Deutschland
Tools
PDF

21.06.2011: Am 22. Juni 1941 überfielen die Truppen des faschistischen Deutschlands und seiner Verbündeten die Sowjetunion. Hätten sie gesiegt, wäre die Menschheit in der Barbarei versunken. Dies abgewendet zu haben, dafür schulden wir -- und mit uns die ganze Welt -- der Sowjetunion, die die Hauptlast im Kampf gegen den Faschismus und bei seiner Zerschlagung trug, für immer großen Dank.

„Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ Das war 1945, nach der Befreiung vom Faschismus und dem Ende des Krieges, der erklärte Wille und Wunsch vieler Menschen in Europa. In den folgenden Jahren gingen Millionen auf die Straße: gegen Remilitarisierung, neue Aufrüstung und gegen die Atomkriegsgefahr.

Inzwischen ist Deutschland wieder im Krieg. Bundeswehr wie Truppen aus anderen EU- und NATO-Ländern sind an vielen Punkten der Welt an Kriegen beteiligt. Mit der Begründung, „Menschenrechte“ durchzusetzen oder zu verteidigen. In Wirklichkeit geht es um den Zugriff des Großkapitals auf knapper werdende Schlüssel-Ressourcen und um geostrategische Positionen. Zudem soll Widerstand gegen Unterdrückung und Armut mit militärischer Gewalt in Schach gehalten werden.

Und der Faschismus wird in EU-Europa -- angesichts zunehmender ökonomischer, sozialer und politischer Widersprüche -- relativiert: Beispielsweise wird der zweite Weltkrieg hierzulande in Medien wie offiziellen Ausstellungen als Folge der Verirrung eines Alleintäters und Psychopathen -- Hitlers -- abgetan. Die Interessen und der Anteil des deutschen Großkapitals an Krieg und Eroberung werden nach wie vor verschwiegen.

Der 70. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion wäre Gelegenheit, sich der historischen Wahrheit zu erinnern, d. h. welche Ziele das faschistische Deutschland mit dem Überfall auf die Sowjetunion verfolgte und auch die Rolle der Industrie und Banken zu benennen. Das Datum böte Gelegenheit, auf die Verbrechen von Sicherheitspolizei, SD, der Wehrmacht und der Polizei, der SS-Truppen in den besetzten Ländern, an die Folgen der Maßnahmen der „zivilen“ Verwaltungen und der Vertreter deutscher Konzerne in den eroberten Gebieten aufmerksam zu machen. Doch das ist nicht gewollt. Auch die Kriegsverbrechen der Wehrmacht gegen Bürgerinnen und Bürger der Sowjetunion blieben nach 1945 im Westen Deutschlands bis zum heutigen Tag weitgehend ungesühnt.

Um glaubwürdig zu erscheinen, wird Geschichte umgeschrieben. Die sozialistischen Staaten Europas -- vor allem die DDR -- werden von Historikern und von Politkern als Gesellschaften dargestellt, die weitaus schlimmer als der Faschismus waren. Behauptet wird zudem, in erster Linie seien die Deutschen Opfer von Krieg und Vertreibung. Auch die Medien leisten dazu ihren Beitrag.

Fast folgerichtig leitete sich daraus Anfang Februar der Antrag „60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen -- Aussöhnung vollenden“ der CDU/CSU-FDP-Mehrheit im Bundestag gegen die Stimmen der Opposition ab, den 5. August künftig als „Vertriebenen-Gedenktag“ zu begehen. Die Bundesregierung will dies jetzt „prüfen“. Ausdrücklich berufen sich die Initiatoren des Antrags auf die 1950 verabschiedete „Charta der Heimatvertriebenen“, ein Machwerk, das unter Federführung alter Nazis entstand. Kein Wort stand darin zum „Generalplan Ost“, zum Massenmord an den europäischen Juden, zu den Morden an den Sinti und Roma.

Zudem darf in der Bundesrepublik von neofaschistischen, revanchistischen und anderen geschichtsrevisionistischen Kräften weiter die Lüge vom „Präventivkrieg“ verbreitet werden. immer wieder wird behauptet, Hitlerdeutschland sei „nur einem Angriff der Sowjetunion“ zuvorgekommen.

