Über südafrikanische Verwerfungen - im Gedenken an Joe Slovo

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Irvin-Jim NUMSA 2013 Suedafrika28.10.2013: Vor etwas mehr als einem Jahr erschütterte das Polizeimassaker an streikenden Bergarbeitern mit fast 40 Ermordeten im südafrikanischen Marikana die Welt, vor allem aber Südafrika selbst. Das Ereignis war Ausdruck tief gehender und bleibender Verwerfungen in der Gesellschaft Südafrikas und insbesondere im Dreierbündnis von ANC-SACP-COSATU, die vor fast 20 Jahren den Sturz des Apartheidsystems erkämpften.

Den politischen Kern dieser Verwerfungen behandelte Irvin Jim, Generalsekretär der 'National Union of Metalworkers South Africa' (NUMSA) in einer Rede auf der Gedenkveranstaltung für Joe Slovo, den früheren Generalsekretär der Südafrikanischen KP (SACP) am 20. Oktober. Nachstehend der Text dieser Analyse in eigener Übersetzung:

Genosse Versammlungsleiter,
anwesende Führer der Südafrikanischen Kommunistischen Partei
anwesende Führer der COSATU
anwesende Führer des ANC,
Genossen und Freunde,

mit großer Bescheidenheit empfing ich Ihre Einladung, mit Ihnen meine Gedanken über unseren früheren Generalsekretär der Südafrikanischen Kommunistischen Partei (SACP) auszutauschen, der Mitglied der Führung des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) und ein loyaler revolutionärer Kämpfer der Arbeiterklasse war: Genosse Yossel Mashel Slovo, den wir alle als Genosse Joe Slovo oder einfach als Genosse JS kennen.

Genosse Slovo wurde am 26. Mai 1926 in eine jüdische Familie in Litauen geboren und starb an Krebs am 6. Januar 1995 in Südafrika, wohin seine Familie emigrierte. Er wurde in einer Familie der Arbeiterklasse geboren.

Zur Zeit seines Todes hatte Genosse Joe Slovo als Generalsekretär und Vorsitzender der SACP gedient, als Stabschef der 'Umkhontu we Sizwe' ('Speer der Nation'), des bewaffneten Flügels des ANC und als führende Schlüsselfigur im Lager des Volkes während der Verhandlungen, die der neuen bürgerlich-demokratischen Gesellschaft und dem Land, in dem wir jetzt leben, zur Geburt verhalfen.

Genosse Slovo gebührt der Verdienst, Autor der 'Sonnenuntergangsthesen' zu sein, wodurch die Blockadelage unwiderstehlich überwunden wurde, die zuvor eine wirkliche Bewegung in den Verhandlungen für ein demokratisches Südafrika verhinderte.

Slovo war ein kommunistischer Revolutionär und Führer der SACP, ein führendes Mitglied des ANC und ein großer marxistischer Denker sowie ein loyaler Kämpfer der Arbeiterklasse für eine sozialistische Republik Südafrika.

Genossen, ich danke Ihnen für die umfassende Zeit innerhalb unserer ausgefüllten Tagespläne, eines unserer größten südafrikanischen aktiven Kommunisten zu gedenken – des Genossen Joe Slovo.

Nunmehr 18 Jahre nach dem Tod des Genossen Slovo möchte ich einen Blick auf das werfen, was Südafrika geworden ist und was einige der Herausforderungen und revolutionären Aufgaben der Arbeiterklasse heute sind.

Der Slovo, den ich als großen marxistischen Denker, Theoretiker und tätigen Kommunisten kenne, wäre sehr glücklich gewesen, davon zu erfahren, dass es immer noch etliche Menschen in der Arbeiterklasse im Allgemeinen und in der Führung der südafrikanischen Arbeiterklasse im Besonderen gibt, die leidenschaftlich an die Unausweichlichkeit einer Sozialistischen Demokratischen Republik Südafrika glauben, als der einzigen Lösung unserer sozioökonomischen und politischen Probleme. Ich bin so ein Kommunist, Genossen!

