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Hans-Beimler Waldthurn-120.12.2016: Im Herzen der Oberpfalz liegt die ländliche Marktgemeinde Waldthurn mit knapp 2.000 Einwohnern; politisch fest in der Hand der CSU. Am 1. Dezember 2016 ehrte die Gemeinde ihren bekanntesten Bürger mit einer Ehrentafel am Rathaus: Den legendären Kommunisten Hans Beimler, der 80 Jahre vorher bei der Verteidigung Madrids gegen die Franco-Putschisten gefallen war.


Die Marktgemeinde Waldthurn mit ihren knapp 2.000 Einwohnern liegt im Nordosten Bayerns in der tiefsten Oberpfalz. Im 15-köpfigen Stadtrat hält die CSU acht Mandate, die Freien Wähler vier und die SPD kommt immerhin auf drei Stadträte. Doch am 1. Dezember schallte das Hans-Beimler-Lied über den Platz vor dem Rathaus, gespielt von der Trachtenkapelle Waldthurn und gesungen vom Dritten Bürgermeister der Marktgemeinde. (Video) Die Gemeinde ehrte ihren bekanntesten Bürger, den legendären Kommunisten Hans Beimler.

Hans Beimler hatte bis zu seinem 16. Lebensjahr bei seinen Großeltern in Waldthurn gelebt. Bekannt wurde er als bayerischer Landtagsabgeordneter und später Reichstagsabgeordneter der KPD; legendär seine Flucht aus dem Konzentrationslager Dachau.

Als Demokraten aus der ganzen Welt nach Spanien gingen, um die spanische Republik gegen die faschistischen Franco-Putschisten zu verteidigen, schloss sich auch Hans Beimler den Internationalen Brigaden an. Als politischer Kommissar des 'Thälmann-Bataillons' der XI. Internationalen Brigade unterstützte er die republikanische Seite. Am 1. Dezember 1936 fiel er bei der Verteidigung Madrids. Vom Tage der Aufbahrung in Madrid bis zu seiner Beisetzung auf dem Bergfriedhof Montjuïc in Katalonien nahmen mehr als zwei Millionen Spanier von Hans Beimler Abschied.

Von welchem anderen Oberpfälzer lässt sich sagen, dass zwei Millionen Menschen an seiner Beerdigung teilgenommen haben, begründet Bezirkstagsvizepräsident. Lothar Höher (CSU) die Ehrung. Beimler war "in Spanien ein Held, der einfach vergessen wurde".

Und tatsächlich könnte die öffentliche Wahrnehmung Hans Beimlers nicht unterschiedlicher sein: In der DDR trugen in Erinnerung an den antifaschistischen Widerstandskämpfer viele Straßen und Schulen den Ehrennamen 'Hans Beimler', im Westen wurde er vergessen oder bewusst totgeschwiegen. Auch in der Oberpfalz ist sein Name in der breiten Bevölkerung in Vergessenheit geraten. "Weil er Kommunist war und seine politische Gesinnung bei uns nicht gewollt war", meint Waldthurns Erster Bürgermeister Josef Beimler (CSU). Aber jetzt soll Hans Beimler in seiner Heimatgemeinde wieder bekannt werden, denn "er hat sich für die Arbeit eingesetzt und den Nazis Widerstand geleistet", so Gemeindeheimatpfleger Georg Schmidbauer.

Landrat Andreas Meier (CSU) lobt den Mut der Marktgemeinde, die mit der Ehrung Hans Beimlers die Geschichte in die Gegenwart zurückhole und damit einen Denkanstoß gebe.

Gemeindeheimatpfleger Georg Schmidbauer knüpfte in seiner Festrede daran an. Auch wenn die Ideale Hans Beimlers andere gewesen seien, so sei es in Zeiten, wo der rechtsextreme Mob Anschläge verübt, ein wunderbares Zeichen, dass Waldthurn dem Widerstandskämpfer Beimler eine Gedenktafel widmet, sagte er.

Für Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher ist Hans Beimler ein tapferer, großer Mann, der mit der Errichtung einer Gedenktafel nach Waldthurn heimgekehrt sei. Er habe sich dem Nazi-System entgegengestellt, das Millionen Tote und ein zerstörtes Europa hinterlassen hat.

"In der heutigen Zeit, wo der Rechtsradikalismus anfängt, sein Haupt zu erheben, brauchen wir Vorbilder wie Beimler", sagte Anette Karl, SPD Landtagsabgeordnete.

Damit der Schulterschluss mit dem Kommunisten nicht zu eng wird, wies der an der Universität Regensburg tätige Historiker und Oberpfälzer Bezirksheimatpfleger Tobias Appl darauf hin, dass Hans Beimler trotz einer langen Liste an Vorzügen "nur bedingt als Eins-zu-Eins-Vorbild" diene könne, und als Held vielleicht noch weniger. Aber auch er würdigte die mutige Haltung Beimlers gegenüber den Schergen des Dritten Reichs, die auch heute noch höchsten Respekt verdiene. Und dennoch: Beimlers Leben stand im Dienst einer undemokratischen Weltanschauung, so der Bezirksheimatpfleger.

Schließlich enthüllten Heimatpfleger Georg Schmidbauer und Bezirkstagvizepräsident Lothar Höher (CSU) feierlich die Hans-Beimler-Gedenktafel, die am Rathaus angebracht wird.
Im Foto oben von links nach rechts:
Landrat Andreas Meier (CSU), Heimatpfleger Georg Schmidbauer, Landtagsabgeordnete Anette Karl (SPD), Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher (CSU), Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (SPD), Waldthurns 1. Bürgermeister Josef Beimler (CSU).

Eingeladen war auch die Hofer DKP. "Randolf Oechslein und Eva Petermann von der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) aus Hof waren samt Fahne der VVN (Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) angereist", berichtete die Oberpfälzer Lokalzeitung ONetz.

 

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