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AKW_Brokdorf31.03.2012: Es vergeht kaum ein Tag in Schleswig-Holstein ohne neue Informationen über alarmierende Zustände an den drei Atomkraftwerken in Krümmel, Brunsbüttel und Brokdorf. Am Mittwoch musste das AKW Brokdorf vom Netz genommen werden. Dort waren bei der Inspektion von Brennelementen aus dem Lagerbecken für abgebrannte Brennelemente einzelne gebrochene Niederhaltefedern entdeckt worden. Sie sollen ein Abheben der Brennelementen beim Betrieb der Anlage verhindern. Im Reaktor werden Brennelemente der gleichen Charge verwendet. Deshalb müsse jetzt geklärt werden, ob an diesen auch Schäden sind, so die E.on-Sprecherin.Weil die gebrochenen Federn erst nach dem Abbrand im Reaktor sichtbar wurden, befürchten die Behörden nun, daß auch aktive Brennelemente betroffen sein könnten.  In diesem Zusammenhang überraschte die Sprecherin mit der - wohl verharmlosend gemeinten Aussage - dass schon in der Vergangenheit Schäden an den Niederhaltefedern der Brennelemente aufgetreten seien. Ein offenes Eingeständnis, dass die Profitlogik beim E.on-Konzern oberste Priorität hat – auf Kosten der Sicherheit der dort Beschäftigten und der umliegenden Bevölkerung.

Am Freitagvormittag lagen dem Kieler Justizministerium als Atomaufsichtsbehörde noch keine Untersuchungsergebnisse vor, sagte Ministeriumssprecher Oliver Breuer. Umweltverbände zeigen sich irritiert darüber, daß sich Defekte an Brennelementen in der ganzen Republik häuften. Deshalb sei eine Überprüfung anderer Druckwasserreaktoren vom Brokdorfer Bautyp notwendig. Die Elemente würden außerdem immer intensiver genutzt, was Hitze und Radioaktivtät noch erhöhe.

Bereits Mitte März hatte Brokdorf-Betreiber Eo.n in der Kritik gestanden. Die Bremer Meßstelle für Arbeits- und Umweltschutz (MAUS e.V.) beschuldigte den Konzern, für eine erhöhte Häufigkeit von Krebsfällen in der Umgebung des Meilers verantwortlich zu sein. Das Krebsregister Schleswig-Holstein habe das bereits 2009 festgestellt. Die Behörden haben die Bedenken laut MAUS aber zurückgewiesen, weil die statistische Erhebung auf zu wenigen erfaßten Erkrankungen beruhe.

Wenige Tage vor Bekanntwerden der Probleme am  AKW Brokdorf verärgerte bereits der Vattenfall-Konzern die Atomaufsicht in Kiel. Der Stromkonzern teilte nämlich lapidar mit, er werde nicht – wie vereinbart- bis Ende März Abbaukonzepte für die stillgelegten Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel vorlegen. Die Genehmigungen zum Betrieb waren Vattenfall – wegen immer wieder auftretender Störfälle an beiden "Schrottreaktoren"- bereits vorigen Sommer entzogen worden. Das verschlug sogar dem zuständigen Minister in der CDU-FDP-Regierung die Sprache:"Ich bin – zurückhaltend formuliert – überrascht über diese Entwicklung. Ich lasse jetzt von der Atomaufsicht prüfen, ob wir Vattenfall eine rechtlich bindende Frist zur Vorlage der Abbaukonzepte setzen können,"so Justizminister Schmalfuß.

Atomkraftgegner argwöhnen, dass Vattenfall vielleicht darauf setzt, dass Deutschland vom Atomausstieg wieder aussteigen könne und man deshalb, was Rückbaukonzepte und -maßnahmen betrifft, einfach mal auf Zeit spielt.

Und nicht zu vergessen: Bereits im Dezember waren im AKW Brunsbüttel 500 völlig durchgerostete Fässer bei einer Umfüllaktion zerbrochen. Die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein erhielt aber erst Wochen später einen Hinweis auf den Zwischenfall. Nach Angaben des zuständigen Ministeriums wurde in den Kavernen des Zwischenlagers in Brunsbüttel eine Strahlenbelastung von 500 Millisievert pro Stunde gemesssen. Zum Vergleich: Arbeiter in Atomkraftwerken fürfen maximal einer Strahlenbelastung von 20 Millisievert ausgesetzt sein - im Jahr. Greenpeace übte deshalb scharfe Kritik: "Vattenfall scheint kein Zwischenlager, sondern eine atomare Müllkippe im Keller zu haben."

Und Mitte März berichtete die Bergedorfer Zeitung, dass auch im AKW Krümmel in unterirdischen Kavernen rund 1.100 Fässer mit schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen in beschädigten Fässern lagern.

Auf der Kundgebung der Atomkraftgegner am 11.März am AKW Brokdorf war man sich einig: Die fast täglich bekanntwerdenden Störfälle (wie viele werden von den Betreibern vertuscht?) in Deutschlands neun noch am Netz befindlichen AKWs sind tickende Zeitbomben. Hier kann jeden Tag ein ähnlicher Unfall wie in Japan passieren. Abgeschriebene AKWs sind für die Betreiber (siehe E.on und Vattenfall) wahre Goldesel. Profitgier, Lügen und Ignoranz kommen zusammen, damit die Betreiber mit jedem abgeschriebenen  AKW ca. eine Million Euro Gewinn pro Tag machen können! Deshalb pokern sie um lange Laufzeiten.
 
Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Skandale muss das für die schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke bedeuten: Sofortige und endgültige Abschaltung des AKW Brokdorf! Den Energiekonzernen Vattenfall und e.on ist die Betriebserlaubnis für die AKWs Brokdorf, Brunsbüttel und Krümmel sofort zu entziehen!
Zu diesen Forderungen sollte es in Schleswig-Holstein möglich sein, einen Konsens und ausserparlamentarische und parlamentarische Initativen zu entwickeln. Hier sind jetzt Anti-Atombewegung, Gewerkschaftsbewegung, SPD, Grüne, SSW, Linke, DKP und viele andere gefordert.

Text: gst    Foto: stefan.karstens

 

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