Indem ich über die Geschichte unserer Befreiungsbewegung nachdenke, so wie sie vom ANC angeleitet wurde, und indem ich auf die heutigen Tagesforderungen blicke, denen die Arbeiterklasse gegenüber steht, möchte ich meine eigenen bescheidenen Gedanken über die Lage der Arbeiterklasse – organisiert, unorganisiert, in Arbeit oder arbeitslos und gequält von Armut und Ungleichheit – in diesem Lande machen.

Zunächst muss ich ein Geständnis machen, Genossen. Es ist heute nicht einfach, über die kommunistischen Giganten unserer Revolution zu sprechen. Denn es geschieht so vieles, was gerade die Grundlagen und strategischen Ziele unserer Revolution in Frage stellt. Denn es gibt im Lager des Volkes jene, die alles tun, um zu verfälschen, zu verwässern, zu revidieren und uns von der historischen Mission des Aufbaus eines Sozialistischen Demokratischen Südafrikas als der einzigen Lösung der geschichtlichen Probleme des südafrikanischen kolonialen Kapitalismus letztlich abzulenken.

Wir alle wissen, dass es in unserer Geschichte eine heroische Zeit gab, als der ANC, die SACP und der Kongress der Südafrikanischen Gewerkschaften (COSATU) stolz als kühne Träger der revolutionären Fahnen an der Spitze unserer kämpferischen Arbeiterklasse und des Kerns der Jugend überall in Südafrika hervortraten und den unvermeidlichen Untergang des Apartheidsystems ankündigten.

Jetzt erkennen wir nach mehr als 350 Jahren des Kampfes, dass wir im Jahre 1994 lediglich die politische Macht gewonnen hatten. Wir haben keine ökonomische Macht gewonnen, und wir müssen erkennen, dass politische Macht ohne ökonomische Macht nur hohle, leere Macht ist. Sie gleicht einer leeren Dose ohne Inhalt. Aber man kann damit tatsächlich eine Menge Lärm veranstalten.

Weil uns gerade jetzt die Gefahr des Beibehaltens einer leeren Dose bewusst geworden ist - wenn wir die politische Macht zu haben vorgeben, obwohl wir keine ökonomische Macht haben – fordern wir jetzt und rufen nach einem radikalen revolutionären sozioökonomischen Transformationsprogramm, um die Wirtschaft in das Lager des Volkes zu transferieren. Wenn wir in diesem Kampf verlieren, wird es das Ende der glorreichen Befreiungsfront bedeuten.

Ich muss Ihnen zu Beginn freimütig sagen, dass ich hier heute nicht stehen kann und mit Stolz sagen kann, dass die SACP von heute [immer noch die SACP] von Joe Slovo ist.

Es ist heute unmöglich, ehrenvoll zu behaupten, dass die SACP und der ANC ein radikales sozioökonomisches Programm verfolgen, um unseren 'Kolonialismus besonderer Art' auszureißen und den Kapitalismus zu zerstören.

Jeden Tag aufs neue entdecken wir, dass es einen sehr großen Unterschied zwischen der Theorie des Kommunismus und seiner Praxis in Südafrika gibt. Wir finden auch einen sehr großen Unterschied zwischen der Theorie der revolutionären anti-kolonialen Kämpfe – welches Kämpfe gegen den Imperialismus sind – und der Praxis unserer Nationalisten im ANC. Es gibt keine revolutionäre Praxis in beiden Organisationen.

Wir aktiven revolutionären Kommunisten sind jedoch nicht überrascht darüber, wie sich die Dinge in Südafrika seit dem demokratischen Durchbruch im Jahre 1994 gefügt haben.

Ich werde diese Aussage mit der fast prophetischen Warnung Slovos unterlegen, als er 1988 über die Rolle der revolutionären Arbeiterklasse während der Phase der Nationaldemokratischen Revolution wie folgt schrieb:

Es ist offensichtlich, dass die schwarze Kapitalistenklasse den Kapitalismus bevorzugt und dass sie ihr Bestes geben wird, die Gesellschaft nach dem Apartheidsystem in diese Richtung zu beeinflussen.

