Regionalgruppe München
Tools
PDF

Ernst-Grube 8523.12.2017:  Erst vor wenigen Wochen waren mehrere Hundert Menschen in das NS-Dokumantationszentrum München gekommen, um mit Ernst Grube die Ehrung mit dem Georg-Elser-Preis der Landeshauptstadt München zu feiern (siehe Ernst Grube, ein 'ausgezeichneter' Kommunist). Am 19. Dezember war der Vortragssaal wieder voll. Und wieder ging es um Ernst Grube. Familienmitglieder, Weggefährten, Freunde und GenossInnen und Genossen feierten mit Ernst dessen 85. Geburtstag.

 
Umtriebig sei er und habe in den vergangenen Jahren viele Aktivitäten entwickelt. Nicht nur als Zeitzeuge sondern als antifaschistischer Aktivist, als Redner bei Kundgebungen, als Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau und unermüdlicher Gesprächspartner bei Schülerinnen und Schülern. So Friedbert Mühldorfer von der VVN in seiner Laudatio. (vollständige Rede)
 
Ohne das Engagement von Ernst Grube hätte es dieses NS-Dokumentationszentrum nicht gegeben, sagte der Direktor des Zentrums, Winfried Nerdinger. Alex Dräger, eine junge Frau, die ihr freiwilliges soziales Jahr im NS-Dokuzentrum absolviert, sprach davon, dass in der Schule zwar über die "deutschen Diktatur" gelernt wird, nicht aber über deren Vorgeschichte. Diese habe sie von Ernst Grube erfahren und wie wichtig es sei, sich gegen rechts zu engagieren.
 
Ernst Grube sagte, dass er von den Fragen der Schüler über die Zeit damals, die von Ausgrenzung und Diskrimnierung geprägt war, dann zu den heutigen Zuständen komme. "Dann bin ich bei den Flüchtlingen und dem Desinteresse an deren Schicksal, bei all dem, was wir heute erleben", so Ernst. Daher wisse er auch, was ein Jugendlicher empfindet, wenn er nachts aus dem Bett oder tagsüber aus der Schule geholt und abgeschoben wird.

Ernst Grube macht Mut zum Widerstand. Er ist ein Beispiel für den notwendigen langen Atem und gelebten Antifaschismus.

 

Rede von Friedbert Mühldorfer bei der Feier zum 85. Geburtstag von Ernst Grube, NS-Dokuzentrum München, 19.12.2017

Die Lebensgeschichte von Ernst ist in groben Zügen den meisten hier bekannt.
Ich möchte mich deshalb auf einige Aspekte beschränken, die seinen langen Weg etwas verdeutlichen können.

Ernsts Erinnerungen beim Erzählen über seine jüdische Kindheit im nationalsozialistischen München beginnen meist 1938 mit dem Abbruch der Hauptsynagoge – da war er 6 Jahre alt – und enden mit der Befreiung 1945 aus dem Lager Theresienstadt durch die Rote Armee – da war er 12 Jahre alt. Er erlebte die verschiedenen Stationen der Verfolgung – vermischt mit den widersprüchlichen Wahrnehmungen, mit den großen Augen eines Kindes eben.
Ausgrenzung ist der Begriff, den Ernst meist für diese Zeit und für seine Gefühle damals benützt.

Mit Bangen und Hoffnung kehrten die Mutter und die drei Kinder nach München zurück: Lebt der Ehemann und Vater noch, konnten Eltern und Schwestern der Mutter dem Holocaust entkommen? Wie wird das neue Leben in diesem zerbombten, aber befreiten München? Endlich, endlich ein wirkliches Familienleben?
Nun, der Vater hatte überlebt, aber die Ungewissheit über das Schicksal der Verwandten lähmte die Mutter und auch die Familie; erst nach drei Jahren erfuhr sie von deren Tod in den Vernichtungslagern.

Die Kindheit konnte Ernst nicht mehr nachholen, aber nun durfte er lernen: noch zwei Jahre Schulbesuch, dann eine Malerlehre beim Vater, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. Vor allem wollte er nun auch verstehen, was und warum alles passiert war, zuhören und darüber reden. Im öffentlichen Alltag in München war da kein Platz, da herrschte schnell das allgemeine Beschweigen.
Aber im Freundeskreis seines Vaters, in anderen Familien von Verfolgten, war das anders. Er erfuhr von den Schicksalen von Kommunisten und Sozialdemokraten und Gewerkschaftern, die sich gegen die Nazis gewehrt hatten und dafür eingesperrt wurden. Wie wichtig war ihm das, zu hören, dass einfache Leute, Arbeiter, tatsächlich Widerstand leisteten; sie wurden Vorbilder für ihn.

