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alt30.07.2012:  Die westliche Presse stellt es so dar, als wäre die 'Freie Syrische Armee' eine bewaffnete revolutionäre Organisation. Thierry Meyssan vertritt dagegen in einem Artikel in 'Netzwerk Voltaire' vom 23. Juli die Meinung, dass es sich seit mindestens einem Jahr ganz im Gegenteil um einen konterrevolutionären Verband handelt. Ihm zufolge ist die 'Freie Syrische Armee' zudem Schritt für Schritt den Händen der reaktionären Monarchien am Golf entglitten und in die der Türkei übergegangen, die im Auftrag der NATO handelt. Eine derartige, der gängigen Meinung widerspechende Behauptung bedarf natürlich der argumentativen Untermauerung ...

Seit 18 Monaten ist Syrien das Opfer von Unruhen, die sich ständig verschärften und in einen umfassenden bewaffneten Konflikt einmündeten, der bis heute den Tod von beinahe 20.000 Menschen verursacht hat. Soweit herrscht Einigkeit in den Meinungen, doch darüber hinaus gehen die Berichte und Interpretationen weit auseinander.

Für die westlichen Staaten und ihre Presse richtet sich die Hoffnung der Syrer auf ein Leben nach westlichem Muster in einer marktwirtschaftlichen Demokratie. Sie hätten sich, dem Vorbild Tunesiens, Ägyptens und Libyens und deren 'arabischem Frühling' folgend erhoben, um ihren Diktator Bashar al-Assad zu stürzen. Doch dieser habe die Demonstrationen im Blut erstickt. Die westlichen Mächte seien gewillt einzugreifen, um diese Massaker zu beenden, was jedoch die Russen und Chinesen aus Eigeninteresse und unter Missachtung menschlichen Lebens verhinderten.

Doch für alle Staaten, die nicht unter der Fuchtel der USA und ihrer Presse stehen, sind es gerade die USA, die eine von langer Hand vorbereitete Syrien-Operation begonnen haben: Zuerst verdeckt über ihre regionalen Verbündeten, dann offen mit dem Einsickern bewaffneter Banden und der Destabilisierung des Landes. Sie folgten dabei dem Muster der Contras in Nicaragua. Doch fanden sie nur schwachen Rückhalt in der Bevölkerung und seien aufgerieben worden, weil Russland und China die NATO gehindert haben, die syrische Armee zu vernichten und das regionale Gleichgewicht umzukehren.

Wer sagt nun die Wahrheit und wer nicht?

Die bewaffneten Gruppierungen in Syrien sind keine Verteidiger der Demokratie, sondern sie bekämpfen sie!

Zum einen und allererst ist eine Darstellung der syrischen Ereignisse als Teil des 'arabischen Frühlings' eine Illusion, denn in Wirklichkeit gab es diesen 'Frühling' überhaupt nicht. Er ist nichts anderes als ein Propagandaslogan, dazu bestimmt, Unzusammenhängendes positiv zu wenden. Zwar gab es eine Volksrevolution in Tunesien, im Jemen und in Bahrein, aber keinesfalls in Ägypten oder Libyen. In Ägypten beschränkten sich die Straßendemos auf die Hauptstadt und auf einen Teil der Bourgeoisie, nie und nimmer aber fühlte sich das ägyptische Volk angesprochen von dem telegenen Spektakel auf dem Tahrir-Platz (1). Auch in Libyen handelte es sich nicht um eine politisch motivierte Revolte, sondern um eine separatistische Bewegung der Cyrenaika gegen das Machtzentrum Tripolis, gefolgt vom militärischen Eingreifen der NATO, das ca. 60.000 Menschenleben kostete.