Es ist offensichtlich, dass die schwarze Mittel- und Oberklasse, die in einer breiten Befreiungsallianz mitwirken, zur Hegemonie drängen und versuchen werden, ihre Interessen als die Interessen aller Afrikaner (Südafrikas) darzustellen.

Es ist offensichtlich, dass die schwarzen Mittel- und Oberschichten (so wie ihre entsprechenden Kräfte in jedem Teil der Welt), die sich selbst an der Seite der Volkskämpfe einfinden, häufig unbeständig und schwankend sind. Sie sind gewöhnlich die schwächsten Angriffsziele für den Feind, um eher eine reformistische als eine revolutionäre Lösung zu finden. (Joe Slovo 'The South African Working Class and the National Demokratic Revolution' 1988)

Slovo warnte uns beständig davor, dass wir uns vom Sozialismus verabschieden könnten, wenn die revolutionäre arbeitende Klasse ihre Hegemonie und ihre Führung in der Nationaldemokratischen Revolution nicht durchsetzen würde. Denn andernfalls würden die schwarze und afrikanische Mittel- und Oberklasse im Lager des Volkes leicht durch das weiße Monopolkapital und den Imperialismus dafür gewonnen werden, eine kapitalistische Nationaldemokratische Revolution voran zu bringen. Nun sind wir Zeugen dieser hässlichen Wirklichkeit.

In dem gleichen Text schrieb Slovo sehr klar darüber, was die revolutionäre Theorie der SACP und ihre revolutionären Aufgaben sind. Er sagte dort:

Die Südafrikanische Kommunistische Partei erklärt in ihrem Statut von 1984, dass es ihr Ziel ist, die Arbeiterklasse zum Ziel der Errichtung einer sozialistischen Republik "und zum untrennbar damit verbundenen aktuellen Ziel der Gewinnung der Elemente der nationaldemokratischen Revolution" zu führen. Das Statut der SACP beschreibt den Hauptinhalt der nationaldemokratischen Revolution als die nationale Befreiung des afrikanischen Volkes im Besonderen und der Schwarzen im Allgemeinen, als die Zerschlagung der ökonomischen und politischen Macht der rassistischen herrschenden Klasse und als die Errichtung eines geeinten Staates der Volksmacht, in dem die arbeitende Klasse die beherrschende Kraft ist, und der ununterbrochen zur sozialen Emanzipation und zur vollständigen Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch Menschen voranschreitet.

Genosse Slovo legte großen Wert darauf und verstand, dass es unmöglich war, die Zielstellungen der Nationaldemokratischen Revolution zu verwirklichen, ohne gleichzeitig die Zerstörung der ökonomischen und politischen Macht der rassistischen herrschenden Klasse zu leisten. Genau deshalb betrachtete Slovo die 'Freiheitscharta' als die Grundlage der revolutionären Allianz der Kommunisten, der revolutionären Arbeiterklasse und aller national unterdrückten Schichten.

Genossen, wir leben in der Mitte einer grausamen globalen Krise des Kapitalismus. Kapitalisten in aller Welt erlegen der arbeitenden Klasse die Kosten ihrer globalen Krise auf. Sie streichen Arbeitsplätze, senken Löhne, verbeißen sich in unsere Renten, restrukturieren die Arbeitsplätze zu Gunsten der Profite, verlangen Zuschüsse für Löhne der Jugendlichen, zwingen die Regierungen zur Privatisierung sozialer Dienstleistungen, wie etwa im Gesundheitswesen, in der Bildung, im Transportwesen usw..

Unsere eigene demokratische Regierung tötete Bergleute, die einen mageren Anstieg ihrer erbärmlichen Löhne in Marikana forderten. Unsere Säuglinge, Jungen und Mädchen sind in unseren Gemeinden nicht mehr sicher, weil gewalttätige Kriminalität durch massive Armut, Arbeitslosigkeit und Ungleichheiten angetrieben wird.

