Völkerwanderungen von Heute

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refugees-welcome-300x22325.09.2015: Vom vierten bis neunten Jahrhundert im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung begaben sich die germanischen Stämme auf die Völkerwanderung nach Westen und Süden. Sie strebten ein besseres Leben an – sie suchten Zuflucht in der römischen Kultur – oder sie flohen vor der Gewalt von Hunnen, deren Grausamkeit nicht hinter den Islamisten des IS von heute und deren saudischen sowie auch US-amerikanischen Helfern zurückfiel. Manche Menschen sprechen von einer neuen Völkerwanderung, die wir derzeit erleben. Aus purer Not und/oder getrieben von Krieg und Terrorismus kommen monatlich hunderttausende Flüchtlinge in den EU-Bereich. Allein Deutschland muss sich für dieses Jahr auf eine Million Flüchtlinge einstellen, sagte Dietmar Gabriel. Es gibt den Aufschrei: „Wir können diese Massen nicht bewältigen“, kritisieren Gegner der Flüchtlingshilfe.

Doch wo war der Aufschrei, als die Grundlagen für die neue Völkerwanderung gelegt wurden? Als Nato-Staaten die Region zwischen Afghanistan, Somalia und Libyen zur Demokratie bomben wollten und Krieg säten und Flüchtlinge ernteten, wie das schiefe Bild sogar in großen Medien lautet?  
 
Wo war in Deutschland einst der Aufschrei, als im zweiten Weltkrieg Jahr für Jahr bis zu 2,5 Millionen Menschen als Sklaven in dieses Land gebracht wurden?  Wenn Deutschland heute als das reichste Land Europas angesehen werden kann, dann hat es mit dieser Zwangs- und Sklavenarbeit zu tun. Das Wirtschaftswunder beruhte darauf, wie führende Ökonomen feststellten.
 
Welche Vorgeschichte hatte diese Katastrophe?
 
Hitler schrieb schon Anfang der zwanziger Jahre in „Mein Kampf“: „Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial - und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über  zur Bodenpolitik der Zukunft.“ (Mein Kampf)
 
Aus den Kolonien und besetzten Ostgebieten wurden dann nicht nur Güter bezogen und der Boden geraubt, es wurden Menschen geraubt. Heinrich Himmler sagte in seiner Posener Rede von 1943, wie man mit den Menschen umzugehen gedachte: „Ein Grundsatz muss für den SS-Mann absolut gelten: ehrlich, anständig, treu und kameradschaftlich haben wir zu Angehörigen unseres eigenen Blutes zu sein und sonst zu niemandem. Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. Das, was in den Völkern an gutem Blut unserer Art vorhanden ist, werden wir uns holen, indem wir ihnen, wenn notwendig, die Kinder rauben und sie bei uns großziehen. Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10.000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird.“ (Posener Rede, Okt. 1943)
 
Nachdem die meisten Deutschen bis Kriegsende völlig gleichgültig zu den fremden Sklaven und Ostarbeitern eingestellt waren, obgleich diese hart arbeiteten und viele an der Arbeit starben, blieb die Stellung der Fremden im Nachkriegsdeutschland grundsätzlich unverändert, wenn sie auch besser behandelt wurden, allerdings sehr diskriminiert. Man nannte sie Gastarbeiter, die wieder zu verschwinden hätten, wen es keine Arbeit mehr für sie gab. Das Asylrecht wurde stark eingeschränkt und die Masse von Flüchtlingen, die hier her kamen, galten lange als Schmarotzer.
 
Erleben wir nun einen Wandel? Oder nur die alte Heuchelei und sogar Schlimmeres, wie die geplante Asylrechtsänderung ahnen läßt? Angela Merkel wies noch vor einigen Wochen offen eine junge Palästinenserin ab, die um das Bleiberecht bat. Doch nun, nachdem es eine Welle der Hilfsbereitschaft in unserem Land gab, eine Haltung vieler Menschen, die bisher nicht gekannt war, da sagte die Kanzlerin den immer noch vorhandenen Massen von CDU/CSU-Anhängern und –Politikern sowie AfD-Leuten, die mehr oder weniger offen Fremdenhass bekunden: „Wenn wir uns jetzt noch entschuldigen müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ Und: „Wir schaffen es.“
 
Es gab und gibt rechte Massenbewegungen gegen die Fremden, - aber nun überwiegt die Massenstimmung der Menschlichkeit. In praktischer Solidarität wird notleidenden Menschen geholfen. Das ist eine starke Zurückweisung von Rassismus und Rechtsextremismus in geradezu historischer Dimension. Die Antirassisten und Antifaschisten haben einen großartigen Erfolg errungen!
 
Allerdings muss auch betont werden: Der Edelmut hat die Herrschenden und Regierenden auch nicht so gepackt und durchschüttelt, dass sie all ihre Interessen vergäßen. Zur Globalisierung gehört nicht nur der Griff der Kapitalsten nach Märkten und Rohstoffen – sondern auch nach Arbeitskräften, ob in den Heimatländern oder als hierher Geholte. Wenn das Kapital der gegenwärtigen Entwicklung hin zu mehr Aufnahmebereitschaft und Einwanderung so ruhig zusieht, wie es geschieht, hat es auch damit zu tun, die günstigsten Bedingungen für die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft zu erlangen – und dies nicht nur in der Ferne, sondern auch im eigenen Land. Man gedenkt, gut ausgebildete und billige Arbeitskräfte ins Land zu holen und hier zu lassen, aber die ungeeigneten schnell wieder loszuwerden.
 
