Konzerne platzen vor Geld

E-Mail Drucken PDF

euro skulptur ezb komolaut15.03.2016: Omas Sparbuch verzinst zurzeit mit 0,05 Prozent – bei 1000 Euro Einlage ist das im Jahr ein halber Euro Zinsgutschrift. Nach der neuesten Zinssenkung der EZB wahrscheinlich mit null-komma-nix. Selbst die niedrigste Inflationsrate von 0,3% im vergangenen Jahr frisst da noch von der Substanz. Opas „Bundesschätzchen“ rentieren gerade noch mit 0,5%; steigt der Verbraucherpreisindex über ein halbes Prozent, wird auch seine Altersrücklage real weniger wert. Nicht viel besser als mit staatlichen Schatzbriefen steht es mit Unternehmensanleihen, zudem sind sie risikobehafteter. Von der privaten Altersvorsorge gar nicht zu reden. Fein heraus waren zumindest in den vergangenen Jahren Aktionäre.

Hat ein Shareholder sein Geld zu Beginn des Jahres 2015 in Aktien gemäß der Zusammensetzung des Dax-Index angelegt, war er am Ende des Jahres um 9,8 Prozent reicher; um diesen Prozentsatz stieg der Dax-Kurs. Die Nebenwerte im M-Dax legten sogar um 22,7% zu, die Technologiewerte Tec-Dax um 33,5%. Möglicherweise ist diese Zeit vorbei, seit der Jahreswende schwächelt der DAX. Aber möglicherweise pusht ihn die neue Geldflut der EZB wieder nach oben. Wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die „Zentralbank der Zentralbanken“, in einer neuen Studie feststellt, hat die lockere Geldflut der Notenbanken die Vermögensungleichheit erhöht. Die BIZ kommt zudem Schluss, dass die Geldpolitik nach der Finanzkrise die Vermögensungleichheit vor allem über steigende Aktienkurse gesteigert haben dürfte (FAZ, 6.3.16).

Die Kurssteigerungen waren und sind nicht der einzige Gewinn des Aktionärs. Hinzu kommen noch die jährlichen Dividendenausschüttungen. Im Durchschnitt betrug die Dividendenrendite (Dividende bezogen auf den Aktienkurs) bei den Dividendenzahlungen im Jahr 2015 (für das Gewinnjahr 2014) 2,7 %; eine ganz ordentliche Verzinsung. Mit Ausreissern nach oben und unten: Bei E-on beträgt sie 5,5%, Allianz 4,6%, MunichRe 4,3%. Die Deutsche Bank und RWE haben für dieses Jahr angekündigt, dass sie für das vergangene Geschäftsjahr keine Dividende ausschütten.

Dennoch: Die Dividende gilt als der neue Zins für Kapitalanleger mit etwas dickeren Brieftaschen. Mit aufsteigender Tendenz, denn die Dividendenhöhe und -gesamtsumme geht nach oben. Bei den Ausschüttungen in diesem Frühjahr (für die Geschäftsabschlüsse des Bilanzjahres 2015) dürfte sie nach Schätzungen und Berechnungen der Commerzbank die 30-Milliarden-Euro-Schwelle touchieren: 29,6 Milliarden Euro. Die Konzerne zahlen nicht nur höhere Dividenden infolge höherer Gewinne, sondern sie erhöhen auch die Ausschüttungsquoten; sie liegen zwischen 40 und 50 Prozent des Nettogewinns, früher lagen sie in der Regel unter 40 Prozent.