Den Überfall auf die Sowjetunion rechtfertigte Hitler in einem Aufruf an die „Soldaten der Ostfront“ vom 22. Juni als „vorbeugende Militäraktion“, um angebliche Absichten der Roten Armee zu durchkreuzen, das Deutsche Reich zu überfallen. „Absichten“, die es nie gab.

Die herrschenden Kreise des faschistischen Deutschlands -- Großkapital, Politik und Militär -- wollten diesen Krieg gegen das erste sozialistische Land der Welt. Und sie bereiteten ihn lange und gründlich vor. Der gesamte europäische Teil der Sowjetunion sollte im Interesse von Industrie und Banken im Zuge einer Neuaufteilung der Welt unter deutscher Vorherrschaft erobert, der Zugriff auf die gewaltigen natürlichen Ressourcen des Landes (Weizen, Kohle, Erdöl, Eisenerz usw.) und Produktionskapazitäten gesichert, neuer „Lebensraum im Osten“ erobert werden. Geplant war deshalb zudem -- das wurde durch den 1942 beschlossenen „Generalplan Ost“ „präzisiert“ -- die Versklavung und Vertreibung der in den eroberten Gebieten lebenden Menschen. Der Tod von Millionen wurde geplant.

Am 18. Dezember 1940 unterzeichnete Hitler die „Weisung Nr. 21 Fall Barbarossa“. Darin wurde befohlen: „Die deutsche Wehrmacht muss darauf vorbereitet sein, auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen. Das Heer wird hierzu alle verfügbaren Verbände einzusetzen haben, mit der Einschränkung, dass die besetzten Gebiete gegen Überraschungen gesichert sein müssen ... Vorbereitungen sind ... bis zum 15.5.41 abzuschließen.“

Bereits die „Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Russland“ vom 19. Mai 1941 forderten von der Wehrmacht zudem „rücksichtsloses und energisches Durchgreifen gegen bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure, Juden“. In den „Richtlinien für die Behandlung der politischen Kommissare“ vom 6. Juni 1941 („Kommissarsbefehl“) wurde der Wehrmacht befohlen, die politischen Kommissare in den sowjetischen Truppen „grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen“. Ähnlich lauteten die „Bestimmungen über das Kriegsgefangenenwesen“ von 16. Juni 1941. Reinhard Heydrich befahl als Leiter des Reichssicherheitshauptamts am 2. Juli höheren SS- und Polizeiführern: „Zu exekutieren sind alle Funktionäre der Komintern (wie überhaupt die kommunistischen Berufspolitiker schlechthin), die höheren, mittleren und radikalen unteren Funktionäre der Partei, der Zentralkomitees, der Gau- und Gebietskomitees, Volkskommissare, Juden in Partei- und Staatsstellungen.“

Das verweist darauf, dass es nicht nur um die Eroberung des Landes und den Zugriff auf seine Ressourcen ging. Ziel war zudem die Vernichtung der Sowjetmacht und ihrer Vertreter, die Zerstörung des Zentrums der internationalen kommunistischen Bewegung.

Der „Erlass über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet Barbarossa“ vom 13. Mai 1941 „befreite“ zudem alle Wehrmachtsangehörigen von Bindungen an Völkerrechtsnormen. Und die Wehrmacht hauste in den besetzten Gebieten gegen die Zivilbevölkerung nicht weniger verbrecherisch als Polizeieinheiten, Gestapo, Sicherheitspolizei, SD und SS.

Hochgerüstet, militärisch und ideologisch bestens vorbereitet sowie kriegserfahren und motiviert durch Eroberungen in West-, Nord- und Südosteuropa, überschritten am frühen Morgen des 22. Juni 1941 -- trotz des zwischen dem faschistischen Deutschland und der Sowjetunion im Jahre 1939 geschlossenen Nichtsangriffspaktes -- die Truppen Hitlerdeutschlands und seiner Verbündeten Finnland, Italien, Rumänien, der Slowakei und Ungarn auf breiter Front die sowjetische Westgrenze. Sie begannen einen barbarischen Vernichtungskrieg, dem über 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer fielen, in dem weite Teile des Landes verwüstet wurden. Sie hinterließen eine Spur des Todes und der Vernichtung. Dieser Überfall bedeutete jedoch auch den Anfang vom Ende der faschistischen Herrschaft über Europa.

