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10.02.2010: Die Bundeswehr ist mit einem neuen Fall von Missbrauch von Untergebenen konfrontiert. Ein betroffener Soldat hat sich beim Wehrbeauftragten des Bundestags Reinhold Robbe über entwürdigende Mutproben und Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern in Mittenwald beschwert.

Soldaten müssten bis zum Erbrechen Alkohl trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufsteigen zu können.

Auf Anfragen erklärte Ulrich Sander, einer der Bundessprecher der VVN-BdA, zu den jüngsten Vorkommnissen bei den Gebirgsjägern in Mittenwald:

 

Schluss mit den menschenfeindlichen Ritualen bei der Bundeswehr – auch mit der Verehrung der NS-Traditionen durch die Gebirgstruppe

Der Bundesminister zu Guttenberg (CDU/CSU) und der Wehrbeauftragte Robbe (SPD) wären gut beraten, nicht nur die jetzt bekannt gewordenen Fälle von Sauf- und Hierarchie-Ritualen bei den Gebirgsjägern in Mittenwald zu untersuchen, sondern auch die bekannten Rituale der Wehrmachtsverehrung des Kameradenkreises Gebirgstruppe, die alljährlich zu Pfingsten, neuerdings getarnt als „Feldgottesdienste“ und stets mit Unterstützung der Bundeswehr, stattfinden.

Die Gruppe von Historikern „Angreifbare Traditionspflege“ und die VVN-BdA haben immer wieder den Kameradenkreis entlarvt, wogegen dieser langwierige Verfahren vor dem Nürnberger Landgericht anstrengte. Nach Abschluss dieser Verfahren blieb unstrittig, dass über den Kameradenkreis Gebirgstruppe e.V. gesagt werden kann:

1.  „Es wird darauf hingewiesen, dass der Kameradenkreis nicht nur die Kriegsverbrechen der NS-Gebirgstruppe verharmlost und die Täter schützt, er ist nun auch dazu übergegangen, die Nichtverfolgung der Untaten als erforderlich für die heutige Kriegsführung der Bundeswehr und der NATO-Alliierten zu bewerten.“

2. Es darf gesagt werden: dass der „Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. aus dem Kreis der NS-Wehrmachtsangehörigen heraus gegründet wurde und zahlreiche Kriegsverbrecher in seinen Reihen hatte.“

3.  Richtig bleibt weiterhin, dass regelmäßig am Treffen in Mittenwald Kriegsverbrecher teilnehmen. Kriegsverbrecher sind Personen, die an Kriegsverbrechen beteiligt waren, unabhängig davon, ob sie für diese Taten je verurteilt wurden oder nicht.

Der Bayerische Rundfunk zitierte anlässlich der Jahreshauptversammlung des Kameradenkreises im Oktober 2003 einen Beobachter: „Es dürfte der Bundeswehr-Führung und dem Verteidigungsministerium nach den Protesten zu Pfingsten  in Mittenwald und der breiten internationalen Medienresonanz nicht entgangen sein, dass der ‚Kameradenkreis der Gebirgstruppe’ eine Selbsthilfegruppe für NS-Kriegsverbrecher ist und seit seinem Bestehen bis heute NS-Kriegsverbrechen leugnet und beschönigt.“

Ulrich Sander, Sprecher der VVN-BdA, gegen den der Kameradenkreis weitgehend erfolglos klagte, erklärte dazu: „Der Regierung sind die Tatsachen bekannt, aber sie hielt weiter zum Kameradenkreis. Mit der Unterstützung von Wehrmachtsritualen und NS-Traditionen in der Bundeswehr sollten zu Guttenberg  und Robbe endlich Schluss machen. Die gesamte Opposition im Bundestag sollte darauf drängen und eine Untersuchung einleiten.“

Die VVN-BdA hat eine Dokumentation „Eine Mordstruppe“ – Die Wahrheit über den Kameradenkreis Gebirgstruppe – herausgegeben.

Am Pfingstsamstag , den 30.5.2009, stellte der Arbeitskreis „Angreifbare Traditionspflege“ auf dem Bahnhofsvorplatz in Mittenwald ein Denkmal für die Opfer von Nazi-Verbrechen auf. An der Feierlichkeit nahmen über 200 Menschen aus verschieden Ländern teil.

Die Vitrine trägt die Inschriften:

In Trauer um die Opfer der Kriegsverbrechen, die im 2. Weltkrieg von Gebirgsjägern der deutschen Wehrmacht in ganz Europa begangen wurden.
In Gedenken an die unter Beteilung der Gebirgstruppe deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden.
In Erinnerung an den Todesmarsch aus dem KZ Dachau, der am 1. Mai 1945 in Mittenwald befreit wurde.
Der Gemeinde Mittenwald gestiftet am 30. Mai 2009 vom AK „Angreifbare Traditionspflege“.
Die verwendeten Steine stammen aus dem Ort Falzano di Cortona. Der Ort wurde am 27. Juni 1944 von deutschen Gebirgsjägern zerstört.
Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus.


Die Gemeinde Mittenwald räumte das Denkmal am 4. Juni 2009 mit einem Gabelstapler ab.

In diesem Jahr feiert der Kameradenkreis sein Treffen am 8. Mai, dem 65. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus. Die Bundeswehr unterstützt die Gedenkfeiern des Kameradenkreises der Gebirgstruppen e.V. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (16/13064) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (16/12793) hervor. 66 Soldaten würden aus diesem Anlass eingesetzt. Die entstanden Kosten von mehr 3.800 Euro würden dem Kameradenkreis aber in Rechnung gestellt

Text: mami  Foto: AK Angreifbare Traditionspflege


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