Der libanesische Fernsehsender NourTV hatte viel Erfolg mit der mehrteiligen Sendung 'Der Frühling. Von Lawrence of Arabia zu Bernard-Henri Lévy' von Hassan Hamade und Georges Rahme. Darin entwickeln die Autoren ihre These, dass der 'arabische Frühling' nichts anderes sei als ein Remake der 'arabischen Revolution' von 1916, die von Großbritannien gegen das Osmanische Reich inszeniert wurde. Im jetzigen Fall haben die Manipulationen der westlichen Staaten das Ziel, die 'Leader-Generation' durch die Muslim-Bruderschaft zu ersetzen. Daher sei der 'arabische Frühling' nichts anderes als eine Lüge. Heute werden Marokko, Tunesien, Libyen, Ägypten und Gaza von einer Bruderschaft regiert, die einen moralischen Kodex durchsetzen will, aber den Zionismus und einen pseudoliberalen Kapitalismus unterstützt, d. h. im Grunde Israel und die angelsächsischen Staaten. Die Illusionen haben sich in Luft aufgelöst. Geblieben ist, was manch einer wie der syrische Autor Said Hilal Alcharifi spöttisch den 'NATO-Frühling' nennt.

Zum andern sind die Führer des 'Syrischen Nationalrats' (SNR) und der 'Freien Syrischen Armee' (FSA) keinesfalls Demokraten in dem Sinne dass sie, wie es in der Formulierung Abraham Lincolns heißt (die auch in die französische Verfassung eingegangen ist), für eine "Regierung des Volks, durch das Volk und für das Volk" sind. So war der erste Präsident des SNR, der Pariser Universitätsprofessor Burhan Ghalioun kein 'syrischer vom Regime verfolgter Oppositioneller' da er sich frei in seiner Heimat bewegen konnte. Und er ist auch kein 'laizistischer Intellektueller' wie er vorgibt, da er politischer Ratgeber des Algeriers Abbassi Madani war, dem Präsidenten der 'Islamischen Heilsfront', der heute als Flüchtling in Katar lebt. Burhans Nachfolger Abdel Basset Syda (2) ist erst in den letzten Monaten politisch in Erscheinung getreten, hat sich jedoch alsbald als strammer Befehlsempfänger Washingtons geoutet. Seit seiner Wahl an die Spitze des SNR ist sein vordringlichstes Ziel nicht die Verteidigung des Willens seines Volkes, sondern die Anwendung der Washingtoner 'Roadmap' für Syrien am 'Tag danach' ('The Day after').

Auch die Kämpfer der 'Freien Syrischen Armee' sind keine Vorkämpfer der Demokratie. Ihre geistliche Autorität ist Scheich Adnan al-Arour, ein Takfir-Prediger, der zum Sturz und zur Tötung Bashar al-Assads aufruft, aber nicht aus politischen Gründen, sondern weil dieser Alewit ist, d.h. in seinen Augen ein Häretiker [die Takfir-Bewegung ist eine radikalislamische Abspaltung der Muslimbrüder]. Alle der Öffentlicheit bekannten Offiziere der FSA sind Sunniten, alle Brigaden der FSA tragen die Namen bekannter sunnitischer historischer Personen. Die 'Revolutionstribunale' der FSA verurteilen nicht nur ihre politischen Gegner zum Tode (und auch nicht nur die Anhänger Bashar al-Assads)' sondern lassen auch diejenigen auf offener Straße erdrosseln, die nicht den richtigen Glauben haben. Programm des FSA ist die Abschaffung des laizistischen Regimes, wie es von der Baath-Partei, von der Syrischen Sozialistischen Nationalpartei und den Kommunisten geschaffen worden ist, zugunsten eines konfessionell reinen sunnitischen Regimes .

Der Syrienkonflikt und seine westlichen Vordenker.

Der Wille des Westens, Syrien abzuwickeln, ist bekannt und genügt im Grunde, um die aktuellen Ereignisse zu verstehen. Hier einige Fakten, die keinen Zweifel daran lassen, dass vorsätzlich gehandelt wurde (3).

Die Entscheidung für einen Krieg gegen den Irak fiel durch Präsident George Bush bei einem Treffen am 15. September 2001 in Camp David, kurz nach den spektakulären Attentaten von New York und Washington. Sie sah vor, gleichzeitig auch in Libyen zu intervenieren, um die Fähigkeit zur Aktion in zwei Kampfgebieten zu beweisen. Bekannt wurde dieser Beschluss durch General Wesley Clark, den ehemaligen obersten NATO-Befehlshaber, der diese Pläne ablehnte.

