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Kolumbien FARC Erklaerung 2019 08 29 Video29.08.2019:  Der Friedensprozess in Kolumbien ist gescheitert. Führende Vertreter der früheren Guerillaorganisation FARC-EP haben in einem in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Video die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes angekündigt.

Die ehemalige Nummer zwei der kolumbianischen Guerilla der FARC, Luciano Marín Arango alias "Iván Márquez", dessen Aufenthaltsort seit mehr als einem Jahr unbekannt ist, hat in einem in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Video zusammen mit anderen ehemaligen Führern der FARC-EP "eine neue Phase des bewaffneten Kampfes" angekündigt.

Márquez war Leiter des FARC-Verhandlungsteams bei den Friedensgesprächen in Havanna. Nach der Umwandlung der Guerillaorganisation Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo FARC-EP (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens - Volksarmee) in die politische Partei Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común FARC Ende August 2017 wurde Márquez zum Senator ernannt - eine Funktion, die er nicht übernahm. Mitte April 2018 zog er an einen Treffpunkt für Ex-Kombattanten in Miravalle im Departement Caquetá (Süden), wo er zuletzt in Begleitung von "El Paisa" gesehen wurde.

Kolumbien FARC Gruendung Die Guerillaorganisation FARC hat sich in eine politische Partei umgewandelt 

 

In dem im Internet veröffentlichten Video sagt Márquez: "Wir verkünden der Welt, dass die zweite Marquetalia (Geburtsstätte der FARC vor mehr als einem halben Jahrhundert) unter dem Schutz des universellen Rechts aller Völker der Welt begonnen hat, sich in Waffen gegen die Unterdrückung zu erheben."

Zu seinen Begleitern gehören Seuxis Paucias Hernández, alias "Jesús Santrich", und Hernán Darío Velásquez, alias "El Paisa". Hinter ihnen ist die Losung zu lesen, die auch die Überschrift einer von Márquez verlesenen Erklärung ist: "Solange es den Willen zum Kampf gibt, besteht Hoffnung auf den Sieg".

 

Während der Verhandlungen mit der Regierung – an denen neben Márquez auch Santrich direkt beteiligt war – habe man die Hoffnung gehabt, den jahrzehntelangen Bürgerkrieg beenden zu können. In dem Video erklärt er, dass die Entscheidung, zu den Waffen zurückzukehren, "die Reaktion auf den Verrat des Staates an dem Friedensabkommen von Havanna ist".

Kolumbien nos estan matando 1
#NosEstanMatando – Sie bringen uns um    

 

Márquez klagt an, dass seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens, das im November 2016 stattfand, "und der naiven Abgabe der Waffen durch die Guerilla im Austausch für nichts", die Ermordung von Aktivist*innen der sozialen Bewegungen und ehemaligen Guerillas nicht gestoppt wurde. Er beschuldigt die kolumbianische Regierung sich nicht an das Abkommen gehalten zu haben. "In zwei Jahren wurden mehr als 500 Führer*innen der sozialen Bewegung ermordet, und jetzt wurden 150 Guerillas im Rahmen der Gleichgültigkeit und Untätigkeit des Staates getötet."

"All dies, die Falle, der Verrat und die Tücke, die einseitige Änderung des Textes des Abkommens, die Nichteinhaltung der Verpflichtungen durch den Staat, die gerichtlichen Maßnahmen und die Rechtsunsicherheit, zwingen uns, in die Berge zurückzukehren", lautet die Schlussfolgerung.

