Farkha-Festival 2013 –Tag 5: Die Situation der Frauen und Gedenken an Abdelrahem Mahmoud

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Farkha Festival2013 5 kerem 2993 30016.08.2013: Auch am Donnerstag haben wir von Früh bis Mittags gearbeitet und die Mauer nimmt immer mehr Form an. Währenddessen haben andere GenossInnen an der Bühne auf dem Schulhof weitergearbeitet, da dort am Freitag ein Dabka-Festival stattfinden wird. Dabka ist ein traditioneller Tanz, der in verschiedenen arabischen Ländern praktiziert wird. Nach dem Mittagessen fand eine Veranstaltung mit Hanin Zidan, Frauenverantwortliche im Zentralkomitee der PPP und Muhamed Abdel-Hamid, Schriftsteller und Wissenschaftler statt. Gemeinsam diskutierten sie die Situation von Frauen in Palästina und der arabischen Welt. Ausgangsbasis der Diskussion war eine gerade abgeschlossene 2-jährige Untersuchung eines Frauen-Komitees über die Auswirkungen von NGO-Geldern auf die Situation der Frauen. Ergebnis der Untersuchung war, dass Frauen von Nichtregierungsorganisationen (NGO´s) in Palästina am meisten Unterstützung bekommen, aber sich daraus trotzdem keinerlei Fortschritt ergeben würde.

Für die Marxistin Hanin ist diese Form der Hilfe einer liberalen Denkweise geschuldet, die zwar versuchen würde, die Folgen des Problems zu mindern, aber den Kern des Problems nicht angehen  wolle. So sei die Situation vergleichbar mit der Sozialarbeit in Deutschland, die die Rolle des Doktors am Krankenbett des Kapitalismus inne hat, aber nicht die Wurzel des Übels, den Kapitalismus selbst, bekämpfen will. Muhamed verglich die Arbeit der NGO´s damit, dass man warten würde, bis einem der Fisch aus dem Meer gebracht und in die Arme gelegt werden würde, anstatt selber aufs Meer zu fahren und zu angeln.

Anschließend brachten die beiden einige Zahlen und Fakten. So sind Frauen in Palästina nur zu 16% auf dem Arbeitsmarkt präsent. Alle anderen verrichten Hausarbeit, welche natürlich auch eine Form der Arbeit, allerdings eine nicht anerkannte, ist. Diese niedrige Zahl überrascht, denn 60% der Studierenden sind weiblich. Diese würden aber, so Muhamed, nach dem Abschluss keine Berufstätigkeit mehr ausüben, sonder heiraten und Kinder kriegen.

Im Nationalrat der PLO sind nur 8% der Mitglieder Frauen und auch das Exekutivkomitee habe nur 4% weibliche Mitglieder, was in konkreten Zahlen eine(!) Frau bedeutet. Innerhalb der PPP sei zumindest eine Frauenquote von 20% vorgeschrieben, welche innerhalb der linken Parteien noch am höchsten sei, trotzdem gebe es innerhalb der Partei auch noch starke Defizite bezüglich der Frauenorganisierung.

Einen wichtigen Grund für die geringe Präsenz der Frauen in der palästinensischen Gesellschaft sahen sie in der rückwärtsgewandten Kultur der Religion, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in der arabischen Welt (und nicht nur dort) hegemonial werden konnte. Während in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts linke und säkulare Kräfte in Palästina dominierend gewesen seien, die eine politische Kultur anboten, in der man diskutieren und verändern konnte, würde die Kultur der Religion diese Diskussion nicht mehr ermöglichen. Einige Dinge seien, so die Auffassung, von Gott gewollt und somit nicht zur Diskussion stehend, unter anderem eben die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Muhamed sprach in diesem Zusammenhang sogar von den zwei Mauern in Palästina: Eine Mauer zwischen Israel und Palästina und die zweite Mauer, die die palästinensischen Männer um die Frauen herum gebaut hätten, um sie zu kontrollieren.

Auch die linken Parteien trügen Mitschuld an der Rückentwicklung der letzten 25 Jahre, denn diese hätten auf Angriffe gegen die Frauen, wie z.B. Kopftuchzwang oder Säureattacken gegen Frauen, nicht offensiv reagiert und die Frauen verteidigt. Die fortschrittlichen Kräfte in Palästina würden keine glaubwürdige Alternative präsentieren, sodass sogar der Frauenanteil in islamischen Parteien wie der Hamas höher sei als in linken Parteien. Ihre Kritik wollten die beiden aber nicht nur auf den Islam beschränken. Auch das Judentum sei extrem patriarchal und frauenunterdrückend, betonten sie.

Angesichts dieser Tatsache plädierten beide für eine Erneuerung der Kultur, in der Diskussion und Veränderung wieder möglich sei. Außerdem müsse, als Ergebnis der oben erwähnten Untersuchung, die bisherige Arbeit der NGO´s gestoppt werden, die die Verhältnisse nur zementiere. Im Mittelpunkt sollten Praktiken stehen, die die Gleichberechtigung der Frauen fördern und somit die Kultur der Gesellschaft verändern würden. Das Farkha-Festival sei dafür ein Beispiel, da hier Frauen mit Männern gemeinsam weitestgehend gleichberechtigt zusammen arbeiten würden. Insgesamt eine sehr interessante Veranstaltung.

Farkha Festival2013 5 kerem 3009 300Der Abend war dann dem Gedenken an den in Deutschland unbekannten palästinensischen Poeten Abdelrahem Mahmoud gewidmet. Dafür waren extra aus Israel Genossen der Israelischen Kommunistischen Partei (IKP) gekommen, unter ihnen Mefleh Taboony, ein bekannter kommunistischer Dichter aus Nazareth. Auch der Vorsitzende und weitere Mitglieder des palästinensischen Schriftstellerverbandes, der früher sehr viele Mitglieder auch von der PPP hatte, waren anwesend . Gemeinsam gedachten wir Abdelrahem Mahmoud, der im Alter von 35 bei dem Sturm auf eine Polizeiwache der britischen Besatzer im Jahr 1948 erschossen wurde. Seine Gedichte gegen die Besatzung wirkten aber weiter. Dies wurde deutlich, als auch junge GenossInnen begeistert klatschten, als das Podium immer wieder Gedichte von Mahmoud rezitierte.

Für diejenigen, die keine Lust auf Gedichte hatten, gab es parallel zu dem Gedenken ein kleines Fußballturnier auf dem Fußballplatz der Schule.

Und gerade erfahre ich, dass wir morgen (Freitag, 16. August) viele Gäste aus dem Ausland und Inland erwarten. Unter anderem von der Französischen Kommunistischen Partei und der IKP.

Kerem Schamberger


 

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