Der Kommentar

Scharlatane

Scharlatane

20.07.2010: Scharlatane nannte man im Mittelalter die damals reichlich vorkommenden Wunderheiler, Heilspropheten, Quacksalber und Alchimisten. Ein Scharlatan war, wer Dinge versprach, die er nicht halten konnte. Ein Scharlatan war, wer Dinge als real verkaufte, die doch nur in der Phantasie der Menschen existierten. Ein Scharlatan war, wer von Wundern sprach, aber Betrug praktizierte.

Das Mittelalter war eine dunkle Zeit. Die Menschen waren abergläubisch, aber nicht alle waren leichtgläubig.

So manch ein Scharlatan landete auf dem Scheiterhaufen. Das blüht den Scharlatanen von heute nicht. Das wissen sie. Und deshalb ist die Spekulation auf die Leichtgläubigkeit der Menschen heute weit weniger riskant und weit verbreiteter als vor 1.000 Jahren.

Einen besonders denkwürdigen Fall präsentiert uns die Bundesregierung – im Einklang mit den bürgerlichen Leitmedien in diesen Tagen. Einträchtig titeln Medien von BILD bis SPIEGEL: „Jubel über schwarz-rot-goldenes Wunder“.

Damit ist nicht der verpasste WM-Titel gemeint. Der hätte sich für einen nationalen Jubeltaumel sicher angeboten. Doch das Ersatzwunder ist – auf den ersten Blick – auch nicht zu verachten.

Das „Jobwunder“ wird bejubelt. BILD spricht von bis zu einer Million weniger Arbeitslosen. Zugegeben. Das wäre wunderbar. Und für die Menschen in unserem Land auch weit wichtiger als ein (geliehener) Goldpokal für eine Truppe Millionäre.

Nur, leider, das Jobwunder ist ebensowenig real wie der Weltmeistertitel. Es ist schlicht gelogen – und von modernen Scharlatanen zusammenkonstruiert. Grundlage ist eine Meldung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die für Deutschland ein Sinken der Arbeitslosenquote von 7,9 auf 7 Prozent verkündete. Und das trotz gesunkenen Wirtschaftswachstums.

In der Tat: Das wäre ein Wunder – und würde gegen alle Postulate der modernen Markradikalen verstoßen. Tut es aber nicht. Denn die Quote ist ein Produkt selektiver Statistik, wie die OECD im Übrigen in ihrem Bericht selbst relativiert:

Da ist zum Beispiel die Kurzarbeit, die selbst nach den mit Vorsicht zu genießenden OECD-Zahlen eine verdeckte Arbeitslosigkeit von rund 200.000 Personen tarnt.

Doch das allein reicht noch nicht für ein Wunder. Praktisch, dass es da seit einiger Zeit immer mehr private Arbeitsvermittler gibt. Die von diesen betreuten Arbeitlosen sind nämlich gar nicht arbeitslos. Ehrlich. Zumindest tauchen sie seit Mai 2009 in keiner Statistik mehr auf.

Würde aber immer noch nicht reichen. Wie gut, dass es da ja noch die älteren Arbeitslosen gibt. Da die eh keine Chance mehr haben sind die ja eigentlich auch nicht richtig arbeitslos. Wunderbar. Noch mal 350.000 Schicksale aus der Statistik geräumt.

Ein-Euro-Jobber haben ja auch einen Job. Nicht den, für den sie ausgebildet sind. Nicht den, den sie wollen. Und erst recht keinen, von dem sie leben können. Egal. Arbeit ist Arbeit. Und ein Ein-Euro-Arbeitssklave ist kein Arbeitsloser.

Am Ende noch ein wenig Feintuning in der Statistik: Zwangsumschüler, ABM-Teilnehmer, Menschen in „Bewerbungstrainings“. Was am Ende übrig bleibt, ist gerade mal die Hälfte der WIRKLICH Arbeitslosen.

Die tatsächliche Arbeitslosenquote in Deutschland liegt aktuell bei deutlich über 12 Prozent.

Ein Wunder? Und was für eines: Wer es schafft, bei diesen Arbeitslosenzahlen noch immer den Eindruck eines funktionierenden Wirtschaftssystems aufrecht zu erhalten, der braucht sich in der Tat vor den mittelalterlichen Scharlatanen nicht zu verstecken. Auch damals landeten nicht alle auf den Scheiterhaufen. Menschen zu verbrennen ist ohnehin und glücklicherweise zwischenzeitlich aus der Mode gekommen.

Was uns dennoch nicht hindern wird, diesen modernen Scharlatanen zumindest einen heißen Herbst zu bereiten. Und eines ist sicher: Wenn Gewerkschaften und soziale Initiativen in den kommenden Monaten auf die Straßen gehen, um die Scharlatane zu entlarven, dann werden auch die Kommunistinnen und Kommunisten dabei sein.

Ein Kommentar von Christian Reschke, Redaktion www.kommunisten.de

 

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Zur Wahl des 10. Bundespräsidenten

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Marseille-Forum

Am 10. und 11. November treffen sich die progressiven Kräfte Europas in Marseille zum Marseille-Forum, um eine Alternative Zukunft für Europa zu diskutieren. Die Europäische Linke unterstützt dieses Treffen.
Pierre Laurent, Nationalsekretär der Französischen Kommunistischen Partei (PCF):

EL Marseille-Forum PierreLaurent


 

100 Jahre Oktoberrevolution

marxistische linke lädt ein

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Das 20. Jahrhundert war eines der Revolutionen: in Russland, Ungarn, Deutschland, Spanien, China, Mexico, Chile, Cuba und vielen anderen Staaten. Daraus ragen die Oktoberrevolution und Maos Langer Marsch mit dem Sieg der Kommunisten 1949 als epocheprägende Ereignisse heraus. Diese Revolutionen sind Teil des langen Zyklus von Revolution und Gegenrevolution, der mit der französischen Revolution 1789 eröffnet wurde. Ging dieser lange Revolutionszyklus mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Ende?  Was kann Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute noch heißen?
Wir diskutieren mit

Frank Deppe
Autor des Buches: 1917 | 2017 - Revolution & Gegenrevolution

Sa., 25. November 2017, 15:00 Uhr
Frankfurt a.M.
Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-71


 

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Demnächst entscheidet die EU über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. Die EU will, dass Monsanto seinen Bestseller weitere zehn Jahre verkaufen darf.

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

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Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

wenn die umstaende 300p

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Wohin geht's nach Jamaika?

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23.11.2017: Christian Lindner (FDP) hat die Jamaika-Verhandlungen platzen lassen. Offen ist im Moment wie es weitergeht. Eine Minderheitenregierung wäre ein interessantes Projekt: Sie müsste Mehrheiten suchen. Der Bundestag würde dadurch massiv an Einfluss gewinnen. Und möglicherweise dadurch auch die gesellschaftlichen Bewegungen. Ob CDU/CSU und SPD das wollen? Aber unabhängig davon zeigt sich, wie weit die Republik nach rechts gerutscht ist.

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

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