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9Mai2019 110.05.2019: Am Donnerstag, den 9. Mai, feierten Millionen Russ*innen und Osteuropäer*innen den "Tag des Sieges". Mit Feierlichkeiten und Kranzniederlegungen gedachten sie dem 9. Mai 1945: Der Kapitulation Nazi-Deutschlands.

Im Mai 1945 war Hitlers "Drittes Reich“ durch große militärische Anstrengungen alliierter Mächte wie der Sowjetunion besiegt. Berlin war von der Roten Armee eingenommen. Die noch übriggebliebenen Oberbefehlshaber der geschlagenen deutschen Wehrmacht unterzeichneten in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai die bedingungslose Kapitulation im sowjetischen Hauptquartier Berlin-Karlshorst.

Die Menschen der Sowjetunion zahlten einen hohen Preis für diesen Krieg: 27 Millionen Menschenleben. Es gab keine einzige Familie in der Sowjetunion, die vom Krieg verschont blieb. Vier Jahre enormer Anstrengungen, Verluste, Hunger, Nöte, Bombenangriffe, Zerstörung… Deswegen ist es in erster Linie ein Tag "mit Tränen in den Augen", wie es in einem alten sowjetischen Lied heißt, das jedes Jahr an diesem Tag überall zu hören ist.

Der Große Sieg über den Faschismus, wie man dieses Datum in Russland nennt, ist nicht nur das Schlüsselereignis der Weltgeschichte, sondern auch ein Eckpfeiler im Selbstverständnis und in der Selbstidentifikation der Nation heute. In den letzten Jahren hat die Bedeutung dieses Tages in der russischen Gesellschaft nicht nachgelassen, sondern ist eher gestiegen.

In Moskau fand am 9. Mai auf dem Roten Platz eine traditionelle Militärparade statt, die an den Sieg über Nazi-Deutschland im Jahr 1945 erinnert.

9Mai2019 Moskau2
9Mai2019 Moskau

 

Nato übt Krieg gegen Russland

9Mai2019 Nato2Ausgerechnet am 9. Mai rasselten etwa eineinhalb Tausend Kilometer westlich die Panzerketten und heulten die Motoren von Kriegsflugzeugen. 2.500 Soldat*innen aus den Nato-Mitgliedsländern Niederlande und Deutschland üben gemeinsam in der Lüneburger Heide. Bei dem bis 24. Mai dauernden Manövers "Green Griffin 2019" wird u.a. die rasche Verlagerung von Fallschirmtruppen geübt.

Gleichzeitig begann am 9. Mai ein Großmanöver der Nato. Die sechstägige Großübung "Crisis Management Exercise" (CMX) findet laut Angaben der Militärallianz im Nato-Hauptquartier und den Verteidigungsministerien der Mitgliedstaaten statt. Ziel des Manövers sei es, sicherzustellen, dass die Nato bei einem Bündnisfall "schnell entscheidungs- und handlungsfähig" sei. Der mögliche Aggressor und Feind: Russland.

"Wir leben in einer Welt, in der ein einzelnes atomar bestücktes U-Boot der USA oder Russlands in der Lage ist, die 20 größten Städte des Gegners mit einem Knopfdruck auszulöschen.“
Dr. Alex Rosen, Ko-Vorsitzender der IPPNW .

Alle Details des Manövers sind als "NATO SECRET" eingestuft, da der Nato-Rat und der militärische Apparat alle Schritte eines Kriegsszenarios vollziehen, von der Erklärung des Bündnisfalls nach Artikel 5 bis zur Planung der militärischen Reaktion der Nato.

"Die NATO-Übung simuliert den Beginn des dritten, des letzten Weltkrieges. Wenn auch nur halb so viele Ressourcen in Diplomatie, Dialog und Deeskalationsmaßnahmen gesteckt werden würden wie in diese Kriegsspiele, würde kein Mensch ernsthaft über neue Atomwaffen in Europa nachdenken", erklärt der IPPNW-Ko-Vorsitzende Dr. Alex Rosen.

Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW kritisiert, dass die Großübung der Nato ausgerechnet am 9. Mai beginnt, "an dem Tag, an dem in Russland an das Kriegsende 1945 und die Befreiung Deutschlands vom Faschismus erinnert wird". Weiter heißt es in der Erklärung: "Durch Militärübungen, Aufrüstung und die Pflege von Feindbildern setzen die NATO und Russland zunehmend auf Abschreckung statt auf eine Politik der gemeinsamen Sicherheit. Mühsam aufgebautes Vertrauen wird dadurch zerstört und friedliche Lösungen des Konflikts zwischen Ost und West erschwert. Ohne Zusammenarbeit mit Russland drohen weitere Konfrontation und die Eskalation des Ukraine-Konflikts und der militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten."

Die IPPNW fordert die Bundesregierung auf, für eine gemeinsame Sicherheitspolitik durch vertrauensbildende Maßnahmen, Rüstungskontrolle und Abrüstung einzutreten, statt sich an Großmanövern zu beteiligen.


Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung IPPNW:

Dialog und Deeskalation statt Abschreckung und Drohung
NATO-Großübung vom 9.-15. Mai 2019

Mit großer Sorge sieht die ärztliche Friedensorganisation IPPNW die NATO-Übung, in der die militärische Reaktion der Allianz auf einen potentiellen russischen Angriff geprobt wird. Die Großübung beginnt am 9. Mai, ausgerechnet an dem Tag, an dem in Russland an das Kriegsende 1945 und die Befreiung Deutschlands vom Faschismus erinnert wird. Die IPPNW fordert die Bundesregierung auf, für eine gemeinsame Sicherheitspolitik durch vertrauensbildende Maßnahmen, Rüstungskontrolle und Abrüstung einzutreten, statt sich an Großmanövern zu beteiligen.

Durch Militärübungen, Aufrüstung und die Pflege von Feindbildern setzen die NATO und Russland zunehmend auf Abschreckung statt auf eine Politik der gemeinsamen Sicherheit. Mühsam aufgebautes Vertrauen wird dadurch zerstört und friedliche Lösungen des Konflikts zwischen Ost und West erschwert. Ohne Zusammenarbeit mit Russland drohen weitere Konfrontation und die Eskalation des Ukraine-Konflikts und der militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten. Bereits durch die Kündigung des INF-Vertrages wird ein Eckpfeiler der Europäischen Sicherheit zerstört und ein neues Wettrüsten beginnt. Die Sicherheit Europas ist nicht gegen, sondern nur gemeinsam mit Russland möglich.

Derzeit modernisieren sowohl die USA als auch Russland ihre Atomwaffenstreitkräfte und entwickeln neue Atomwaffen sowie konventionelle Waffensysteme mit kurzen und mittleren Reichweiten. Die in Deutschland stationierten US-Atomwaffen sollen bis 2025 durch neue, “effektivere” Bomben des Typs B61-12 ersetzt werden. Diese Atomwaffen werden künftig steuerbar sein, die Sprengkraft ist variabel. Dadurch sinkt die Hemmschwelle, Atomwaffen einzusetzen, und ein konventioneller Krieg könnte in einem Atomkrieg enden.

"Wir leben in einer Welt, in der ein einzelnes atomar bestücktes U-Boot der USA oder Russlands in der Lage ist, die 20 größten Städte des Gegners mit einem Knopfdruck auszulöschen", erklärt der IPPNW-Ko-Vorsitzende Dr. Alex Rosen. "Die NATO-Übung simuliert den Beginn des dritten, des letzten Weltkrieges. Wenn auch nur halb so viele Ressourcen in Diplomatie, Dialog und Deeskalationsmaßnahmen gesteckt werden würden wie in diese Kriegsspiele, würde kein Mensch ernsthaft über neue Atomwaffen in Europa nachdenken."

8. Mai 2019

Quelle: https://www.ippnw.de/startseite/artikel/de/dialog-und-deeskalation-statt-abschr.html

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