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Kiel_nov_rev_2012_gst_DSCN210004.11.2012: Mit einer Rundfahrt zu Orten der Kieler Revolution von 1918 gedachten Kieler Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten und zeitgeschichtlich interessierte Bürger am 3. November 2012 den Arbeitern, Soldaten und Matrosen, die vor 94 Jahren mit ihren revolutionären Aktionen in Kiel den Anstoß zur Novemberrevolution in Deutschland gaben. Organisiert vom Initiativkreis "Kiel und die Revolution 1918" und dem Umweltbildungsverein "Geo step by step" wurden an prägnanten historischen Orten – so am "Platz der Matrosen" (dem Bahnhofsvorplatz), am Revolutionsdenkmal, am Gewerkschaftshaus (dem damaligen Sitz des Arbeiter- und Soldatenrates) und an der Grabstätte der Opfer der Revolution – das revolutionäre Geschehen plastisch vor Augen geführt und historische Hintergrundinformationen geliefert.

Kiel_nov_rev_2012_gst_DSCN2111Dazu trugen u.a. der Leiter des Kieler Stadtarchivs,Johannes Rosenplänter, der Kusthistoriker Jens Rönnau sowie Klaus Kuhl, Eva Börning und Christel Pieper bei, die seit Jahren durch Stadtführungen und vielfältigen Veranstaltungen in Kiel die Erinnerung an die roten Matrosen, Soldaten und Arbeiter wachhalten. In einer Rede an der Grabstätte der Opfer der Novemberrevolution beleuchtete Bettina Jürgensen (DKP -Vorsitzende) anhand des Lebenslaufes der Revolutionärin und ersten Ministerin in Deutschland, Minna Fassbauer, die Rolle der Frauen in der Novemberrevolution. Sie legte dar, dass es gerade auch der Kampf um Frieden war, der damals viele Menschen bewegte,  aktiv zu werden. Dabei machte sie deutlich, dass das  Vermächtnis der revolutionären Arbeiter und Soldaten nicht nur als Mahnung zu verstehen sei, sondern als Aufforderung auch heute gegen Kriege einzutreten. Die Ziele, für die damals gekämpft wurde, sind auch heute noch aktuell und brauchen den gemeinsamen Einsatz, um sie zu verwirklichen.

Kiel_nov_rev_2012_gst_DSCN2089Einig waren sich die Teilnehmer der Veranstaltung darin, nicht nachzulassen, die progressiven und demokratischen Impulse der Novemberrevolution wachzuhalten und für die heutige Politik zu nutzen. So ist es nach wie vor ein Skandal, dass im öffentlichen Kieler Stadtbild immer noch Namen wie Scheerhafen, Tirpitzmole und Hindenburgufer präsent sind, aber Namen wie Köbis, Artelt und anderer mutiger Menschen, die gegen Krieg und Militarismus gekämpft haben, keine öffentliche Würdigung finden.


 

Sonntag, 3. November 1918: 6.000 Matrosen, Soldaten und Arbeiter ziehen durch die Straßen Kiels mit dem Ziel, die gefangenen Kameraden im Gefängnis zu befreien. Als sich Soldaten  den Demonstranten in den Weg stellen, um sie am Vordringen zum Gefängnis zu hindern, kommt zum Schusswechsel. 7 Tote und 29 Verletzte auf Seiten der Demonstranten bleiben zurück und die Demonstration löst sich auf.

Montag, 4. November 1918: Bewaffnete Soldaten und Arbeiter ziehen am frühen Morgen von Kaserne zu Kaserne und entwaffnen die Offiziere; bewaffnete Soldaten und Arbeiter prägen das Stadtbild Kiels. Die Matrosen des 3.Geschwaders wählen Soldatenräte, entwaffnen ebenfalls ihre Offiziere und hissen auf den Kriegsschiffen in der Kieler Förde die rote Fahne. Bewaffnete Matrosen, jetzt unter dem Kommando ihrer Soldatenräte, besetzen das Militärgefängnis und befreiten ihre Kameraden  und besetzen öffentliche Gebäude und Bahnhöfe. Am Nachmittag trifft eine Abteilung Heeresssoldaten aus Altona auf dem Kieler Bahnhof ein, die zur Niederschlagung des Matrosenaufstandes angefordert worden war. Sie wird bei Ankunft auf dem Bahnhof von Soldaten und Arbeitern entwaffnet. Nachdem die Arbeiter der Germaniawerft und der Torpedoanstalt die Arbeit niederlegen, beschließen die Werftarbeiter Kiels den Generalstreik.  Am Abend des 4. November ist Kiel in der Hand der Matrosen, Soldaten und Arbeiter.

Damit gab Kiel das Signal zur Novemberrevolution in Deutschland.

Text/fotos: gst

 

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