Ernst lernt Rosa Binder kennen, weil sein Vater bei ihr mit Malerarbeiten beschäftigt war – und erfährt dabei, dass ihr Ehemann Otto Binder und ihr Bruder Willy Olschewski als Mitglied einer weitverzweigten kommunistischen Widerstandsgruppe hingerichtet wurden, dass ihr Vater in der Gestapohaft den Tod fand. Ernst lernt die Tochter Erika Binder kennen, die bald seine erste Ehefrau wird; über sie kommt er zur Freien Deutschen Jugend, weil er mehr wissen will über Politik und nun endlich auch selbst politisch eingreifen und nachholen will, was er früher nicht konnte.
Er erlebt eine Gemeinschaft mit anderen Verfolgten, deren Verständnis, Solidarität und deren Hoffnung auf eine neue Welt, in der Faschismus und Krieg ein für allemal beseitigt sein würden. Das trägt und prägt ihn.

Aber die Zeiten hatten sich innerhalb weniger Jahre geändert.
Bald bekamen auch Ernst Grube und mit ihm viele der Verfolgten diese neuen Zeiten zu spüren: ausbleibende und unzureichende Entschädigung, die bevorzugte Wiedereinstellung belasteter Beamten und Angestellten, neue Naziparolen an Häuserwänden in München und antisemitische Vorfälle. Dass viele der ehemaligen Verfolgten vor allem aus der Arbeiterschaft unter oft erbärmlichen Bedingungen lebten, gesundheitlich schwer angeschlagen waren und bei Behörden immer wieder um Vorauszahlungen der Entschädigung betteln mussten - es interessierte zu wenige Menschen.
Es ist wichtig für das Verständnis von Ernst späterem politischen Wirken, sich diese Veränderung vor Augen zu führen, wenige Jahre nach der Befreiung aus Theresienstadt.
 
Und gleich darauf, immer noch erst 18 Jahre alt, wird er mit einer neuen Ausgrenzung konfrontiert, dem Antikommunismus der frühen Adenauerzeit. Auch sie wird ihn begleiten.

Mit keinem Wort war Kanzler Adenauer in der Regierungserklärung 1949 auf den Holocaust oder auf die Verfolgten eingegangen. Die NS-Vergangenheit wurde beschwiegen zugunsten des alten, jetzt neu begründeten antikommunistischen Feindbilds. Ein Jahr später formulierte Adenauer gar auf dem CDU-Parteitag in Goslar: „Ich wollte, die Bewohner der Ostzonen-Republik könnten einmal offen schildern, wie es bei ihnen aussieht. Unsere Leute würden hören, dass der Druck, den der Nationalsozialismus durch Gestapo, durch Konzentrationslager, durch Verurteilungen ausgeübt hat, mäßig war gegenüber dem, was jetzt in der Ostzone geschieht. […]“

Und dann noch die Sprache: Der bayerische Politiker Ritter von Lex, Vertreter der Bundesregierung im Verbotsprozess gegen die KPD, führte in diesen Jahren aus: »Sie [die KPD] ist ein gefährlicher Infektionsherd im Körper unseres Volkes, der seine Giftstoffe in die Blutbahn des staatlichen und gesellschaftlichen Organismus der Bundesrepublik sendet.«

Man kann sich vorstellen, wie solche Sätze aufgenommen wurden bei den Grubes, bei den Freunden, bei den Familien.
Das war eben nicht nur die Kritik an der menschenrechtlichen Situation in der DDR, sondern als Kehrseite die völlige Verharmlosung der Naziverbrechen. Das war nicht nur die Entwertung der Arbeit der Verfolgten beim politischen und sozialen Neubeginn, sondern auch die Entwertung der jeweiligen Biografien. Die Empörung über solche Sätze war nicht auf die kommunistischen NS-Verfolgten begrenzt, aber es betraf sie in der Folgezeit existenziell. Eine regelrechte Hexenjagd begann, von Bespitzelung, Verhaftungen, Versammlungsverboten bis hin zur Entlassung aus dem öffentlichen Dienst oder der Privatwirtschaft. Sie währte bis in die 1960er Jahre.

Diesem Druck, diesem ungeheuren psychischen Druck konnten und wollten viele nicht mehr standhalten; sie wollten endlich ein halbwegs normales Leben mit ihren Familien führen. Die Folge war, dass viele NS-Verfolgte ihre Leidenszeit verschwiegen und schließlich auch oft bei sich selbst verdrängten. Das öffentliche Beschweigen führte oft auch zum privaten Schweigen über die eigene Biografie.

