Das Farkha Festival 2016 geht zu Ende

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Farkha-Festival2016 1615.08.2016: In diesem Artikel berichte ich ein letztes Mal vom Farkha Youth Festival 2016. Eine wunderbare und sehr interessante Woche, verbunden mit Arbeit, Diskussion und neuen Freundschaften geht zu Ende. Inhalt wird ein Gespräch mit der Genossin Isleen, die mir von einer weiteren Einschränkung ihrer Freiheit durch israelische Bürokratie erzählt und die Abschlussfeier des Festivals sein.


Der letzte Tag des Farkha Youth Festivals (11.8.2016) beginnt ungewöhnlich trüb. Die Wolken hängen tief rund um das kleine Dorf und es weht ein kühler Wind. Nach den letzten Tagen, die teilweise mehr als 35°C aufgewiesen haben, ist dies aber sehr angenehm. Jedoch halten die Temperaturen nur bis in den früher Nachmittag an. Während der Arbeit bricht die Wolkendecke langsam wieder auf und die Sonne scheint mit gewohnter Intensität. Indessen fällt auf, dass die Motivation, sich noch aktiv an Arbeitsprozessen zu beteiligen, langsam schwindet. Das liegt nicht nur daran, dass wir allesamt die Anstrengungen und Mühen der letzten Tage deutlich spüren, sondern auch daran, dass heute der letzte Tag des Festivals ist und man am liebsten jetzt schon gemeinsam zusammensitzen, singen und tanzen möchte.

Auch mich überkommt diese Motivation. Ich beschließe deshalb, mich vorzeitig von meiner Arbeitsgruppe zu trennen und beginne, nach einer wohltuenden Dusche, den Bericht des 6. Festivaltags fertig zu schreiben. Zudem setze ich noch ein paar Zeilen für die Rede auf, welche ich bei der Abschlusszeremonie heute Abend im Namen der Internationalist*innen halten werde. Hier die Einleitung der Rede:

Dear inhabitants of Farkha, dear guests, dear comrades,
for those who don't know, my name is Max. I spent the last week in Farkha as one of the internationalists and member of the german communist party.
Comrades, in May 2004 the revolutionist Fidel Castro said: „I still firmly belive, that a better world is possible“.

And so do I, because a better world is possible and has to be possible. A world in which everybody can live in equality, without getting forced and occupied. One way to reach this world is to show up solidarity from out of other countries by taking the streets and showing up the problems around the world. But another, in my opinion more effective way is, to go to the countries it selves, where injustice is seen every day. That's why we joined the Farkha Youth Festival 2016. As internationalists and communists from Germany, Spain, the USA and all other countries we have to get active, by working and fighting hand in hand with our comrades on site.[...]

„Normalerweise wirst du nicht weitergelassen, sondern zurückgeschickt“

Da bei der Abschlusszeremonie zahlreiche Gäste aus Palästina und auch aus Israel kommen werden, bitte ich Isleen, eine junge Genossin aus Qalandiya, meine Rede zum besseren Verständnis ins Arabische zu übersetzen und später mit mir vorzutragen. Viele sprechen kaum englisch und können die Sprache nur schwer Farkha-Festival2016 14verstehen, weshalb eine Übersetzung sehr wichtig ist. Während wir gemeinsam die Sätze ausarbeiten, sagt Isleen plötzlich, dass sie mir gerne etwas zeigen möchte. Kurzerhand holt sie ein blaues, in Klarsichtfolie gehülltes Dokument aus ihrem Rucksack. Es ist arabisch. Ich bitte sie, mir zu erklären, was es zu bedeuten hat. Es handelt sich um ein Papier, welches ihr erlaubt, Checkpoints zu passieren. Sie erzählt, dass viele Schüler*innen und Student*innen dieses Dokument brauchen, um in die Schule oder Universität zu kommen, seit sich diese „hinter den Checkpoints“ befinden. Isleen hat Glück. Die Schule kann sie ohne dieses Dokument erreichen. Trotzdem trägt sie es meist bei sich, für den Fall. Sie fügt hinzu, „dass es tatsächlich Tage gibt, an denen sie dich ohne dieses Dokument passieren lassen. Doch das ist eine Seltenheit. Normalerweise wirst du nicht weitergelassen, sondern zurückgeschickt“. Auch Isleen wurde das Durchqueren des Checkpoints schon einige Male verwehrt.

