Nur noch kurz die Welt retten ...

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GES_kiel_2011_gst05.10.2011: Vom 4.10.-6.10.2011 findet in Kiel das vierte Global Economic Symposium (GES) statt. Veranstalter sind neben dem Kieler Institut für Weltwirtschaft – IfW - (das die Federführung inne hat), die Bertelsmann Stiftung und die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften. Das GES soll dauerhaft in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt etabliert werden und hat sich deshalb im Vorfeld die Unterstützung führenden Kieler Banken und Betriebe gesichert. „Im Rahmen des GES werden die führenden Köpfe unserer Zeit Lösungen für drängende globale Herausforderungen entwickeln“ weiß der Vorstandsvorsitzende der Kieler Förde Sparkasse nicht eben unbescheiden die Bedeutung des Treffens zu charakterisieren (Kieler Nachrichten 30.9.11). Und der Präsident des IfW, Dennis Snower, ist gar überzeugt (Kieler Nachrichten 4.10.11.), dass es zu einer schnelleren Behebung der Finanzkrise 2008  gekommen wäre, hätte man die beim ersten GES vorgelegten Lösungsvorschläge angenommen (zehn Tage nach Ende des GES platzte in den USA die Lehman Brother – Blase).

Die mehr als 400 internationalen Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft fühlen sich ihrem Selbstverständnis nach also so ein bisschen wie die Retter der Welt. Das Themenspektrum der diesjährigen Tagung ist sehr breit gefächert: Es dreht sich nach eigenen Ankündigungen natürlich um die Finanz- und Schuldenkrise, aber auch um den Klimawandel, um die Reform der Alterssicherung, um das Problem der Wasserknappheit, die Nutzung der Ozeane und Fragen der Moral und der Verantwortung in der Wirtschaft.

Das GES nimmt für sich in Anspruch, konkrete Lösungsvorschläge für die globalen Probleme in den beschriebenen Bereichen zu erarbeiten. Im Gegensatz zu anderen Gipfeln wie etwa der G8-/G20-Treffen geht es beim GES aber nicht in erster Linie um das medienwirksame Verkünden von Absichtserklärungen sondern um das konkrete Erarbeiten von Vorschlägen, die Eingang und Einfluss finden sollen in Entscheidungsprozesse und Handlungsempfehlungen der herrschenden Politik. Dabei sind sich „die klugen Köpfe“ durchaus der Herausforderung bewusst, dass die ideologischen Grundlagen und Strategien zur Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems immer wieder den sich stets verändernden Rahmenbedingungen angepasst werden müssen - in Krisenzeiten umso mehr.

In welche Richtung dabei gedacht wird, lässt sich am Beispiel einiger der renommierten Teilnehmer des GES verdeutlichen. Neben den reichlich vertretenen Konzernchefs aus den USA und Europa, Mitgliedern der EU-Kommission und nationaler europäischer Regierungen sind weiterhin dabei: Der Wirtschaftswissenschaftler Eric Maskin, der für seine Theorie des „Mechanism Design“ mit dem Wirtschafts-Nobelpreisträger ausgezeichnet wurde. Nach dieser Theorie sollen sich ökonomische Abläufe so steuern lassen, dass ein gewünschtes Ergebnis eintritt, obwohl jeder der involvierten Akteure nur seine eigenen Interessen vertritt. Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften wird diese Methode angewandt, um gesellschaftliche Rahmenbedingungen so zu verändern, dass ein bestimmtes gewolltes Verhalten gefördert oder ein ungewolltes unterbunden wird.

Über die psychologischen Aspekte der Finanzwelt wird Tania Singer diskutieren. Die Direktorin eines Max-Planck-Instituts forscht über Emotionen, darüber, was bei Rache, Schadenfreude oder Mitgefühl in unserem Gehirn vorgeht. Neben ihrer Forschungsarbeit berät sie auch noch die Kanzlerin.

Dann sind da noch Bin Faisal El Saud aus dem saudischen Königshaus und der us-amerikanische Chemieprofessor John Deutsch. Was diese beiden mit einander verbindet ist die Tatsache, dass beide über lange Jahre in herausgehobenen Positionen in den Auslandsgeheimdiensten ihre Länder tätig waren. Das prädestiniert beide, im Rahmen des GES über künftige Sicherheitsbedrohungen in der Welt zu diskutieren.

Diese wenigen Beispiele verdeutlichen Sinn und Zweck dieser Denkfabrik. „Die führenden Köpfe unserer Zeit“ bleiben bei ihrer angeblichen Suche nach Lösungen für die globalen Probleme dieser Welt in den Denk- und angeblichen Sachzwängen der Kapitallogik gefangen und sind somit nicht Teil der Lösung ebendieser Probleme sondern stehen Lösungen im Wege – so wie der Kapitalismus als Ganzes immer offensichtlicher zu Problem des zivilisatorischen Überlebens der Menschheit geworden ist. „Um die Früchte der Zivilisation nicht zu verlieren, sind die Menschen gezwungen, sobald die Art und Weise ihres Verkehrs den erworbenen Produktivkräften nicht mehr entspricht, alle ihre überkommenen Gesellschaftsformen zu ändern.“ (Karl Marx, MEW 27, S. 453).