Die Nazimethoden sind vorbei, aber das Prinzip des Kapitalismus bleibt bestehen: Man will jene die uns nutzen, aber nicht jene, die uns nur ausnutzen, so lautet immer wieder die Devise.
 
Es gibt zunehmend wieder Angriffe auf Flüchtlinge, Flüchtlingsunterkünfte und auf Helferinnen und Helfer. Deutlich ist aber ein Schwenk in den Massenstimmungen – nun gegen rechts. Niemand kann heute die Haltung der Menschen leugnen, die in so großem Ausmaß tätige Solidarität mit den Flüchtlingen leisten und die gegen die Pegida-Bewegungen auf die Straße gehen. Aber das kann auch sehr schnell umkippen. Friedens- und Antifabewegungen sollten zusammenwirken, und zwar dafür, dass Krieg und die Rüstung sowie Ausbeutung als die wahren Fluchtursachen erkannt werden. Hoffen wir, dass die großen Bewegungen gegen die Nazis nun endlich Bewegungen werden nicht nur für „Bunt statt Braun“ sind, sondern auch solche gegen den Krieg und das weitere Rüsten und die weitere Militarisierung.

Text: Uli Sander

Auszug aus der Rede von Uli Sander, VVN-BdA, die er anlässlich der Buchvorstellung „Der Iwan kam bis Lüdenscheid“ am 18. September im Zentrum der LINKEN in Dortmund gehalten hat.

Ulrich Sander: Der Iwan kam bis Lüdenscheid. Protokoll einer Recherche zur Zwangsarbeit.

PapyRossa Verlag Köln 2015, 237 S. ISBN 978-3-89438582-8, 15,90 Euro

Siehe auch: Ungesühnten Verbrechen dem Vergessen entrissen – Protokoll einer Recherche zur Zwangsarbeit

 

Marseille-Forum

Am 10. und 11. November treffen sich die progressiven Kräfte Europas in Marseille zum Marseille-Forum, um eine Alternative Zukunft für Europa zu diskutieren. Die Europäische Linke unterstützt dieses Treffen.
Pierre Laurent, Nationalsekretär der Französischen Kommunistischen Partei (PCF):

EL Marseille-Forum PierreLaurent


 

100 Jahre Oktoberrevolution

marxistische linke lädt ein

Logo-Revolution-Gegenrevolution

Das 20. Jahrhundert war eines der Revolutionen: in Russland, Ungarn, Deutschland, Spanien, China, Mexico, Chile, Cuba und vielen anderen Staaten. Daraus ragen die Oktoberrevolution und Maos Langer Marsch mit dem Sieg der Kommunisten 1949 als epocheprägende Ereignisse heraus. Diese Revolutionen sind Teil des langen Zyklus von Revolution und Gegenrevolution, der mit der französischen Revolution 1789 eröffnet wurde. Ging dieser lange Revolutionszyklus mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Ende?  Was kann Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute noch heißen?
Wir diskutieren mit

Frank Deppe
Autor des Buches: 1917 | 2017 - Revolution & Gegenrevolution

Sa., 25. November 2017, 15:00 Uhr
Frankfurt a.M.
Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-71

Hinweis
Mi, 22. November 2017, 20:00 Uhr, Rüsselsheim, Stadtbücherei am Treff
Veranstalter: attac, DGB und Naturfreunden Rüsselsheim


 

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Demnächst entscheidet die EU über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. Die EU will, dass Monsanto seinen Bestseller weitere zehn Jahre verkaufen darf.

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet
Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

wenn die umstaende 300p

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


Sie kommen im Morgengrauen!

Sie kommen im Morgengrauen!

von Bettina Jürgensen

18.11.2017: Am Montag in aller Frühe kam die Nachricht, dass es bei unserem Genossen Kerem Schamberger aus München eine Hausdurchsuchung gegeben hat! Die erste Frage war: Was wollen DIE schon wieder von Kerem? In letzter Zeit wurde immer häufiger seine Facebookseite gesperrt, vor fast genau einem Jahr sollte die Zulassung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni in München verhindert werden, Kerem kämpfte erfolgreich gegen sein drohendes Berufsverbot. Jetzt musste er bei seiner Hausdurchsuchung zusehen und Handy, Laptop, USB-Sticks wurden beschlagnahmt.

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Marsch ins militärische Kerneuropa

Marsch ins militärische Kerneuropa

Kommentar von Leo Mayer
15.11.2017: Am Montag haben die Außen- und Verteidigungsminister von 23 der 28 EU-Staaten mitgeteilt, eine Militärunion zu gründen. "Ein großer Tag für Europa", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Brüssel dazu. Ein großer Tag vor allem für die Rüstungsindustrie. Denn jeder EU-Staat, der sich an der Militärunion beteiligen will, muss sich verpflichten, die nationalen Rüstungsausgaben regelmäßig zu steigern.

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Walter Baier: "Forum in Marseille ist ein erster Schritt"

Walter Baier:

Frage: Am 10. und 11. November beraten in Marseille Parteien, Initiativen und Organisationen über neue Formen der Zusammenarbeit . Es gibt bereits verschiedene linke Foren und Denkfabriken, transform! ist eine davon. Warum muss jetzt noch ein weiteres Forum entstehen?

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

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