Aber jeder verarbeitet seine Erfahrungen anders.
Obwohl – oder gerade weil Ernst Grube dieses Nicht-mitmachen-Dürfen und  Ausgeliefert-Sein, dieses Nichts-tun-Können 10 Jahre vorher bei den Nazis erlebt hatte: Bei ihm als jungen Mann führte das jetzt nicht zur Resignation und zum Rückzug, sondern zum entschiedenen eigenen politischen Engagement.

In den 1950er und 1960er Jahren ist Ernst Grube – wie auch sein Bruder Werner – eigentlich überall anzutreffen, wo sich Menschen wehren gegen die restaurative Entwicklung in vielen Bereichen der Gesellschaft. Er organisiert sich gewerkschaftlich in der IG Bau, politisch in der FDJ und später der KPD.

Mit 10000en Gewerkschaftskollegen demonstriert er 1954 gegen die Aufweichung der Ladenschlusszeiten und wird dabei nach massivem Prügeleinsatz der Polizei wegen sog. Auflauf und Widerstand gegen die Staatsgewalt festgenommen und zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt – und erfährt dann eine ungeahnte Solidarität. Wenn Ernst davon erzählt, merkt man heute noch, welch große Bedeutung das hatte, dass also Menschen teilhaben an seinem Schicksal, dass sie sich kümmern und handeln.
Seine Arbeit für die seit 1956 illegale KPD bringt Ernst dann 1958 nochmals eine Strafe von 1 Jahr Gefängnis wegen Zuwiderhandlung gegen das Verbot der KPD und Geheimbündelei. Der Hintergrund: Zusammen mit fünf anderen – hauptsächlich ehemalige KZ-Häftlinge –  wollte er in einer, freilich gescheiterten, spektakulären Flugblattraketenaktion am Stachus illegale Flugblätter verbreiten. Nur nebenbei bemerkt, aber durchaus vielsagend: Die Mehrheit der fünf  Richter des Bundesgerichtshofs waren NS-belastet.

Eine Erinnerung an die Kriegszeit in München, die er öfters erzählt, macht die Richtung seines Engagements vielleicht besonders deutlich: Mitten beim Rumstromern und Spielen in der Nähe des Hauptbahnhofs ertönt Bombenalarm. Alle fliehen in die Luftschutzkeller – er,  der 11jährige
Bub mit dem „Judenstern“, darf  nicht hinein. Hilflos versteckt er sich im Alten Botanischen Garten und erlebt in panischer Angst den Bombenkrieg unmittelbar neben ihm.
Dieses Erlebnis und dann die vielen Erzählungen im Freundeskreis werden die Richtschnur für sein eigenes Handeln: Nie wieder Krieg! Nie wieder Militär! Und nie mehr Nazis!

So war natürlich ein zentrales Betätigungsfeld zunächst der jahrelange Kampf gegen die Remilitarisierung, die damals beileibe keine Sache der Kommunisten allein war. Dass er als solcher von der Regierung hingestellt wurde, um ihn zu diskreditieren, ist verständlich, da Umfragen ergaben, dass rund Dreiviertel der Deutschen gegen den Aufbau einer neuen Armee waren. Ernst ist vor allem in der „Internationale der Kriegsdienstgegner“ aktiv und gehört damit seit Anfang der 1960er Jahre auch zu den Mitbegründern der Ostermärsche in München, die sich gegen atomare Aufrüstung und weltweite Kriege wenden.

Ernsts besondere Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen und MitstreiterInnen zu suchen, führen ihn auch zu katholischen und besonders evangelischen Kreisen, die sich in der Friedensbewegung engagieren. Bei einer Fortbildung lernt Ernst Ende der 1970er Jahre seine spätere Ehefrau Sigrid kennen, die in der evangelischen Kirche tätig war.

Und er war kein Berufspolitiker, sondern Maler. 1963 legte er die Meisterprüfung ab und gründete einen eigenen Betrieb, den er freilich auch „politisch“ verstand: jahrzehntelang, bis zur Aufgabe im Jahr 2002, nahm er bevorzugt ausländische und lernbehinderte Jugendliche auf, um ihnen bessere Lebenschancen zu ermöglichen; über 100 junge Menschen waren das insgesamt.

