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DGB Elmshorn Rallye Armut 82014.12.2017: Am Nikolaustag, den 6.12., hatte der Seniorenausschuss der IGM–Unterelbe Besonderes vor: eine demonstrative Rallye mit markanten Orten zur Reichtums- bzw. Armutssymbolik. 20 Kolleginnen und Kollegen hatten sich Sandwichplakate mit Fakten zur Armut und zum Reichtum umgehängt - vorneweg das Transparent „Armut überwinden - Reichtum teilen!“. Los ging es mit einem Begrüßungswort durch IG-Metaller Hans Jürgen Nestmann zum Aldi Markt.

ALDI Wedenkamp

Kollege Heinz Stehr verwies dort in seinen Statement auf den Reichtum der Familie Albrecht. Sie besitzt 46 Milliarden Dollar! Stehr forderte eine Umverteilung großer Vermögen. Allein im Kreis Pinneberg lebten 2014 69 Einkommensmillionäre (s. unten).

Tafel des Christlichen Zentrums Arche

Die nächste Station war die Tafel des Christlichen Zentrums Arche. Deren Leiterin Frau Lippert informierte darüber, dass täglich mehr als 200 Menschen mit Nahrung, Mahlzeiten und Sachgütern versorgt werden. Sie verwies auf das ständige Anwachsen der Nachfrage und auf die Tatsache, dass die bisherige Versorgung nicht in vollem Umfang für die Zukunft abgesichert ist.

DGB–Haus

DGB Elmshorn Rallye Armut 816Peter Brandt, Vorsitzender des DGB Kreisverbandes, informierte vor dem DGB–Haus über Altersarmut und Ursachen für die Rentenprobleme. Er schilderte die aktuell steigende Altersarmut und wies auf kommende Armutsentwicklungen hin. Gewerkschaften sind herausgefordert, in gesellschaftlichen Bündnissen diese Problematik bewusst zu machen und für konstruktive Alternativen zu streiten.

Filiale der Deutschen Bank

Die nächste Station war eine Filiale der Deutschen Bank. Der Kollege Gerhard Jürgens von Verdi verwies auf die ständig steigenden Profite der Banken insbesondere seit der großen Finanzkrise. Oft werden zusätzliche Profite durch Personalabbau erwirtschaftet. „Nur noch 2% der weltweit getätigten Finanztransaktionen haben irgendeinen Bezug zur Realwirtschaft“ - heißt es im Aktionsflyer.

Rathaus

Die letzte Station war das Rathaus, hier belegte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Elmshorn, dass Armut oft weiblich ist. Familientrennungen, Kindererziehung, Teilzeit und schlechtere Bezahlung für gleichwertige Arbeit treffen Frauen besonders hart.

Kai Trulson, Bevollmächtigter der IG–Metall, beendete die Rallye mit einem leidenschaftlichen faktenreichen Schlusswort zur notwendigen Bekämpfung der Armut. Er verwies auf den Skandal, dass in Elmshorn mehr als 25 % aller Kinder unter Armutsbedingungen aufwachsen müssen. Er kündigte weitere Aktivitäten der IGM für mehr Gerechtigkeit an und dankte den Aktiven für ihre Initiative.

Eine gelungene Aktion ging zu Ende. Der Seniorenausschuss war zufrieden mit der Resonanz. Die Elmshorner Nachrichten berichteten mit einer halben Seite über die Aktion.

Erste Ideen für die Planung weiterer notwendiger Aktionen machten schon die Runde.

Text: Heinz Stehr     Fotos: Sirko Hartmann, igm


Redebeitrag von Heinz Stehr an der ersten Station der Rallye: Aldi am Wedenkamp

DGB Elmshorn Rallye Armut 808Als wir, der Seniorenausschuss IGM Unterelbe diese Aktion planten waren die  Haltestellen der Armut schnell gefunden, beim Reichtum war es schon schwieriger. Der existiert gut getarnt als Normalität in der Gesellschaft.

Die Familie Albrecht z. B. wird eher als „Wohltäter“ für die ärmeren Bevölkerungsteile empfunden, sie werden selbst als kleine Leute, die es zu etwas gebracht haben, gesehen. Dabei schwingen noch herzzerreißende Anekdoten mit, wie jene, als Theo Albrecht einer Verkäuferin geholfen habe, Flaschen in ein Regal einzusortieren, um sie schneller mit eigenem Wagen nachhause zu ihrer Familie zu bringen.

