Wenn die Gewerkschaften auf dem Sonnendeck der Titanic nur ….

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marxli system change23.05.2019:Seit Monaten demonstrieren jeden Freitag Zehntausende Schüler*innen für den Klimaschutz ++ die gesellschaftliche Unterstützung für Fridays for Future wächst ++ Doch wo bleiben die Gewerkschaften? ++ Dabei müsst jedem klar sein: "Es gibt keine Jobs auf einem toten Planeten"

 

Morgen, am 24. Mai, findet der zweite globale Klimastreik statt! Allein in Deutschland demonstrieren jeden Freitag Zehntausende Schüler*innen für den Klimaschutz. Sie lassen sich auch nicht davon beirren, dass ihre Aufrufe ignoriert werden, obwohl sie seit nunmehr fünf Monaten jeden Freitag streiken.

Ihr Protest richtet sich gegen die Untätigkeit der politisch Verantwortlichen und gegen die Verursacher der drohenden Klimakatastrophe. So zogen sie in Bonn vor das World Conference Center, wo die Aktionärsversammlung des Bayer-Konzerns stattfand. Oder vor die Gruga-Halle in Essen, um vor der Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE zu demonstrieren. Ausgestattet mit dem Rederecht von kritischen Aktionären forderte die Berliner "Fridays for Future"-Organisatorin Luisa Neubauer den Erhalt des Hambacher Forsts, ein Ende der Umsiedlung im Rheinischen Braunkohlerevier und die Abschaltung von einem Viertel der Kohlekraftwerke bereits bis zum Ende dieses Jahres und bis 2030 ganz aus der Kohleverstromung auszusteigen. (Die Kohlekommission der Bundesregierung hat das Kohle-Aus für 2038 empfohlen.)

  

Unsere Forderungen an die Politik

Fridays For Future fordert die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und des 1,5°C-Ziels. Explizit fordern wir für Deutschland:

  • Nettonull 2035 erreichen
  • Kohleausstieg bis 2030
  • 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035

Entscheidend für die Einhaltung des 1,5°C-Ziels ist, die Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich stark zu reduzieren.
Deshalb fordern wir bis Ende 2019:

  • Das Ende der Subventionen für fossile Energieträger
  • 1/4 der Kohlekraft abschalten
  • Eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen. Laut UBA sind das 180€ pro Tonne CO2

Quelle: https://fridaysforfuture.de/forderungen/

  

 

Inzwischen sind über 500 Ortsgruppen von "Fridays for Future" aktiv; die Bewegung wird immer größer und flächendeckender. Und die gesellschaftliche Unterstützung wächst, denn dieses Durchhaltevermögen der Fridays for Future-Anhänger*innen zeigt, wie wichtig den jungen Menschen der Klimaschutz ist und dass es sich keineswegs um das Interesse einiger weniger handelt.

Wissenschaftler*innen der Initiative "Scientists for Future" unterstützen die Schüler*innen, Eltern in der Initiative "Parents for Future". Lehrer*innen halten den Klimawandel für wichtiger als die Schulpflicht und unterstützen die Anliegen ihrer Schüler*innen indem sie die Abwesenheit tolerieren und im Unterricht die Realität der Klimakatastrophe und den Zusammenhang zwischen Umweltgerechtigkeit und sozialer Gerechtigkeit behandeln.

Die GLS Bank hat als Zeichen der Solidarität ein Solidaritätskonto eingerichtet und ein Startguthaben eingezahlt, um Geld für Schüler*innen und Eltern zu sammeln, die Bußgelder wegen "Schuleschwänzens" bezahlen müssen.

"Es gibt keine Jobs auf einem toten Planeten"

Doch wo bleiben die Gewerkschaften?

In Belgien haben Teile des Allgemeinen Belgischen Gewerkschaftsbundes ABVV bereits zum ersten globalen Klimastreik am 15. März zum Streik aufgerufen, damit sich Beschäftigte an den Aktionen und Protestmärschen beteiligen konnten. Die christliche Gewerkschaft ACV wollte nicht so weit gehen. Aber immerhin rief sie zur Teilnahme an den Aktionen von "Fridays for Future" auf.

"Es gibt keine Jobs auf einem toten Planeten", heißt es in dem Aufruf der ABVV für den 24. Mai. "Der Kampf für soziale Gerechtigkeit und eine energische Klimapolitik gehen Hand in Hand. Wir wollen sicherstellen, dass die Klimamaßnahmen nicht auf dem Rücken der Schwächsten enden."

