Italien: Mord an Landarbeiter

Tools
PDF

Italien Soumayla Sacko10.06.2018: "Für die Illegalen ist das schöne Leben vorbei, sie müssen die Koffer packen", sagte Italiens neuer Innenminister, der Faschist Matteo Salvini, nach seiner Vereidigung. Kaum war er im Amt gab es einen Mord an einem Migranten. Die Hetztiraden des Schreibtischtäters Salvini haben das Feuer entfacht, das nun brennt.

 

Dabei war es nicht einmal ein "schönes Leben als Illegaler", das der 29-jährige Soumayla Sacko in Kalabrien führte. Vor acht Jahren war er aus Mali nach Italien gekommen und verfügte über einen regulären Aufenthalt. Er war einer von vielen Migrant*innen, die in Süditalien als Tagelöhner zu Hungerlöhnen und schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen als Erntehelfer, z. B. für Tomaten oder Zitrusfrüchte, eingesetzt werden. Der verheiratete Vater einer kleinen Tochter war Aktivist der Landarbeiter im Gewerkschaftsbund USB.

Die rechteste Regierung der Nachkriegsgeschichte Italiens

In der Nacht zum Sonntag, den 03. Juni 2018, wurde er in der kalabrischen Kleinstadt Vibo Valentia erschossen: Unbekannte hatten das Feuer auf ihn und zwei Freunde eröffnet, als sie gerade dabei waren, in einer seit Jahren verlassenen Fabrik Bleche zu sammeln, um sich eine der berüchtigten Notunterkünfte zu basteln. Die Fabrik war geschlossen worden, weil dort 135.000 Tonnen Giftmüll entdeckt worden waren.

Die Polizei ermittelt gegen einen lokalen Bauern, der mit den früheren Besitzern der Ziegelei verwandt sein soll. Wie die Zeitung Corriere della Sera schreibt, soll die Familie in Verbindung mit der Ndrangheta stehen. Dieser Mafia-Zweig beherrscht in der Region große Teile des Geschäfts mit Gemüse und Zitrusfrüchten.

"In diesen Gebieten brodelt es immer mehr, denn die Anwesenheit tausender ausgebeuteter Menschen, obdachlos, ohne Wasser, ohne medizinische Hilfe, ohne vertraglichen Schutz schafft sicherlich Reichtum, aber auch Unzufriedenheit und Groll, die zusammen mit den von hohen "institutionellen" Sphären ausgestoßenen "Haltet den Dieb-Rufen" gegenüber den Ausländern manche glauben lassen können, dass sie nach Belieben schießen können, weil sie sich gegen Folgen jeglicher Art immun fühlen."
Erklärung der Gewerkschaft USB - Unione Sindacale di Base
   


Mit Streiks protestierten die Tagelöhner gegen den rassistischen Mord. Dem Streikaufruf des Gewerkschaftsverbandes USB folgten laut "La Repubblica", zumindest in der betroffenen Gegend, alle Tagelöhner. Die Proteste richten sich auch gegen die neue Regierung und ihren erklärten rassistischen Kurs.

"Die fetten Jahre sind vorbei"

 Die Gewerkschaft USB hat unter dem Motto "Die fetten Jahre sind vorbei" in ganz Italien Proteste angekündigt. An Salvini gerichtet stellt die Gewerkschaft fest, dass mit dem Regierungsabkommen von Lega und 5-Sterne-Bewegung die unzumutbaren Arbeits- und Lebensbedingungen und die Rechtlosigkeit der migrantischen Arbeiter*innen aufrecht erhalten werden sollen, weil sie für das Kapital " funktionell und nützlich sind".

"Morgen ist ein Streik und wir stehen am Anfang,
weil das »schöne Leben« wirklich vorbei ist,
natürlich für Sie."

