"Neu ist für mich jedoch eine unmittelbare Bedrohung mit dem Tode"

E-Mail Drucken PDF

Ulli Schneeweiss erlsngen verdi12.12.2015: Die Gewerkschaft ver.di in Mittelfranken spielt seit Jahren eine stets engagierte und konsequente Rolle im Kampf gegen Rechts. Es gehört zu ihrem Profil, bei allen antifaschistischen Aktionen in Nürnberg und der Region aktiv mit zu machen. Seit mehr als einem Jahr ist sie mit anderen antifaschistischen Organisationen regelmäßig bei Anti-Pegida-Kundgebungen, dabei auch selbst Veranstalter. Nach der Kundgebung am 19. November 2015 tauchten im Internet Morddrohungen gegen Antifaschisten auf, u.a. gegen Ulli Schneeweiß, Gewerkschaftssekretär bei ver.di, Bezirk Mittelfranken.  Mit ihm sprach Werner Lutz.

Frage: Du selbst stehst seit Jahren persönlich mit im Zentrum all dieser Aktivitäten. Wir, die DKP Erlangen, haben zunächst das Bedürfnis, Dir und allen anderen, die mit diesen rechtsterroristischen Todesmeldungen angegriffen wurden, unsere herzliche Solidarität zu bekunden! Sind Angriffe von Neonazis gegen dich neu?

Ulli Schneeweiß: „Nein und ja. „Nein“, deshalb, da ich bereits in der Vergangenheit bedroht wurde und den einen oder anderen Shitstorm bei diversen Kampagnen erleben durfte. Das kommt aber nicht nur bei knallharten Nazis vor, sondern beispielsweise auch bei unserer Kampagne zusammen mit dem DGB gegen die OB-Kandidatur des Nürnberger AfD-Chef Martin Sichert. Nachdem wir jenen als Rassisten und Verehrer von Generalfeldmarschall Rommel geoutet hatten, hagelte es die wildesten Drohungen. Neu ist für mich jedoch eine unmittelbare Bedrohung mit dem Tode.

Frage: Geschichte wiederholt sich nicht. Aber man denkt bei solchen Angriffen natürlich sofort an die Anfänge der Nazi-Zeit. Auch damals wurden GewerkschafterInnen und AntifaschistInnen zuerst verleumdet und verbal angegriffen. Später gab es tatsächlich Todeslisten der SA. Was hast du persönlich empfunden bei dieser verbrecherischen Bedrohung?

Ulli Schneeweiß: Geschichte wiederholt sich nicht, wohl aber die Verhaltensweisen von Menschen. Anhänger einer autoritären Staatsform werden daher immer solch drastische Mittel im Verhaltensrepertoire haben. Das erste, was ich mir gedacht habe, als ich diese Todesanzeige sah, war: „Ist es nun also soweit…“ Man sieht halt einfach wieder mal sehr deutlich, wie Nazis ticken und warum es Sinn gibt, gegen jene konsequent vorzugehen“

Frage: Siehst du allgemein in der letzten Zeit eine Verschärfung des Terrors und der Gewalt von rechts in unserer Region?

Ulli Schneeweiß: Wir hatten ja unmittelbar nach der Selbstenttarnung des NSU in der Region eine noch nie dagewesene Terrorwelle von Rechtsaußen. Die Nazis und Rassisten feierten damit den Mythos der Tat: Es gab Sachbeschädigungen und Körperverletzungen. Diese Welle war abgeebbt, die extreme Rechte wartete spürbar auf eine neue Gelegenheit. Diese kommt nun vermeintlich mit den vielen Tausend Flüchtlingen, die bei uns Schutz suchen. Pegida & Co dürfen dabei ruhig als Vorfeldorganisation von knallharten Nazi-Organisationen betrachtet werden. Es gibt personelle Überschneidungen und die Inhalte und Parolen sind erschreckend weitgehend austauschbar. Eine Welle des Rassismus durchzieht auf diese Weise derzeit unser Land und verschafft sich Gehör. Vieles ist heute normal geworden, was vor einem Jahr noch als gesellschaftliches Tabu definiert war. Mehr als zwei Brandanschläge pro Woche gibt es derzeit gegen Flüchtlingsheime, in Bayern übrigens auch schon neun in diesem Jahr. Was der eine oder andere Rassist vor einem Jahr nur hinter vorgehaltener Hand oder am Stammtisch zu sagen wagte, sagt er heute laut in der Öffentlichkeit. Wenn die weitgehend flüchtlingsfreundliche Stimmung in diesem Land kippen sollte, sind das schlechte Vorboten für eine mögliche gesellschaftlich getragene Rechtfertigung von rechter Gewalt um der „nationalen Frage“ willen.

