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VMetzroth KLS 210413 KStein 064a08.11.2013: "Solidarität ist das Zusammengehörigkeitsgefühl, das praktisch werden kann und soll." Unter den vielen Definitionen für das gemeinsame Kämpfen jener, die sich einzeln nicht gegen die politisch und ökonomisch Herrschenden durchsetzen können, scheint mir diese eine der treffendsten zu sein. Solidarität ist mehr als Almosen zu geben oder den Hungernden zu speisen. Es ist die Hilfe für jene Armen und Hungernden, die den Kampf gegen Armut und Hunger aufgenommen haben. Sie ist auch die Unterstützung jener, die den Kampf gegen Hungerlöhne und die Vernichtung ihrer Arbeitsplätze aufgenommen haben.

Wer einmal mit Hunderten im Streik stand, hat erfahren, wie die Solidarität untereinander stärkt. Und es tut gut, wenn dann noch ein paar Kollegen einer anderen Branche mit ihren Gewerkschaftsfahnen hinzukommen. Wo vermehrt kleine Belegschaften streiken, wo sich deren Streiks länger hinziehen, wird Solidarität immer wichtiger. Aktuell erleben wir das in Hannover z. B., wo ein Teil der Belegschaft des von der Madsack-Gruppe ausgegliederten Dienstleisters KSC um einen Haustarifvertrag kämpft. Hier ist materielle Solidarität gefragt, reicht doch das satzungsgemäße Streikgeld von ver.di oft nicht aus, wo schon normalerweise der Monat viel zu lange fürs Gehalt ist. Bei der DKP-Gewerkschaftskonferenz wurden 500 Euro gesammelt, 105 von Kollegen meines ver.di-Ortsvereins, der Vorstand will die Summe verdoppeln. Beispiele, die zur Nachahmung empfohlen sind.

Solidarität brauchen auch die Beschäftigten der Firma Norgren in Großbettlingen. Sie wehren sich gegen die Vernichtung ihrer Arbeitsplätze und den Abtransport ihrer Maschinen und werden dabei mit Einschüchterungsversuchen durch eine private 'Sicherheitsfirma' konfrontiert. Auch hier helfen Spenden, die IGM richtete ein Konto ein. Aber noch wichtiger ist, dass der lokale Protest gegen den Einsatz 'Schwarzer Sherrifs' im Betrieb ein landesweites Echo bekommt. Wie beim belgischen Automobilzulieferer Meister, wo die deutschen Eigner 2012 die gleiche Nummer abziehen wollten.

Im Einzelhandel streiken seit Monaten nicht nur kampferprobte Belegschaften großer Häuser zur Verteidigung ihrer Manteltarifverträge, der fünften und sechsten Urlaubswoche etc. Oft sind es kleine Gruppen, die rausgehen, wenn ver. di ruft. Und manches Mal kommen dann Ohnmachtsgefühle auf, wenn, wie bei REAL, kurz darauf selbst auf jeden Cent angewiesene Leiharbeiter an den Kassen sitzen. Wenn dann einige Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben oder eine gewerkschaftliche Seniorengruppe hinzukämen, für die Kunden unüberhör- und sehbar gegen die Machenschaften des Konzerns demonstrierten, gäbe das allen mehr Kraft im gemeinsamen Kampf. Da sind die Ehrenamtlichen vor Ort gefordert, auch und gerade die neuen DGB-Kreis- und Stadtvorstände. Keine(r) sollte warten, bis Solidarität "angeordnet" wird oder wehklagen, wenn das nicht passiert, sondern sie konkret vor Ort mitorganisieren; denn gute Beispiele finden immer ihre Nachahmer, auch im Klassenkampf.

Gastkolumne von Volker Metzroth (aus UZ vom 08.11.13)

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