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02.02.2010: Jetzt in der Krise wird die extreme Exportlastigkeit der der deutschen Wirtschaft zum Verhängnis. 2008 wurde knapp die Hälfte – 48% - der Wirtschaftsleistung ins Ausland verkauft - Rekord; seit 1993 hat sich dieser Anteil verdoppelt. Doch mit dem Abschmieren der Weltkonjunktur brachen die deutschen Exporte preisbereinigt um fast 15% (14,7%) ein und zogen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit in die Tiefe. 3,4-Prozentpunkte der 5-prozentigen Schrumpfung des BIP gingen auf das Konto des Export-Absturzes. Mit der Folge, dass hunderttausende von Beschäftigten vor allem in der Export- und Zulieferindustrie auf Kurzarbeit gesetzt wurden oder ihren Arbeitsplatz verloren.

Dabei hatte die rigorose Exportorientierung schon all die Jahre ihren Preis gefordert. Die Siege auf den Auslandsmärkten wurden, im wahrsten Sinne des Wortes, auf Kosten der Arbeitnehmer erkauft, durch permanenten Druck auf die Löhne und staatlich verordnete Kappung der Lohnnebenkosten. Das Lohndumping aber hemmte die Binnennachfrage, die einen weit größeren Stellenwert für Wachstum und Beschäftigung hat als der Export. „Unter dem Strich gingen so 600.000 Stellen verloren“, schätzt Gustav Horn, der Chef des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Er verweist auf Länder wie Frankreich, Niederlande oder Finnland. Dort seien infolge höherer Lohnsteigerungen die Arbeitskosten schneller gestiegen als in Deutschland. Trotzdem sei die Wirtschaft dort stärker gewachsen als in Deutschland und in der Krise nicht so stark eingebrochen. Die japanische Wirtschaft wiederum, die ebenfalls stark exportabhängig ist, ist mit 5,9% noch stärker geschrumpft.

Ausblick 2010

Die Regierungspolitiker haben aus der Krise nichts gelernt, sondern verkünden das „weiter so“. „Ich möchte, dass dieses Land weiter Exportweltmeister bleiben kann“, erklärte Kanzlerin Merkel Ende des vergangenen Jahres, als Deutschland bereits den zweifelhaften Titel an China hat abgeben müssen, wie sich wenige Tage später herausstellte. Und: „Deutschland soll stärker aus der Krise herauskommen, als es hineingegangen ist“. Gemeint ist wettbewerbsstärker, damit es in Zukunft noch besser die Weltmärkte aufrollen kann. Kein Gedanke an eine Umorientierung auf den Binnenmarkt und mehr inländische Nachfrage. Dass es auch anders gehen kann zeigt China. Auch dort war die Wirtschaft bislang stark exportorientiert. Auch hier sind die Exporte aufgrund der Schwäche der Weltkonjunktur weggebrochen - minus 16% (nominal). Aber die Defizite Verluste bei der Auslandsnachfrage wurden ausgeglichen durch eine Stärkung der Binnennachfrage. Durch Lohnerhöhungen und staatliche Konsumstimuli steigerte sich der Privatkonsum in einem Jahr um 15,3%. Der Staatskonsum erhöhte sich durch das gigantische Konjunktur- und Beschäftigungsprogramm mit Investitionen in Umweltschutz, Energieeffizienz, Ausbau der Eisenbahn und in andere Infrastrukturprojekte. Die Folge war, dass trotz Exporteinbruch die chinesische Wirtschaft um 8,7% wuchs. Nach Ansage der chinesischen Regierung soll die Volkswirtschaft auch in den kommenden Jahren weiter auf Binnenorientierung umgesteuert werden.

Bleibt es dagegen in Deutschland beim Export-über-alles-Geschäftsmodell, dann bleiben auch die damit verbundenen Probleme: Kaufkraftauszehrung im Inland und Turbulenzen auf dem Weltmarkt. Deutschland hat mit seinen permanenten und steigenden Leistungsbilanzüberschüssen erheblich zu den globalen Ungleichgewichten beigetragen. Mit seinen riesigen Überschüssen an Geldkapital, hat es die Weltfinanzkrise mit verursacht. In Deutschland summieren sich die Außenhandelsüberschüsse seit dem Jahr 2000 auf über 900 Milliarden Euro, die deutsche Banken möglichst lukrativ im Ausland zu platzieren hatten. Sie legten diese Gelder in der Regel nicht konservativ an – wie z.B. die Chinesen, die in erster Linie US-Staatsanleihen kauften – sondern haben damit gezockt, z.B. mit US-Immobilien, mit Finanzderivaten, subprime-Krediten und anderem. Mit den riesigen Summen den Außenhandelsüberschüssen, die deutsche Finanzjongleure auf den Finanzmärkten unterbringen mussten, bliesen sie in hohem Maße die globale Finanzblase mit auf. Was Wunder, dass nach dem Platzen dieser Blase gerade deutsche Banken, voran die Landesbanken so tief im Schlamassel stecken. Setzt man den deutschen Export-Junkie nicht auf Entzug, dann baut sich das Potenzial für das nächste Desaster auf.

Text: fresch    Grafik: aus Vortrag Joachim Bischof (International Workshop by transform! Europe)

Siehe auch : Fred Schmid - Absturz ohne gleichen: Krisenverlierer, aber auch Krisengewinnler (isw-Newsletter)

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