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sdaj01.07.2010: Am 01. und 02.Juli fand die Berufsmesse „nordjob“ auf dem Gelände der Hansemesse in Rostock-Lütten Klein statt. Veranstalter waren die IHK (Industrie- und Handelskammer) zu Rostock und das IfT (Institut für Talententwicklung). Ständiger Gast auf solchen für Schulabgänger_Innen organisierten Messen: die Wehrberater_Innen und Jugendoffiziere der Bundeswehr.

Die SDAJ Rostock rief kurzfristig zu Aktionen auf. Neben direktem Protest an den Ständen der Bundeswehr (immerhin 2 Innenstände und ein mobiler Beratungsstand vor der Messehalle!) war eine „Jubelaktion“ während eines Vortrages zum Thema: „Karrierechancen bei der Bundeswehr“ geplant.

 

Doch kam es anders als gedacht: zwar hatten die Genossen der SDAJ und ihre Unterstützer vom Rostocker Friedensbündnis mit Repressionen durch den Veranstalter und den privaten Sicherheitsdienst der Messeverwaltung gerechnet, doch deren Ausmaß grenzte ans Lächerliche! Die Antimilitarist_Innen wurden, kurz nachdem sie ihren Protest Kund taten, der Halle verwiesen. Sogar ein Einsatzwagen der Polizei traf ein, um Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch aufzunehmen. Doch die Polizist_Innen stellten schnell fest: Tatbestand nicht erfüllt und verzogen sich. Wir suchten das Gespräch mit Veranstalter um eine Begründung für die Verweise zu erfragen. Der vollkommen überforderte Veranstalter holte die Messeleitung zur Hilfe, die uns erklärte, dass sie, genau wie der Veranstalter selbst dazu verpflichtet sei, die Interessen der zahlenden Aussteller (ergo: der Bundeswehr) durchzusetzen.

 

Das Recht auf freie Meinungsäußerung scheint auf dem Gelände der Hansemesse nicht zu gelten. Außerdem begründete man unser Hausverbot wie folgt:


„Sie haben vor, in der Messehalle Papier zu verteilen, für das wir dann die Entsorgungskosten tragen müssen.“

und

„Wir gewähren niemandem den Einlass, der nicht zur erfolgreichen Beendigung dieser Veranstaltung beiträgt.“

Die Bundeswehr selbst reagierte vollkommen unangemessen auf unseren Protest. Als eine Genossin der SDAJ eine Schülerin darüber aufklärte, dass vor allem Frauen in der Bundeswehr mit sexueller Belästigung und anderen Gewaltakten sowohl physischer als auch psychischer Natur durch Kameraden und Vorgesetzte rechnen müssen, lachte ein lauschender Wehrberater höhnisch.

Ein zukünftiger Bundeswehrsoldat antwortete auf die Frage, ob seine Mutter ihn zum Töten erzogen habe: „Ja, meine Mutter hat mich dazu erzogen meinem Land zu dienen!“ und beschimpfte die Protestierenden als „rotes Pack“. Die anwesenden Vertreter der Bundeswehr selbst erfüllten auf der „nordjob“ also alle Vorurteile!

Es waren jedoch eher wenig Schüler_Innen vor Ort und dementsprechend wenig Interessierte gab es an den Ständen der Bundeswehr. Dem angekündigtem Vortrag lauschte ein Auditorium, das aus 2 Schülerinnen und ihrer Lehrerin bestand. Die SDAJ Rostock konnte mit ihrer Kleinzeitung „Aufschrei“ zum Thema Bundeswehr als Arbeitgeber zahlreiche junge wie alte Leute erreichen. Und der Veranstalter wurde an den Rand des Wahnsinns getrieben (man beachte, dass man die Bundeswehr auch aus Berufsmessen fernhält, in dem man ihr Auftreten für die Veranstalter so unattraktiv wie möglich macht!).

Deshalb: Schafft mit uns „Bundeswehrfreie Zonen“ in Rostock und unterstützt unsere Aktionen!