Aus den Bewegungen
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08.03.2010: Die DKP München fand eine besondere Form, den Internationalen Frauentag zu feiern. Es war nicht nur ein wunderbares Konzert mit Barbara Thalheim und Jean Pacalet, sondern auch eine Gesprächsrunde im Angebot.

Die Bundessprecherin der Feministischen Partei – Die Frauen, Sabine Scherbaum, diskutierte mit drei Marxistinnnen vor allem die Frage, ob Marx heute für die Frauen eine Rolle spielen kann, oder ob der Marxismus nicht blind sei gegenüber der Geschlechterfrage Dabei ging sie auf die auch in den realsozialistischen Ländern noch lange nicht erreichte Gleichberechtigung ein.

Pia, eine Genossin von der SDAJ, erläuterte, dass gerade in Schulen das Bild der Frau als Kümmerin, Sorgerin verstärkt werde. Wenn in den Kindergärten und Grundschulen noch vorwiegend Frauen mit Kindern arbeiten, sieht es an Gymnasien gerade umgekehrt aus. Vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern unterrichten überwiegend Männer. Aber auch bei politisch aktiven Jugendlichen gibt es Nachholbedarf. Pia hat lange in Landes-Schülervertretungen gearbeitet und die Erfahrung gemacht, dass z.B. auch dort die Quotierung noch immer ein hilfreiches Mittel zur besseren Einbeziehung und Mobilisierung von jungen Frauen ist – oft gegen den Widerstand der männlichen Mitstreiter.

Dass gerade im Erwerbsleben noch ein weiter Weg zur Gleichstellung vor uns ist wurde u.a. dadurch deutlich, dass Frauen heute rund 25 % weniger Lohn erhalten, 70 % der Teilzeitarbeitsplätze von Frauen – meistens nicht freiwillig – gehalten werden, etc.

Selbst wenn die Vorstände der 30  DAX-Konzerne statt mit einer Frau mit lauter Frauen besetzt wären, wäre damit noch lange nicht die Ausbeutung und Unterdrückung der vielen Frauen, die in diesen Unternehmen arbeiten, beendet.

Barbara Thalheim brachte ihre Erfahrungen aus der DDR ein. Nein, mit Feminismus, hatten sie nichts am Hut. Die Möglichkeiten, Beruf oder Ausbildung mit Familie und Kindern gut in Einklang zu bringen, wurden allerdings als selbstverständlich in Anspruch genommen. Dass  es im Alltagsleben in Sachen Gleichberechtigung oder auch Gleichverpflichtung nicht immer rund lief, war nicht zu überhören.

Sonja Schmid (DKP) betonte, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen eine der wichtigsten Voraussetzung für ihre Gleichberechtigung ist – was auch von den marxistischen Klassikern immer herausgearbeitet wurde. Sie brachte die Vorschläge verschiedener Feministinnen ein, wie sie von Frigga Haug beim letzten Sozialforum in Deutschland vorgestellt wurden: Nur mit einer radikalen Arbeitszeitverkürzung (Teilzeit für alle) können Frauen und Männer gleichberechtigt ihre gesellschaftlichen Aufgaben wahrnehmen: 4 Stunden Erwerbsarbeit, 4 Stunden Reproduktionsarbeit (pflegen und erziehen etc. – auch als care-Arbeit bekannt), 4 Stunden politische Arbeit und 4 Stunden individuelle Entwicklung.

Diese Vision braucht mehr aktive Frauen, und der Wunsch, dass wieder mehr Frauen für ihre Rechte streiten mögen, verband alle Gesprächsteilnehmerinnen. Dass der Marxismus eine hilfreiche Theorie ist, ergab das Gespräch.

Auf die Frage , wo sich die Feministische Partei im politischen Spektrum verorte, machte Sabine Scherbaum klar, dass der Kampf um die Rechte der Frauen mit dem Kampf um eine Gesellschaftsordnung jenseits des Kapitalismus einhergehen muss.

Zwei Zitate – eins von der feministischen Seite und eins aus marxistischer Sicht – rundeten das Gespräch ab:

Feminismus ist ja schlicht eine Methode des kritischen Denkens. Wenn man sich für die Veränderung der Machtstrukturen interessiert, ist es die einzig vernünftige Methode.

Verena Stefan (Schriftstellerin)

In jeder Gesellschaft ist der Grad der weiblichen Emanzipation das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation.

Rosa Luxemburg

muenchen_brabthalh_jeanp_imgDie einfühlsamen Lieder von Barbara Thalheim mit ihrem Begleiter Jean Pacalet fanden ein begeistertes Publikum, das die beiden nur nach mehreren Zugaben entließ.

Text: Sonja S.  Foto: DKP München

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