Der Monsanto-Mann

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Christian-Schmidt CSU28.11.2017: Der deutsche Agrarminister Schmidt (CSU) gibt den Ausschlag für den weiteren Einsatz von Glyphosat in der EU ++ die Zustimmung für den weiteren Einsatz des Kassenschlagers von Monsanto zeigt, wer wirklich herrscht ++ Monsanto drohte mit Schadenersatzklage in Milliardenhöhe ++ Auslaufmodell Glyphosat - das noch giftigere Nachfolgeprodukt ist schon in den Startlöchern  ++ Kurswechsel in der Landwirtschaft erforderlich

 

 

Nachdem die Verlängerung der Genehmigung für den Einsatz des Umweltgiftes Glyphosat mehrmals in den zuständigen EU-Ausschüssen durchgefallen war, gab nun bei der entscheidenden Sitzung der Vertreter von Agrarminister Christian Schmidt (CSU) grünes Licht - und damit den Ausschlag - für den weiteren Einsatz. Das Umweltgift darf nun weitere fünf Jahre eingesetzt werden.

Profit geht vor Gesundheit

Diese Entscheidung ist ein Sieg für den Agrarkonzerne Monsanto und die Bayer AG. Der US-Konzern Monsanto, der gegenwärtig vom Chemieriesen Bayer AG übernommen wird, sowie einige weitere Chemie-Unternehmen erzielen zusammen in der EU jährlich einen Umsatz von rund eine Milliarde Euro mit Glyphosat-haltigen Unkrautvernichtungsmitteln. Glyphosat ist das am häufigsten eingesetzte Pestizid weltweit. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Breitbandherbizid: Es vernichtet jede Pflanze – es sei denn, sie wurde gentechnisch so verändert, dass sie gegen das Herbizid resistent ist. Und Monsanto hat natürlich nicht nur das Gift, sondern gentechnisch verändertes Saatgut, vor allem für Mais, Sojabohnen und Baumwolle im Angebot. Die Monsanto-Pflanzen sind so programmiert, dass ihnen Glyphosat nichts ausmachte: einfach "Roundup" über alles spritzen, das Unkraut stirbt, aber Mais, Sojabohnen und Baumwolle wachsen trotzdem.

Glyphosat ist inzwischen fast überall zu finden: in Milch, Getreide, Bier und der Milch von Müttern. Die internationale Krebsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

Aufgeschreckt von der Studie des IARC reagierte das Umweltbundesamt (UBA). Dort hatte man noch 2014 eine deutliche Zunahme von Glyphosat-Konzentrationen im Urin junger Erwachsener als "toxikologisch nicht besorgniserregend" eingestuft. Das ändert sich mit dem IARC-Urteil. In einem Schreiben vom 25. September 2015 heißt es: Aus Vorsorgegesichtspunkten könne schon "beim Verdacht auf ein krebserzeugendes Potenzial nicht von Unbedenklichkeit gesprochen werden". Die vorherige Aussage habe "nicht weiter Bestand". Das Umweltbundesamt hat zudem Bedenken, weil durch die Vernichtung von Kräutern und Gräsern auf Ackerflächen Insekten und Feldvögeln großflächig die Lebensgrundlage entzogen wird.

Mehr als eine Million EU-Bürger haben sich mit einer 'Europäischen Bürgerinitiative' gegen die weitere Zulassung des Mittels ausgesprochen. Das EU-Parlament hat im Oktober verlangt, dass Glyphosat nur noch sehr eingeschränkt zugelassen und bis 2022 schrittweise verboten werden soll. Das EU-Parlament hat allerdings in dieser Sache kein wirksames Mitspracherecht.

All das ficht Agrarminister Schmidt und die industrielle Agrarlobby nicht an: für sie geht Profit vor Gesundheit!

Monsanto schrieb Gutachten für das Bundesinstitut für Risikobewertung

Im Unterschied zum Umweltbundesamt kam vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) grünes Licht für den weiteren Einsatz des Umweltgiftes. Glyphosat sei unbedenklich, so das BfR. Dem weiteren Einsatz des Kassenschlagers von Monsanto stehe nichts im Wege. Diesem Urteil schlossen sich auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) mit Sitz im italienischen Parma und die europäische Chemikalienagentur Echa an. Sie ignorieren die Beurteilung durch das IARC, das weltweit als eine der wichtigsten Instanzen bei der Analyse von Gesundheitsrisiken gilt.

Inzwischen kam ans Licht, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) den ausschlaggebenden Teil des Gutachtens für die weitere Zulassung von Monsanto übernommen hat. (siehe 'Bundesinstitut für Risikobewertung: copy and paste')

Agrarminister Christian Schmidt (CSU) stimmte dem weiteren Einsatz des Pestizids zu, obwohl in den letzten Monaten mit mehr als hundert internen Dokumente ans Licht kam - Papier für Papier, E-Mail für E-Mail, Memo für Memo - wie Monsanto Wissenschaftler für seine Zwecke einspannt und die Öffentlichkeit manipuliert. Der Grund sind Sammelklagen in den USA gegen Monsanto. Tausende Kläger verlangen Schadensersatz, weil das Monsanto-Herbizid Roundup (Wirkstoff: Glyphosat) bei ihnen oder bei Angehörigen eine Form von Lymphdrüsenkrebs ausgelöst hat.

