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marxli MUC 2019 01 23Michael Meyen über die Veranstaltung »Wie kommen die Linken aus der Defensive. Suchbewegungen zwischen Linkspopulismus, neuer Klassenpolitik und Mosaiklinke« mit Tom Strohschneider am 23. Januar 2019 in München:

 

Auch ganz links weiß man nicht, wie die Zukunft der Demokratie aussieht. Keine alternative politische Ökonomie, nirgends. Tom Strohschneider ist nach München in das Eine-Welt-Haus gekommen. Sein Thema: Wie kommen die Linken aus der Defensive. Tatsächlich mit Punkt und ohne Fragezeichen. Eingeladen hat die marxistische linke. Und der Gast bringt statt Antworten neue Fragen.

Tom Strohschneider war fünf Jahre Chefredakteur der Tageszeitung Neues Deutschland und leitet jetzt das Wirtschaftschaftsmagazin Oxi. Motto: Wirtschaft anders denken. "Politökonomische Aufklärung", sagt Strohschneider. Die Linken würden nach außen zu wenig zeigen, dass sie auf diesem Gebiet und vor allem in Sachen Zukunft auf der Höhe der Zeit sind.

Im EineWeltHaus wirbt er dafür, die eigene Ratlosigkeit zu politisieren. Fragen stellen. Nicht suggerieren, dass man Kontrolle zurückgewinnen könne. Das sei das Geschäft der Rechten. Die eigene Schwäche als Normalität akzeptieren. Die Menschen da draußen seien auch unsicher.

Vier Fragen sind es, die Strohschneider in München stellt:

  1. Hat die Linke zu viel Identitätspolitik betrieben?
  2. Brauchen die Linken mehr Populismus?
  3. Braucht die Linke eine neue Klassenpolitik?
  4. Was ist die historische Pointe von dem, was wir machen?

Auf diese letzte Frage läuft die Debatte zu. Weltrevolution? Klassische Sozialdemokratie? Geht das überhaupt mit Blick auf die Klimakrise und die Frage nach der ökologischen Existenz? Immer wieder zitiert Tom Strohschneider aus einem Text von Hans-Jürgen Urban, erschienen 2009. (hier verlinkt oder unten in der Anlage) Damals (gefühlt: vor einer halben Ewigkeit) ruhten die Hoffnungen auf den Gewerkschaften. Gegenhegemoniale Bewegung, Transformation. Wo sind die Gewerkschaften heute, fragt Strohschneider. Eine Leerstelle in unserem Denken.

Eine noch größere Leerstelle: Ideen für die Zukunft. Kritik, na klar. Da sind wir alle groß. Wo aber sind die Angebote, die über das Hier und Jetzt hinausweisen? Wie soll eine andere Gesellschaft aussehen? Wo sind die Utopien? Jedenfalls nicht in den Gesetzen, die von der SPD im Bund (mit) auf den Weg gebracht wurden und auch nicht da, wo Rot-Rot(-Grün) regiert (hat).

In Brandenburg, sagt Tom Strohschneider, wissen die Leute oft gar nicht, wer da gerade am Ruder ist. Es gebe kaum etwas, an das man sich im Rückblick (wenn die Wahlen mal wieder anders ausgegangen sind) erinnern werde können. Beispiel Oderbruch. Der nächste Nachbar kilometerweit weg, kaum öffentlicher Nahverkehr, überhaupt wenig Infrastruktur. Und trotzdem habe die Landesregierung gar nicht erst versucht, Genossenschaften zu fördern und so vielleicht das Mobilitätsproblem zu lösen. Eine linke Regierung, wohlgemerkt. "Kein utopischer Überschuss", obwohl es schon heute möglich sei, die Voraussetzungen für morgen und übermorgen zu verbessern.

Tom Strohschneider hat noch ein zweites Beispiel. Eins, das Mut machen soll. Die großen Demos vom Herbst und das Umdenken beim Wohnungsmarkt. Viele wollen sich heute wieder politisch engagieren, sagt er. Schon um ihrer selbst willen. 55 Prozent der Berliner würden inzwischen dafür sein, Großvermieter zu enteignen. Sogar jeder dritte Wähler von CDU und FDP.

Strohschneider ist nicht generell gegen Privateigentum. Auf die Mischung komme es an. Welche Eigentumsform überwiegt – und was macht das dann mit der Gesellschaft? Erik Olin Wright lässt grüßen – genau an dem Tag, an dem der Prediger der "konkreten Utopie" gestorben ist. Seine Ideen werden weiterleben und vielleicht sogar den Linken in Deutschland helfen, aus der Defensive herauszukommen.

Übernommen von https://fordemocracy.hypotheses.org/1391

Foto: Eva Maria Volland und Tom Strohschneider


Eine Zusammenfassung des Referats von Tom Strohschneider folgt demnächst


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