Offensichtlich ahnen immer mehr Menschen, dass sie von dem herrschenden Gesellschaftssystem keine gerechtere Welt erwarten können. In einer zur Vorbereitung auf das GES im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung von Infas vorgenommenen Umfrage wurden die Bundesbürger zum Begriff „Globalisierung“ befragt. Mit dem diffusen Begriff „Globalisierung“ verbinden zwei Drittel der Bürger etwas Positives. Aber: Neunzig Prozent der Befragten erwarten demnach, dass sich die Kluft zwischen Reich und Arm vergrößern wird und dass Rohstoffe sowie Energie zunehmend knapp werden. Rund vier von fünf Befragten erwarten eine neue Spekulationsblase und Knappheit von Wasser und Lebensmittel (FAZ 4.10.11).

Kiel_attac_2011_ust_arbeiterfotografie_kielAls eine Art Gegenveranstaltung zum GES fand am 30.9./1.10. im Kieler Kommunikationszentrum „pumpe“ der attac-Kongress „Eine andere Welt ist nötig! – Wie wollen wir leben?“ statt, auf dem im Rahmen einer Podiumsdiskussion und in zehn Workshops über gesellschaftliche Alternativen zum globalisierten Kapitalismus und der herrschenden Politik diskutiert wurde. Auf der Podiumsdiskussion ging es vor über 150 Zuhörern um die grundsätzliche Frage nach der Rolle des Wirtschaftswachstums in unserer Gesellschaft.

Norbert Reuter, Wirtschaftsexperte beim ver.di-Bundesvorstand, hob zunächst hervor, dass man bei der Diskussion um Wirtschaftswachstum (ausgedrückt im Bruttoinlandsprodukt-BIP-) nicht aus den Augen verliere dürfe, wer die Verteilungsmacht über das BIP habe. Auf Deutschland bezogen habe eine dramatische Umverteilung zugunsten der Banken, Konzerne und Superreichen stattgefunden während vom Wirtschaftswachstum bei der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung nichts angekommen sei. Im weiteren plädierte er dafür, die vorherrschende Orientierung auf ein rein quantitatives BIP-Wachstum zu überwinden. In der kapitalistischen Logik hieße dies nichts anderes als weiter auf Deregulierung, Flexibilisierung und Privatisierung der Wirtschaft zu setzen. Als wesentliche Elemente eines qualitativen Wachstums benannte er zwei Bereiche: 1. Neben der Forcierung des ökologischen Umbaus müsse eine massive Förderung und Ausweitung der öffentlichen Dienstleistungen in der Daseinsvorsorge ( Erziehung, Bildung, Gesundheit, Pflege) durchgesetzt werden. 2. Arbeitszeitverkürzung dürfe nicht nur als ein Instrument zu einer gerechteren Verteilung der Arbeit gesehen werden sondern müsse wieder stärker als ein grundsätzliches Mittel zur Wohlstandssteigerung begriffen werden.

In den Workshops wurde dann weiter über die Fragen Wirtschaftswachstum, solidarische Ökonomie und Finanzkrise diskutiert, des weiteren ging es um die Demokratisierung der Daseinsvorsorge, um die Festung Europa und den Umbau der Bundeswehr zur Interventionsstreitmacht. Alles in allem eine spannende Diskussion, in der viele unterschiedliche Denk- und Lösungsansätze zur Sprache kamen; was z.B. deutlich wurde in der unterschiedlichen Bewertung der Eigentumsfrage oder ob ein „zivilisierter, grüner Kapitalismus“ möglich ist.

Einig war man sich in der Schlussfolgerung, dass Probleme niemals durch die gleiche Denkweise zu lösen seien, durch die sie entstanden sind (Albert Einstein) und dass allen an dem Kongress Beteiligten es ein Anliegen sein müsse, mehr Menschen für ihre ureigenen Interessen in Bewegung zu bringen.

Von dem Kongress wurde aufgerufen, sich an der Kundgebung und Demonstration am 4.10. gegen das Global Economic Symposium vor deren Tagungsgebäude zu beteiligen und am europaweiten Aktionstag am 15. Oktober mit vielfältigen Aktionen für die Solidarität mit der griechischen Bevölkerung in Erscheinung zu treten.

Text: gst     Fotos: gst / ust(Arbeiterfotografie Kiel)

 

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ISM Forum AZV 2021 01 21

Mehr Infos und Zugang zur Zoom-Veranstaltung
https://www.solidarische-moderne.de/de/article/611.arbeitszeitverkuerzung-fuer-wen-und-warum.html

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Zum Vormerken: 50 Jahre MSB Spartakus - 12. Juni 2021 in KölnMSB konstituiert

Liebe Freundinnen und Freunde, wir möchten Euch einladen:

Am 22. Mai 1971 wurde der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB) in Bonn gegründet. Er war in den 1970ern und 1980ern einer der einflussreichsten Studierendenverbände, in dem sich mehrere tausend Studentinnen und Studenten organisierten. Im Mai 2021 wird dieses Ereignis fünfzig Jahre her sein. Wir nehmen es zum Anlass, zu einer Wiederbegegnung einzuladen.
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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


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