Aber für die Unternehmer werde das »schöne Leben« auslaufen, "weil wir uns durch den gewerkschaftlichen und sozialen Kampf materiellen und kulturellen Sklavengesetzen widersetzen werden". "Morgen ist ein Streik und wir stehen am Anfang, weil das »schöne Leben« wirklich vorbei ist, natürlich für Sie", teilt die USB Salvini mit.

Die Dachgewerkschaft Cgil erklärte, alle "nötigen Aktionen" zu unterstützen und unterstreicht ebenfalls die Verantwortung des Innenministers für das Verbrechen.

Die Generalsekretäre der Landarbeitergewerkschaften der Gewerkschaftsdachorganisationen Cisl, Cgil und Uil erklären in einer gemeinsamen Stellungnahme: "Zahlungen von wenigen Euro pro Stunde, fehlende Verträge, illegale Arbeit, Erpressung, dazu kommt das Fehlen einer wirklich effektiven Aufnahme- und Integrationspolitik. All dies ist nicht mehr hinnehmbar."

Unter diesem Druck sah sich der neue Ministerpräsident, Giuseppe Conte, in seiner Antrittsrede im Senat gezwungen, auf den Fall einzugehen. "Wir sind durchaus nicht gefühllos“, behauptete Conte und nannte den Mord an Soumaila Sacko einen "tragischen und beunruhigenden Zwischenfall“. Die Politik werde sich "um das Drama dieser Personen kümmern“, erklärte Conte. Offensichtlich ist die Besorgnis der neuen Regierung groß, dass sich die Proteste im Süden mit Streiks und Demonstrationen im Norden verbinden könnten.

Am Samstag demonstrierten 5.000 Menschen auf den Straßen Mailands, um Nein zum Rassismus zu sagen und an den ermordeten migrantischen Landarbeiter Soumayla Sacko zu erinnern.

 

Internationales

G7 gegen Steuerflucht der Multis: ″lächerlich niedriger Steuersatz″

G7 gegen Steuerflucht der Multis: ″lächerlich niedriger Steuersatz″

07.06.2021: G7-Finanzminister*innen für Mindeststeuersatz für Multis ++ Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD): eine "Steuerrevolution" ++ kritische Reaktionen von Oxfam und Tax Justice Network: ″lächerlich niedriger Steuersatz″ der ″überwiegend den reichen Ländern zugute kommen und die Ungleichheit vergrößern″ wird

weiterlesen

Europa

Freiwillige Lizenzen, der EU-Vorschlag erfreut Big Pharma

Freiwillige Lizenzen, der EU-Vorschlag erfreut Big Pharma

08.06.2021: Europäische Union legt Verhandlungslinie für WTO fest und bleibt das Haupthindernis für ein Moratorium auf Impfstoffpatente ++ mit neuen Anreizen und Finanzmitteln soll die Produktion gesteigert und Big-Pharma zur freiwilligen Vergabe von Lizenzen motiviert werden ++ 290 Lobbyist*innen und 36 Millionen jährlich: Big Pharma führt einen erbitterten Lobbykampf, um ihre Monopol-Patentrechte für COVID-19-Impfstoffe und -Behandlungen zu schützen.

weiterlesen

Linke / Wahlen in Europa

PCF-Delegation reist nach Erbil

PCF-Delegation reist nach Erbil

10.06.2021: Eine Delegation der Französischen Kommunistischen Partei reist diese Woche nach Erbil, um dem KNK inmitten der eskalierenden Militäraggression der Türkei in Südkurdistan ihre Solidarität zu bekunden ++ Delegation der autonomen Region Nord- und Ostsyrien in Frankreich

weiterlesen

Deutschland

Geheimdienst als Zensor

Geheimdienst als Zensor

18.05.2021: Die marxistische Tageszeitung "junge Welt" beklagt einen Angriff auf die Pressefreiheit aufgrund ihrer Überwachung durch den Verfassungsschutz.
Ein Text von Nick Brauns, übernommen vom Nachrichtenportal ANF News.