Frage: Was machen die Sicherheitskräfte? Haben Sie sich gemeldet bei Dir? Welche Aktivitäten gibt es zur Aufklärung?

Ulli Schneeweiß: Ich hatte mich schon selbst bei den Ordnungskräften gemeldet und die Sache zur Anzeige gebracht. Aber ehrlich? Die Aufklärungsquote der Polizei bei Verbrechnen von Rassisten und Nazis in der Region ist bisher dermaßen schlecht, dass ich nur wenig Hoffnung habe, dass da was bei rauskommt. Da der Server, von dem die Mail verschickt wurde, im Ausland steht, ist es sicher auch nicht ganz einfach, von dort eine Auskunft zu erhalten.

Frage: Hattest du schon Gelegenheit, dich mit den anderen Opfern dieser Bedrohungen auszutauschen? Geht ihr gemeinsam dagegen vor?

Ulli Schneeweiß: Natürlich stehen wir in sehr engem Kontakt miteinander. Das ist ja das Gute an unserer seit Jahren vernetzten Arbeitsweise. Spektrenübergreifend sind wir miteinander in Kontakt und wussten daher sofort, wen es noch getroffen hatte. Die Entscheidung, mit der Sache an die Öffentlichkeit zu gehen, konnte so gemeinsam sehr schnell getroffen werden. Solidarität und gemeinsames Vorgehen ist dabei die Basis unserer Zusammenarbeit.

Danke für das Interview.

Quelle: Erlanger Rot, Zeitung der DKP Erlangen

 

Pro-Asyl Familiennachzug

" .. Wir fordern alle Abgeordneten des Deutschen Bundestags dazu auf, die erzwungene Trennung von Flüchtlingsfamilien zu beenden. .."

Zur Petition »Familien gehören zusammen!«


Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Die EU hat für weitere fünf Jahre die Zulassung von Glyphosat verlängert. Der deutsche Agrarminister Christian Schmidt (CSU) gab mit seiner Zustimmung den Ausschlag.(siehe Der Monsanto-Mann)

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet
Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

wenn die umstaende 300p

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


Stadt Lingen: Sozialpass durchgesetzt

Stadt Lingen: Sozialpass durchgesetzt

04.12.2017: marxistische linke Emsland brachte mit Initiative "Lingener Bürger für die Einführung eines Sozialpasses“ und der Vorbereitung eines Bürgerbegehrens den Stein ins Rollen ++ im Oktober stimmte der Stadtrat dem Vorschlag der Initiative zu ++ ab 1. Januar 2018 gibt es mit dem "Lingenpass" auch in Lingen (Emsland) einen Sozialpass ++  Christian Weinstock (marxistische linke): "Der Ausbau von Demokratie ist eng verbunden mit einer Kommunalisierung der Politik ..., dass sich Menschen selbstverwaltend und aus freiwilligem Entschluss in kommunalen Initiativen zusammenschließen, um gemeinsame Ziele zu formulieren und nach Wegen suchen diese auch zu erreichen."

Weiterlesen...

Ein Versuch, das Desaster zu lesen

Ein Versuch, das Desaster zu lesen

18.12.2017: Sebastian Kurz hat der FPÖ, des Geschäftes wegen, alle die Identität eines Staats definierenden Ressorts -- Innen-, Außen-, Verteidigungs und Sozialministierium -- überlassen. Man muss präzise sein: Die neue Regierung ist keine neofaschistische Regierung, aber eine Regierung unter Einschluss von Neofaschisten, und die FPÖ ist keine faschistische Partei, sondern eine von Neofaschisten geführte Partei.

Weiterlesen...

Rojava: im globalen kapitalistischen System einen Freiheitsraum eröffnen

Rojava: im globalen kapitalistischen System einen Freiheitsraum eröffnen

Interview mit Riza Altun , Mitglied des KCK-Exekutivrats, über die Frage, wie es möglich ist, gleichzeitig mit den USA zusammenzuarbeiten und dabei die Ideale des Sozialismus zu vertreten.

05.12.2107: Kobané wurde Ende 2014 beinahe vom sogenannten Islamischen Staat eingenommen, konnte jedoch durch die Entschlossenheit tausender junger Kurdinnen und Kurden verteidigt und gehalten werden. Der Sieg in Kobané im Januar 2015 war die erste schwere Niederlage des sogenannten Islamischen Staat und markiert einen Wendepunkt des Kriegs in Syrien. Mit Kobané war die kurdische Befreiungsbewegung in der deutschen Linken plötzlich »in«. Mittlerweile dominieren Romantisierung einerseits, Verunglimpfung als imperialistischer Trojaner andererseits. Riza Altun , Mitglied des KCK-Exekutivrates, über die Situation...

Weiterlesen...

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


Logo-Marx200