FARC: "Wir wollen regieren"

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Kolumbien FARC-Gruendung09.09.2017: Die Guerillaorganisation FARC hat sich in eine politische Partei umgewandelt ++ das historische Ziel einer sozial gerechten und demokratischen Gesellschaft soll künftig ausschließlich auf politischem Weg erreicht werden ++ FARC will Regierung oder ein Teil davon werden, sagt Iván Márquez ++ FARC-Frauen fordern "feministische Vision"

 

 

Nach über 50 Jahren des bewaffneten Kampfes hat sich die Guerillaorganisation Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo FARC-EP (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens - Volksarmee) offiziell in eine politische Partei umgewandelt. Der mehrtätige Gründungskongress fand vom 28. – 31. August im Kongresszentrum i der Hauptstadt von Kolumbien, Bogotá, statt. Neben den Delegierten nahmen um die 200 Gäste verschiedener Sektoren der kolumbianischen Gesellschaft und Dutzende VertreterInnen linker Organisationen aus anderen Ländern teil. Am Freitag (1.9.) endete der Gründungskongress mit einer politisch-kulturellen Veranstaltung an der rund 10.000 Menschen teilnahmen auf dem Bolívar-Platz im Herzen Bogotás.

Die 1.200 Delegierte hatten über Namen, Ideologie und Programmatik der Partei diskutiert, um unter den neuen Bedingungen das historische Ziel, den "grundlegenden politischen Wandel der Gesellschaft" voranzutreiben. Die Organisation habe zwar die Waffen abgegeben, werde aber ihre Ziele weiterverfolgen, nun auf legalem, politischem Weg, erklärte Iván Márquez, Mitglied der Nationalleitung der FARC.

Kolumbien FARC-LogoFür die Kontinuität der politischen Zielsetzung spricht auch, dass das Namenskürzel FARC erhalten bleibt. In der Debatte waren auch die Parteinamen "Nuevo Partido" oder "Nueva Colombia". Schlussendlich votierten 628 Delegierte für den Namen "Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común FARC (Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes). Damit bleibt "ein Bezug auf die revolutionäre Geschichte der Organisation" bestehen, sagte Márquez. Als Symbol wurde eine rote Rose mit einem roten Stern in der Mitte gewählt.

 

Suche nach Allianzen

Die programmatische Plattform der FARC bekräftigt sowohl ihre Identität als marxistische Organisation wie sie auch politische Linien für ihr Streben nach einer Festigung des Friedens und einer sozial-gerechten Gesellschaft mit einer breiten Demokratie entwickelt. Betont pragmatisch argumentierte der frühere Leiter des Nationalsekretariats der FARC-EP Comandante Timochenko (auch Timoleón Jiménez, eigentlich Rodrigo Londoño Echeverri) dafür, mit all denen zusammenzuarbeiten, die den Frieden wünschen und sich für eine breite und flexible Taktik zur Bildung von Allianzen zu öffnen. "Wir müssen das reale Bewusstsein in seiner ganzen Breite aufnehmen, um uns mit klaren und einfachen Vorschlägen an die Nation zu wenden -  ohne Dogmatismus, ohne Sektierertum, ohne ideologische Zurschaustellung", sagte Timochenko in der Eröffnungsrede des Kongresses. Dieses Herangehen sei unumgänglich für eine Organisation, deren Imperativ die Suche nach Allianzen und Wegen für die Durchsetzung des Friedensabkommens sei, so der Ex-Führer der Guerilla.

Iván Márquez hob den revolutionären Charakter des Projektes hervor. Die Plattform, Ideen und Vorschläge seien auf die Festigung des Friedens und die Wahlen im Jahr 2018 ausgerichtet, sagte er auf einer Pressekonferenz im Anschluss an den Kongress. "Wir sind in das legale politische Leben eingetreten, weil wir die Regierung bilden oder ein Teil davon sein wollen", sagte er. Dafür "müssen wir uns koordinieren und artikulieren, um kollektiv gemeinsame Vorschläge und eine gemeinsame Plattform zu erarbeiten, die uns vereinen", so Márquez. Er bekräftigte: "Wir werden weiterhin den Friedensvertrag erfüllen und hoffen, dass der Staat dem auch nachkommt."

Bisher wurde nur ein Teil der im Friedensvertrag getroffenen Vereinbarungen von der Regierung und dem Parlament umgesetzt. Offen ist, wann die Vereinbarungen in Gesetze umgesetzt werden - insbesondere über den Frieden, die Amnestie, die Landreform und die politische Beteiligung. Die Sicherheitsgarantien für die Ex-Guerillas sind völlig unzureichend. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 wurde 24 Ex-KämpferInnen der FARC und 52 AktivistInnen sozialer Bewegungen ermordet.

