Farkha Festival
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Farkha Festival2013 6 kerem 3028 30017.08.2013: Heute hat das Camp Besuch bekommen und zwar vom „Ramallah International Work Camp“. Mehr als 100 Jugendliche aus ganz Palästina und auch aus dem Ausland sind in Farkha vorbeigekommen, um mit uns gemeinsam zu arbeiten. Was das „Ramallah International Work Camp“ genau ist, konnte ich bis heute nicht genau rausfinden. Anscheinend gehörten die Organisatoren nicht offen zu einer politischen Organisation, sondern veranstalten Freiwilligenarbeit-Camps und Fahrten durch Palästina. Ein Mitarbeiter erklärte mir, dass das Camp ausdrücklich unpolitisch, selbstfinanziert und somit nicht gebunden ist.

Ein Genosse hatte aber Kritik an dem Camp, da es hauptsächlich von Jugendlichen, die der Oberschicht angehören, besucht wird und sie bei den Camps Fotos von sich selbst beim Arbeiten machen und diese hauptsächlich aus Spielen und Tanzen bestehen würden. Das Camp arbeitet mit der Stadt Ramallah zusammen, deshalb vermute ich, dass die Fatah hinter dem Camp steht. Die „unpolitische“ Ausrichtung spricht ebenfalls dafür. Mir ist es ein Rätsel, wie man in Palästina ein unpolitisches Camp veranstalten kann, obwohl man es an jeder Ecke mit Politik zu tun hat. Interessanterweise waren unter den internationalen Gästen dieses Camps auch Kommunisten dabei, so eine Genossin der Rifundazione Comunista. Bakir, der Hauptorganisator des Farkha-Festivals der YPPP begründete dies damit, dass das Ramallah Camp allein schon wegen des Namens der Stadt bekannter wäre und erste Anlaufstelle für InternationalistInnen sei, die keinen direkten Kontakt zur YPPP haben. Gleichzeitig kritisierte er die massiven Kosten dieser Camps, die in keinem Verhältnis zum Ergebnis stehen würden.

Mir waren die Besucher zum Teil auch etwas suspekt, da sie die ganze Zeit nur gesungen und irgendwelche komischen Gruppenspiele gespielt haben, aber auf den Baustellen keine wirklich große Hilfe waren.

Parallel dazu kamen sieben junge GenossInnen der Französischen Kommunistischen Partei zu Besuch, die eine politische Rundreise durch Israel und Palästina machten und dabei unbedingt das Farkha-Festival kennenlernen wollten. So als ob das nicht schon genug wäre, kam am Nachmittag ein ganzer Bus mit jungen GenossInnen der Israelischen Kommunistischen Partei (IKP) aus Nazareth an, um mit uns einen gemeinsamen Tag zu verbringen.

Am frühen Abend fand dann, wie jeden Tag, ein Workshop statt, diesmal zum Thema „Freiwilligenarbeit und Jugend“. Freiwilligenarbeit gibt es in Palästina seit 1982 und wurde von der PPP gestartet. Von Beginn an war diese Art von Arbeit Teil des Kampfes gegen die israelische Besatzung und sollte ein Symbol dafür sein, dass die PalästinenserInnen nicht klein bei geben würden. Am Anfang bestand die Freiwilligenarbeit hauptsächlich aus Alphabetisierungskampagnen für die palästinensische Bevölkerung und besonders für Frauen. Der Referent, ein Vertreter des Komitees für Freiwilligenarbeit, betonte, dass seiner Erfahrung nach ärmere Leute viel  mehr Zeit und Aufopferung in Freiwilligenarbeit investieren würden als reichere Menschen, die diese nur dazu nutzen würden, Bilder von sich zu machen und wahrscheinlich um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Der Workshop ging dann noch viel länger weiter, aber ich war einfach zu müde, um weiter zu zuhören und habe dann ein kurzes Nickerchen gemacht. Interessanterweise spiegelten sich die Ausführungen des Genossen, in der Erfahrung des Besuches des Ramallah International Work Camp am gleichen Tag wieder: Nach nur drei Stunden mehr oder weniger Arbeit, waren sie nach vielen Fotos und Kameraufnahmen wieder gefahren.

Dabei verpassten sie das Beste des Tages: Das Dabka-Festival.
Dabka ist, wie schon geschrieben, eine traditionelle Tanzart, vergleichbar mit dem türkischen und kurdischen Halay-Tanz, allerdings viel schneller und bewegter getanzt. Verschiedene Gruppen in traditionellen Kleidern aus ganz Palästina waren auf der Bühne zu sehen und die mehreren Hundert Anwesenden hatten sichtlich ihren Spaß. Besonders interessant und gut gelungen war die Verbindung des traditionellen Dabka-Tanzes mit Breakdance-Einlagen und Rap. Es fällt mir schwer diesen Abend in Worten zu schildern, man muss einfach dort gewesen sein und vielleicht gibt es bald mehrere Youtube-Videos davon zu sehen.

Am späten Abend fuhren wir dann zur Genossin Doha, Vorsitzende der Womans-Worker-Union in Salfit und verbrachten den Abend mit Diskutieren und Essen. Das erste Mal haben wir dann auch in weichen Betten geschlafen, das war schon angenehm, muss ich zugeben.

Kerem Schamberger

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