Hinzu kommt die Kurspflege durch das Top-Management. Die extremste Form ist dabei der Rückkauf eigener Aktien, was allerdings bei deutschen Konzernen noch relativ selten der Fall ist. In den USA ist er gang und gäbe. Dort werden die Konzerne von Fonds und anderen Großanlegern angetrieben, die höhere Renditen einfordern. Man geht davon aus, dass im vergangenen Jahr die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen für 600 Milliarden Dollar Aktien zurückkauften. Weitere 500 Milliarden Dollar haben sie ihren Aktionären als Dividende überwiesen (HB, 30.11.15). Wenn eigene Aktien vom Markt genommen werden, erhöht sich der Gewinn pro Aktie. Die zusätzliche Nachfrage bzw das verknappte Angebot treiben – zumindest vorübergehend – den Kurs in die Höhe. Die Logik eröffnet sich nur für ein Aktionärsgehirn: Ein Unternehmen macht Gewinn und kauft damit zu Teilen sich selbst. Von wegen Gewinne als die Investitionen von morgen. Getrieben wird diese Politik auch durch das billige Geld der Notenbanken. Denn inzwischen bezahlen die Konzerne die Rückkäufe nicht aus ihren Gewinnen, sondern mit Krediten, die sie teilweise für ein bis zwei Prozent Zinsen erhalten. „Microsoft, Oracle und Qualcomm haben sich in den vergangenen vier Quartalen jeweils zehn Milliarden Dollar geliehen, um eigene Papiere zurückzukaufen. McDonald´s gibt in diesem Jahr rund acht Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe und Dividenden aus. Das ist doppelt so viel, wie die Fast-Food-Kette im selben Zeitraum netto verdient“ (HB, 30.11.15). Der Vorteil für Unternehmen bei Aktienrückkäufen ist, dass für die ausgeschiedenen Aktien keine Dividende mehr gezahlt werden muss. IBM hat in den vergangenen drei Jahren das Angebot seiner Aktien um 310 Millionen Stück verringert und spart jetzt jährlich etwa 1,3 Milliarden Euro an Dividende (HB, 30.11.15).

In Deutschland ist der Aktienrückkauf, wenn man so will, die teilweise Übernahme des Unternehmens durch sich selbst, noch nicht so verbreitet. Praktiziert wird er vor allem von Siemens und Munich Re. Siemens kündigte Ende vergangenen Jahres an, bis zu drei Milliarden eigene Aktien zurückzukaufen. 2014/15 kaufte der Konzern bereits für vier Milliarden eigene Aktien. Siemens muss durch die verringerte Zahl von Aktien, jährlich 150 Millionen Euro weniger an Dividende zahlen. Hätte es die Rückkäufe zu 100 Prozent kreditfinanziert – etwa durch Begebung* einer Firmenanleihe mit Zinssatz 1,5% - müsste Siemens dafür 60 Millionen Zinsen zahlen. Die Ersparnis würde immer noch 90 Millionen Euro betragen. Heute wäre für eine Firmenanleihe ein Zins von weniger als einem Prozent fällig (vgl. HB, 30.11.15).

Ansonsten aber ist in Deutschland das große Horten angesagt. Mangels Investitionsmöglichkeiten parken die Firmen ihre Gelder bei den Banken zu Niedrigst- bzw Nullzinsen. Statt bei Banken Geld für Geschäftszwecke zu leihen, haben deutsche Unternehmen 1,2 Billionen Euro bei Banken geparkt. „Vor allem die großen Konzerne sind ohnehin schon vollgesogen mit Liquidität. Sie horten das Geld, anstatt es zu investieren. Und Kredite brauchen sie daher erst recht nicht: Mit 207 Milliarden Euro bunkern allein die 30 größten, börsennotierten Konzerne derzeit so viel Bargeld wie noch nie“ (HB, 11.1.16). Aufgrund der Rekordgewinne der letzten Jahre, laufen sie Gefahr, in ihrer eigenen Liquidität zu ersaufen.

Text: Fred Schmid, isw-München
(der Artikel erscheint mit Grafiken im isw-wirtschaftsinfo 50 „Bilanz“ Mitte April)

* Begebung  
Wertpapiere erstmals an den Markt bringen; anderer Ausdruck für Emission

 

Der Putsch im Putsch

Veranstaltungen zur aktuellen Situation in der Türkei und Nordkurdistan
mit Kerem Schamberger

09.01.17: Schliersee, IG Metall Jugendbildungsstätte, 18:00 Uhr
13.01.17: Leipzig, Universität, 17:00 Uhr
18.01.17: Kiel, Universität, Christian-Albrechts-Platz 3 (CAP 3) Hörsaal 2, 19:00 Uhr
Veranstaltungshinweis
19.01.17: Lübeck, Solizentrum, Willy Brandt Allee 11, 19:00 Uhr
Veranstaltungshinweis Lübeck
21.01.17: Hamburg, Universität, Fachbereich Sozialökonomie, Von Melle Park 9,
Veranstaltungshinweis Hamburg

