Der Kommentar
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25.02.2011: Kommentar von Albano Nunes, Mitglied des Sekretariats des Zentralkomitees der Portugiesischen Kommunistischen Partei PCP, zur Entwicklung im arabischen Raum:

Grosse Anstrengungen wurden unternommen, damit wir es vergessen, aber aufgezeigt durch den wahrhaftigen Volksaufstand, der sich in der arabischen Welt vollzieht setzt sich die mit Blut besprengte Realität durch, und mit ihr ein außerordentlicher Sieg auf der ideologischen Ebene.

Die arabische Welt hat eine Geschichte. Im Nahen und Mittleren Osten entstanden einst große Zivilisationen; der wissenschaftliche und technische Prozess, ebenso wie die großen kulturellen und künstlerischen Errungenschaften verdanken der arabischen und islamischen Welt eine Menge, wie auch wir, die Portugiesen, ihr viel zu verdanken haben. In ihrem Kampf für die Befreiung aus der Kolonialherrschaft und für die Schaffung von unabhängigen Staaten, haben die arabischen Völker großes Heldentum bewiesen und mussten große Opfer erbringen angesichts der brutalen Repression der Besatzungsmächte, welche in grausamster Weise Ausdruck fand im Algerienkrieg (1954/62) mit dem terroristischen Handeln der OAS.


Die nationalen Befreiungsbewegungen der arabischen Völker erlangten ihren ersten großen Schritt Richtung Unabhängigkeit durch den Schwung der Oktoberrevolution. Er zerschlug das Übereinkommen Frankreichs und Englands zur Aufteilung der Kriegsbeute des osmanischen Reiches im Maschrek (Irak, Syrien, Libanon...) und nach dem zweiten Weltkrieg breitete er sich auf den Maghreb und die ganze arabische Welt aus. Erfolgreich erlangten Libyen, Marokko, Tunesien und Algerien ihre Unabhängigkeit. In Ägypten stürzten die "freien Offiziere" unter Nasser die "pro-westliche" Monarchie von Faruk (1952), verstaatlichten den Suez-Kanal und stellten sich der israelisch-französisch-britischen Aggression, verbündeten sich mit der UDSSR gegen die ökonomische Sabotage und die Einmischung des Imperialismus. Mit dem wichtigen Beitrag (der Unterstützung) von starken kommunistischen Parteien und mit dem Beispiel und der Hilfe des sozialistischen Lagers fanden in verschiedenen Ländern wichtige antikapitalistische Veränderungen statt, wie im Irak durch die Revolution von 1969, an dessen 10. Jahrestag eine Delegation der PCP teilnahm - und es entwickelten sich wichtige Prozesse in Richtung Sozialismus, wie im Südjemen, den Alvaro Cunhal 1980 besuchte.

Indem er sich offen in die inneren Angelegenheiten der neuen Staaten einmischte und die dort vorhandenen Schwierigkeiten und Widersprüche ausnutzte, gelang es dem Imperialismus, diese erste große Freiheitswelle zu bremsen und zu zerstören, durch Unterstützung des Zionismus, der arabischen, und reaktionären und ihm ergebenen Bourgeoisie, und von religiösen, fanatischen und obskurartistischen Gruppen. Er konnte seine Vorherrschaft in der ganzen arabischen Region wieder ausbauen, indem er von seinen Militärstützpunkten ausschwärmt und den nationalen Kampf Palästinas erstickt. Israel und Ägypten  bildeten seit Camp David (1979) die fundamentalen Pfeiler dieser Herrschaft.

Die Verteufelung des Islam, das Gespenst des "islamischen Terrors", die Förderung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gegenüber Migranten mit muslimischen Hintergrund, die faschistische Ideologie, die der Theorie des "Clash of Civilizations" innewohnt, all dies dient/e wie ein Rauchmantel der Verschleierung der gewaltsamen Offensive der Rekolonialisiserung durch das transnationale Kapital sowie, um die Realität des Klassenkampfes zu verbergen, um die Arbeiter in Portugal und in anderen Ländern glauben zu machen, dass sie isoliert sind im harten Kampf für die Verteidigung ihrer Rechte und Errungenschaften, während genau das Gegenteil passiert, da die Entwicklung des Kapitalismus und die Vertiefung seiner Systemkrise dazu tendiert, die Kämpfe der Arbeiterklasse, der Arbeiter und der unterdrückten Völker aller Welt einander näher zu bringen.

Der Prozess der nationalen und sozialen Emanzipation der Arbeiter und der Völker ist unregelmäßig und holprig. Nach einer Welle von national-demokratischen Revolutionen und sogar Versuchen einer sozialistischen Orientierung, erheben sich die arabischen Völker wieder und fordern ihre politischen, sozialen und nationalen Rechte ein. Wie auch immer die folgenden Entwicklungen aussehen mögen, die Situation in der arabischen Welt wird nie mehr so sein wie zuvor. Die außergewöhnlichen Demonstrationen gegen die derzeitigen Zustände, für nationale Würde und mit dem Verlangen nach Freiheit und sozialen Rechten, werden  den Weg der arabischen Völker zu ihrer sozialen und nationalen Emanzipation tief prägen. Der Kampf und die vielen Opfer, die in ihm erbracht wurden, waren nicht um sonst.

Albano Nunes in Avante! 24.02.2011