„Vergessene“ Geschichte – Berufsverbote in der Bundesrepublik Deutschland

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Plakat berufsverbote19.02.2017: Anlässlich 45 Jahre „Radikalenerlass“ und Berufsverbote findet zurzeit eine sehr sehenswerte und empfehlenswerte Ausstellung über „politische Verfolgung in Deutschland“ im Willi Bleicher Haus in Stuttgart statt. Sie läuft bis Dienstag 7. März. Nach Willi Bleicher, dem ehemaligen Bezirksleiter der IG Metall, ist das DGB-Haus in Stuttgart benannt. Er selbst war Buchenwald-Häftling. Zur Ausstellungseröffnung sprachen der DGB-Regionsgeschäftsführer Bernhard Löffler und die Landesvorsitzende der GEW Doro Moritz.

Plakat ausstellung berufsverboteBernhard Löffler erinnerte  an seine aktive Zeit bei der Naturfreundejugend und den Antrag auf deren Verbot „wegen Linkslastigkeit.“ Er kritisierte den damaligen DGB- Bundesausschuss der die Berufsverbote rechtfertigte. Als eine Art Wiedergutmachung dieser falschen Haltung freute er sich diese Ausstellung im Stuttgarter Gewerkschaftshaus eröffnen zu können „denn damals haben sich weder die GEW noch der DGB insgesamt mit Ruhm bekleckert.“ Mit dem fatalen Beschluss des DGB-Bundesausschuss vom Juni 1977 wurde die politische Verfolgung klein geredet und die Ausspioniererei gerechtfertigt.“  Zur Ruhigstellung seiner Mitglieder stellte der DGB-Bundesausschuss in diesem Beschluss fest: „daß in keinem Fall ein Bewerber im öffentlichen Dienst wegen seiner gewerkschaftlichen Mitgliedschaft bzw. Aktivität abgelehnt worden sei. Das Dumme daran sei, so Bernhard Löffler, dass praktisch alle Berufsverbotsopfer zumindest in der Gewerkschaft waren und noch sind.“

„Heute sind wir in der Demokratie-Diskussion bei den DGB Gewerkschaften  weiter wie damals. Das zeige auch diese Ausstellung.  Wir wollen damit „Vergessene“ Geschichte, wie die Berufsverbote, wach halten, wieder ans Licht bringen und daran erinnern, dass sich derartige Demokratie-Versäumnisse … nie wiederholen.“

GEW und DGB korrigieren Haltung zu Berufsverboten

Doro Moritz kritisierte ebenso die Haltung von DGB und GEW. „Radikalenerlass und Berufsverbote seien verhängnisvolle Fehler gewesen.“  Sie waren auch gegen die Grundsätze der Gewerkschaften gerichtet. Sie betonte, dass sich die GEW vor fünf Jahren bei den Betroffenen entschuldigt habe. „Die Berufsverbote hätten das Leben zahlreicher Menschen massiv beeinträchtigt, ihnen ihre Berufs – und Lebenschancen genommen.“ Sie forderte die Rehabilitierung und materielle Entschädigung der Betroffenen von Bundes – und Landesregierungen. Sie bedankte sich ausdrücklich bei den Betroffenen die einen wichtigen Beitrag im Kampf um die Erhaltung der Demokratie, der Freiheit und Meinungsfreiheit geleistet haben und heute noch leisten

Veranstalter dieser Ausstellung sind eine Kooperation von DGB, GEW, ver.di, IGM, VVN-BdA und die Initiative „40 Jahre Radikalenerlass.“  Durch die Ausstellung führte Cornelia Booß-Ziegling vom Ausstellungsteam.  Auf 18 Schautafeln wird die politische Verfolgung Andersdenkender seit der Herausbildung Deutschlands im 19. Jahrhundert bis heute dokumentiert. Den Schwerpunkt dabei bilden 13 Tafeln der  „Bonner Republik.“

Von der Rückkehr der Nazis in Amt und Würde über Remilitarisierung und Repression, Notstandsgesetze und Verschärfung der politischen Repression durch flächendeckende Überwachung von Post und Telefon, dem „Radikalenerlass“, den Berufsverboten, ihren Umfang und Folgen nicht nur von direkt Betroffenen. Diese Ausstellung der Niedersächsischen Initiative gegen Berufsverbote ist ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte, insbesondere im Kampf gegen Berufsverbote. Es ist ein Zeugnis welche politischen Folgen die Berufsverbote hatten und haben. Es ist ein Zeugnis wie aufopferungsvoll und konsequent die Betroffenen kämpften. Welche Nachteile sie erlitten aber auch welche Solidarität sie erhielten. Layout und Gestaltung der Tafeln sind sehr übersichtlich. Die Tafeln werden immer wieder mit Bildern, kurzen Zitaten und Fakten, mit Buttons und zeitgenössischen Karikaturen mit Transparenten, Plakaten und Umhängeschildern aus den verschiedensten Aktionen, Bewegungen und Demonstrationen aufgelockert. Wer in den letzten Jahrzehnten Politik aktiv mitgestaltet hat und in demokratischen Bewegungen aktiv war wird sich in dieser Ausstellung in der einen oder anderen Form wieder finden.  Diese Ausstellung zeigt, dass die Berufsverbote keine „Vergessene“ Geschichte sind. Dafür gebühren den Macher*Innen Dank und weitere öffentliche Ausstellungen.

Text: Dieter Keller


Ausstellung: „Vergessene“ Geschichte

Die 20 Ausstellungstafeln im Format 77,8 x 110 cm können ausgeliehen und auch anderswo gezeigt werden. Von der Ausstellung sind mehrere Exemplare vorhanden.
Verleih-Info im Anhang

Die Ausstellung wird aktuell gezeigt:

  • 1. bis 24. Februar 2017, Gewerkschaftshaus Darmstadt (Rheinstr. 50)
  • bis 07.03.2017,  Gewerkschaftshaus Stuttgart (Willi-Bleicher-Straße 20)
  • 21. Februar bis 15. März 2017, GEW Oberhausen  ,Kulturzentrum Fabrik K 14 (Lothringer Str. 64)
  • 1. bis 21. März 2017, DGB-Büro Kassel (Spohrstr. 6-8)
  • 10.03.2017,Volkshochschule Tübingen (Katharinenstr. 18)
  • 25. März bis 28. April 2017, Rathaus Marburg (Markt 1, Raum 1)
  • 24.04. bis 31.05.2017, Braunschweig
  • 06.06. bis 21.07.2017, München, (DGB Bildungswerk)

Hier: Powerpoint-Präsentation, die in die Konzeption der Ausstellung einführt

Anlagen:
Diese Datei herunterladen (Ausstellungsflyer07-16.pdf)Ausstellungs-Info863 Kb
 

Pro-Asyl Familiennachzug

" .. Wir fordern alle Abgeordneten des Deutschen Bundestags dazu auf, die erzwungene Trennung von Flüchtlingsfamilien zu beenden. .."

Zur Petition »Familien gehören zusammen!«


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Monsanto-Glifosato

Die EU hat für weitere fünf Jahre die Zulassung von Glyphosat verlängert. Der deutsche Agrarminister Christian Schmidt (CSU) gab mit seiner Zustimmung den Ausschlag.(siehe Der Monsanto-Mann)

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

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