Diego Fusaro : In fünf Punkten erklärt, wem Terrorismus nutzt

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Diego-Fusaro04.01.2017: Paris, Berlin, Istanbul, Bagdad, Erbil, Sousse, Hub, Peshawar, Kabul, Kundus, Brüssel, …
Nach dem Terroranschlag in Berlin erklärt der italienische Philosoph Diego Fusaro auf seinem Blog bei IlFattoQuotidiano in fünf Punkten die Funktion des Terrorismus: Der Terrorismus fragmentiert den Klassenkonflikt und legitimiert den Terror des Imperialismus.

Wieder einmal Terror. Immer wieder, in stets gleichbleibender Weise. Fast so, als ob es sich um ein bereits geschriebenes Drehbuch handele, ein schreckliches Drehbuch, das in regelmäßigen Abständen inszeniert werden soll. Diesmal war Berlin an der Reihe. Erlauben Sie mir einige sehr allgemeine Bemerkungen zum Terrorismus und seiner Funktion im historischen Rahmen nach dem Jahr 1989.

  1. Die Angriffe werden immer nur auf die subalternen, prekarisierten, unterbezahlten und überausgebeuteten Massen ausgeübt. Seltsamerweise lassen die Terroristen ihren rasenden Zorn nie an den wirklichen Orten der westlichen Macht aus: Banken, Finanzzentren usw.. Niemals werden die Herren der Globalisierung auch nur gestreift.
    Die Terroristen haben angeblich den Krieg erklärt und dann greifen sie nur die geknechteten Massen an, und erweisen damit - rein zufällig - der globalisierten Finanzelite einen guten Dienst: die zusieht, wie ihr Klassenfeind (die prekarisierten und verarmten Massen) durch eine dritte Seite buchstäblich bombardiert und verbrannt wird.
  2.  Der Terrorismus erzeugt eine grandiose Blickverschiebung, weg vom Hauptwiderspruch, dem Zusammenhang der Klassenmacht des Finanzkapitalismus. Alle Medien machen uns glauben, dass unser Feind der Islam sei und nicht der tägliche Terrorismus des Finanzkapitalismus (imperialistische Kriege, Arbeitskatastrophen, Selbstmorde von Kleinunternehmern, in den Ruin getriebene Völker).
  3.  Sie wollen uns jetzt glauben machen, dass der Feind des jungen christlichen Arbeitslosen der junge islamische Arbeitslose sei - und nicht diejenigen, die die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, nicht der Finanzmagnat, nicht die an keinen Staat gebundenen Herrscher der Globalisierung, die die Welt in der Ungleichheit des freien Marktes gleichmachen. Auf diese Weise bleibt der Konflikt zwischen Beherrschten und Herrschern wieder einmal an der Basis fragmentiert. Es handelt sich um einen weiteren Krieg unter den Armen, von dem nur diejenigen profitieren, die nicht arm sind. Der Terrorismus fragmentiert den Klassenkonflikt und lässt die Beherrschten sich gegenseitig bekämpfen (Muslime gegen Christen, Morgenländer gegen Abendländer).
  4.  Der Terrorismus erlaubt die Aktivierung eines Sicherheitsparadigmas, das wiederum nur den globalisierten Herrschern der Finanzmacht nützt. Es wird das amerikanische Modell "Patriot Act" aktiviert: Zur Gewährleistung von Sicherheit wird Freiheit eingeschränkt. Weniger Freiheit des Protestes, weniger Freiheit der Organisation, mehr Kontrollen, mehr Inspektionen, mehr Einschränkungen. Die verängstigten Massen akzeptieren, was sie unter normalen Umständen niemals akzeptieren würden: den Verlust der Freiheit im Namen der Sicherheit.
  5. Es wird – und bereiten wir uns darauf vor - der Boden für neue Kriege bereitet: terroristische und kriminelle Kriege gegen die Verbrechen des Terrorismus. Wie es in Afghanistan geschah (2001) und jetzt in Syrien. Mit dem Terrorismus wird der westliche Imperialismus, der humanitäre Interventionismus, ethische Bombardierungen, gerechte Kriege und tausend andere Praktiken à la Orwell legitimiert – alles würde, mit seinem wirklichen Namen genannt, selbst unter die Kategorie Terrorismus fallen. Der dem kapitalistischen Regime wesensgleiche westliche Imperialismus wird legitimiert und von den untergeordneten und verängstigten Massen akzeptiert.

Im Gegensatz zu Pasolini kenne ich nicht die Namen. Ich glaube allerdings zu wissen, was Terrorismus wirklich ist. Er ist die höchste Phase des Kapitalismus. Es ist der Höhepunkt eines Kapitalismus, dessen Hegemonie in der Krise ist (um es mit Gramsci zu sagen) und wo alles unternommen wird (buchstäblich: alles), um den Konsens zu fördern, um die Massen gleichzuschalten, um Dissens zu zerstreuen, um das Bewusstsein zu synchronisieren, um sicherzustellen, dass die Liebe und der Hass der Massen in geeigneter Dosis dorthin gelenkt werden, wohin die Herren der Globalisierung entschieden haben, dass sie dorthin gelenkt werden.


Diego Fusaro, 1983 in Turin geboren, lehrt Philosophiegeschichte an der Universität Mailand.
Er bloggt auf IlFattoQuotidiano.it
Quelle: http://www.ilfattoquotidiano.it/2016/12/20/attentato-berlino-vi-spiego-cose-davvero-il-terrorismo-in-5-punti/3272289/foto: facebook Diego Fusaro

 

Marseille-Forum

Am 10. und 11. November treffen sich die progressiven Kräfte Europas in Marseille zum Marseille-Forum, um eine Alternative Zukunft für Europa zu diskutieren. Die Europäische Linke unterstützt dieses Treffen.
Pierre Laurent, Nationalsekretär der Französischen Kommunistischen Partei (PCF):

EL Marseille-Forum PierreLaurent


 

100 Jahre Oktoberrevolution

marxistische linke lädt ein

Logo-Revolution-Gegenrevolution

Das 20. Jahrhundert war eines der Revolutionen: in Russland, Ungarn, Deutschland, Spanien, China, Mexico, Chile, Cuba und vielen anderen Staaten. Daraus ragen die Oktoberrevolution und Maos Langer Marsch mit dem Sieg der Kommunisten 1949 als epocheprägende Ereignisse heraus. Diese Revolutionen sind Teil des langen Zyklus von Revolution und Gegenrevolution, der mit der französischen Revolution 1789 eröffnet wurde. Ging dieser lange Revolutionszyklus mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Ende?  Was kann Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute noch heißen?
Wir diskutieren mit

Frank Deppe
Autor des Buches: 1917 | 2017 - Revolution & Gegenrevolution

Sa., 25. November 2017, 15:00 Uhr
Frankfurt a.M.
Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-71


 

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Demnächst entscheidet die EU über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. Die EU will, dass Monsanto seinen Bestseller weitere zehn Jahre verkaufen darf.

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

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Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

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Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

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