Familie Albrecht(Aldi) wird  als ein „bisschen Robin Hood“ gesehen, die ärmeren hilft.

Legenden haben ein langes Leben!

Aber wie sehen die Realitäten aus;

  • die Aldi Süd Besitzer der Familie Albrecht werden in der Liste der reichsten Deutschen mit 27,2 Milliarden US-Dollar auf dem Weltranglistenplatz 24 in der Forbes Liste geführt.
  • die Aldi Nord Besitzer sind mit 18,8 Mrd.US Dollar „nur“ auf Platz 4 in Deutschland und auf Platz 44 in der Welt.
  •  die Aldi Nord Besitzerfamilie hat nach eigenen Angaben 4800 Filialen mit einem Umsatz von 20 Mrd.US Dollar. Diesen erwirtschaften 58 000 Menschen.

In den Elmshorner Nachrichten vom 21.11.2017 heißt es: „Markus, Lukas und Jakobus. Die drei Apostel hüten ein milliardenschweres Erbe – jenes von Theo Albrecht dem Gründer von „Aldi Nord“.  In diesen EN Artikel wird über einen Rechtsstreit über das Vermögen in der „heiligen“ Familie Albrecht berichtet. Stiftungen hüten den Schatz, steuerbegünstigt und krisensicher- Panama Papers, Steueroasen lassen grüßen.

Der Reichtum wächst unaufhörlich, die jetzigen Erben haben nichts dazu beigetragen. Außer ihren Streit aktuell, sind sie gesellschaftlich nicht wahrnehmbar.

Die 58 000 Beschäftigten haben schon entscheidend zum Reichtum beigetragen, sie erwirtschaften den Profit täglich in vielen Läden. Sie unterliegen harten Arbeitsbedingungen und können sich trotz Arbeit keine Reichtümer aneignen und erhalten nach den Arbeitsleben eine kleine Rente.

Bert Brecht der geniale Denker und Dichter brachte diesen Zustand auf den Punkt:
„Reicher Mann armer Mann standen da und sahen sich an, und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm wärst du nicht reich!“

Inzwischen ist die Dimension der Ungerechtigkeit der Verteilung von Vermögen unerträglich gewachsen. Heute besitzen eine Million Dollar- Millionäre so viel an Geldvermögen wie die übrigen über 81 Millionen Deutsche. Die Millionärsvermögen stiegen in den Jahren nach der Bankenkrise um 13,9%. Gleichzeitig hungern nach Angaben der UN weltweit 860 Millionen Menschen, sind in Hamburg 2500 Menschen (lt.EN) obdachlos und in Elmshorn versorgt die Tafel täglich 140 Menschen mit Essen und Sachgütern.

Reichtum kann nicht existieren ohne Armut, Ausbeutung und ohne günstige gesellschaftliche Rahmenbedingungen die für die Reichen geschaffen wurden. Es ist kein Sozialneid oder gar Missgunst wenn wir als Gewerkschafter gegen obszönen Reichtum sind. Es ist auch eine Frage der Gerechtigkeit, von Ethik und Moral und von prinzipieller Gleichwertigkeit aller Menschen wenn wie eine Umverteilung zu Lasten der Reichen zugunsten der Beschäftigten, Erwerbslosen und Armen fordern. Die abgeschaffte Vermögenssteuer muss wieder her, der Spitzensteuersatz muß erhöht werden, die Millionärssteuer kann ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit sein. Umverteilung heißt das Zauberwort.

Löhne, Gehälter, Renten, Sozialleistungen müssen den Lebenshaltungskosten entsprechend so sein, das Leben entsprechend der Leistungen und eines humanen selbstbestimmten Lebens in Würde möglich ist. Jene die täglich arbeiten schaffen die Werte. Das Grundgesetz dieses Landes verlangt die Sozialpflichtigkeit des Eigentums. Das ein Stück weit mehr durchzusetzen, erfordert unser Engagement und unsere Bereitschaft unbequem zu bleiben und für mehr Gerechtigkeit z.B. auch durch Lohnerhöhungen von mindestens 6,5 % bei den stattfindenden  Tarifverhandlungen zu kämpfen. Geschenkt wird uns nicht: Nur wer kämpft kann gewinnen!

Die „Zeit“ vom 26.Jan.2017 brachte 8 Seiten über Karl Marx, dessen 200 Geburtstag wir 2018 begehen, und fragte: Hatte Marx doch recht?

Meine Meinung: er hatte Recht, es lohnt ihn zu lesen und danach zu handeln!

 

txt: Heinz Stehr

 

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