Farkha-Festival 2013 - Die Ankunft in Israel und Palästina

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Farkha Festival2013 1 kerem 4294 30011.08.2013: Am Freitag, den 9. August machen wir uns endlich via Istanbul auf die Reise nach Israel. Wir, das sind AktivistInnen aus der DKP, der Antifa-Bewegung und vom Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK), die ihre Solidarität mit dem Kampf der fortschrittlichen, linken PalästinenserInnen zeigen wollen. Dafür ist das Farkha-Festival eine gute Gelegenheit. Nach einem mehr als vierstündigen Flug kommen wir gegen 12 Uhr Nachts am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv an. Doch bei der Passkontrolle gibt es für den YXKler und für mich eine böse Überraschung. Wir werden nicht durchgelassen, sondern müssen uns in einen abgetrennten Raum begeben.

Den Grund, wieso wir beide ausgewählt wurden, wissen wir nicht. Vermutlich liegt es an unseren arabisch klingenden Vornamen, denn die beiden deutschen GenossInnen wurden einfach so durchgelassen. Auch 2007, bei meiner ersten Reise nach Palästina, hatte ich ein ähnliches Erlebnis. Bei einer Reisegruppe von mehr als 20 Personen, wurde ich damals als Einziger zum Verhör gebeten. Die Begründung: Mein arabischer Vorname.

Im Jahr 2013 ist es derselbe Raum, in dem wir nun auf das Verhör warten müssen. Wir werden einzeln aufgerufen und getrennt von einem Sicherheits- oder Geheimdienstbeamten verhört. Dutzende Fragen über unsere Familie, die politische Orientierung, Gründe für den Aufenthalt in Israel etc. werden uns gestellt. Noch bevor ich etwas dazu gesagt habe, weiß der mich verhörende Beamte, dass ich zum Farkha-Festival will. Er richtet seine Aufmerksamkeit nun darauf, ob  Kontakt zu seiner Meinung nach illegalen Organisationen besteht.

Als ich ihm sage, dass ich Kommunist sei, scheint ihn das etwas zu erleichtern, denn ihm geht es allem Anschein nach vor allem um (verbotene) islamistische Organisationen. Doch auch die Organisation 'International Solidarity Movement' (ISM) ist anscheinend in Israel verboten und die unterschiedlichen Kampagnen und Initiativen gegen Häuserzerstörung befinden sich ebenfalls am Rande der (von Israel bestimmten) Illegalität. Das erzählt mir jedenfalls der Beamte beim Verhör. Währendessen  warnt er mich immer wieder, dass er sich nicht sicher sei, ob ich einreisen dürfe.

Danach müssen wir ziemlich lang warten, immer in der Ungewissheit, ob wir einreisen dürfen oder nicht. Währenddessen fällt uns auf, dass in dem Warteraum zu einem großen Teil 'arabisch'  aussehende Menschen, oftmals mit arabischen Namen, mit uns gemeinsam warten müssen. Der Rassismus des israelischen Staates ist so für uns schon gleich zu Beginn unserer Reise spürbar. Nach mehr als viereinhalb Stunden Verhör und Warten kommen wir müde um halb Fünf in der Früh aus dem Flughafen raus. Wir sind glücklich, dass wir einreisen durften.

Nach einer kurzen Nacht in einem gemieteten Appartment in Tel Aviv, machen wir uns am Vormittag des Samstags, den 10. August, direkt auf den Weg nach Jerusalem. Dort treffen wir einen Genossen der Jugend der Palästinensischen Volkspartei (YPPP), der selbst in der Stadt Biet Jala gleich neben Bethlehem lebt. Auf dem Weg von Jerusalem müssen wir durch einen Checkpoint und durch die ganz Bethlehem umgebende Apartheid-Mauer fahren. Die ganze Stadt ist von dieser Mauer umgeben und trennt die Stadt Bethlehem (und das kleinere Biet Jala) fast komplett von der restlichen Westbank ab.

Das Leben hängt hier vollständig von der Willkür der Grenzöffnungen ab: Gütertransporte, ärztliche Notfalltransporte in Krankenwägen, aber auch der alltägliche Weg in die Arbeit. Nur ein kleiner Teil der hier lebenden PalästinenserInnen darf die Checkpoints überqueren und nach Israel einreisen. Dafür benötigen sie entweder einen Arbeitsplatz in Israel oder eine Wohngenehmigung für Ost-Jerusalem. Unser Genosse der YPPP hat das Glück eine solche Genehmigung zu haben, da sein Vater im Krieg 1967 ein Einwohner Jerusalems war und dabei vertrieben wurde, doch die 'ID Card' für Ost-Jerusalem immer noch gültig ist, solange ein Wohnsitz in der Stadt angemeldet ist.

Nachdem wir unser Gepäck in seiner Wohnung abgestellt haben, fahren wir direkt nach Jerusalem und arbeiten das normale Touri-Programm ab: Klagemauer, Grabeskirche, Al-Aksa-Moschee und zum Abschluss einen genialen Blick auf die Altstadt Jerusalems vom Dach des Österreichischen Hospizs. In der Altstadt, die ursprünglich weitestgehend von der palästinensischen Bevölkerung bewohnt war, sehen wir immer wieder Häuser, die über und über mit weiß-blauen Israelfahnen 'geschmückt' sind. Dies sind von Siedlern besetzte Häuser, die oftmals unrechtmäßig den PalästinenserInnen weggenommen wurden. Direkt vor dem Österreichischen Hospiz befindet sich ein solches großes Haus. Darunter sind arabische Händler, die sich mit einem zwischen die Häuser gespannten blauen Netz schützen müssen. Warum schützen? Immer wieder kommt es vor, dass die israelischen Besetzer des großen Hauses vom Dach Gegenstände auf die Bevölkerung werfen, um diese zu stören, zu verletzen, zu terrorisieren. Die überall anwesenden israelischen Sicherheitskräfte bleiben dabei tatenlos.

Unser Genosse der YPPP gibt uns ein Beispiel, wie eine solche Hausübernahme im palästinensischen Teil Jerusalems stattfindet: Die Familie einer Freundin seiner Schwester wurde vertrieben, indem eines Tages eine israelische Familie mit Besatzer-Polizei vor der Haustür stand und behauptete, dass das Haus ihnen gehöre, da Jerusalem nun auch ein Teil Israels sei. Die Polizei 'bestätigte' dies und innerhalb von weniger Stunden musste die Familie das Haus, in dem sie seit fast hundert Jahren lebten, räumen.

Diese Geschichte gibt uns sehr zu denken, als wir am späten Abend mit dem letzten Bus nach Beit Jala zurückfahren. Dabei müssen wir wieder durch den Checkpoint, diesmal an einer anderen Stelle, und uns wird wieder einmal bewusst, wie hier ein Großteil der in dem Gebiet lebenden Bevölkerung in einem Ghetto eingesperrt und vom Rest der Welt ausgeschlossen wird.

Mit diesen Gedanken gehen wir nach Hause, trinken ein Bier und legen uns hin. Am Sonntag wollen wir uns Bethlehem anschauen und dann zum Festival fahren, dass nur knapp 100 km entfernt ist, für die wir aber aufgrund der ganzen Grenzen und Checkpoints mehr als drei Stunden brauchen werden.

Text/Fotos: Kerem Schamberger


 

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