Im Gefolge der Eroberung Bagdads hat der US-Kongress 2003 zwei Resolutionen verabschiedet, in denen der Präsident aufgefordert wird, einen Kriegseinsatz gegen Libyen und einen anderen gegen Syrien vorzubereiten (Syria Accountability Act [Syrien soll zur Verantwortung gezogen werden]). 2004 warf Washington Syrien vor, auf seinem Territorium die Massenvernichtungswaffen zu verstecken, die im Irak nicht gefunden werden konnten. Diese Anklage fiel in sich zusammen, als sich herausstellte, dass die angebliche Existenz solcher Waffen nur ein Vorwand für eine Besetzung Iraks gewesen war.

Nach der Ermordung Rafik Hariris [ehemaliger libanesischer Ministerpräsident] haben die USA 2005 versucht, Syrien anzugreifen, was jedoch nicht gelang, denn die syrische Armee wurde aus dem Libanon abgezogen. Danach organisierten sie Falschaussagen, die Präsident al-Assad als Auftraggeber des Attentats bezeugen sollten und riefen ein Sondergericht zu seiner Verurteilung ins Leben. Aber auch da mussten sie mit ihrer falschen Anklage zurückstecken, nachdem die Manipulation ans Tageslicht gekommen war.

2005 begannen die USA die Vorbereitung der 'syrischen Revolution' mit der Schaffung eines 'Syria Democracy Program'. Ziel war die Aufstellung und Finanzierung oppositioneller Gruppen westlicher Ausrichtung (wie der 'Bewegung für Gerechtigkeit und Entwicklung'). Unterfüttert wurde die offizielle Finanzierung durch das US-Außenministerium mit geheimen Geldern der CIA über eine kalifornische Organisation genannt 'Democratic Council' [Organisation von Clubs der Demokratischen Partei].

Noch 2006 haben die USA von Israel gegen den Libanon einen Stellvertreterkrieg gegen den Libanon in der Hoffnung führen lassen, Syrien in den Konflikt hineinzuziehen und damit Anlass für eine Intervention zu bekommen. Der Sieg der Hisbollah jedoch vereitelte diesen Plan.

Im Jahr 2007 erfolgte der Angriff Israels auf Syrien, israelische Flugzeuge bombardierten eine militärische Einrichtung. Doch auch hier bewahrte Damaskus Ruhe und ließ sich nicht zu Kriegshandlungen verleiten. Spätere Untersuchungen der Internationalen Atomenergiebehörde stellten klar, dass es sich nicht um eine Atomanlage gehandelt hatte und widersprachen damit den Behauptungen Israels.

2008, auf den jährlich von der Bilderberg-Gruppe organisierten NATO-Tagung, gaben Bassima Kodina, Leiterin der Arabischen Reforminitiative, und der Leiter der Stiftung 'Wissenschaft und Politik', Volker Perthes, vor der versammelten europäisch-amerikanischen Corona eine kurz gefasste Darstellung der wirtschaftlichen, politischen und militärischen Vorteile einer möglichen Intervention des Bündnisses in Syrien.

2009 wurden von der CIA die Propagandainstrumente gegen Syrien geschaffen, wie z. B. der von London aus agierende Fernsehsender Barala-TV und der Sender Orient-TV in Dubai.

Das sind geschichtliche Tatsachen; sie werden ergänzt durch ein in der zweiten Februarwoche 2011 in Kairo abgehaltenes Treffen von John McCain, Joe Lieberman und Bernard-Henri Lévy mit libyschen Persönlichkeiten wie Mahmoud Jibril (der Nummer zwei in der Regierung der Jamahirija [Libyens]) und syrischen Persönlichkeiten wie Malik al-Abdeh und Ammar Qurabi. Von diesem Treffen ging das Signal aus für das gleichzeitige Losschlagen in Libyen und Syrien (am 15. 2. in Benghasi und am 17.2. in Damaskus).

Im Januar 2012 bildeten das US-Außen-und Verteidigungsministerium die Arbeitsgruppe 'The day after [Der Tag danach] - Unterstützung für einen demokratischen Übergang in Syrien', die sowohl eine neue Verfassung als auch ein Regierungsprogramm für Syrien entwickelte (4).

