Aus den Bewegungen
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14.05.2010: Etwa 80 Leute, überwiegend BesucherInnen des ökumenischen Kirchentages, kamen zur Dialogveranstaltung "Marxismus - Religion - Emanzipation", zu der die Initiative "Marxismus im Dialog" ins Münchner EineWeltHaus eingeladen hatte. Mitveranstalter waren u.a. ChristInnen für den Sozialismus (CfS), transform!europe und die GEW. Die Moderatoren des Abends, Leo Mayer (DKP) und Bernd Michl (attac und "Kirche von unten"), stellten die Referenten des Abends vor:
Kuno Füssel, katholischer Theologe und aktiv in der Initiative "ChristInnen für den Sozialismus" und Walter Baier, vom Bildungsnetzwerk "transform! europe" und Vorsitzender der KP Österreichs von 1994 bis 2006.

Haben Marxismus und Religion Gemeinsamkeiten, die es erlauben, dass ChristInnen und MarxistInnen nicht nur gemeinsam gegen Nazis und für den Frieden wirken, sondern auch dieses „den Kapitalismus überwinden“ gemeinsam zu gehen - und gleichzeitig ihre Unterschiedlichkeit bewahren können?

Sowohl von den Referenten als auch in vielen Diskussionsbeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass das gemeinsame Handeln von Christen, Marxisten und anderen mehr als eine "Notwehrgemeinschaft" sein muß, die sich gegen die verheerenden Auswirkungen von Kapitalismus oder gegen Nazisaufmärsche zu wehren haben, sondern dass darüber hinaus ein neuer Entwurf einer nachkapitalistischen Gesellschaft entwickelt und in praktischen Widerstandsaktionen erprobt werden muss. Und in diesen Entwurf haben ChristInnen und MarxistInnen Wichtiges einzubringen.

Ein erneuertes Christentum, das davon ausgeht, dass "...der Mensch das Maß der Dinge ist, seit Gott Mensch geworden ist" (Karl Barth, Bekennende Kirche) und ein Marxismus, der von dem kategorischen Imperativ ausgeht, dass alle Verhältnisse umzuwerfen sind, die die Menschen knechten und erniedrigen, und dass der Mensch vor dem Profit kommt, berühren einander ohne in theoretischer Hinsicht eins zu werden.

muenchen_kirchentag_2010_kuno_fuessel_012Ein Zitat Kuno Füssels aus einem seiner früheren Aufsätze bringt es auf den Punkt:
„Ich bin nicht willens, dem untergegangenen Staatssozialismus auch alle linken Hoffnungen, sozialistischen Perspektiven und marxistischen Analysen als letzte Blumen ins offene Grab zu werfen. Daher wage ich erneut ein Plädoyer für den Sozialismus aus dem Geist des jüdisch-christlichen Messianismus.“

Dialogveranstaltungen wie die zum Internationalen Frauentag "Marxismus und Feminismus",  und "Marxismus und Religion" während des Kirchentages können wichtige Beiträge leisten für eine engere Zusammenarbeit aller antikapitalistischen Kräfte.

Mit zwei Zitaten von Ernesto Cardenal fand die Veranstaltung für viele Kirchentagsbesucher einen vielleicht recht nachdenklichen Abschluß:

"Ich glaube, für einen Christen gibt es keine andere Wahl als den Sozialismus. Ich glaube, das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert eines neuen Marxismus und eines erneuerten Christentums sein.

Ein Kommunist kann nicht Christ werden ohne aufzuhören, ausschließlich Kommunist zu sein, während ein Christ Kommunist werden kann und dadurch auf noch tiefere Weise Christ wird."

Text: WL  Foto:SoSch

 

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