Um an ein solch menschenrechtswidriges Dokument zu gelangen, braucht es nicht nur viel Zeit, sondern vor allem auch Geld, um die Anwälte und die weiteren Kosten, die im Zuge des Bürokratismus entstehen, zu zahlen. „Erleichtert“ wird es einem, wenn mindestens einer der beiden Elternteile in Besitz eines israelischen Passes ist. Isleens Mutter hat einen. Ihren palästinensischen Pass musste sie dafür jedoch aufgeben.
 
Die Abschlusszeremonie: Ein letztes Mal gemeinsam feiern
 
Je näher der Abend und somit das Abschlussfest kommt, desto freudiger und ausgelassener wird die Stimmung auf dem Gelände des Festivals. Bevor es offiziell gegen 19:30 Uhr losgehen soll, müssen jedoch noch die letzten Vorbereitungen getroffen werden. So stellen wir noch weitere Stühle auf, um genügend Sitzmöglichkeiten zu schaffen, denn es werden mehrere hundert Gäste erwartet. Der Platz rund um die Bühne wird mit Girlanden und Fahnen feierlich geschmückt. Auch die Grünanlagen werden eigens für diesen Abend mit einem Muster aus schwarzen und weißen Steinen verziert.
 
Die Abschlussfeier beginnt schließlich mit dem Einlaufen aller Jugendlichen auf den Platz des Geschehens. Nach einer kurzen Begrüßungsrede wird die palästinensische Nationalhymne angestimmt. Linke, Kommunist*innen und Polizisten aus dem Dorf singen dieses Hymne gemeinsam. Man stelle sich eine derartige Situation in Deutschland vor.

Das Verhältnis zur Nation ist in Palästina, sowie auch in südamerikanischen Ländern, jedoch ein gänzlich anderes. In Deutschland ist dies aufgrund der Farkha-Festival2016 15nationalsozialistischen Vergangenheit nicht denkbar. Und das ist auch gut so! Im Anschluss betritt eine Gruppe die Bühne, die traditionell palästinensische/arabische Musik spielt. Natürlich dürfen auch Lieder der kommunistischen und der Arbeiter*innenbewegung nicht fehlen. Schlagartig springen wir von unseren Stühlen auf und schieben diese zur Seite, um Platz zum Tanzen zu schaffen. Wir nehmen uns bei den Händen, singen und feiern gemeinsam ein letztes Mal im Rahmen dieses Festivals.

Neben zahlreichen musikalischen Darbietungen, wurden zudem Reden von Funktionären der Palästinensischen Volkspartei PPP (Palestinian People's Party) und von Mitgliedern der Kommunistischen Partei Israels gehalten. Im Mittelpunkt stand dabei natürlich der Kampf um Freiheit und Demokratie für das palästinensische Volk. Diesen können wir nur gemeinsam, international, führen. Das Farkha Youth Festival, das dieses Jahr schon zum 23. Mal stattgefunden hat, stellt für diesen gelebten Internationalismus, für diese aktive Solidarität, das beste Beispiel dar.
 
Auch nahm man diesen Anlass, um die Jahrgangsbesten Schüler*innen der Grundschule in Farkha zu ehren. Ein besonderer Dank wurde vor allem Bakir, dem Veranstalter des Festivals und Vaterfigur des Dorfes, und seiner Familie ausgesprochen, die uns herzlich aufgenommen und sich sehr gut um uns gekümmert haben.