Fast fünf Millionen Soldaten -- 190 Divisionen mit 47 000 Geschützen, 4 300 Panzern und etwa 5 000 Kampfflugzeugen -- setzten die Aggressoren am 22. Juni ein. Bereits in den ersten Stunden und Tagen drangen die faschistischen Truppen weit in das Landesinnere vor, zerstörten sowjetische Verteidigungsstellungen, Flugzeuge. Sie hofften auf einen schnellen Sieg, denn der faschistischen Rüstungsindustrie und dem deutschen Generalstab standen zur Vorbereitung und Durchführung des Überfalls auf die UdSSR Rohstoffe, Industrieanlagen, Arbeitskräfte nahezu ganz Europas zur Verfügung.

Das „Unternehmen Barbarossa“ kostete bereits in den ersten Kriegsmonaten Millionen die Freiheit oder gar das Leben. Die Rote Armee verlor bis Ende 1941 4,473 Millionen an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Das waren etwa 92 Prozent der im Juni 1941 bereitstehenden Truppen. Die Hauptkräfte der Roten Armee wurden zunächst zerschlagen, aber nicht kampfunfähig. Im Gegenteil.

Die Anfangserfolge der faschistischen Truppen wurden auch durch politische und militärische Fehleinschätzungen sowie falsche strategische Entscheidungen unter der Führung Stalins möglich, der dafür die Hauptverantwortung trug.

Massive Repressalien zwischen 1937 und 1939 gegen Teile des Offizierkorps, speziell gegen die unmittelbare Führung der Roten Armee, hatten die Streitkräfte gravierend geschwächt.

Zur Situation in den ersten Kriegsmonaten trug wesentlich die Hoffnung bei, das faschistische Deutschland würde den im August 1939 mit der UdSSR geschlossenen Nichtangriffspakt einhalten, man habe mehr Zeit. Zudem wurden konkrete Hinweise (u. a. durch Richard Sorge) auf den Termin des Überfalls ignoriert.
 
Dadurch wurde die Mobilisierung der Armee und die Wirksamkeit der Abwehrkämpfe der ersten Kriegsmonate erheblich beeinträchtigt. Viele Offiziere mussten ihr Handwerk im Kampf lernen. Die schon vor dem Krieg eingeleitete Modernisierung kam zu spät um den Feind früh aufzuhalten.

Der Widerstand nahm -- trotz der Raumeroberungen der faschistischen Wehrmacht, der sowjetischen Verluste an Gefallenen und Kriegsgefangenen, der Zerstörungen und des Terrors -- Tag für Tag zu. Die sowjetischen Truppen formierten sich. Sie leisteten wie die Partisanen in den Wäldern und viele Illegale in den Städten zunehmend entschieden und organisiert Widerstand: So bei der Verteidigung von Odessa von August bis Oktober 1941, die die Erreichung der Blitzkriegsziele im Süden verhinderte, bei der Verteidigung Sewastopols (Oktober 1941 bis Juli 1942), Leningrads (vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944) und vor allem Moskaus. Auch deutsche Kommunistinnen und Kommunisten standen an der Seite der Sowjetunion: im illegalen Kampf, als Partisanen, an den Fronten.

Am 5. Dezember 1941 begannen vor Moskau die sowjetischen Truppen -- unter ihnen Arbeiterbataillone -- zum ersten Mal in diesem Krieg eine groß angelegte Gegenoffensive. Die deutschen Truppen mussten sich zurückziehen.

Die entscheidenden Schlachten, die die Wende in diesem Krieg brachten, fanden in Stalingrad (August/September 1942 bis Anfang März 43) und im Kursker Bogen (5. bis 16. Juli 1943) statt. Die faschistischen Truppen wurden geschlagen.

