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Kiel Kriegshafen24.10.2021: Der Kieler Kriegshafen und die Rüstungswerft ThyssenKruppMarineSystems (TKMS) haben den Frühjahrsputz bereits in diesem Herbst vorgenommen und sich ein wenig "aufgehübscht".

 

Beginnen wir mit dem Kieler Kriegshafen, Standort der Einsatzflottille 1 der Bundesmarine und des Kompetenzzentrums für Operationen in küstennahen Gewässern (COE CSW) der NATO, Ausgangspunkt säbelrasselnder Manöver in der Ostsee und regelmäßiger Mittelmeer-Einsätze zur Unterstützung des EU- Frontex-Regimes an der Europäischen Südgrenze, das den tausendfachen Tod von Migrant*innen billigend in Kauf nimmt.

Neue Namen im Kriegshafen

Am 1. Oktober hat die Deutsche Marine in ihrer Liegenschaft in Kiel einige Namen neu vergeben. Der Kieler Marinestützpunkt heißt ab sofort nicht mehr Tirpitzhafen, sondern Marinestützpunkt Kiel-Wik. Die südliche Außenmole heißt künftig Gorch Fock-Mole und nicht mehr Tirpitzmole. Die östliche, fördeseitige Außenmole trägt den neuen Namen Oskar Kusch-Mole anstelle des bisherigen Namens Scheermole.Kiel Kriegshafen 2

Oberleutnant zur See Oskar Heinz Kusch (1918 - 1944) war ein junger Uboot-Kommandant, der sich während des Zweiten Weltkrieges kritisch über den Krieg und das NS-Regime geäußert hatte. Er wurde daraufhin denunziert, verhaftet, angeklagt, zum Tode verurteilt und schließlich im Alter von 26 Jahren am 12. Mai 1944 auf dem Marine-Schießplatz in Kiel-Holtenau hingerichtet.

Zum Hintergrund dieser neuen Namensgebung verweist die Marine auf den Traditionserlass der Bundeswehr in der Fassung von 2017. Aus der Neuausrichtung folgert, dass die bisherigen Namensgeber, Großadmiral Alfred von Tirpitz (1849 - 1930; Begründer der Hochseeflotte im Deutschen Kaiserreich) sowie Admiral Reinhard Scheer (1863 - 1928; Befehlshaber der Hochseeflotte 1916 in der Skagerrak-Schlacht) nicht mehr in die Traditionslinie der Bundeswehr passen.Die bisherige Tirpitzmole wird nach dem Hamburger Seefahrts- und Marinedichter Johann Kinau (1880 - 1916; an Bord des kleinen Kreuzers "Wiesbaden" am 31. Mai 1916 im Alter von 35 Jahren in der Skagerrak-Schlacht gefallen) neu benannt. Unter seinem Pseudonym "Gorch Fock" war und ist er Namensgeber des Segelschulschiffes "Gorch Fock", das an der nun gleichnamigen Mole seit dem 4. Oktober nun auch wieder seinen Stammliegeplatz hat.

Dabei ist auch der Namensgeber Gorch Fock keineswegs unumstritten – sind seine Werke doch auch von nationalistischem, kriegsverherrlichendem Pathos durchdrungen, was ihn zu einem gern gelesenen Autor in der Zeit des Faschismus werden lies.

Apropos Segelschulschiff "Gorch Fock"

Das beliebte touristische Fotomotiv an der Kieler Förde, die Gorch Fock ist wieder da. Noch kurz einmal zur Erinnerung:

Gorch FockDezember 2015: Die "Gorck Fock" soll turnusmäßig von Grund auf überholt werden, die Arbeiten werden von der Elsflether Werft (Kreis Wesermarsch) durchgeführt. Bei einer Überprüfung wird festgestellt, dass die Masten marode sind und ersetzt werden müssen. Die Kosten, um die Schäden zu reparieren, werden auf knapp zehn Millionen Euro geschätzt. Oktober 2016: Noch immer liegt die "Gorch Fock" in der Werft. Immer wieder tauchen neue Schäden auf, so zum Beispiel ein marodes Oderdeck und alte Kabelkanäle, die seit dem Stapellauf nie erneuert wurden. Die Kostenerwartungen für Reparaturen erhöhen sich um mehr als das dreifache auf 35 Millionen Euro.

4. Oktober 2021: Die "Gorch Fock" kehrt wieder nach Kiel zurück. Damit endet eine fast sechsjährige Instandsetzung des Segelschulschiff, die durch Kostenexplosionen, Baustopps, Korruption, Selbstanzeigen, der Pleite einer Werft und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geprägt war. Die Kosten der Reparatur:135 Millionen Euro.

"TKMS am Standort Kiel zu einem internationalen Kompetenzzentrum für den U-Boot-Bau weiter entwickeln"

Das Gelände der Werft gleicht zur Zeit einer Großbaustelle. Neue riesige Docks und Hallen sind dort im Entstehen. Anfang Juli informierte das Unternehmen, weshalb diese Baumaßnahmen vonnöten sind: Die Verträge für der Bau von zwei U-Booten für die Deutsche Marine und von vier U-Booten für Norwegen sind unter Dach und Fach. Ziel sei es, "ThyssenKruppMarineSystems am Standort Kiel zu einem internationalen Kompetenzzentrum für den konventionellen U-Boot-Bau weiter zu entwickeln", hieß es in der Pressemitteilung.

Zur Erinnerung: Im Mai 1985 war es auf der HDW (wie die Werft damals hieß) zur Gründung eines gewerkschaftlichen "Arbeitskreises Alternative Produktion gekommen. FI HDW KielAls Reflex auf Initiativen dieses Arbeitskreises wurde daraufhin im November 1987 auf Unternehmerseite die "Direktionsabteilung Diversifikation" geschaffen. Ihrem Selbstverständnis nach sollten hier Konzepte für die Entwicklung von Spezialschiffen und Umwelttechnik erarbeitet werden. Nach Ende der Systemkonkurrenz 1989/90 verschwand beides (betrieblicher Arbeitskreis wie Direktionsabteilung) schnell in der Versenkung. Schade eigentlich – aber vielleicht ein lohnendes Zukunftsprojekt.

txt: Günther Stamer

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Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

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