Im Kino: "Der Marktgerechte Mensch"

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Ein Film von von Leslie Franke und Herdolor Lorenz

Film Der marktgerechte Mensch HuM19.01.2020: Am 16. Januar startete der Film "Der Marktgerechte Mensch“. Ein Film von unten, ein Film der uns alle angeht: Noch vor 20 Jahren waren in Deutschland knapp zwei Drittel der Beschäftigten in einem Vollzeitjob mit Sozialversicherungspflicht. 38% sind es nur noch heute. Der Film sezierte ein System, in dem durch die Ideologie des freien Marktes dem Einzelnen immer mehr alle Risiken übertragen werden und alle an sozialer Sicherheit verlieren.

 

Die Filmemacher gehen an die Arbeitsplätze der neuen Modelle des Kapitalismus wie der Gig-Economie, wie der Arbeit auf Abruf oder der Scheinselbstständigkeit. Als "Der Marktgerechte Mensch" 2019 gedreht wurde, war in Deutschland noch der britische Fahrrad-Lieferdienst "Deliveroo" am Start. Also sehen wir Fahrer, die als scheinselbständige "Subunternehmer" kaum Arbeitsrechte besaßen und bei einem Unfall ohne Schutz dastanden. Während der Dreharbeiten stellte Deliveroo im vergangenen August den Service in Deutschland ein, angeblich weil dieser Markt nicht lukrativ genug war. Regisseurin Leslie Franke erinnert sich: "Das wusste keiner, dass Deliveroo entscheidet, sich aus Deutschland zurückzuziehen." Die Beschäftigten von Deliveroo hätten die Information am Montag bekommen - und am Ende der Woche waren sie ohne Lohn und Brot, erzählt Leslie Franke. "Der Marktgerechte Mensch" wolle genau das zeigen. In Deutschland gäbe es nämlich keine Regelung, die Arbeitsschutz ermögliche, sagt die Regisseurin. Ausländische Firmen könnten einfach herkommen und ihre Programme mit den Leuten durchziehen.

Auch zeigen uns die Autoren Angestellte des Textilhändlers H&M, die vor einer Münchner Filiale gegen die Hire-and-Fire-Politik ihres Arbeitgebers protestieren. Die partielle Beschäftigung auf Stundenbasis macht ein solides Einkommen unmöglich. Im Film bestätigt eine H&M-Betriebsrätin, dass das Gehalt oft nicht für das Existenzminimum reicht. "Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die durch Hartz 4 aufstocken müssen", so die H&M Betriebsratsvorsitzende Saskia Stock.

Film Der marktgerechte Mensch Naeherinnen"Der marktgerechte Mensch" zeigt aber nicht nur diverse deregulierte Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland, er geht auch auf die Folgen der Globalisierung für den europäischen Arbeitsmarkt ein. So wird gezeigt, wie es den Näherinnen in Osteuropa geht. Die haben eine 80-Stunden-Woche und schlechtere Arbeitsbedingungen als in Bangladesh. Aber inzwischen ziehen die Textilfabrikant*innen schon wieder weiter – nach Myanmar (siehe kommunisten.de: "Arbeitskämpfe bei H&M in Myanmar") oder wie im Film gezeigt, nach Äthiopien. Dort sind die Löhne nur halb so hoch wie in Bangladesh. "In Äthiopien werden jetzt gerade riesige Fabriken aufgebaut für die Textilindustrie. Was in unseren Innenstädten verkauft wird, kommt zum größten Teil schon aus Äthiopien", wird im Film erzählt.

Der Film geht auf das Thema des Crowdworking ein. Gemeint ist die weltweite Online-Ausschreibung von letztlich mies bezahlten Tätigkeiten, die im Film der amerikanische CEO Lukas Biewald in den höchsten Tönen feiert: "Für jede Aufgabe finden Sie auf der Welt die richtige Person, die mit den besten Fähigkeiten und die mit dem niedrigsten Preis." Denn Crowdworking drückt die Löhne und Billig-Lohn-Länder unterbieten sich gegenseitig – zum Nachteil der Beschäftigten.