Nationalleitung gewählt

Kolumbien FARC-Gruendung MarquezDie Delegierten wählten die Nationalleitung der neuen Partei, bestehend aus 111 Mitgliedern, davon 26 Frauen (23%). Mit 888 Stimmen erhielt Iván Márquez (eigentlich Luciano Marín Arango, im Bild dritter von links) am meisten Stimmen. In den zurückliegenden Monaten ist er neben Timochenko zum bekanntesten Gesicht der FARC geworden. Er war Comandate der Abteilung Bloque Caribe und Mitglied des Sekretariats der FARC-EP, international bekannt wurde er als Leiter der FARC-Delegation bei den Friedensverhandlungen in Cuba.

Die mit Spannung erwartete Liste der Parteimitglieder, die im Kongress und Repräsentantenhaus vertreten sein werden, wurde nicht vorgestellt. Sie soll im November bestimmt werden. Der Friedensvertrag gesteht der FARC jeweils fünf Sitze in jeder Kammer zu, jedoch zunächst ohne Stimmrecht.

FARC-Frauen für "feministische Vision" der neuen Partei

In der Vorbereitung des Gründungskongresses hatten die Frauen der FARC-EP in einem siebenseitigen Dokument ihre Vorstellungen über Gender und Feminismus als notwendige Felder für den Kampf der neuen Partei für die gesellschaftliche Transformation formuliert.

"Feminismus ist als eine Strömung des Denkens und der Aktion zu verstehen, die sich bemüht, alle Praktiken zu beseitigen, die darauf zielt, alle patriarchalen Kolumbien FARC-Frauenkonfgesellschaftlichen Strukturen die Ungleichheiten des kapitalistischen Systems unterstützen, zu beseitigen", heißt es in dem Dokument. Feminismus ist "eine ethisch-politische Konzeption, die zum Kampf für gerechte Bedingungen, faire Verteilung des Reichtums und Überwindung aller Formen der Ausbeutung, einschließlich der sexuellen Ausbeutung, beiträgt."

In diesem Sinne stellen die FARC-Frauen fest: "Feminismus bekämpft das Patriarchat .. eine historische gesellschaftliche Organisation, die den Mann und die Männlichkeit in die zentrale Achse der gesellschaftlichen Beziehungen und Institutionen stellt." Dabei müsse auch die "männliche Identität transformiert werden, in eine Identität, die auf Beziehungen der Gleichheit mit den Frauen basiert und durch fairen Umgang, Solidarität und Respekt der Unterschiedlichkeiten charakterisiert ist." Die neue Partei müsse zudem wachsam sein, um "jeden Typ von Gewalt gegen Frauen, Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung und Identität zu verhindern". "Es ist notwendig, an der Bildung eines kollektiven Bewusstseins weiterzuarbeiten, das Menschen aus LGBTI in unserer politischen Partei und den Massenorganisationen willkommen heißt."

Quellen: http://www.resumenlatinoamericano.org, https://www.alainet.org, http://farc-epeace.org, https://amerika21.de


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Marseille-Forum

Am 10. und 11. November treffen sich die progressiven Kräfte Europas in Marseille zum Marseille-Forum, um eine Alternative Zukunft für Europa zu diskutieren. Die Europäische Linke unterstützt dieses Treffen.
Pierre Laurent, Nationalsekretär der Französischen Kommunistischen Partei (PCF):

EL Marseille-Forum PierreLaurent


 

100 Jahre Oktoberrevolution

marxistische linke lädt ein

Logo-Revolution-Gegenrevolution

Das 20. Jahrhundert war eines der Revolutionen: in Russland, Ungarn, Deutschland, Spanien, China, Mexico, Chile, Cuba und vielen anderen Staaten. Daraus ragen die Oktoberrevolution und Maos Langer Marsch mit dem Sieg der Kommunisten 1949 als epocheprägende Ereignisse heraus. Diese Revolutionen sind Teil des langen Zyklus von Revolution und Gegenrevolution, der mit der französischen Revolution 1789 eröffnet wurde. Ging dieser lange Revolutionszyklus mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Ende?  Was kann Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute noch heißen?
Wir diskutieren mit

Frank Deppe
Autor des Buches: 1917 | 2017 - Revolution & Gegenrevolution

Sa., 25. November 2017, 15:00 Uhr
Frankfurt a.M.
Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-71

Hinweis
Mi, 22. November 2017, 20:00 Uhr, Rüsselsheim, Stadtbücherei am Treff
Veranstalter: attac, DGB und Naturfreunden Rüsselsheim


 

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Demnächst entscheidet die EU über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. Die EU will, dass Monsanto seinen Bestseller weitere zehn Jahre verkaufen darf.

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

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wenn die umstaende 300p

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