Wegen der anhaltend niedrigen und brutalen kolonialen Löhne der schwarzen und afrikanischen Arbeiterklasse, erleben wir jeden Tag heftige und kämpferische Streiks. Aber unsere Bosse und die ANC-Regierung wünscht, dass wir bei niedrigen, schonungslosen und brutalen Koloniallöhnen überleben, und in der Zwischenzeit sollen wir während der Streiks bescheiden bleiben, freundlich, nicht gewalttätig und leicht zu manipulieren und zu steuern sein. Sie sind ganz davon überzeugt, dass wir halbmenschliche Lebewesen sind, die über ihre Hungerlöhne glücklich sein müssen.

Nichts kann die fortdauernde weiße rassistische kapitalistische Philosophie und Ideologie im Südafrika nach 1994 besser beweisen als dies: Beide, das weiße Monopolkapital und unsere ANC-Regierung, denken in gewisser Weise, dass wir, die schwarze und afrikanische Arbeiterklasse, über unsere schrecklichen Koloniallöhne und die schrecklich unmenschlichen sozialen Bedingungen glücklich sein sollen. Sie betrachten uns nicht als vollwertige menschliche Lebewesen - uns, die schwarze und afrikanische Arbeiterklasse. Mittlerweile kann niemand von ihnen unsere Lebensbedingungen durchstehen.

Zu unserem Unglück ist es kaum 19 Jahre nach 1994 und obwohl Genosse Slovo uns so genau und richtig gewarnt hatte offensichtlich, dass die schwarze und in einem breiten Befreiungsbündnis teilnehmende Mittel- und Oberklasse nach Hegemonie drängt und versucht, ihre Interessen als die Interessen aller Afrikaner darzustellen. Nachdem sie 1996 zunächst einseitig die rechtsgerichtete neoliberale Wirtschaftspolitik 'Wachstum, Beschäftigung und Verteilung' (Growth, Employment and Redistribution – GEAR) einleiteten, haben die schwarzen Mittel- und Oberklassen heute den rechtsgerichteten neoliberalen National Development Plan (NDP – Nationaler Entwicklungsplan) angenommen und fordern, dass wir, die schwarze und afrikanische Arbeiterklasse, die niedrigen Koloniallöhne und die Subventionierung der Löhne der Jugend akzeptieren müssen, was nichts anderes ist, als eine freie Garantie für das Kapital.

Nachdem GEAR im Jahre 1996 genehmigt wurde, begrüßte dies die SACP. Es brauchte Zeit, bis die COSATU die SACP für den Kampf gegen GEAR gewann, was zudem der Kampf gegen die von Thabo Mbeki geleiteten Kräfte des 'Klassenprojekts 1996' war. Im Jahre 2007 dachten wir auf der ANC-Konferenz in Polokwane, dass wir dem 'Klassenprojekt 1996' und seinem GEAR einen tödlichen Schlag versetzt hätten. Wir lagen damit schrecklich falsch, Genossen.

Wir brauchten nicht lange, um zu erfassen, dass das, was wie eine Verbesserung der Arbeitsbeziehungen des ANC-SACP-COSATU-Bündnisses aussah, tatsächlich lediglich Manöver der Eliten in der Führung der Befreiungsbewegung zur Erlangung persönlicher Positionen und der Kontrolle der demokratischen Bewegung zur Durchsetzung ihrer rechtsgerichteten kapitalistischen Interessen waren – woher auch immer diese Eliten kamen, selbst wenn sie aus der SACP kamen.

COSATU erhob Warnrufe über die massenhafte Wanderungsbewegung der Führer der SACP im Allgemeinen in das Parlament, die Gesetzgebungsorgane und -räte der Provinzen und ganz speziell über den Wechsel des Generalsekretärs der SACP in die Regierung. Wir erkannten später, wie sich jetzt bestätigte, dass diese Wanderung zur Schwächung der SACP führte, ihre Unabhängigkeit von der Regierung zerstörte und sie ganz unbedeutend für den Kampf der arbeitenden Klasse machte.