Im Mai 2012 schufen NATO und Golf-Kooperationsrat die 'Arbeitsgruppe für wirtschaftliche Erholung und Entwicklung der Freunde des syrischen Volkes' mit einer Ko-Präsidentschaft Deutschlands und der Emirate. Dort entwickelte der syrisch-britische Wirtschaftswissenschaftler Osama el-Kadi ein Programm (5) zur Aufteilung der syrischen Reichtümer unter die Mitgliedsstaaten der Koalition, die 'am Tag danach' in Kraft treten sollte, d. h. nach dem Sturz des Regimes durch die NATO und den Golf-Kooperationsrat.

Revolution oder Konterrevolution?

Die bewaffneten Gruppierungen sind nicht aus den friedlichen Demonstrationen des Februar 2011 hervorgegangen. Auf diesen Demonstrationen ging es um Korruption und mehr Freiheiten, während die bewaffneten Gruppierungen islamistischen Ursprungs sind.

In den vergangenen Jahren wurde das ländliche Syrien von einer verheerenden wirtschaftlichen Krise heimgesucht. Ursache waren schlechte Ernten, die zu Unrecht auf vorübergehende Erscheinungen zurückgeführt wurden, während sie doch die Folge dauerhafter klimatischer Veränderungen waren. Dazu kamen falsche Entscheidungen bei der Umsetzung wirtschaftlicher Reformen, die sich desorganisierend auf die Grundversorgung auswirkten. Im Ergebnis kam es zu starker Landflucht - die die Regierung zwar in den Griff bekam - aber auch zu sektiererischen Entwicklungen bei Bauern, die von den Herrschenden vernachlässigt worden waren. In vielen ländlichen Gebieten konzentriert sich die Landbevölkerung nicht in Dörfern, sondern lebt in verstreut liegenden Gehöften, so dass man sich des Problems erst dann bewusst wurde, als es zu Zusammenrottungen kam.

Es hatte sich in einer Gesellschaft wie der syrischen, die ein Beispiel für religiöse Toleranz darstellt, eine takfiristische Strömung entwickelt. Sie bildet die Grundlage für die bewaffneten Gruppierungen, die von den wahabitischen Königreichen Saudi-Arabien, Katar und Shariah (6) großzügig finanziert wurden. Dieser Geldstrom lockte neue Kämpfer an, darunter die Familienangehörigen von Opfern der massiven Unterdrückung des fehlgeschlagenen blutigen Coups der Muslim-Bruderschaft im Jahr 1982. Diese engagierten sich weniger aus ideologischen als aus persönlichen Gründen. Ihr Engagement gehört ins Gebiet der Vendetta. Auch zahlreiche Gauner und ehemalige Häftlinge ließen sich durch das leichte Geld anlocken; ein 'Revolutionär' erhält das Siebenfache eines Durchschnittseinkommens. Schließlich und endlich begannen auch die Berufskämpfer herbeizuströmen, die in Afghanistan, Bosnien, Tschetschenien und im Irak im Einsatz waren. An erster Stelle sind die Al-Qaida-Leute aus Libyen zu nennen, höchstpersönlich angeführt von Abdelhakim Belhaj (7). Die Massenmedien nennen sie Dschihadisten, was völlig unangebracht ist, da der Islam einen heiligen Krieg gegen Personen des eigenen Glaubens nicht kennt. Es handelt sich bei ihnen vor allem um Söldner.

Die Presse des Westens und der Golfregion behauptet, dass es in der FSA Überläufer gebe. Das ist zweifellos der Fall, doch handelt es sich nicht um Deserteure, die sich geweigert hätten, bei der Unterdrückung politischer Demonstrationen mitzumachen. Die fraglichen Deserteure fallen fast vollständig unter die Rubrik, die im Vorgehenden behandelt worden ist. Denn es ist ja klar, dass eine 300.000 Mann umfassende Armee auch religiöse Fanatiker und Gauner in ihren Reihen hat.