weiterlesen

Kapital & Arbeit

Das große Fressen. Jetzt erst recht: Vonovia und Deutsche Wohnen enteignen

Das große Fressen. Jetzt erst recht: Vonovia und Deutsche Wohnen enteignen

04.06.2021: Mitten in die zweiten Runde des Berliner Volksbegehrens "Enteignet Deutsche Wohnen & Co" platzt das große Fressen: Der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia schluckt den zweitgrößten Deutsche Wohnen. 18 Milliarden Euro will Vonovia den Deutsche-Wohnen-Aktionär*innen für die Übernahme des Konzerns mit 157.000 Wohnungen bezahlen. Zusammen kommen die beiden einzigen Immobilienkonzerne im Leitindex Dax auf einen Börsenwert von rund 48 Milliarden Euro und auf mehr als 550.000 Wohnungen im Wert rund 80 Milliarden Euro.

weiterlesen

Aus Bewegungen und Parteien

Italien: Hafenarbeiter vereiteln Waffenlieferung an Israel

Italien: Hafenarbeiter vereiteln Waffenlieferung an Israel

28.05.2021: Im Hafen von Ravenna sollen Waffen für Israel verladen werden ++ nach Drohung mit Streik erklärt die Reederei, dass die Waffen nicht verladen werden ++ Hafenarbeiter rufen auf, sich "aktiv gegen den Krieg" zu stellen ++ Basisgewerkschaft USB, Sea Watch u.a. organisieren Konferenz "Häfen - geschlossen für Waffen, geöffnet für Migrant*innen"

weiterlesen

Analysen

Der Armutsbericht ein Armutszeugnis

Der Armutsbericht ein Armutszeugnis

03.06.2021: Deutschland sei keine "Abstiegsgesellschaft", kommentierte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil den 6. Armuts- und Reichtumsbericht, den die Bundesregierung im Mai 2021 verabschiedet hat. Willy Sabautzki vom Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung isw untersucht den Bericht und kommt zu dem Ergebnis, dass die gesellschaftliche Mitte schrumpft und die Ränder wachsen, kurz: dass die Gesellschaft sich weiter polarisiert. Sein Resümee: Die Corona-Pandemie muss ein Weckruf sein, extreme Ungleichheit und Armut endlich bei der Wurzel zu packen. Der Schlüssel liegt in einer Demokratisierung der Wirtschaft, das heißt Entscheidungsmacht muss breit geteilt werden und darf sich nicht bei einigen wenigen konzentrieren.

weiterlesen

Meinungen

Black Lives Matter - Ein Jahr nach dem Mord an George Floyd

Black Lives Matter - Ein Jahr nach dem Mord an George Floyd

26.05.2021: Am 25. Mai 2020 wurde in Minneapolis/USA der Amerikaner George Floyd ermordet. Während mehrere Polizisten auf Floyd knieten, sagte Floyd mehrfach: "I can’t breathe!" ("Ich kann nicht atmen!"). Der Mord an George Floyd wurde zum Auslöser einer Protestbewegung in den USA und weltweit. Mit der Aussage BLACK LIVES MATTER (schwarze Leben zählen) wurde der Rassismus angeklagt, der auch vor Mord nicht zurückschreckt.

weiterlesen

Literatur und Kunst

"Vielerlei verkehrter Verkehr" benötigt dringend einer "Autokorrektur"

Günther Stamer über Sabine Leidigs Buch "Linksverkehr - Projekte und Geschichten, Beton und Bewegung"    

02.06.2021: Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, hat sich anlässlich ihres bevorstehenden Ausscheidens aus dem Bundestag selbst ein schönes Abschiedsgeschenk gemacht: Ein großformatiges, buntes, mit vielen Gastbeiträgen ihrer Mitstreiter*innen gespicktes Buch, das eine kritische Bestandsaufnahme der herrschenden Verkehrspolitik zum Inhalt hat und alternative Projekte, Teilschritte und Ziele hin zu einer "solidarischen Mobilität" skizziert, in der nicht (Auto)Konzerninterssen den Takt vorgeben.

weiterlesen

Der Kommentar

Polizeigewalt stoppen! Demokratie statt Polizeistaat!