Wir haben seitdem gesehen, wie unfähig die SACP jetzt ist, geeignete marxistische und kommunistische Positionen zu den Vorgängen in der Regierung und bezüglich der deutlich rechtsgerichteten neoliberalen NDP einzunehmen.

Statt die Allianz [ANC-SACP-COSATU] zum strategisch-politischen Zentrum der Befreiungsbewegung zu machen, werden wir alle eingeladen, der Führungsriege des ANC beizutreten, wenn wir den ANC beeinflussen wollten, im Interesse der Arbeiterklasse zu regieren.

Wo ist denn heute die 'Freedom Charter', die das revolutionäre Programm darstellt, auf dem die Allianz gegründet wurde?

Wir haben gesehen, wie die Forderung der 'Freedom Charta' zur Rückgabe des Reichtums des Landes an das Volk als Ganzes – Nationalisierung der Kommandohöhen der Wirtschaft, was das einzige wahre Fundament ist, auf dem ein demokratisches Südafrika aufgebaut werden kann – zu Gunsten der Erquickung des weißen Monopolkapitals und des globalen Kapitalismus verworfen wurde.

Was sind nun die Kernaspekte für die Arbeiterklasse, wenn wir uns weiterhin von Joe Slovo inspirieren lassen, der uns richtiger Weise lehrte, dass weder die Nationaldemokratische Revolution vollendet noch die Notlage der arbeitenden Klasse in Südafrika beseitigt werden kann, solange Südafrika nicht eine demokratische Sozialistische Republik wird.

1. Wir sind zu 100 Prozent überzeugt, dass unsere Entwicklung seit 1994 schreckliche Rückschläge erlitten hat, weil sie auf der Grundlage von falschen revolutionären und bedenklichen Grundsätzen voranschritt. Wir vertreten die Ansicht, dass es dieses war, was Ermordungen wie die von Chris Hani verursachte, der wusste und verstand, dass unsere Evolution wie so viele Kämpfe gegen den Kolonialismus zum Untergang verurteilt war, wenn wir nicht eine feste Grundlage für eine Nationaldemokratische Republik legten, die zu einem sozialistischen Südafrika führte.

2. Wir haben geklärt, dass wir den Kampf gegen die Vorherrschaft des weißen Monopolkapitals und den Imperialismus und gegen die Akkumulation des Reichtums in unserem Land durch die weiße Bevölkerung auf Kosten des schwarzen Volkes im Allgemeinen und der Afrikaner im Besonderen sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Bewegung führen müssen.

3. Wir haben beständig zur sofortigen und radikalen Umsetzung der 'Freedom Charta' aufgerufen.

4. Wir haben beständig gefordert, dass der sogenannte 'demokratische Durchbruch' bedeutungslos ist, wenn er nicht direkt zur Zerstörung der weißen und imperialistischen Vorherrschaft über unsere Wirtschaft und Bevölkerung führt.

5. Die internen Prozesse des ANC zur politischen Gestaltung weisen klar auf eine Übereinstimmung zur Absicherung hin, dass die 'Freedom Charta' vollständig umgesetzt wird und es gab dazu volle Unterstützung zur Nationalisierung strategischer Teile der Wirtschaft in Übereinstimmung mit der 'Freedom Charta'.

6. Aber so wie uns Slovo warnte, haben Elemente in der Führung des ANC aus den Mittel- und Oberklassen zu erreichen versucht, dass die fortschrittlichen Positionen verwässert und letztendlich – was die Nationalisierung betrifft – aus der Politik des ANC gestrichen wird.

7. Sie haben all dies getan, weil sie für die lokalen und internationalen Kapitalisten absichern möchten, dass Südafrika ein kapitalistischer Staat mit einem stabilen politisch-kapitalistischen Umfeld ist und bleibt. Diese Elemente haben dem ANC schließlich der von der Demokratischen Allianz [frühere Arpartheid-Parteien] kopierte NDP aufgezwungen. Wieder ist es wichtig, sich der prophetischen Worte von Joe Slovo zu erinnern. Er warnte uns, dass die schwarzen und afrikanischen rechtsgerichteten Klassen leicht bestochen, korrumpiert und für einen Arbeitsplan des weißen Monopolkapitals und des Imperialismus gewonnen werden könnten.

