Kinderarmut in einem reichen Land

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Kinderarmut Zeichnung17.10.2016: „Die Ursachen und Folgen von Kinderarmut sind seit Jahren bekannt und wir machen auf die Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam“, sagte heute Dr. Frank Joh. Hensel, Sprecher der Nationalen Armutskonferenz. "Doch die Politik redet sich bei diesem Thema raus!", klagte er an und forderte drei Schritte gegen Kinderarmut.

Nach einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes sind rund 3 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Damit lebt jedes fünfte Kind in Armut. Materielle Armut ist zentraler Risikofaktor für ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen, prangerte heute ein Bündnis aus 40 Sozial- und Familienverbänden und Kinderschutzorganisationen an. Sie fordern von der Bundesregierung mehr Engagement gegen die Kinderarmut in Deutschland.

"Jedes fünfte Kind in Deutschland erlebt Armut täglich und unmittelbar", erklärte das Deutsche Kinderhilfswerk. "Kinder aus armen Verhältnissen sind sozial häufiger isoliert, gesundheitlich beeinträchtigt und in ihrer gesamten Bildungsbiografie deutlich belasteter als Kinder in gesicherten Einkommensverhältnissen." Ausgrenzung sei ein Problem der ganzen Gesellschaft.

Kinder und Jugendliche sind arm, weil ihre Eltern arm sind, wird in dem gemeinsamen Aufruf "Keine Ausreden mehr: Armut von Kindern und Jugendlichen endlich bekämpfen!“ festgestellt. Gute Arbeit, die beiden Eltern eine eigenständige Existenzsicherung wie auch Zeit für Fürsorge und Familienarbeit ermöglicht, ist ebenso wichtig wie die Schaffung guter Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Beschäftigungsangebote, so die Forderung.

In dem Aufruf formuliert das Bündnis Forderungen, die jetzt in die Programmdebatte der Parteien zur Bundestagswahl einfließen sollen. Es werden drei konkrete Schritte gefordert, um die materielle Situation von armen Kindern und Jugendlichen zu verbessern:

  1. Das Existenzminimum von Kindern muss realistisch ermittelt werden. Der Bedarf, der im Regelsatz festgelegt ist, darf nicht einfach aus Ausgabepositionen der ärmsten Haushalte abgeleitet werden. Es gilt die tatsächlichen Bedürfnisse u.a. für Kleidung und Schulmaterial zu erheben.
  2. Die Ungerechtigkeiten in der Familienförderung müssen abgebaut werden. Aktuell werden Kinder gutverdienender Eltern durch die Kinderfreibeträge stärker unterstützt als Kinder Erwerbsloser oder mittlerer Einkommensbeziehender.
  3. Leistungen müssen einfacher gestaltet und leichter zugänglich sein. Langfristig sollten Familien alle Leistungen für ihre Kinder über eine Stelle in einem Auszahlungsbetrag beziehen.

Der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz Frank Joh. Hensel sagte: "Einem Aufwachsen in Armut entgegen zu wirken braucht politische Entschiedenheit. Wir drängen darauf, das Problem der Kinderarmut endlich ernsthaft anzupacken.“

Das Bündnis kündigte an, aufmerksam zu verfolgen, welchen Stellenwert die Beseitigung von Kinderarmut in den Wahlprogrammen erhält.

 

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