„Alle haben Illusionen, nur ich nicht“ - oder wie?

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Kommentar von Kerem Schamberger
marxistische linke, DKP München
(in der Bildmitte nach der Besetzung der CSU-Zentrale)

20.11.2014: Unter der holprigen Überschrift „Das PKK-Verbot muss weg – mit den Illusionen über einfache Lösungen“ schreibt Günter Pohl in der UZ vom 31.10.14: „Die andere Seite der Medaille ist, dass die PKK heute die nationale Frage der sozialen vorangestellt hat“. Der Verantwortliche der internationalen Kommission des Parteivorstandes der DKP sieht außerdem die Gefahr, dass sich „militärisch verstärkte kurdische Einheiten oder perspektivisch ein Kurdistan von westlichen bzw. EU-Gnaden“ [1] instrumentalisieren lassen, die Kräfte der PKK miteinbezogen.

Obwohl für internationale Kontakte der DKP zuständig, scheint er nur wenig Ahnung von den aktuellen Entwicklungen in Kurdistan zu haben, oder schlimmer, die Argumente türkischer (auch „linker“) Nationalisten zu übernehmen. Wenn man sich etwas tiefergehender mit der Weltanschauung und Politik der Arbeiterpartei Kurdistans, PKK, und der ihr nahestehenden Partei der Demokratischen Einheit (PYD) in Rojava (Westkurdistan, Syrien) beschäftigt, muss man zu einem anderen Schluss kommen als Günter Pohl.

Die theoretischen Überlegungen der kurdischen Befreiungsbewegung sind das Gegenteil von Nationalismus. So sagt Cemil Bayik, Co-Vorsitzender der KCK und damit neben der Genossin Bese Hozat, eine der führenden Persönlichkeiten: „Es muss verstanden werden, dass die PKK nicht hinter einem Stück Erde oder einem Staat her ist. Wir wollen auch nicht die Kurden von allen anderen Völkern der Region separieren. Uns geht es um die Erschaffung einer demokratischen Gesellschaft, in welchem die Geschwisterlichkeit der Völker maßgeblich ist und in welchem jede Gruppe sich mit ihren Eigenheiten, ihrer Sprache und ihrer Kultur frei organisieren und Teil des Ganzen sein kann. „Die PKK ist keine nationalistische Organisation, der es um die Gründung eines eigenen Staates geht“[2].

Nach wie vor tritt die PKK für eine sozialistische Gesellschaftsordnung im 21. Jahrhundert ein und hat in den letzten Jahren mit sehr interessanten Beiträgen zur Weiterentwicklung revolutionärer Theorie beigetragen – man muss sich nur damit beschäftigen. Dass es dabei immer um die Überwindung des Kapitalismus  - oder wie Abdullah Öcalan sagt, der "kapitalistischen Moderne" - geht und im Kapitalismus die Ursache für die derzeitigen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten gesehen wird, kann man nachlesen. Für Cemil Bayik „bedeutet Kapitalismus grundsätzlich Krieg“ [3]. 

Aber nicht nur aus den theoretischen Überlegungen und Veröffentlichungen wird deutlich, dass die PKK keine nationalistische Politik verfolgt oder die „nationale Frage voranstellt", sondern auch in der Praxis: In der autonomen Region Rojava werden alle Bevölkerungsgruppen, unabhängig von nationaler Zugehörigkeit und Religion, in ein fortschrittliches Gesellschaftsprojekt einbezogen. Frauen, egal ob Kurdinnen, Araberinnen oder zu welcher Volksgruppe auch immer gehörend, sind dabei der führende Part der dortigen Veränderungen. Für Asya Abdullah, Co-Vorsitzende der PYD, ist es „der Geist von Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Sakine Cansiz, der in dieser von den Frauen geführten Revolution wiederbelebt wird“ [4].  Zur tieferen Beschäftigung mit der Revolution in Rojava sei der lesenswerte Hintergrundartikel von Elke Dangeleit auf Telepolis empfohlen [5].

Wie ist es denn zu erklären, dass gestandene KommunistInnen und InternationalistInnen, wie der türkischstämmige ehemalige DKP-Genosse(!) Suphi Nejat Agirnasli, bereit sind ihr Leben zur Verteidigung der dortigen Revolution zu geben? [6] Sein Kampfname in den Reihen der Volksverteidigungseinheiten (YPG) war Paramaz Kizilbas. Paramaz war ein sozialistischer Armenier, der 1919 in Istanbul zum Tode verurteilt und gehängt wurde. Kizilbas sind kurdische AlevitInnen, die besonders unter der Unterdrückung des türkischen Staates zu leiden hatten und die auch heute noch einen fundamentalen Teil der revolutionären Linken in der Türkei und auch in Kurdistan ausmachen. Möge der Genosse in Frieden ruhen und sein Internationalismus ein Vorbild sein [7].