Lernen, mehr Wissen aneignen und damit nachholen, was ihm in der Kindheit verwehrt wurde – auch das war und ist eine Triebkraft für Ernst. 1968 machte er das Begabtenabitur, studierte einige Semester Geschichte und Volkswirtschaft und engagierte sich nebenbei selbstverständlich im „Gewerkschaftlichen Arbeitskreis der Studenten“. Er wurde Fachlehrer für das Malerei- und Lackiererhandwerk; in Teilzeit arbeitete er dann viele Jahre als Berufsschullehrer, war im Gesellenprüfungsausschuss und – wieder selbstverständlich für einen Gewerkschafter – , auch Personalrat. Dass er wegen des sog. „Radikalenerlasses“ als Lehrer bei der Stadt München beinahe keine Anstellung gefunden hätte und er bei der „Anhörung“ erst seinen „Judenstern-Aufnäher“ auf den Tisch legen musste, um das abzuwenden, ist ja bekannt.

Lange Zeit hatte Ernsts eigene Verfolgung in der Nazizeit keine Rolle mehr gespielt. Seit den 1970er Jahren war das gesellschaftliche Klima aber anders geworden. Die verschiedensten Protestbewegungen hatten neue Fragen gestellt, Geschichtsinitiativen betrieben Forschungen zur NS-Zeit vor Ort. All das rückte nun auch Menschen in den Vordergrund, die als Zeitzeugen von Verfolgung und Widerstand berichten konnten.

Ernst war da als „Junger“ anfangs noch gar nicht dabei, aber seit Mitte der 1980er Jahren brachte sein Engagement im damaligen Förderverein für eine Jugendbegegnungsstätte in Dachau auch für ihn die eigene Kindheit im nationalsozialistischen München wieder in den Vordergrund. Manche, die schon lange mit ihm politisch etwa in der Friedensbewegung gearbeitet hatten, erfuhren nun erstmals von seiner Geschichte und der seiner Familie. Und gleichzeitig arbeitete er sich ein in die Zeitgeschichte, war interessiert an allen einschlägigen Artikeln, schrieb in Aufsätzen Erinnerungen nieder und wurde zunehmend wahrgenommen als ein „Überlebender“, der Besonderes mit seiner leisen, zum Einfühlen zwingenden Stimme zu erzählen weiß.

Viele der hier Anwesenden kennen ihn seit dieser Zeit, und haben mit ihm in den verschiedensten Organisationen und Zusammenhängen gearbeitet. Umtriebig wie er ist, sind es in den letzten 20 Jahren sehr, sehr viele Bereiche geworden, in denen er tätig ist, nicht nur in München, sondern in ganz Bayern: als Zeitzeuge in Schulen, als Redner bei Kundgebungen gegen Nazis, als Gesprächspartner bei den Löwenfans gegen Rechts, als Mitglied in Initiativen und in verschiedensten Gremien von der Evangelischen Versöhnungskirche zur Stiftung Bayrische Gedenkstätten bis hin zu diesem Haus hier. Und neuerdings auch als Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, wo er mithelfen will, die Stimme der Verfolgten auch künftig laut hörbar zu machen.
 
Nun, auch wenn sich Gremienarbeit und Ehrungen inzwischen häuften: Er ist kein harmloser, „pflegeleichter“ Zeitzeuge geworden, der einfach die Vergangenheit mit Erinnerungen bebildert. Da gleicht er seinem verstorbenen Bruder Werner, mit dem er manche Erinnerungszeichen im Münchner Stadtbild gesetzt hat.

Was ihn umtreibt, spricht er aus, auch wenn er damit aus dem gängigen Rahmen fallen könnte. Das ist seine Verpflichtung seiner Erinnerung.
Ich möchte hier noch kurz etwas ansprechen, obwohl der Sachverhalt den meisten bekannt ist. Ernst Grube wurde ja im Jahr 2010 im bayerischen Verfassungsschutzbericht namentlich erwähnt, weil er als Kommunist angeblich extremistische Positionen in der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen) und dort letztlich auch Gewaltbereitschaft fördere. Dass das alles mit der wirklichen Arbeit der VVN nichts zu tun hat, wissen alle, welche die VVN kennen. Diese Erwähnung hat Ernst tief getroffen. Dank großer Solidarität wurde er in den folgenden Berichten nicht mehr namentlich genannt – wird aber intern weiterhin vom Verfassungsschutz beobachtet, wie mitgeteilt wurde, begründet unter anderem mit seiner FDJ-Mitgliedschaft, die weit über 60 Jahre zurückliegt! Wahrlich ein 60jähriges Verharren im Schützengraben des Kalten Krieges!

