel tatsächlich auch ein Versprechen der DKP: Wir stehen immer noch gegen den Wind, also gegen Sozialabbau und kulturellen Kahlschlag, für eine solidarische, eine sozial gerechtere, eine sozialistische Gesellschaft.

Werner Lutz: Ich finde, der Titel symbolisiert auch ein wenig die Tradition der bisherigen Kulturforen. Es geht doch in der heutigen Zeit verstärkt darum, gegen Kulturkahlschlag und zur Entwicklung linker Kulturpolitik Bündnisse und Netzwerke zu bilden und zu beleben. Dieser Gedanke war bei den letzten Kulturforen der DKP jedenfalls prägend. – Erfolgreich gegen den Wind zu stehen ist nun mal aussichtsreicher, wenn es gemeinsam mit vielen anderen passiert - als allein. Wir wollen also in Hannover wieder ein Forum anbieten der Debatte für alle linken Kräfte, für KünstlerInnen, Kulturschaffende, GewerkschafterInnen, AntifaschistInnen, KommunalpolitikerInnen.

UZ: Mit dem vorgestellten Programm sprecht ihr ja offenkundig viele Interessen und hoffentlich viele Interessierte an. Seid ihr selbst denn zufrieden mit dem Ergebnis eurer Planung?

Isa Paape: Zufrieden? Also ehrlich, ich wundere mich immer wieder, dass wir solche Foren auf einem doch beachtlichen Niveau anbieten können. Den Abend am Anreisetag gestalten die Niedersachsen mit einer Fotoserie über die Protestbewegung gegen die Castoren und Poetry Slam aus der Region. „Teilhabe als Lüge, Kultur als Waffe“, über diesen gravierenden Unterschied spricht am Samstag der Schriftsteller und Publizist Dietmar Dath, derzeit sicher einer der klügsten und kreativsten Verteidiger einer sozialistischen Perspektive in diesem Land. Diether Dehm, den ich als Politiker, Texter und Musiker wohl kaum vorstellen muss, wird über „Lenin, Luxemburg, Gramsci, Brecht und die künstlerische Parteilichkeit“ laut nachdenken. Das gibt schon einigen Diskussionsstoff, der sicher auch in die anschließenden Workshops noch hineinwirkt. Angesichts der reaktionären Entwicklung wollen wir uns beispielsweise mit dem Problem der sogenannten „deutschen Leitkultur“ befassen und haben dazu den Kölner Journalisten und Rechtsextremismus-Experten Jörg Kronauer eingeladen. Und nicht zuletzt sind wir sehr gespannt auf die Beiträge von Gewerkschaftskollegen, von der Künstlerinitiative „Unruhestiften“ und vom Wuppertaler BASTA!-Bündnis.

Werner Lutz: Und am Samstag abend gibt es dann ja auch wieder das legendäre Konzert, diesmal unter dem Namen „Hannover hört Rot“. An dieser Stelle eine grundsätzliche Bemerkung zu den Konzerten. Diese wären nie möglich, wenn nicht alle Künstlerinnen und Künstler, alle Bands und Musikgruppen sich außerordentlich solidarisch verhalten und auf Gagen ganz oder teilweise verzichten würden. Nur so wird wieder ein eindrucksvolles Konzert zum Niedrigst-Eintrittspreis für ein breites Publikum möglich. In diesem Sinn danken wir ganz herzlich dem DGB-Chor Hannover, der zum ersten Mal dabei ist, und wir freuen uns auf ihren Auftritt! Wir bedanken uns auch bei Diether Dehm und Michel Letz (früher Oktoberklub), bei Peter Schenzer und Dirk Wilke (früher Rotdorn), und bei der Oma Körner Band aus Hamburg…

UZ: Warum fällt denn der Sonntag diesmal aus?