„Die kurdische Freiheitsbewegung ist eine Klassenbewegung“ [8]
Natürlich gibt es innerhalb des kurdischen Volkes verschiedene Klassen und dementsprechende politische Bewegungen. Die Macht des Barzani- und des Talabani-Clans in Südkurdistan (Nordirak) basiert zu einem großen Teil auf der Unterstützung durch den Imperialismus. Doch ausgerechnet der PKK Nationalismus vorzuwerfen, führt ins Leere. Emine Ayna, sozialistische Abgeordnete der HDP (Demokratische Partei der Völker) im türkischen Parlament, bezeichnet die kurdische Freiheitsbewegung als eine Klassenbewegung, die sich zum einen gegen die Unterdrückung durch den türkischen Staat wehrt, aber auch innerkurdisch, auf Seiten der unterdrückten arbeitenden Menschen und gegen die unterdrückende Klasse, heftige Kämpfe um Hegemonie führt.

Dabei konnte die PKK ihre Positionen in den letzten Monaten, vor allem auch in Südkurdistan mit der Rettung der YezidInnen, beträchtlich ausbauen, so dass die korrupten südkurdischen Eliten sie als gleichwertigen Partner anerkennen und HPG-Einheiten (bewaffnete Einheiten der KCK/PKK) freies Geleit innerhalb des von Barzani kontrollierten Gebiets gewähren musste. Ein Novum in der von vielen Kriegen gezeichneten innerkurdischen Geschichte. Dass die nordkurdische Bourgeoisie in der Türkei in großen Teilen an der Seite der Regierungspartei AKP steht, versteht sich von selbst, kann sie doch kein Interesse an ihrer eigenen Entmachtung haben.

Bevor man in der Bewertung der PKK vorschnell die Nationalismus-Karte zieht, sollte man sich besser intensiver mit der Thematik beschäftigen, oder z.B auch mit einer Delegation nach Kurdistan fahren [9].

In einem stimme ich aber mit Günter Pohl überein: Das PKK-Verbot muss weg! Und zwar sofort!

[1] http://www.dkp-online.de/uz/4644.pdf (S. 8)

[2] http://www.radikal.com.tr/yazarlar/fehim_tastekin/kandil_pkk_devlet_kurma_derdinde_olan_milliyetci_bir_orgut_degil-1215764

[3] Cemil Bayik, Co-Vorsitzender der KCK (Union der Gemeinschaften Kurdistans) in einem aktuellen, lesenswerten Interview mit dem Kurdistan Report (November/Dezember):
http://www.kurdistan-report.de/index.php/archiv/2014/176/193-die-lage-ist-sehr-ernst

[4] http://www.kurdistan-report.de/index.php/archiv/2014/176/201-der-kampf-wird-nicht-so-schnell-zu-ende-sein

[5] http://www.heise.de/tp/artikel/43/43031/1.html

[6] http://www.kurdistan-report.de/index.php/archiv/2014/176/210-er-sah-in-der-verteidigung-von-kobane-eine-sozialistische-pflicht

[7] https://www.youtube.com/watch?v=8GdLiFslGX0&feature=share

[8] http://civaka-azad.org/pdf/newroz.pdf (S. 15)

[9]
Hier der Aufruf zur Jugenddelegation der YXK (Verband der Studierenden aus Kurdistan) für die kommenden Newrozfeierlichkeiten nach Nordkurdistan zu fahren. Vermutlich wird auch das Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., Civaka Azad, eine Reise anbieten.
http://www.yxkonline.com/index.php/verbandsarbeiten/2014-01-24-11-05-19

 

 

Pro-Asyl Familiennachzug

" .. Wir fordern alle Abgeordneten des Deutschen Bundestags dazu auf, die erzwungene Trennung von Flüchtlingsfamilien zu beenden. .."

Zur Petition »Familien gehören zusammen!«


Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Die EU hat für weitere fünf Jahre die Zulassung von Glyphosat verlängert. Der deutsche Agrarminister Christian Schmidt (CSU) gab mit seiner Zustimmung den Ausschlag.(siehe Der Monsanto-Mann)

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet
Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

wenn die umstaende 300p

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