 

"Wir wurden nie ideologisch besiegt. Deshalb geht der Kampf weiter. Die Geschichte wird auf ihren Seiten festhalten, dass wir gezwungen waren, wieder zu den Waffen zu greifen."
Iván Márquez

In dem Manifest heißt es, dass dieser neue Aufstand, der den Namen und die Symbole der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) trägt, nicht auf Soldaten oder Polizisten abzielt, die "die Interessen der Bevölkerung respektieren", sondern ausschließlich auf "jene korrupte, mafiöse und gewalttätige Oligarchie, die glaubt, dass sie weiterhin die Tür zur Zukunft eines Landes blockieren kann". Die neue FARC werde nur auf die Offensive reagieren und werde "den Dialog mit Geschäftsleuten, Viehzüchtern, Händlern und den wohlhabenden Menschen des Landes suchen, um auf diese Weise ihren Beitrag zum Fortschritt der ländlichen und städtischen Gemeinschaften zu suchen".

In dem Video sagt der Guerilla-Comandante, dass sie von irgendwo im Gebiet des Inírida-Flusses sprechen, der sich in der südöstlichen Amazonasregion des Landes befindet, nahe den Grenzen zu Venezuela und Brasilien. Er kündigt an, dass "wir versuchen werden, die Bemühungen mit der Guerilla der ELN und mit den Genossinnen und Genossen zu koordinieren, die ihre Fahnen nicht eingezogen haben".

Rodrigo Londoño (Partei FARC): "Diejenigen, die sich vom Frieden distanzieren, irren sich"

Der ehemalige Oberbefehlshaber der FARC, Rodrigo Londoño, sagte, dass die "große Mehrheit" der ehemaligen Guerilla-Kämpfer dem Frieden "trotz aller Schwierigkeiten und Gefahren" verpflichtet geblieben sei. Rodrigo Londoño leitet nun die politische Partei Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común FARC, die sich nach der Umwandlung der FARC gebildet hat.

Auf Twitter erklärte er: "Unsere Verpflichtung besteht heute mehr denn je, als Mehrheit, als Partei, als Land, in Frieden, Verteidigung und Einhaltung des Abkommens. Diejenigen, die sich vom Frieden distanzieren, irren sich, ebenso wie diejenigen, die ihn immer angegriffen haben." (https://twitter.com/TimoFARC)

Kolumbien Krieg definitiv vorbeiIn einer Erklärung des Parteiführung der Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común FARC heißt es:

"Wir rufen das kolumbianische Volk, die Regierung, die internationale Gemeinschaft, Geschäftsleute, Gewerkschaften, soziale und populare Bewegungen, die ehemaligen Guerillas, die sich der Herausforderung des offenen politischen Kampfes gestellt haben, auf, die Abkommen von Havanna und ihren Umsetzungsprozess wie nie zuvor zu unterstützen. Dies ist keine Zeit zum Zögern. Krieg kann nicht das Schicksal dieses Landes sein. Wir werden hier fortfahren und bereit sein, alles für Frieden und soziale Gerechtigkeit zu geben." (Quelle: http://partidofarc.com.co/es/actualidad/declaraci%C3%B3n-p%C3%BAblica-543)

Rückschlag für die UN-Friedenspolitik

Für den Lateinamerikaexperten Harald Neuber (amerika21) bedeutet die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes einen herben Rückschlag für die UN-Friedenspolitik und zeigt "das Scheitern einer halbherzigen deutschen UN-Politik".

Auf Facebook schreibt Neuber: "Diese Entscheidung durch führende Köpfe der ehemaligen kolumbianischen Guerillaorganisation FARC ist ein herber Rückschlag für die UN-Friedenspolitik. Diese Friedenspolitik wurde von der Regierung von Präsident Iván Duque und Hardlinern der Oberschicht konsequent sabotiert, um die eigenen agrarwirtschaftlichen Interessen und die ausländischer Konzerne zu schützen. Die mögliche Neugründung einer Guerilla in Kolumbien nur drei Jahre nach dem Friedensabkommen zwischen Regierung und Farc zeigt zugleich das Scheitern einer halbherzigen deutschen UN-Politik. Die Bundesregierung hat nicht geschafft, mit ihrem Engagement in Kolumbien den Frieden zu wahren und abzusichern, weil sie sich nicht getraut hat, die aggressive Politik der Regierung Duque zu kritisieren. Eine Katastrophe."


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