It's your numer two home. You are always welcome!“

Zwar ist die offizielle Abschlusszeremonie bereits gegen 22:00 Uhr zu Ende, das gemeinsame Singen und Tanzen wird jedoch euphorisch fortgesetzt. Leo, der Genosse aus Bremen, und ich beschließen für einen Moment etwas Abstand von den Feierlichkeiten zu nehmen und setzen uns zu einer Gruppe Jugendlicher auf eine Mauer. Gemeinsam wird Shisha geraucht und bereits jetzt werden Telefonnummern und Facebook-Kontakte ausgetauscht, da viele noch heute Abend Farkha verlassen und nach Hause fahren werden. Während ich mit Mohammed, einem Genossen, der mir in den letzten Tagen immer wieder mit Übersetzungen ins Englische behilflich war, vereinbare, dass wir uns nächstes Jahr wieder hier in Farkha treffen, sagt er mir „it's your number two home. You are always welcome!“ und klopft mir dabei auf die Schulter. Mohammed sagt mit diesen zwei Sätzen das aus, was uns Gästen und Internationalist*innen eine Woche entgegengebracht wurde. Eine Woche wurden wir nicht nur, wie bereits erwähnt, von Bakir und seiner Familie, sondern auch von allen Teilnehmer*innen des Festivals, sowie von den Einwohner*innen Farkhas herzlich aufgenommen.

Am nächsten Morgen muss auch ich meinen Rucksack für die Rückfahrt packen. Der Abschied fällt schwer nach einer solchen Woche. Doch er ist schließlich nicht für immer. Es werden noch ein paar letzte gemeinsame Fotos gemacht, dann fährt der Bus, der mich nach Jerusalem bringen soll, auf den großen Vorhof der Schule ein. Doch schon nächstes Jahr werde ich die palästinensischen und israelischen Genoss*innen wieder sehen, auf dem Farkha Youth Festival 2017.
 
PS: Falls ihr Fragen zum Festival habt oder nächstes Jahr sogar selbst mitkommen wollt, dann könnt ihr Kerem (Kerem Schamberger) oder mich (Max van Beveren) per Facebook kontaktieren. Natürlich darf auch Kritik geübt werden.
 
txt: Max van Beveren
fotos: Max van Beveren, Leo Castro


siehe auch:

 

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Das war`s dann wohl mit r2g

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von Bettina Jürgensen und Leo Mayer  
19.09.2017: Das wäre wohl die letzte Chance für eine rot-rot-grüne Regierungskoalition gewesen. Wobei es nicht einfach um eine andere Regierung gegangen wäre, sondern um eine andere Politik und ein anderes Regieren – gedacht als "ein Projekt der gesellschaftlichen Linken und der solidarischen Milieus; als eine politische Idee, die allen drei Parteien von außen aufgedrängt wird und sie dazu nötigt, sich zu ändern und über sich hinauszuwachsen" ("Das Unmögliche versuchen", Institut Solidarische Moderne).

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Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen und aufzeigen, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

Filmvorführungen "Weiloisirgendwiazamhängd“
Montag, 5. Juni 2017, 11.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82131 Gauting
Montag, 5. Juni 2017, 14.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82229 Seefeld
Montag, 25. September 2017, 19.30 Uhr, Pfarrheim St. Severin in Mitterfelden
Dienstag, 17. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Kino Herrsching am Ammersee

Trailer zum Film: http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


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31.08.2017: Die Europäische Union toleriert das Sterben im Mittelmeer nicht nur – sie provoziert es. Finanziert und ausgerüstet von der EU übernehmen libysche Milizen – fälschlicherweise "Küstenwache" genannt – für die EU die Drecksarbeit. 20 Milliarden Euro verlangt der libysche Warlord Chalifa Haftar von der EU, damit er mit seinen Mannen weiterhin Flüchtende daran hindert nach Europa zu gelangen, über 100 Millionen hat er bereits erhalten. Aus Europa wurden moderne Schiffe für die Küsten- und Seekontrolle geliefert, dazu Waffen und Ausbildungskurse und was man sonst noch so braucht für den kleinen Seekrieg gegen Flüchtende.

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Marina Mortágua: "Die Bedingungen des Kampfes verbessern"

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

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