Eigentlich hätte sich der deutsche Agrarminister der Stimme enthalten müssen, denn die amtierende Bundesregierung ist sich über die Verlängerung nicht einig. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erklärte, dass sie gegenüber Agrarminister Christian Schmidt eindeutig erklärt habe, dass sie mit einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat weiterhin nicht einverstanden sei - auch nicht unter bestimmten Konditionen. Deshalb hätte sich Deutschland im EU-Ausschuss enthalten müssen - und es hätte keine Mehrheit für den weiteren Einsatz von Glyphosat gegeben. Die Zustimmung durch den Agrarminister zeigt einmal mehr, wer wirklich herrscht.

Monsanto drohte mit Schadenersatzklage in Milliardenhöhe

Monsanto und anderen Unternehmen der Glyphosat-Industrie drohten der EU-Kommission mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe, sollte das Umweltgift nicht weiter zugelassen werden. Entsprechende Schreiben sind im Oktober bei der Kommission eingegangen. Das entscheidende Kriterium für die Höhe der Schadenersatzforderungen seien die Umsatzausfälle bei einer Nicht-Verlängerung der Zulassung von Glyphosat, hieß es von Experten. Sie halten Schadenersatzansprüche von bis zu 15 Milliarden Euro für möglich.

Glyphosat liegt im Sterben - es lebe Glyphosat

Glyphosat ist ein Auslaufmodell, denn durch den jahrelangen massiven Einsatz wirkt Glyphosat immer weniger, weil das Unkraut resistent geworden ist und sich sogenannte 'Super-Unkräuter' gebildet haben. Also müssen Monsanto und andere Agrar-Firmen dringend nachrüsten. ' Dicamba' heißt das 'Super-Vernichtungsmittel', das die 'Super-Unkräuter' vernichtet, nicht aber das gentechnisch aufgerüstete Saatgut. Doch die großflächigen Versuche in diesem Jahr in den USA führten zu tausenden Beschwerden und Klagen vor Gericht. Dicamba hat zu erheblichen Ernteschäden geführt, da es sich verflüchtigt hat, über die Felder getrieben ist und so auch Pflanzen erreichte, die nicht gegen das Mittel durch gentechnische Veränderung gewappnet waren. Die Folge waren große Ernteschäden.

Aber auch wenn Dicamba so entwickelt wird, dass diese Auswirkungen eingeschränkt werden, so werden in zehn bis 15 Jahren die 'Super-Unkräuter' auch gegen Dicamba resistent sein. Die Rüstungsspirale mit immer höheren Gifteinsatz dreht sich unaufhaltsam weiter.

Hinzu kommt das nicht nur Herbizide eingesetzt werden sondern auch Insektizide und Fungizide und hier bestehen selbige Probleme wie bei den Herbiziden und resistenten Unkräutern. Es bilden sich mit der Zeit resistente Schadinsekten und Pilzerkrankungen heraus, die mit immer mehr und immer neuem Gift bekämpft werden müssen.

Das Gift ist der Kapitalismus!

"Glyphosat ist ein Symbol", sagt Horst-Henning Steinmann von der Universität Göttingen. "Es steht als weltweit dominierendes Pflanzenschutzmittel für eine Form der Landwirtschaft, die viele Kritiker hat."

An dieser Form der Landwirtschaft würde auch das Verbot von Glyphosat nichts ändern, noch dazu, wo das Nachfolgeprodukt bereits bereit steht, das noch gefährlicher und noch schädlicher ist. Wenn der Einsatz dieser Gifte ganz verboten wird, dann gibt es bei dieser Produktionsweise eben keine oder nur geringe Ernten.

Der Agrarwirtschaft steckt in einer Sackgasse, die durch Industrialisierung und Chemiesierung der Landwirtschaft verursacht ist.

Die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft fordert einen grundlegenden Kurswechsel: viel weniger Monokulturen und dafür gemischten Anbau und dazu die Wiedereinführung alter Sorten, die nicht so anfällig sind. Außerdem ist die Abschaffung der Massentierhaltung in Ställen nötig, denn das meiste Herbizid wird nur für die Herstellung der Futtermittel benötigt. Durch mehr natürliche Weidehaltung auf Streuobstwiesen bräuchte es solch großflächigen Futtermittelanbau wie derzeit gar nicht, die Flächen könnten ökologisch sinnvoll genutzt werden.
Die direkte Verwendung der Getreidesorten zur Produktion von vegetarischen Nahrungsmitteln würde große Flächen der Monokulturen für Futtermittel einsparen, da der Umweg über Tierfütterung nicht effizient und total verschwenderisch ist. Moderne Anbaumethoden mit intelligentem Fruchtwechsel und zusätzlich mehr Gewächshäuser machen außerdem den Einsatz von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden unnötiger.

Der Weltagrarbericht (IASSTD) hat bereits 2008 festgestellt, dass es zwar möglich ist, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, aber nur wenn umgesteuert wird. In dem Bericht, in dem internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und ihre Zukunft zusammenfassen, wird eine Abkehr von der industriellen Agrarproduktion, Vielfalt statt Monokulturen, agrarökologische Methoden statt Mineraldünger und Pestizide gefordert. Die Ernährung könne nur gesichert werden, wenn die Kleinbauern zum Motor der Ernährungssicherung gemacht werden. Sie bewirtschaften heute drei Fünftel der weltweiten Agrarfläche, meistens die schlechteren Böden, haben schlechteren Zugang zu Dienstleistungen und Betriebsmitteln wie Kredite und Saatgut und produzieren aber schon heute den größten Teil der Nahrungsmittel. (siehe 'Das Geschäft mit der Nahrung')

Das eigentliche Gift das abgeschafft gehört ist nicht nur das Glyphosat, sondern überhaupt der Kapitalismus.


 

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