Bei ihren Besuchen an den Arbeitsplätzen der neuen Welt des Kapitalismus treffen die Filmemacher*innen auf Menschen in bisher sicher geglaubten Arbeitsstrukturen an Universitäten oder in langjährigen Arbeitsverhältnissen mittlerer- und oberer Leitungspositionen. Und beobachten wie sich die Verschärfung des Wettbewerbs immer stärker auf den Einzelnen verlagert, was Solidarisierung tragbaren sozialen Beziehungen nur sehr schwer Raum lässt. Depression und Burnout machen Menschen, die an dieser Last und Unsicherheit zerbrechen, das Leben zur Hölle. Selbst dann noch glauben viele, an ihrem Schicksal schuld und ein Einzelfall zu sein.

"Das ist das, was wir versuchen, in diesem Film zu machen: Zu erklären, dass es da einen Zusammenhang gibt, zwischen diesen neuen Arbeitsmodellen des Kapitalismus und der Vereinzelung, der Ent-Solidarisierung", sagt Leslie Franke. Das alles habe Auswirkungen auf den Einzelnen wie auf die Gesellschaft. "Die Leute werden krank."

Doch dieser Wahnsinn ist nicht alternativlos. Der Film stellt Betriebe vor, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls wirtschaften, Beschäftigte von Lieferdiensten, die einen Betriebsrat gründen und die Kraft der Solidarität von jungen Menschen, die für einen Systemwandel eintreten. "Der marktgerechte Mensch" ist ein Film, der die Situation hinterfragt, Mut machen will, sich einzumischen und zusammenzuschließen. Denn ein anderes Leben ist möglich.

Film Der marktgerechte Mensch PlakatMach Deine eigene Premiere

Für die eigene Premiere steht alles zur Verfügung: Flyer, Plakate A1 und A3, Pressephotos, Pressetext.

Für die eigene Filmvorführung kann man gegen eine Spende eine DVD bestellen

  • ab 20€ erhalten Sie eine DVD-Kopie des Films "Der marktgerechte Mensch" mit der Lizenz zu zwei nichtkommerziellen Vorführungen
  • ab 35 € erhalten Sie die DVD-Kopien der Filme „Der marktgerechte Mensch“ und „Der marktgerechte Patient“ mit der Lizenz zu zwei nichtkommerziellen Vorführungen

oder den Film als Datei herunterladen: http://kernfilm.de/index.php/de/webshop/deutsche-digitale-downloads/59-der-marktgerechte-mensch

Mehr Informationen hier: http://marketable-people.org/index.php/de/

 

 

"Der Marktgerechte Mensch"
Ein Film von von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, 2020, 99 Minuten
Trailer

 

Hinweis der Filmemacher*innen

Seit einiger Zeit verkauft auch Amazon den vorherigen Film "Der marktgerechte Patient". Und offensichtlich sehr erfolgreich, da dort die DVD nur die Hälfte des Preises in unserem Webshop kostet. Der Film "Der marktgerechte Patient", ist ja, weil ursprünglich nicht geplant, nicht voll finanziert. Deshalb sollte der DVD-Verkauf für 25€ die ausstehenden Kosten refinanzieren. Dies ist weitgehend gelungen. Den Rest hat nun Amazon verhindert. Jetzt haben wir den Preis der DVD "Der marktgerechte Patient" gesenkt, ungern, und vor allem nicht, um bisherige Käufer zu verärgern. Aber wir können nicht vor Amazon kapitulieren.

Machen Sie bitte Amazon nicht noch reicher! Und bedenken Sie bitte: Nur beim Kauf über unseren Webshop haben Sie das Recht einer nichtkommerziellen Vorführung. Und der Film macht ja nur Sinn, wenn darüber diskutiert wird!

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