Zu den großartigen Leistungen der ersten Kriegsmonate gehörte auch, dass ganze Fabriken in gewaltiger Anstrengung in das sowjetische Hinterland transportiert wurden und -- oft ehe neue Werkhallen und Unterkünfte standen -- ihre Produktion wieder aufnahmen.

Durch kaum vorstellbare Anstrengung der an der Front und im Hinterland des Feindes Kämpfenden, der in der Rüstungsindustrie Beschäftigten, des ganzen Volkes unter der Führung der Kommunistischen Partei, wurde Geschichte gemacht: Die Sowjetunion trug nicht nur die Hauptlast beim Kampf gegen den Faschismus. Sie befreite nicht nur das eigene Land, sondern 1944 und 1945 zudem den größten Teil Europas vom faschistischen Joch.

Diese großen Leistungen des sowjetischen Volkes und seiner Armee dürfen niemals vergessen werden.
 
In der Bundesrepublik ist Antikommunismus seit Jahrzehnten Staatsräson. Vor allem in den osteuropäischen EU-Ländern wird der Antikommunismus heute gefördert -- unterstützt von einer Mehrheit im europäischen Parlament -, um alle Erinnerungen an den gemeinsamen Kampf gegen die faschistische Barbarei, gegen den Faschismus und den Anteil der Kommunistinnen und Kommunisten daran zu tilgen. Zugleich wird das Engagement von Antifaschistinnen und Antifaschisten, die sich heute reaktionären Entwicklungen und Nazi-Aufmärschen entgegenstellen, diskreditiert oder kriminalisiert.

Wir Kommunistinnen und Kommunisten werden jedoch weiter offensiv gegen Geschichtsfälschung eintreten! Wir stehen ein für die Verbreitung der historischen Wahrheit, gegen die Rechtfertigung von Faschismus und Krieg. Wir werden auch künftig daran erinnern, dass die sowjetischen Menschen und ihre Rote Armee den Hauptanteil an der Niederschlagung des Faschismus in Europa hatten!

Wir werden uns -- auch in ihrem Sinne -- solange am Widerstand gegen Neofaschismus und gegen Nazi-Aufmärsche beteiligen, bis diese Geschichte sind!

Eine Welt des Friedens, der Freiheit, der Gleichberechtigung, der Solidarität aller Menschen und der sozialen Gerechtigkeit, der Sozialismus, bleibt unser Ziel.

Erklärung des Parteivorstandes der DKP zum 70. Jahrestag des Überfalls des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion
(Beschluss der 3. DKP-Parteivorstandstagung am 26./27. März 2011)

Der Kommentar

Rechte Gewalt in Deutschland und die Ordnung im Bundestag

Rechte Gewalt in Deutschland und die Ordnung im Bundestag

Ein Kommentar von Bettina Jürgensen   

15.10.2019: Mit dem Anschlag in Halle, bei dem zwei Menschen ermordet wurden, findet faschistische, rassistische und antisemitische Gewalt in diesem Land seine erschreckende ...

weiterlesen

marxistische linke - Partnerin der Europäischen Linken

Bundesmitgliederversammlung marxistische linke

Bundesmitgliederversammlung marxistische linke

Bundesmitgliederversammlung
marxistische linke -
»ökologisch, emanzipatorisch, feministisch, integrativ«

Samstag, 19. Oktober 2019, 15:00 Uhr

öffentliche Veranstaltung

Marxismus - Feminismus

mit Bettina Gutperl

Ort: ND-Gebäude, B...

weiterlesen

Videos

BlackRock - Die unheimliche Macht eines Finanzkonzerns

BlackRock - Die unheimliche Macht eines Finanzkonzerns

23.09.2019: Keiner verfügt über mehr Geld als der amerikanische Finanzinvestor BlackRock. Über sechs Billionen US-Dollar verwaltet der Konzern. Der Dokumentarfilm "BlackRock – Die unheimliche Macht eines Finanzkonzerns" ...

weiterlesen

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier