Internationale Solidarität in den Zeiten von Corona

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Corona Cuba Italien23.03.2020: Die Corona-Pandemie führt zu neuen Konstellationen der internationalen Zusammenarbeit - Solidarität auf der einen, Entsolidarisierung auf der anderen Seite. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union scheinen zur gegenseitigen Hilfe unfähig. China, Cuba und Russland stehen Italien im Kampf gegen das Virus bei.

 

Italien zählt weltweit die meisten Toten durch Corona. Als Italien die Europäische Union um Masken, Gummihandschuhe, Kunststoffbrillen bat, blieb das Ansuchen unbeantwortet. Der Krisenstab der Bundesregierung verbot als eine der ersten Maßnahmen gegen das Coronavirus den Export medizinischer Schutzausrüstung. Auch Frankreich verhängte ein Exportverbot für diese Produkte.

Am 12. März gab die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, das Signal an die Finanzmärkte, dass sie Italien nicht beistehen werde. Umgehend schossen die Zinsen für italienische Staatsanleihen nach oben. Nachhaltig sind die Widerstände, insbesondere aus Deutschland, gegen die Ausgabe von Euro-Bonds zu einer solidarischeren Finanzierung innerhalb der Eurozone.

EU-Industriekommissar Thierry Breton kritisierte die Exportverbote für medizinische Schutzausrüstung heftig. "Die europäische Solidarität und unsere Gesundheitssysteme stehen auf dem Spiel", sagte er und kritisierte die Kurzsichtigkeit beim Erlass von Exportsperren. Die Schwere der Pandemie, die heute in Italien zu beobachten ist, könne morgen andere Staaten Europas treffen. Man müsse sich daher auf Solidarität verlassen können, so Breton.

Erst am Samstag, 14. März, kündigte dann das Auswärtige Amt in Berlin einen Kurswechsel an und dass es Vorschriften anpassen werde, um den Export von dringend benötigter medizinischer Ausrüstung in andere EU-Länder zu ermöglichen; aber nicht ohne einen "Deutschland-first"-Vorbehalt: "Damit ist es möglich, dringend benötigte Güter in andere Länder zu senden, solange lebenswichtiger Bedarf in Deutschland erfüllt wird", hieß es. Erste Lieferungen seien auch schon unterwegs: nach Italien, in die Schweiz, zu den Vereinten Nationen. Nach Italien sollen eine Million Masken gehen.

Polen und Tschechische Republik beschlagnahmen Hilfslieferungen für Italien

Corona China Italien LieferungDie Spitze des unsolidarischen Handelns innerhalb der EU war, als die Tschechische Republik und Polen medizinische Hilfsgüter beschlagnahmten, die China an Italien sandte. Wie die Zeitung »La Repubblica« berichtet, haben die Behörden in Prag willkürlich eine riesige Lieferung von 110.000 Masken - in anderen Meldungen war sogar von 680.000 die Rede - und Tausende von Atemschutzgeräten beschlagnahmt, die die Volksrepublik als Hilfslieferung nach Italien schickte. Nach heftigen Protesten des italienischen Außenministeriums erklärten die tschechischen Behörden am Samstag schließlich, das für Rom bestimmte medizinische Material zurückzugeben. Auch in Polen wurde eine Lieferung mit 23.000 Masken aus China gestoppt, die für die Region Latium bestimmt war. (La Repubblica, 21.3.20)

Nachdem Polen seinen Luftraum für die russischen Flugzeuge mit den medizinischen Mitteln für Italien gesperrt hat, müssen diese einen Umweg von ca. 1.000 km fliegen, um nach Rom zu kommen.

Corona russ Flugroute

"Wenn alles vorbei ist, werden wir uns daran erinnern, wer da war ...und wer nicht da war."
Giovani Toti (Forza Italia), Präsident der Region Ligurien 

Hilfe aus Moskau, Peking und Havanna

Mittlerweile erhält Italien Unterstützung. Russland, China und Cuba entsenden medizinisches Material und Personal nach Italien. Auch Deutschland beteiligt sich mit medizinischer Ausrüstung.

  Corona China Italien Wir sind  
  "Wir sind Wellen desselben Meeres, Blätter desselben Baumes und Blumen desselben Gartens."
Mediziner*innen aus China beim Eintreffen am Flughafen in Mailand am 19.3.20
 

 

Material und Spezialist*innen aus China

Bereits am 12. März ist eine neunköpfige Gruppe von Mediziner*innen aus der Volksrepublik China in Italien angekommen. Neben den Mediziner*innen waren in dem Airbus A-350 der China Eastern aus Shanghai, der am römischen Flughafen Fiumicino landete, 31 Tonnen medizinische Güter - 1,8 Millionen Atemschutzmasken, 700 Geräte, darunter 30 intensivmedizinische OP-Ausstattungen, inklusive Beatmungsgeräte.
Italiens Außenminister Luigi Di Maio (5-Sterne) hatte bei seinem Amtskollegen Wang Yi um Unterstützung gebeten.

Am vergangenen Donnerstag (19.3.) traf ein weiteres Team von 37 chinesischen Ärzt*innen und Sanitäter*innen mit 20 Tonnen Material in Mailand ein - über 400.000 Masken, 5.000 medizinische Schutzkleidungen, Ventilatoren sowie Handschuhe, Brillen, Monitore, Desinfektionsmittel und vieles mehr. In diesen Tagen folgen weitere Mediziner*innen und weiteres Material.

Wie berichtet wird, sind die chinesischen Epidemie-Spezialist*innen erstaunt darüber, "wie viele Menschen auf der Straße sind, wie viele öffentliche Verkehrsmittel benutzen und wie wenige Masken tragen." (Anm.: in Deutschland wird das Tragen von Schutzmasken von der Politik gar nicht empfohlen, weil es keine Vorräte gibt und weil sie selbst für das medizinische Personal nicht ausreichen.)

China unterstützt auch Spanien, das neben Italien am stärksten betroffene südeuropäische Land. Zuvor hat China bereits entsprechende Teams in den Irak und den Iran entsandt.

19.3.2020: Hilfsmaterialen und Mediziner*innen aus China landen in Mailand

 

Russland schickt Geräte und Ärzt*innen nach Italien

Am Sonntag (22.3.) startete auf dem Militärflughafen Tschkalowski in der Nähe von Moskau die erste von neun Iljuschin Il-76 nach Italien. An Bord Schutzmittel, Desinfektionsanlagen und Medizingeräte. Zusätzlich stehen führende Spezialist*innen auf dem Gebiet der Virologie und Epidemiologie bereit, ausgestattet mit moderner Ausrüstung zur Diagnose und Desinfektion, heißt es aus Moskau. Ungefähr 100 Ärzt*innen und Pflegekräfte werden ihren italienischen Kolleg*innen zur Seite stehen.

   
  22.3.2020: Der italienische Außenminister Luigi Di Maio begrüßt das erste Flugzeug aus Moskau mit Hilfslieferungen  

 

Russland hat bereits 13 Ländern die Lieferung von Systemen für SARS-CoV-2-Tests zugesagt, die von dem Staatlichen Wissenschaftszentrum für Virologie und Biotechnologie “Vektor” entwickelten worden sind.

Mediziner*innen aus Cuba in Italien

     
   
  22.3.2020: Eine Gruppe von 37 kubanischen Ärzt*innen und 15 Krankenpfleger*innen trifft auf dem Flughafen von Mailand ein, um in Krankenhäusern der Lombardei im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu helfen.  

 

52 kubanische Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen unterstützen seit dem Wochenende ihre italienischen Kolleg*innen beim Kampf gegen die Corona-Pandemie. Sie sind in der Lombardei, dem aktuellen Brennpunkt der Pandemie, eingesetzt. Bei den kubanischen Helfer*innen handelt es sich "um hochspezialisierte Mitarbeiter, die bereits gegen Ebola gekämpft haben und wissen, wie diese Art von Krankheit zu behandeln ist", sagte Giulio Gallera, Verantwortlicher für Gesundheit und Wohlfahrt der Regionalregierung der Lombardei. Sie werden für vorerst drei Monate in Italien bleiben.

Kubanische Ärzt*innen und Pfleger*innen arbeiten derzeit im Auftrag ihrer Regierung in gut 60 Ländern, wo sie teils dringend benötigte Beiträge zur Gesundheitsversorgung leisten. "Wir haben Nachrichten von Freiwilligen erhalten, die bereit sind, überall hinzugehen, um in dieser globalen Gesundheitssituation zu helfen«, sagte Jorge Delgado, der die medizinische Zusammenarbeit des kubanischen Gesundheitsministeriums leitet, im kubanischen Staatsfernsehen.

 

Italien wird nicht vergessen, wer in der Not geholfen hat, während andere Staaten medizinische Geräte und Schutzmasken horteten oder deren Transport nach Italien blockierten.
Luigi Di Maio (5-Sterne), Außenminister Italiens


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