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Portrait werner lutz 30018.10.2013: Schon wieder sind Bootsflüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Die Bilder im Fernsehen gehen unter die Haut, Verzweiflung und Wut wie jedes Mal. Und doch werden vielleicht in diesem Moment schon die nächsten Boote für die Überfahrt vorbereitet von Menschen, die sich selber aus dem Elend retten wollen. Ankunft ungewiss. Die Herkunftsländer werden imperial ausgeplündert und zugleich mit hochsubventionierten Produkten aus den Industriestaaten überschwemmt. Wo der „freie“ Kapital- und Warenverkehr notfalls auch mit Waffengewalt erzwungen wird, sind Menschen noch lange nicht frei. Zukunft ungewiss. Der Biedermann und Innenminister Friedrich schreit: „Haltet die Schlepper“, aber politisch wirkt er wie die Axt im Bootsrumpf. Ist es übertrieben, von Tötung zu sprechen?

Die KünstlerInneninitiative www.unruhestiften.de tut es in ihrem jüngsten Appell „Lampedusa – wir klagen an!“ Das Netzwerk, dem sich in den vergangenen Jahren fast 2 000 Künstlerinnen und Künstler angeschlossen haben, protestiert gegen die barbarische Flüchtlingspolitik der EU. Und baut hierzulande auf die wachsende Zahl derer, die vor Ort und sehr konkret dafür sorgen, dass Flüchtlinge beherbergt werden. Es muss ja nicht immer nur Kirchenasyl sein. Vor einigen Wochen besetzten Asylbewerber aus dem ganzen Bundesgebiet gemeinsam mit Flüchtlingsorganisationen das Münchner Gewerkschaftshaus. Auch das ist eine wirklich feine Adresse für gelebte Solidarität. Noch mehr solcher Beispiele brauchen wir, damit kein Flüchtling mehr im Ungewissen bleibt über seine Ankunft im rettenden Asyl.

UnruhestifterInnen wirken außerparlamentarisch. Mit ihren Impulsen, die sie setzen (bundesweit, vor Ort), geht es ihnen stets darum, linke Bewegungen kulturell zu unterstützen, mit anderen gemeinsam ein politisches, solidarisches Gesellschaftsklima zu fördern – und konkrete Hilfe von KünstlerInnen und Kulturschaffenden lokal zu organisieren. Eine der ersten Reaktionen auf den Aufruf „Lampedusa – wir klagen an!“ war die Bitte einer Mitstreiterin einer kirchlichen Flüchtlingsinitiative in Hamburg. Sie wünscht sich dringend Künstler und Bands für ein Solidaritätskonzert in Hamburg.

Gastkolummne von Werner Lutz (aus UZ vom 18.10.2013)

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