Die bewaffneten Gruppierungen haben eine syrische Fahne mit einem grünen Streifen (anstelle eines roten) und drei Sternen (anstelle von zweien). Die westliche Presse nennt sie die 'Unabhängigkeits-Flagge', weil das 1946 unabhängig gewordene Land sie als offizielles Symbol wählte. In Wirklichkeit handelt es sich um die Flagge des französischen Mandatsgebiets; sie blieb während der formellen Unabhängigkeit von 1948 bis 1958 in Gebrauch. Die drei Sterne symbolisieren die drei konfessionellen Landesteile der Kolonialzeit (der Alewiten, der Drusen und der Christen). Die Verwendung dieser Flagge ist gewiss kein Zeichen revolutionärer Gesinnung. Ganz im Gegenteil symbolisiert sie den Wunsch, den einstigen kolonialen Plan eines 'erweiterten Mittleren Ostens' zu erneuern, wie er im Sykes-Picot-Abkommen von 1916 vorgesehen war.

Im Verlauf von 18 Monaten militärischer Aktionen hatten sich die bewaffneten Gruppierungen eine mehr oder weniger strukturierte Form gegeben. Aktuell jedoch hat sich die große Mehrheit der Türkei unterstellt und nennt sich 'Freie Syrische Armee'. Eigentlich jedoch sind es Hilfstruppen der NATO, und ihr Hauptquartier befindet sich logischerweise denn auch auf der NATO-Luftwaffenbasis Incirlik. Die verbohrtesten Islamisten haben sich ihre eigenen Organisationen geschaffen oder sich Al Qaida angeschlossen. Sie werden von der Qaida des Sudeiri-Zweigs der saudischen Königsfamilie beherrscht (8) und sind de facto der CIA unterstellt.

Eine solche schrittweise Entwicklung von armen Bauern hin zum Zustrom von Söldnern entspricht genau dem, was man aus Nicaragua kennt, wo die CIA die Contras organisierte, um die Sandinisten zu stürzen. Oder wie es sich in Kuba abspielte, als die CIA die Landung in der Schweinebucht organisierte, um die Anhänger Castros zu verjagen. Und genau auf diese Vorbilder beziehen sich auch die bewaffneten syrischen Gruppen: Im Mai 2012 wurden in Miami von kubanischen Contras Schulungen durchgeführt, in denen ihre syrischen Kampfesbrüder für den Guerillakampf als angebliche Revolutionäre ausgebildet wurden (9).

Die Vorgehensweise der CIA bleibt immer dieselbe. So konzentrierten sich die syrischen Contras militärisch einerseits auf die Schaffung fester Basen, von denen jedoch keine Bestand hatte, auch nicht das 'Islamische Emirat von Baba Amr [Stadtteil von Homs]', andererseits auf Wirtschaftssabotage (Zerstörung von Infrastruktur und Brandstiftungen in großen Fabriken)' und schließlich auf terroristische Aktionen (Entgleisung von Personenzügen' Attentate mit Hilfe präparierter Fahrzeuge an vielfrequentierten Orten, Ermordung religiöser' politischer und militärischer Führer).

Infolgedessen wandte sich derjenige Teil der syrischen Bevölkerung, der vielleicht anfänglich mit den bewaffneten Gruppierungen sympathisiert hatte,' weil er glaubte, dass sie eine Alternative zum gegenwärtigen Regime sein könnten, immer mehr von ihnen ab.

Wie die Contras von der Wüste bei Dar’a (Dera) nach Syrien einsickern.

Nicht überraschend wurden für die Schlacht um Damaskus die im ganzen Land verstreuten 7.000 Kämpfer und auch die Söldnerarmeen zusammengezogen, die in den Nachbarländern in Wartestellung gelegen hatten. Zehntausende von Contras drangen in das Land ein. Ihre gleichzeitige Dislozierung erfolgte weitgehend mit Lieferwagen-Kolonnen, die Autostraßen mieden und stattdessen den Weg durch die Wüste nahmen. Eine solche Kolonne konnte durch einen Luftangriff gestoppt werden und musste umkehren. Andere jedoch gelangten nach Überfällen auf die Grenzposten bis in die Hauptstadt. Doch sie fanden nicht den erwarteten Rückhalt bei der Bevölkerung. Ganz im Gegenteil haben die Menschen in der Stadt den Soldaten der Nationalarmee geholfen, die Eingedrungenen zu identifizieren und zu vertreiben. Letztendlich wurden sie zum Rückzug gezwungen. Worauf sie als neues Ziel die Einnahme von Aleppo anstelle von Damaskus propagierten. Was zeigt, dass es sich weder um die revoltierenden Bewohner von Damaskus noch um die von Aleppo handelte.