8. All die positive Begeisterung vor der ANC-Konferenz in Manguaung, wie über die aktuelle Notwendigkeit einer radikalen zweiten Phase der Umformung einschließlich einer radikaler Wirtschaftspolitik in Übereinstimmung mit der 'Freedom Charta' wurde im NDP und durch die Weigerung der Führungseliten im ANC, die Kommandohöhen der Wirtschaft zu nationalisieren, ertränkt.

9. Nunmehr werden wir Zeuge der Zerstörung des COSATU als eines unabhängigen Organs der Arbeiterklasse.

10. Nachdem das Potenzial der Jugendliga des ANC zur Erhebung radikaler politischer Positionen mittels drakonischen Gebrauchs von disziplinarischen Prozessen und wegen einer biegsamen und alles schluckenden SACP zerstört wurde, bleibt ganz klar COSATU nunmehr die einzige Organisation, die zur unabhängigen Artikulation der Interessen und Forderungen der Armen und der Arbeiterklasse fähig ist.

11. Deshalb soll COSATU entweder in ein Spielzeugtelefon verwandelt oder zerstört werden. Dies ist die einzig realistische und wissenschaftliche Erklärung für die derzeitige Lähmung in der COSATU und für die Drangsal, durch die Genosse Zwelinzima Vavi geht.

12. Nach der politischen Konferenz des ANC im Juni 2012, hielt COSATU ihren eigenen nationalen Kongress im September 2012 ab. Sie beendete ihn mit einem wirklich radikalen Programm für die Arbeiterklasse, welches zur vollständigen Umsetzung der Freedom Charta, zur Nationalisierung strategischer Unternehmen wie Sasol, Arcello-Mittal, der Zentralbank, der Bildung einer Staatsbank usw. aufrief. Der nationale COSATU-Kongress forderte, radikale Maßnahmen zu ergreifen, um das Handwerk und die Industrialisierung zu fördern.

13. Auf dem COSATU-Kongress befürworteten wir eine radikale Kampagne für Tarifverhandlungen bezüglich der Apartheid- und Koloniallöhne in Südafrika, besonders im Lichte des Marikana-Massakers und der Krise. Der Kongress rief zudem die COSATU-Führung auf, unverzüglich die Arbeiterklasse zu mobilisieren, damit sie auf die Straßen geht und für einen radikalen Wandel im Lande kämpft.

14. Genossen, auf dem COSATU-Kongress ereignete sich ein unvergesslicher Vorgang, als zum ersten Mal in der Geschichte der Befreiungsallianz Teile der Allianz in den Korridoren des Kongresses zusammenstanden und vorschlugen, dass der von Generalsekretär der COSATU vorbereitete politische Bericht nicht angenommen werden solle. Das geschah nach unserer Sicht genau deswegen, weil er richtigerweise das Versagen der vom ANC geführten Allianz aufzeigte, die Wirtschaft und Gesellschaft Südafrikas nach 1994 zur Gunsten der Volksmassen zu transformieren. Die Arbeiter auf dem Kongress jedoch forderten die Annahme des politischen Berichts.

15. Genossen, es ist kein Spaß, dass unser ANC mit dem National Development Plan (NDP) eine Politik beschlossen hat, die im Wesen deutlich rechtsgerichtet ist. Es gibt keinerlei radikale [linke] Planungen im NDP. Der Plan lässt die Vorherrschaft des weißen Monopolkapitals intakt und schützt den Status quo der weißen Bevölkerung bei der fortgesetzten Akkumulation, während die schwarze und afrikanische Mehrheit weiter in Armut liegt.