Polizeigewalt stoppen! Demokratie statt Polizeistaat!

ein Kommentar von Hubertus Zdebel, (MdB, DIE LINKE)  

25.05 2021: Bei linken Demonstrationen - z.B. jüngst am 1. Mai in Berlin, Hamburg oder Frankfurt, oder bei den linken Demonstrationen gegen Besetzung und Krieg in Palästina - wird die Polizei immer gewalttätiger. Ermittlungen gegen Polizeibeamte werden meist eingestellt oder verlaufen im Sande. Im August 2019 erschoss ein Polizist in Stade den Geflüchteten Aman Alizada, damals 19 Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren ein. Delmenhorst, 5. März 2021: Der geflüchtete 19jährige Jeside Qosay K wird von einem Polizisten zu Boden gezwungen, der Beamte versprüht Pfefferspray, legte ihm Handschellen an, die Polizei nahm ihn mit auf die Wache. Tags darauf, am 6. März 2021, ist Qosay K. tot. Ein "Unglücksfall" schreibt die Polizeiinspektion Oldenburg in ihrer Pressemitteilung. In Kleve wurde im September ...

weiterlesen

Videos

Mietendeckel gekippt - mit Andrej Holm

Mietendeckel gekippt - mit Andrej Holm

Am Donnerstag (15.3.) hat das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel gekippt. Helle Panke hat den Stadtsoziologen Dr. Andrej Holm unmittelbar nach dem Karlsruher Urteil gefragt, was das Gericht genau beschlossen hat, welche Folgen das für die Berliner Mieterinnen und Mieter haben kann und was man jetzt tun kann, um sozialen Wohnraum zu erhalten und Mietspekulationen entgegenzuwirken.

weiterlesen

Im Land des Sandes. In der Westsahara

Westsahara: In den befreiten Gebieten

Westsahara: In den befreiten Gebieten

Bericht von Kerem Schamberger |

19.02.2019: Die letzten Tage in der Westsahara waren geprägt von Sand. Überall Sand, wie schon im ersten Blogeintrag beschrieben. In jeder Ritze, in jeder Pore. Warum? Weil wir in die von der Polisario befreiten Gebiete gefahren sind und dort noch mehr Wüste ist, als schon in den Flüchtlingslagern um Tindouf.

weiterlesen

Corona EBI no profit on pandemic ELEuropäische Bürgerinitiative "Jeder verdient Schutz vor Covid-19 - Kein Profit durch die Pandemie"
Unterzeichnen hier

++++++++++++++++++++++++++++++++

Videos

Mietendeckel gekippt - mit Andrej Holm

Mietendeckel gekippt - mit Andrej Holm

Am Donnerstag (15.3.) hat das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel gekippt. Helle Panke hat den Stadtsoziologen Dr. Andrej Holm unmittelbar nach dem Karlsruher Urteil gefragt, was das Gericht genau beschlos...

weiterlesen

++++++++++++++++++++++++++++++++

Zum Vormerken: 50 Jahre MSB Spartakus - 12. Juni 2021 in KölnMSB konstituiert

Liebe Freundinnen und Freunde, wir möchten Euch einladen:

Am 22. Mai 1971 wurde der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB) in Bonn gegründet. Er war in den 1970ern und 1980ern einer der einflussreichsten Studierendenverbände, in dem sich mehrere tausend Studentinnen und Studenten organisierten. Im Mai 2021 wird dieses Ereignis fünfzig Jahre her sein. Wir nehmen es zum Anlass, zu einer Wiederbegegnung einzuladen.
Weiterlesen

++++++++++++++++++++++++++++++++

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


EL Star 150

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.