marxistische linke - Partnerin der Europäischen Linken
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LL20229. Januar 2022: Wie jedes Jahr legte die marxistische linke - Partnerin der Europäischen Linken in Ehrung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg an der Gedenkstätte der Sozialisten einen Kranz nieder. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren am 15. Januar 1919 von rechten Freikorpssoldaten unter dem Kommando des sozialdemokratischen Wehrministers Gustav Noske ermordet worden.

 


"‘Ordnung herrscht in Berlin!' Ihr stumpfen Schergen! Eure 'Ordnung' ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon 'rasselnd wieder in die Höh‘ richten' und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden: 'Ich war, ich bin, ich werde sein!'"
Rosa Luxemburg in ihrem letzten Artikel nach der Niederschlagung des Spartakusaufstandes, dr am Tag ihrer Ermordung veröffentlicht wurde.


Nachdem eine breite Volksbewegung gegen den Krieg die Monarchie in Deutschland hinweggefegt hatte und am 9. November 1918 die "deutsche Republik" (Philipp Scheidemann, Mehrheitssozialdemokratie) bzw. die "freie sozialistische Republik Deutschland" (Karl Liebknecht, Spartakusbund) ausgerufen worden waren, organisierten die alten Eliten die Konterrevolution. Schon am Abend des 10. November meldete sich General Wilhelm Groener aus dem Quartier der Obersten Heeresleitung im belgischen Spa telefonisch bei Friedrich Ebert, inzwischen Vorsitzender des Rats der Volksbeauftragten, einer Koalitionsregierung der MSPD mit den Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD). Laut dem Journalisten und Schriftsteller Sebastian Haffner bot der General loyale Zusammenarbeit an, stellte aber Forderungen: "Kampf gegen Radikalismus und Bolschewismus, schnellste Beendigung des Räteunwesens, Nationalversammlung, Rückkehr zu geordneten Zuständen. Dem allem konnte Ebert aus vollem Herzen zustimmen; es war genau das, was er selber wollte."

Der Ebert-Groener-Pakt war die Machtbasis für die Durchsetzung der mehrheitssozialdemokratischen Vorstellungen einer bürgerlichen Demokratie und der Beginn der Niederschlagung aller Bewegungen, die über die Parlamentarisierung und den Achtstundentag hinausgehende demokratische Ideen verfolgten. Die herrschenden Schichten in Deutschland erblickten völlig zu Recht nicht in Ebert und Scheidemann, sondern in der kleinen Gruppe von Sozialistinnen und Sozialisten um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ihren politischen Gegner. Diese hatten sich ab 1914 gegen die Burgfriedenspolitik der SPD gewandt, an einer antikriegs- und antikapitalistischen Haltung festgehalten und bereits während des Krieges mit dem Spartakusbund innerhalb der SPD eine kleine radikale Oppositionsgruppe aufgebaut.

1917 wurden sie zusammen mit einem großen Teil der Kriegsgegner aus der SPD gedrängt und arbeiteten danach bis zur Novemberrevolution in der 1917 gegründeten USPD. Sie wollten die radikale Veränderung der Gesellschaft: Entwaffnung aller Offiziere und nichtproletarischen Soldaten, Beseitigung aller Einzelstaaten, Abschaffung aller Standesunterschiede, Orden und Titel, Konfiskation aller dynastischen Vermögen, Enteignung des Grund und Bodens aller landwirtschaftlichen Groß- und Mittelbetriebe, Enteignung aller Banken, Bergwerke, Hütten und sonstigen Großbetriebe, Konfiskation aller Vermögen von einer bestimmten Höhe an.

Die bedrohten Klassen nahmen diese Herausforderung an. Seit Anfang Dezember 1918 hatte die von Großindustriellen und Bankiers finanzierte Antibolschewistische Liga Plakate und Aufrufe an die Berliner Bevölkerung drucken lassen, die dazu aufforderten, die „Rädelsführer“ ausfindig zu machen und den Militärs zu übergeben. Dafür hatte sie eine hohe Belohnung ausgesetzt. Ein in hoher Auflage verbreitetes Flugblatt forderte:

"Das Vaterland ist dem Untergang nahe. Rettet es! Es wird nicht von außen bedroht, sondern von innen: Von der Spartakusgruppe. Schlagt ihre Führer tot! Tötet Liebknecht! Dann werdet ihr Frieden, Arbeit und Brot haben. Die Frontsoldaten."

Die sozialdemokratische Regierung hatte es nicht nur zugelassen, dass wochenlang gegen den Spartakusbund gehetzt wurde. Die Truppen des sozialdemokratischen Wehrministers Gustav Noske waren es auch, die drei Führer der zur Jahreswende 1918/1919 neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands – Rosa Luxemburg, ihren Freund und Förderer Leo Jogiches und Karl Liebknecht – meuchlings ermordeten:
Am 15. Januar abends wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von der Wilmersdorfer Bürgerwehr entdeckt, verhaftet und in das Eden-Hotel, dem Hauptquartier der Garde-Schützen-Division unter Leitung von Waldemar Pabst, gebracht. Pabst ließ die Gefangenen stundenlang verhören und misshandeln. Nachdem er mit Noske telefoniert und sich grünes Licht geholt hatte, ließ er Rosa und Karl getrennt voneinander abtransportieren und ermorden.

Die Morde lösten im ganzen Land schwere Unruhen und Aufstände aus. Dagegen und gegen die Räterepubliken in Braunschweig, Bremen und München setzte Noske die Freikorps und Reichswehrverbände ein, die bis Ende Mai 1919 alle derartigen „Umsturzversuche“ gewaltsam niederschlugen. Insgesamt etwa 5.000 Todesopfer gehen auf das Konto der Konterrevolution.

Die an den Morden beteiligten Freikorpsangehörigen Otto Wilhelm Runge und Kurt Vogel erhielten eine zweijährige bzw. eine 28-monatige Gefängnisstrafe. Die beteiligten Offiziere Heinz und Horst von Pflugk-Harttung wurden freigesprochen. Pabst wurde gar nicht erst angeklagt, mögliche Auftraggeber nicht gesucht. Als Oberbefehlshaber der Truppen bestätigte Gustav Noske das Urteil persönlich mit seiner Unterschrift.

Für die Arbeiterbewegung und die Linke ist die Novemberrevolution untrennbar mit der organisatorischen Spaltung der Arbeiterbewegung und der Ermordung von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches und vielen anderen verbunden. Niemand kann sagen, wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn der revolutionärste Teil der Arbeiter*innenbewegung nicht so früh seiner führenden und klügsten Köpfe beraubt worden wäre.

übernommen von »Ich war, ich bin, ich werde sein«
https://www.linksfraktion.de/themen/nachrichten/detail/ich-war-ich-bin-ich-werde-sein/


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