16. Der ANC verweigert die vollständige Umsetzung der 'Freedom Charta'. Er lehnt die Besitzübernahme und die Kontrolle von strategischen Erzen durch Nationalisierung ab. Er hat sich nicht schnell genug bewegt, um den Export von Schrott zu verbieten, weswegen wir die Schließungen von sieben Gießereien erleben, wie es der Fall in Dimabaza ist. Der ANC hat versagt, Arbeitsvermittler zu verbieten. Er weigert sich, GEAR als eine verfehlte Politik fallen zu lassen. Er weigert sich, der Zentralbank einen Plan zur Förderung von Jobs zu übergeben. Stattdessen erlaubt er ihr, die Interessen des Finanzkapitals und des Komplexes der Erz-, Energie- und Finanzunternehmen zu vertreten.

17. Die ANC-Regierung fährt fort, den Handel zu liberalisieren, wenn es um diesbezügliche Tarife geht. Sie beseitigt fortlaufend Währungskontrollen und erlaubt so dem Kapital, Geld aus unserem Land mittels Kapitalflucht zu bringen, welches wir für Investitionen im produktiven Sektor der Wirtschaft benötigen.

18. Die Rate der kapitalistischen Ausbeutung der schwarzen und afrikanischen Arbeiterklasse ist angestiegen. Die Hälfte der südafrikanischen Arbeiterklasse hat über einen Zeitraum von 20 Jahren keine Reallohnerhöhungen erhalten. Dies bedeutet, dass der Anteil des Nationaleinkommens der Arbeiter und der Armen, die von den wenigen in Südafrika Arbeitenden abhängig sind, schlecht gewesen ist.

Wohin müssen wir nun von hier aus gehen?

Es ist ganz klar, dass die südafrikanische schwarze und afrikanische Arbeiterklasse vor zwei extreme Optionen gestellt ist: sich der Vorherrschaft des rechtsgerichteten neoliberalen Kapitalismus unterwerfen oder für die Beendigung nationaler, geschlechtsspezifischer und der Klassenunterdrückung kämpfen, indem der Kampf für eine solche nationale demokratische Revolution voran gebracht wird, die in der Lage ist, eine Sozialistische Republik Südafrika als die einzige wahre Lösung unserer ererbten Krisen hervor zu bringen.

Es ist ebenso klar, dass die Arbeiterklasse entweder die COSATU den Rechten in der Befreiungsbewegung aushändigen und den Gedanken einer sich einsetzenden, kämpferischen und revolutionären Föderation vergessen muss, oder für den Erhalt der COSATU als einer sozialistischen und revolutionären Föderation kämpfen muss.

Wir weisen mit Verachtung jegliches Ansinnen und jegliche oberflächliche Analyse zurück, die besagen, dass öffentliche Arbeiter wegen ihrer Bindung an die Regierung reaktionär sind, und dass entsprechend nur Industriearbeiter wegen ihrer Distanz zur Regierung revolutionär und kämpferisch sind.

Wir denken, dass sich das wirkliche Problem in COSATU in ihrer Eroberung durch reaktionäre Kräfte bestimmter Führer von Mitgliedsgewerkschaften der COSATU zeigt, von welcher sie auch immer kommen mögen.

Ich bin überzeugt, dass es für Genosse Slovo kein Problem wäre, sich für den zu gehenden Weg zu entscheiden: den Kampf für eine Sozialistische Republik von Südafrika tapfer und furchtlos auf sich zu nehmen und fortzusetzen.

Ich danke Ihnen.

Quelle: Journal of Socialist Renewal / NUMSA

 

Pro-Asyl Familiennachzug

" .. Wir fordern alle Abgeordneten des Deutschen Bundestags dazu auf, die erzwungene Trennung von Flüchtlingsfamilien zu beenden. .."

Zur Petition »Familien gehören zusammen!«


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Monsanto-Glifosato

Die EU hat für weitere fünf Jahre die Zulassung von Glyphosat verlängert. Der deutsche Agrarminister Christian Schmidt (CSU) gab mit seiner Zustimmung den Ausschlag.(siehe Der Monsanto-Mann)

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

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Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

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