Was ihn aber fast noch mehr verletzt hat, war eine Stelle im Verfassungsschutzbericht des Vorjahres, des Jahres 2009. Ich zitiere: „Öffentliche Zeitzeugenauftritte von früheren KZ-Häftlingen sollen der Organisation [gemeint ist die VVN, F.M.] darüber hinaus einen demokratischen Anstrich verleihen.  (S. 184)

Dieser Satz unterstellt, dass Zeitzeugen bloß nützliche Idioten der VVN seien und dass der Antrieb ihres Engagements letztlich nicht das eigene schreckliche Erleben ist, sondern dass sie wohl ganz anderes im Schilde führen. Ich weiß nicht, ob sich die Verfasser solcher Sätze jemals Gedanken gemacht haben, welchen Beitrag sog. „frühere KZ-Häftlinge“ für die Substanz unserer Demokratie geleistet haben!

Zurück zum heutigen Geburtstagskind.
Ja, er wäre mit seiner Umtriebigkeit gerne überall dabei, und es ist schon erstaunlich, wie er es schafft, von seinem Lebensmittelpunkt Regensburg aus, wo er mit seiner Frau Helga lebt, doch fast überall aufzutauchen – und dann auch noch dort gerne gesehen zu werden.
Woran das liegt? Natürlich öffnet ihm seine Freundlichkeit, dieses oft spitzbübische Lachen – leichter manche Türen, gepaart mit Neugier und einer Offenheit für alles Interessante. Auch sehr charmant kann er sein, wenn er will...

Für Überraschungen ist er immer gut, weil er gerne mit neuer Idee oder ganz anderer Sicht aufwartet; da ist er dann den einen zu bürgerlich, den anderen zu links. Und er kann schnell ungeduldig werden –  wenn zu lang geredet und zu wenig gehandelt wird; das passiert nicht gerade in honorigen Gremien, aber sonst immer wieder mal.
Aber all das zusammen ist es eben, was ihn ausmacht und was wir brauchen von einem verlässlichen Partner, Berater und kritischem Geist.

Haben sich all die Anstrengungen gelohnt? Was wurde erreicht, wenn man den anschwellenden Rassismus und den Umgang mit Menschenrechten bei uns und weltweit betrachtet. Ich weiß, dass du dir diese Frage stellst und durchaus kritisch auch auf all deine Bemühungen zurückblickst.
Aber vielleicht ist die umgekehrte Frage die wichtigere und angemessenere: Wo stünden wir heute, wenn es nicht diese vielfältige demokratische Oppositionsbewegung, die die Bundesrepublik von Anfang an begleitete, gegeben hätte? All die Bemühungen gegen den Krieg, gegen Nazis und Rassismus, gegen die Verletzung von Menschenrechten? Da hast du wesentlich mit angeschoben, Barrieren der Mitmenschlichkeit aufrecht zu erhalten.

Ich kann die vielen WegbegleiterInnen und Wegbegleiter nicht nennen, weil es so viele sind, aber ich schließe sie jetzt einfach in das „Wir“ ein.
Lieber Ernst, wir danken dir, gratulieren herzlich zum 85. Geburtstag und freuen uns, dass du uns weiterhin nicht in Ruhe läßt mit deinem Engagement, deinen Ansprüchen, deiner Ungeduld – und vor allem deiner Freundlichkeit, deiner ansteckenden Jugendlichkeit und deiner Freundschaft.

Der Kommentar

Es ist keine Karawane – es ist das Leiden, das dort geht

Es ist keine Karawane – es ist das Leiden, das dort geht

Kommentar von Jaime Flores, Honduras

Die Karawane der Migrant*innen ist nur die erste öffentliche und massive Manifestation der humanitären Krise, in der die Mehrheit der Bevölkerung lebt; abgestritten von der Regierung, von der Oligarchie, Botschaften, Organisationen der Zivilgesellschaft und anderen Institutionen, die mit der Diktatur kooperieren.

weiterlesen

Im Interview

Brasilien: Wie ein rechtsextremer Kandidat die Wahlen gewann

Brasilien: Wie ein rechtsextremer Kandidat die Wahlen gewann

02.11.2018: Jair Bolsonaro gewann die Präsidentschaftswahlen. Der Sieg des Ex-Militärs, der offen die frühere Militärdiktatur sowie Folter befürwortet, stellt eine Zäsur für die brasilianische Demokratie dar. Über die unterschiedlichen Ursachen des extremen Rechtsrucks Brasiliens sprach Audrey Changoe mit der Amazonienexpertin Eliane Brum und dem Aktivisten Itamar Silva .

weiterlesen

marxistische linke - Partnerin der Europäischen Linken

Den Aufbruch wagen

Den Aufbruch wagen

von Leo Mayer

14.10.2018: Knapp eine Viertelmillion Menschen demonstrierten für die Unteilbarkeit von sozialen und Menschenrechten, nicht irgendwo virtuell im Netz auf einer Homepage mit einem Klick, sondern ganz real auf den Straßen Berlins.

weiterlesen

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier