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13.02.2010: 12.000 Menschen verhinderten zum ersten Mal den jährlichen Nazi-Aufmarsch in der sächsischen Landeshauptstadt. Über Stunden besetzten sie Straßen und Plätze in unmittelbarer Umgebung des Neustädter Bahnhofs. Gegen 17.00 Uhr kam die Erfolgsmeldung: die Polizei bricht die Nazi-Veranstaltung wegen der Proteste ab.

Gegen 17.00 Uhr kam die Erfolgsmeldung: die Polizei bricht die Nazi-Veranstaltung wegen der Proteste ab. 12.000 Menschen verhinderten zum ersten Mal den jährlichen Nazi-Aufmarsch in der sächsischen Landeshauptstadt. Über Stunden blockierten sie Straßen und Plätze in unmittelbarer Umgebung des Neustädter Bahnhofs.

Hier, am Neustädter Bahnhof, hätte die Nazidemo beginnen sollen. Das Dresdner Verwaltungsgericht hatte den Aufzug der rund 6 500 Braunen für die Zeit von 11 bis 17 Uhr erlaubt.

Jede Stunde Verzögerung für das Sammeln der Nazis war ein Zeitgewinn. Mehrere Blockaden auf den Schienen hatten zur Folge, dass der Zugverkehr nach Dresden für zwei Stunden zum Erliegen kam. Die Nazis, die mit dem Zug anreisten blieben auf der Strecke.

Die Busanfahrtstellen waren ebenfalls blockiert worden, so dass die Busse mit den Nazis weit außerhalb parken und sich die Nazis erst auf einen kilometerlangen Weg zu ihrem Sammelpunkt machen mussten. Die Polizei geleitete die Nazis über einen Weg neben den Bahngleisen, (Dammweg) auf dem max. 4 Personen nebeneinander gehen konnten. Das kostete viel Zeit!

Durch die zahlreiche Beteiligung war es der Polizei nicht möglich, die größeren Blockaden aufzulösen. Ein Einsatzleiter der Polizei sagte: „Wenn ich die Blockaden räumen will, brauche ich zusätzlich 1000 Beamte, die ich nicht habe.“ Kleinere Blockaden konnten dagegen geräumt werden, besonders, als die Polizei versuchte, 2000 Neonazis durch das Dresdner Hechtviertel von der Autobahn zum Neustädter Bahnhof zu schleusen.

Jubel bei den Blockierern, als der Einsatzleiter der Polizei mitteilen ließ, dass es keinen Grund für eine Räumung gebe, weil ja niemand da sei, der demonstrieren wolle. Leo Mayer, der mit anderen DKP-Mitgliedern aus allen Teilen der Republik mit blockierte: "Die Nazis werden nicht marschieren. Mehrere tausend Antifaschisten aus den verschiedensten politischen Richtungen stellen sich hier den Nazis gemeinsam in den Weg. Blockieren ist unser Recht."

Am Blockadepunkt Hansastraße – Ecke Eisenbahnstraße waren ca. 200 Personen über 8 Stunden “eingekesselt“ und trugen damit dazu bei, das nicht marschiert werden konnte. Unter ihnen Andreas Koch, DKP Mitglied in Kamenz und Stadtrat in der Linksfraktion: „Seit den Kommunalwahlen 2009 hat die NPD zwei Stadtratssitze in Kamenz. Sie führen sich zumindest bist jetzt als biedere nationale Kleinbürger auf. Offen dagegen zu halten im gewöhnlichen Alltag tut hier dringend Not.“

Später dann wieder Jubel, als die Information durchgegeben wurde, dass die Polizei den Nazis mitgeteilt habe, dass sie nicht marschieren können.

Die Blockade war beeindruckend; friedlich und fröhlich. Kleine Schneeballschlachten mit der Polizei, die ganz gelassen darauf reagiert hat. Insgesamt ein entspanntes Klima. Auf der Seite Hansastrasse des Neustädter Bahnhofs waren es ca. 3500 - 4000 Blockierer. In der ersten Reihe der Blockade die Abgeordneten der Partei DIE LINKE der Landtage Sachsen, Thüringen und Hessen

Für das Bündnis “Nazifrei – Dresden stellt sich quer!” ist die Verhinderung des Naziaufmarschs ein großer Erfolg. “Zwölftausend Menschen aus Dresden und aus der ganzen Bundesrepublik haben den Sammelpunkt der Nazis abgeriegelt – Dank an alle, die sich an den Massenblockaden beteiligt haben und sich nicht einschüchtern ließen”, erklärte Bündnis-Sprecherin Lena Roth. “Es war nicht einfach, es gab Verletzte durch Nazi-Angriffe und es war saukalt – aber es hat sich gelohnt.” Erstmalig, so betonte Roth, sei es gelungen, den größten Naziaufmarsch Europas zu stoppen. Ausschlaggebend für den Erfolg seien die Vielfalt und die Entschlossenheit des Bündnisses “Nazifrei – Dresden stellt sich quer!” sowie das klare Blockade-Konzept gewesen. “Die Strategie der Einschüchterung im Vorfeld hat den Dresdner Behörden nichts genützt. Im Gegenteil“, erklärte Roth weiter.

Zu den Massenblockaden hatte auf Initiative des antifaschistischen Bündnisses “No pasaran” ein bundesweiter Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Initiativen, Parteien, antifaschistischen Gruppen und Gewerkschaften aufgerufen. In den vergangenen Wochen hatten die Dresdner Behörden Plakate des Bündnisses beschlagnahmen und Kundgebungen verbieten lassen, hatten Nazis Anschläge auf UnterstützerInnen der Blockaden verübt und hatte die Polizei stolz die Anschaffung amerikanischer Spezialwaffen gemeldet.

Auf der anderen Seite der Elbe fand die offizielle Feier der Stadt mit einer Menschenkette statt. Zahlreiche Menschen versuchten nach Ende der Menschenkette zu den Massenblockaden in der Neustadt zu stoßen. Zuerst sperrte die Polizei jedoch alle Brücken ab. Lena Roth, erklärt dazu: “Wer eben noch bei der Menschenkette als braver Bürger mitgezählt wurde, darf 10 Minuten später schon nicht mehr an Protesten teilnehmen. Das ist eine Frechheit.” Später konnten sie dann doch in die Neustadt gelangen, um die Blockaden zu unterstützen.

Text: mami  Fortos: lm/ak/bm

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