Isa Paape: Im großen Saal des Freizeitheims Linden findet am Sonntag vormittag eine großartige Veranstaltung mit dem Schauspieler Rolf Becker statt. Er stellt dort sein hochaktuelles Krisen-Programm „So wird Geld verdient – und so verändert es die Menschen“ vor. Die Veranstaltung wird getragen von Ver,di-GewerkschaftskollegInnen, und wir wollten auf keinen Fall damit konkurrieren. Im Gegenteil: Wir möchten allen TeilnehmerInnen des Kulturpolitischen Forums wärmstens empfehlen, das Wochenende in Hannover mit Rolf Beckers Programm ausklingen zu lassen.

UZ: Im Vorfeld des 20. Parteitags wird der innerparteiliche Streit um programmatische Fragen wieder heftiger ausgetragen. Ist in einer solch schwierigen Situation Platz ausgerechnet für kulturpolitische Fragen?

Werner Lutz: Zugegeben, ich halte die jetzige Situation in der Partei alles andere als für geeignet, dem gerecht zu werden, was wir als DKP brauchen und wollen: Attraktiv für Menschen zu sein, mit konsequenter linker Handlungsfähigkeit zu überzeugen und Impulse für Bewegungen zu geben. Manchmal aber waren das die Kulturforen in den letzten Jahren bei aller Begrenztheit ihrer Möglichkeiten. – Insofern: etwas besseres als die Durchführung einer erfolgreichen kulturpolitische Konferenz kann uns zurzeit nicht passieren.
Kulturabbau findet überall statt: in den Kommunen, in den Regionen, bundesweit. Im Rahmen der Umsetzung des Fiskalpaktes wird dieser Kulturabbau in einer Dimension fortgesetzt werden, die sich viele von uns noch gar nicht vorstellen können. – Und zwar mit irreparablen Schäden, das heißt, Theater und Kultureinrichtungen, die einmal da waren, bleiben für immer weg!
Diese Situation – und der notwendige Widerstand dagegen ist für uns ein zentraler Ausgangspunkt für die Diskussionen auf dem Kulturforum.

Isa Paape: Bei aller innerparteilich notwendigen Klärung können wir doch nicht übersehen, dass neoliberale Krisenbearbeitung sozialen und kulturellen Kahlschlag auf allen Ebenen im Visier hat. Mit durchaus reaktionärer Schubkraft werden derzeit die Medienkonzerne umstrukturiert, die Bildungs- und Kultureinrichtungen dieser Republik ab- und umgebaut. Diese Prozesse erfordern unsere Aufmerksamkeit und vor allem unsere Gegenwehr!

UZ: Die Kulturforen 2004, 2006 und 2008 fanden in Nürnberg statt. Wieso seid ihr eigentlich diesmal nach Hannover gezogen?

Werner Lutz: Wir waren bei der Durchführung der Kulturforen nie auf eine Stadt fixiert. In den vergangenen Jahren fanden Gespräche mit verschiedenen Bezirksorganisationen statt auf der Suche nach geeigneten „Spielstätten“. Über die Bereitschaft der Niedersachsen zur Zusammenarbeit mit der Kulturkommission freuen wir uns sehr. In den wenigen Treffen, die bislang in Hannover zur Vorbereitung stattfanden, hat sich schon gezeigt, dass es ein hohes Interesse, gute Ideen zur Mitgestaltung und ein tolles Engagement einzelner GenossInnen bei der Umsetzung gibt. Das sind sehr gute Voraussetzungen.
Hannover ist außerdem eine Stadt mit einer bunten und linken Kulturszene – und eine Stadt mit jahrzehntelanger Tradition linken Kabaretts, geprägt von Dietrich Kittner, egal ob im TAB oder zuletzt im „Theater am Küchengarten“. – Wir würden uns übrigens sehr wünschen, Christel und Dietrich auf dem Kulturforum begrüßen zu können. Wenn ihr Gesundheitszustand es erlaubt, werden sie da sein.

Die Fragen stellte Manfred Idler (UZ vom 07.09.2012)

siehe auch: 4. Kulturpolitisches Forum der DKP 2012

 

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