In Italien ruft die Gewerkschaft der Lehrer*innen auf, den globalen Klimastreik zu unterstützen.

Und in Deutschland? Da schweigen die Gewerkschaftsvorstände.

Oder geben eine paternalistische Belehrung: "Diejenigen, die freitags demonstrieren, dürfen nicht vergessen, dass ihre Eltern einen gut bezahlten Arbeitsplatz in der Industrie haben. Und ich gehe davon aus, sie wollen ihn auch in Zukunft behalten!", eröffnet die stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende Elke Hannack in ihrer Rede am 1. Mai den jugendlichen Klimaaktivist*innen.

Die deutschen Gewerkschaften sind in der Klimapolitik gespalten. Während die IG BCE jede Gelegenheit nutzt, um anspruchsvollen Klimaschutz zu torpedieren, will sich die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di für eine faire und sichere Energiewende einsetzen. Doch zu einer Unterstützung von "Fridays for Future" kann sich auch ver.di nicht durchringen. Eine Ausnahme ist der Landesbezirk Niedersachsen-Bremen, der zumindest "sehr stolz auf diese Generation ist, die jetzt beschlossen hat, nicht zuzulassen, dass andere, Mächtigere, Ältere, über ihre Zukunft bestimmen".

Die IG Metall ruft für den 29. Juni zu einer Demonstration nach Berlin – für den sozialen, ökologischen und demokratischen Umbau der Industrie. Das wäre zumindest eine Gelegenheit den Schulterschluss mit "Fridays for Future" und ihrer Losung "Systemwechsel statt Klimawandel" zu suchen. Bisher Fehlanzeige.

Wenn die Gewerkschaften sich weiter damit begnügen, für die letzten Meilen die Liegestühle auf dem Sonnendeck der Titanic nur sozialer und demokratischer verteilen zu wollen, anstatt den Kurs zu verändern, dann "verfehlen sie ihren Zweck gänzlich". [1] 

Dies gilt im Übrigen auch für die politische Linke. Klimaschutz ist kein Partikularinteresse. Der Klimawandel bzw. die Klimakatastrophe wird die Politik über Generationan bestimmen und alle Bereiche durchziehen - von der sozialen Frage über Migration und Demokratie bis zum Frieden. 


Leo Mayer, Vorstandsmitglied marxistische linke

 

[1] "Gewerkschaften tun gute Dienste als Sammelpunkte des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals. Sie verfehlen ihren Zweck zum Teil, sobald sie von ihrer Macht einen unsachgemäßen Gebrauch machen. Sie verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als einen Hebel zur schließlichen Befreiung der Arbeiterklasse, d.h. zur endgültigen Abschaffung des Lohnsystems." (Karl Marx, Lohn, Preis und Profit)

 

 

Linke / Wahlen in Europa

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09.09.2022: Von den 87 Schiffen, die die Ukraine verließen, waren nur zwei mit Lebensmitteln beladen ++ 43,5 Prozent der Ladungen wurden in Volkswirtschaften mit hohem Einkommen geliefert ++ Putin droht mit einer Revision der Vereinbarungen mit Erdogan.

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1. Oktober: Aktionstag der Friedensbewegung

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28.09.2022: Die beiden friedenspolitischen Netzwerke "Kooperation für den Frieden" und der "Bundesausschuss Friedensratschlag" rufen für den 1. Oktober 2022 zu einem bundesweiten, dezentralen Aktionstag auf. Unter dem Motto "Keinen Euro für Krieg und Zerstörung! Stattdessen Milliarden für eine soziale, gerechte und ökologische Friedenspolitik! Stoppt den Krieg! Verhandeln statt Schießen!" verlangen sie, anlässlich der anstehenden Haushaltsdebatte im Bundestag, Abrüstung statt Aufrüstung und die Abkehr von jeglicher kriegerischen Eskalation.

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Analysen

Pakistan: Katastrophe in der Katastrophe

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21.09.2022: Pakistan ist aus den Schlagzeilen der westlichen Medien verschwunden. Dabei spielt sich dort eine "Katastrophe in der Katastrophe" ab: Eine Infektionswelle überrollt das Land ++ Vijay Prashad (Direktor von "Tricontinental Institute for Social Research"): "Pakistan leidet unter 'Klima-Apartheid'. Die Natur hat die zugrundeliegende Krise der Klimakatastrophe, die durch den Kapitalismus und die Vernachlässigung der Wasser-, Land- und Waldbewirtschaftung in Pakistan verursacht wird, nur noch verschärft. Es ist kriminell, wenn der IWF strenge Sparmaßnahmen auferlegt, während die landwirtschaftliche Infrastruktur des Landes völlig zerstört ist."