09.02.17: Marburg, Universität, Raum +1/0120 Hörsaalgebäude Biegenstraße, 20:00 Uhr
10.02.17: Hanau, Metzgerstr. 8, 19:00 Uhr
03.03.17: Mainz, Ort/Zeit wird noch bekanntgegeben
04.03.17: Weinheim, Bürgersaal im alten Rathaus, Marktplatz Weinheim


marxistische linke Kiel

marxistische linke Kiel lädt ein

Kräfte sammeln für einen linken Aufbruch

Der Putsch im Putsch - Die aktuelle Situation in der Türkei und Nordkurdistan

Mittwoch, 18. Januar 2017, 19 Uhr
Universität, CAP3 - Hörsaal 2
Christian-Albrechts-Platz
(Platz vor dem Audimax und der Mensa) 3/Bushaltestelle Universität/Westring)

mehr Infos ...

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


Flucht. Asyl. Abschiebung

Flucht. Asyl. Abschiebung

31.12.2016: Ein Kommentar von Bettina Jürgensen

Flucht.
In der Tendenz, so eine aktuelle Mitteilung, sind die Zahlen der ankommenden Geflüchteten in der BRD rückläufig. Was nicht gleichzeitig heißt, dass es keine Flucht oder Geflüchtete mehr gibt. Die Abschottungspolitik der EU, das Zurückdrängen bzw. "Auffangen“ der Menschen in Lagern in Süd- und Südosteuropa haben dazu beigetragen. Die Geflüchteten werden dort zunächst an der Weiterreise gehindert, der Weg nach Deutschland ist zunächst versperrt.

Weiterlesen...

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


Diego Fusaro : In fünf Punkten erklärt, wem Terrorismus nutzt

Diego Fusaro : In fünf Punkten erklärt, wem Terrorismus nutzt

04.01.2017: Paris, Berlin, Istanbul, Bagdad, Erbil, Sousse, Hub, Peshawar, Kabul, Kundus, Brüssel, …
Nach dem Terroranschlag in Berlin erklärt der italienische Philosoph Diego Fusaro auf seinem Blog bei IlFattoQuotidiano in fünf Punkten die Funktion des Terrorismus: Der Terrorismus fragmentiert den Klassenkonflikt und legitimiert den Terror des Imperialismus.

Weiterlesen...

Murat Karayilan: “Türkei hat Aleppo verkauft, um im Gegenzug dafür al-Bab zu erhalten”

Murat Karayilan: “Türkei hat Aleppo verkauft, um im Gegenzug dafür al-Bab zu erhalten”

Interview mit dem Exekutivratsmitglied der Union der Gemeinschaften Kurdistans KCK Murat Karayilan
02.01.2017: In einem Interview mit "Voice of Kurdistan" verurteilt Murat Karayilan heute den jüngsten Terroranschlag auf eine Nachtclub in Istanbul und bekräftigt, dass die kurdische Bewegung keinerlei Verbindung zu diesem Anschlag hat. Den Familien der Opfer drückte er sein tiefes Beileid aus, den Verletzen wünschte er baldige Genesung.

Das folgende Interview ist vom 19.12.2016 und behandelt die Rolle der Türkei im Kampf um Aleppo, die Veränderung der Kräfteverhältnisse nach dem Fall von Aleppo, die Chancen für eine politische Lösung, die Verantwortung für die Terroranschläge in der Türkei und die Haltung zu den Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). 

Weiterlesen...

isw anzeige 150


 

america21 quer 150



Banner

 

Empfohlene Links

Unsere Zeit
Wochenzeitung der DKP

Neues Deutschland
Sozialistische Tageszeitung

Zeitschrift LUXEMBURG
Gesellschaftsanalyse und linke Praxis

Zeitschrift Z
Zeitschrift marxistische Erneuerung

Marxistische Blätter
Die der DKP verbundene Zeitschrift für marxistische Theorie und Politik erscheint alle 2 Monate.