Die Unbeliebtheit der bewaffneten Gruppierungen steht in diametralem Gegensatz zur Popularität der regulären Armee und der Selbstverteidigungsmilizen. Die syrische Nationalarmee ist eine Wehrpflichtigenarmee, also eine Volksarmee, und demzufolge ist es undenkbar, dass sie zur politischen Repression taugen könnte. Seit kurzem hat die Regierung auch die Bildung von Milizen in den Wohnvierteln erlaubt und Waffen an Bürger ausgegeben, die sich verpflichten, täglich zwei Stunden ihrer Zeit unter militärischer Betreuung für die Verteidigung ihres Viertels einzusetzen.

Ein X für ein U !

Mit der Darstellung der Contras [in Nicaragua] als 'Revolutionäre' hatte Präsident Reagan so seine Probleme. Deshalb ließ er sich ein Propaganda-Organ einfallen, das 'Amt für öffentliche Diplomatie' [Office of Public Diplomacy]', dessen Leitung er Otto Reich anvertraute (10). Ihm gelang es, Journalisten in allen großen Zentren der USA und Westeuropas zu korrumpieren. Unter anderem ließ er das Gerücht verbreiten, die Sandinisten besäßen Chemiewaffen und würden sie gegen ihr eigenes Volk einsetzen. Heute wird die Propaganda vom Weißen Haus aus gelenkt, ihr Leiter ist Ben Rhodes, stellvertretender nationaler Sicherheitsberater für strategische Kommunikation [Deputy National Security Adviser for strategic communication]. Nach alterprobter Methode hat er gegen Präsident al-Assad das Gerücht mit den Chemiewaffen in die Welt gesetzt.

In Zusammenarbeit mit dem britischen MI6 gelang es Ben Rhodes, eine fiktive Agentur als Hauptquelle für westliche Pressedienste zu etablieren, die 'Syrische Beobachtungsstelle [Observatory] für Menschenrechte'. Die Massenmedien haben die Glaubwürdigkeit dieser Quelle nie in Frage gestellt, trotz Dementis der Beobachter der Arabischen Liga und der Vereinten Nationen. Es kam aber noch besser: Dieser fiktive Dienst, der weder Ort noch Personal noch Sachkenntnis besitzt, wurde zur Hauptnachrichtenquelle für die europäischen Regierungen, die das Weiße Haus dazu gebracht hatte, ihr diplomatisches Personal aus Syrien abzuziehen.

Während er auf seine Direktsendung wartet, telefoniert der Korrespondent von Al-Dschasira, Khaled Abu Saleh mit seiner Redaktion. Er gibt vor, dass 'Baba Amr bombardiert worden sei' und startet so die Gerüchteküche. Dieser Herr Abu Saleh war Ehrengast des französischen Präsidenten François Hollande bei der '3. Konferenz der Freunde Syriens' !

Für die Journalisten organisierte Ben Rhodes auch Schaustellungen mehr emotionaler Art. Es wurden zwei Stellen für Besichtigungstouren geschaffen, eine beim türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, die andere beim ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora. Mit Hilfe von Grenzgängern konnten sich so interessierte Journalisten illegal nach Syrien einschleusen lassen. Oder man veranstaltete einen Monat lang Besuche eines Musterdorfs in den Bergen von der türkischen Grenze aus. Es gab Fotositzungen mit 'Revolutionären' und die 'Teilnahme an Tages-Kampfeinsätzen' und schließlich bot man sportlich ambitionierten Journalisten die Möglichkeit, von der libanesischen Grenze aus das 'Islamische Emirat von Baba Amr' zu besuchen.

Sonderbar nur, dass zwar vielen Journalisten manche Fälschungen als unglaubhaft auffielen, sie aber aus dieser Tatsache keine Schlüsse zogen. So filmte ein bekannter Fotoreporter die 'Revolutionäre' von Baba Amr, wie sie Autoreifen in Brand steckten, um mit dem entstehenden schwarzen Rauch eine Bombardierung des Viertels vorzutäuschen, was dann auf Channel-4 (11) [britischer Privatsender] zu sehen war. Aber er bestand darauf, dass er Zeuge einer Bombardierung von Baba Amr gewesen sei, von der das 'Observatory' berichtet hatte.