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Literatur und Kunst

Fremde Feinde. Sacco und Vanzetti – Ein Justizmord

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23.08.2022: Der Prozess gegen die Anarchisten Sacco und Vanzetti gilt als einer der unfairsten der US-Justizgeschichte. Vor 95 Jahren, am 23. August 1927, wurden sie auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Helmut Ortner hat im Jahr 2015 ein Buch dazu verfasst, in dem er den letzten Brief von Bartolomeo Vanzetti veröffentlicht – an Saccos Sohn Dante. Ein berührendes Dokument.

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Der Kommentar

Bombenanschläge auf Nord-Stream. Wer war es? Wem nutzt es?

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29.09.2022: Mit Bombenanschlägen wurden die Nord-Stream-Pipelines 1 und 2 beschädigt. Über die Urheber gibt es bisher nur Mutmaßungen und Indizien. EU, westliche Regierungen und Medien deuten gemeinsam in Richtung Russland, wenn es um die Frage nach dem Schuldigen geht. Das ist allerdings wenig überzeugend. Den größten ökonomischen und machtpolitischen Vorteil haben die USA, schreibt der italienische Aktivist und Blogger Giuseppe Salamone.

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marxistische linke - Partnerin der Europäischen Linken

marxistische linke zum Krieg Russlands gegen die Ukraine

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Die Waffen nieder! Nein zum Krieg!  

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Mit dem barbarischen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist etwas passiert, das wir nicht für möglich halten wollten.

Wir konnten uns nicht vorstellen, dass die Regierung eines Landes, das so unter einem Weltkrieg gelitten hat, diesen Krieg beginnen würde. Die russischen Panzer werden von den Enkeln der Frauen und Männer gesteuert, die gemeinsam mit ihren ukrainischen Kampfgenoss*innen damals unter unvorstellbaren Opfern die Sowjetunion verteidigten, die Hitler-Wehrmacht niederrangen und Europa vom Faschismus befreiten. Jetzt töten sie ihresgleichen.

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YPJ-Kommandantin Jiyan Tolhildan

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27.07.2022: Die Kommandantin der YPJ-Frauenverteidigungseinheiten, Jiyan Tolhildan, wurde am Samstag (23.7.) von einer türkischen Drohne in Rojava ermordet. Sie war auf dem Rückweg von einer Konferenz zu 10 Jahren Frauenbefreiung, auf der sie gesprochen hatte. Ihre Rede wurde aufgezeichnet. Sie spricht von der Wichtigkeit der Selbstverteidigung von Frauen in einem patriarchalen und kapitalistischen System. Hier könnt ihr sie mit englischem Untertitel hören und sehen:

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Farkha Festival

Den Krieg verhindern – 2. Bericht vom Farkha-Festival

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07.08.2022: Während diese Zeilen geschrieben werden, greift die israelische Armee erneut den Gaza-Streifen an. Mindestens acht Menschen wurden getötet, darunter ein 5-jähriges Mädchen. Mehr als 50 Personen wurden verletzt. Ziel ist laut israelischen Angaben Tayseer al-Jabari gewesen, ranghohes Mitglied des Islamischen Dschihads, der laut dem Journalisten Muhammad Shehada eher dem politischen Flügel der islamistischen Organisation nahegestanden haben soll: "Ihn zu töten ist für die Sicherheit Israels nicht von Bedeutung, aber ein großes Geschenk für Hardliner im Islamischen Dschihad".

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Im Land des Sandes. In der Westsahara

Westsahara: In den befreiten Gebieten

Westsahara: In den befreiten Gebieten

Bericht von Kerem Schamberger |

19.02.2019: Die letzten Tage in der Westsahara waren geprägt von Sand. Überall Sand, wie schon im ersten Blogeintrag beschrieben. In jeder Ritze, in jeder Pore. Warum? Weil wir in die von der Polisario befreiten Gebiete gefahren sind und dort noch mehr Wüste ist, als schon in den Flüchtlingslagern um Tindouf.

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


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