Ein anderes Beispiel: Die New York Times deckte auf, dass Fotos und Videos der tapferen Kämpfer, die von der Pressestelle der FSA verbreitet wurden, gestellt waren (12). Die Kriegswaffen waren in Wirklichkeit Kinderkriegsspielzeug. Trotzdem glaubt dieses Blatt immer noch an die Existenz einer ca. 100.000 Deserteure starken Armee. Doch laut FSA handelt es sich bei den 'tapferen Deserteuren' um eine Phantomarmee mit Phantomwaffen. In einer als klassisch zu bezeichnenden Reaktion lügen Journalisten lieber weiter, als dass sie zugeben, hereingelegt worden zu sein. Mit der Unwahrheit konfrontiert, spinnen sie dann ganz bewusst die Lüge weiter, die sie selbst entlarvt hatten. Ob die Leser des vorliegenden Artikels ebenfalls die Augen vor der Wirklichkeit verschließen werden? Oder werden sie das syrische Volk gegen den Angriff der Contras unterstützen?!

Quelle: voltaire.org /  Übersetzung: HaLi  /  Foto: Idlib; FreedomHouse

ANMERKUNGEN des Originals; Anmerkungen des Übersetzers in eckigen Klammern.

1. Der Tahrir-Platz ist keineswegs der größte Kairoer Platz. Er wurde aus Marketing-Gründen gewählt, da das arabische Tahrir sich in die europäischen Sprachen mit 'Freiheit' übersetzen lässt. Ausgewählt wurde dieses Symbol aber sicherlich nicht von den Ägyptern selbst, da es im Arabischen mehrere Wörter mit der Bedeutung Freiheit gibt, Tahrir aber die Bedeutung 'Freiheit die man erhält' hat, nicht jedoch 'Freiheit die man erringt'.

2. Die westliche Presse fügt dem Personennamen Syda ein 'a' ein: Sayda. Offenbar weil er sonst gleichlautend wäre mit dem französischen Wort für die Immunschwäche Aids – 'sida'. Anm. Red. Voltaire.

3. 'Vorsätzlich' ist normalerweise ein Begriff des Strafrechts. Im politischen Bereich wäre die Bezeichnung 'Verschwörung' angebrachter, aber der Verfasser hat davon Abstand genommen, um nicht eine hysterische Reaktion derjenigen heraufzubeschwören, die bemüht sind glauben zu machen, dass die Politik des Westens transparent und glaubwürdig sei. Anm. Red. Voltaire.

4. 'Washington hat eine neue Verfassung für Syrien erarbeitet' - Netzwerk Voltaire [www.voltairenet.org], 21.7.2012

5. 'Die 'Freunde Syriens teilen unter sich die Reichtümer der Wirtschaft Syriens auf, bevor sie sie erobert haben. Auswärtiges Amt / Horizons et débats' - Netzwerk Voltaire, 21.7.2012

6. Shariah ist eines der sieben Emirate, die die Vereinigten Arabischen Emirate bilden.

7. 'Kommandant der Freien Syrischen Armee ist der Militärgouverneur von Tripolis' - Thierry Meyssan, Netzwerk Voltaire, 18.12.2011

8. Für weitere Details siehe 'Konterrevolution im Nahen Osten' - Komsomolskaya Prawda / Netzwerk Voltaire, 11.5.2011

9. 'Die syrische Opposition hat ihr Sommerlager in Miami aufgeschlagen' - Kubanische Nachrichtenagentur, Jean Guy, Netzwerk Voltaire, 25.5.2011

10. 'Otto Reich und die Konterrevolution' - Arthur Lepic und Paul Labarique, Netzwerk Voltaire, 14.5.2011

11. 'Syriens Videojournalisten im Kampf um die Wahrheit'' Channel-4, 27.3.2011

12. 'Syrische Befreiungskämpfer mit Spielzeugwaffen' von C. J. Shivers, New York Times, 14.6.2012

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