Papst: "Diese Wirtschaft tötet"

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papst francesco vatican28.11.2013: "Diese Wirtschaft tötet", schreibt das Oberhaupt der Katholischen Kirche, Papst Franziskus, in sein erstes apostolisches Lehrschreiben unter dem Titel 'Evangelii Gaudium' (Freude des Evangeliums). Am Tag der Verkündung wurde bekannt, dass die lettische Regierung wegen des Einsturzes eines Supermarktdaches, bei dem 54 Tote zu beklagen waren, zurückgetreten ist. Vermutet werden Planungsfehler und Pfusch am Bau. Im Rahmen der Sparmaßnahmen, mit denen Lettland aus der Krise herausgeführt werden sollte, wurde 2009 die nationale Bauaufsicht aufgelöst. Das Gebäude wurde erst vor zwei Jahren errichtet.

Das herrschende ökonomische System sei "in der Wurzel ungerecht", sagt Franziskus. Es sei "unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse an der Börse Schlagzeilen macht". Es macht auch kein Aufhebens, wenn "alle fünf Sekunden irgendwo in der Welt ein Kind an Hunger stirbt" (der frühere UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler), während die USA im Jahr 2011 138 Millionen Tonnen an Mais verbrannten.

Es gibt knapp eine Milliarde Hungernde auf der Welt, 180 Millionen Kinder im Vorschulalter bekommen nicht genug lebensnotwendige Nährstoffe. Für eine Investition von zwei Milliarden Euro könnten 100 Millionen Kinder vom Hunger befreit werden (FAZ, 8.6.13). Doch in den USA werden auf staatliche Anweisung hin fast 40 Prozent der Maisernte zu Bioethanol gemacht. Nahrungsmittel in den Tank statt auf den Teller, lautet die Devise dieses Systems.

Der Mensch sei nur noch als Konsumgut gefragt, "das man gebrauchen und dann wegwerfen könne", so der Papst. Die dann Ausgeschlossenen seien "Müll, Abfall" - der Vernichtung preisgegeben. Aber nicht nur in der Dritten Welt, weit weg von den kapitalistischen Metropolen. Die Dritte Welt holt die Erste Welt ein. Dieses System tötet inzwischen massenhaft auch in Europa, z.B. im Rahmen der Spardiktate und Austeritätsverordnungen der Troika (siehe dazu auch isw-report 95, Die Krise und die Spaltung Europas – Europa am Scheideweg, www.isw-muenchen.de, erscheint Mitte Dezember).

Die drastische Absenkung des Lebensstandards in den Peripherieländern zeigt sich nicht nur in der Beschneidung des Konsums und dem Aushungern an Lebensmitteln. Besonders einschneidend sind die verordneten Kürzungen bei den Sozialsystemen und im Gesundheitswesen. "Was ist der Unterschied zwischen dem IWF und einem Vampir?" fragte der designierte isländische Gesundheitsminister Gudjun Magnusson beim Europäischen Gesundheitsforum 2009 in Bad Gastein, nachdem er erfahren hatte, dass der IWF nach dem Kollaps des isländischen Bankensektors 30 Prozent Kürzungen im Gesundheitssektor verlangte: Der Vampir hört auf, einem das Blut auszusaugen, wenn man tot ist. (SZ, 3.7.13). Der IWF brachte ganze Länder zum Ausbluten.

"Es muss wehtun", hatte Kanzlerin Merkel 2010 bei den Verhandlungen über das erste griechische Hilfspaket und den verlangten Sparmaßnahmen gesagt. Es tat so weh, dass es tötete. Die Epidemologen David Stuckler und Sanjay Basu sammelten jahrelang Daten und Statistiken, um zu untersuchen, wie sich Wirtschaftskrisen und damit verbundene Einsparungen auf die Gesundheit der jeweiligen Bevölkerung auswirken. Die beiden Gesundheitsökonomen kommen zu dem Ergebnis, dass die vielzitierte "bittere Medizin" der Austeritätspolitiker keine Medizin ist, sondern reines Gift. Die Kernthese ihres Buchs 'The Bodys Economic' ist: "Recessions can hurt. But Austerity kills." - Rezessionen können schmerzhaft sein, aber die Austeritätspolitik tötet (zit. nach SZ, 3.7.13).

Sie belegen das mit vielen drastischen Fallbeispielen. So musste Griechenland 2009 seinen Gesundheitsetat von 24 auf 16 Milliarden Euro kürzen. "Danach schnellte die HIV-Rate hoch, weil nicht genügend Nadeln an Drogensüchtige ausgeteilt werden konnten. Die Kindersterblichkeit ist um 40 Prozent gestiegen" (ebenda). In den folgenden Jahren wurde weiter gekürzt, mit der Folge, dass chronische Krankheiten, Krebs, Herz-Kreislaufleiden oder Diabetes dramatisch gestiegen sind. Der IWF beschloss, dass nur noch 6% des BIP für Gesundheit freigegeben werden dürfen, in Deutschland sind es mehr als 10 Prozent.

Durch den Anstieg der Krankheiten stiegen Krankenhauseinweisungen – durch die Sparprogramme aber wurden Dutzende Krankenhäuser geschlossen, 35.000 Klinikstellen fielen seit 2009 weg. 40 Prozent der Bevölkerung dürfen gar kein Krankenhaus mehr aufsuchen, weil sie aus der Krankenversicherung geflogen sind. Die beiden Autoren stellen in Bezug auf das Austeritätsprogramms abschließend fest: "Die Nebenwirkungen der Behandlung sind katastrophal und oftmals tödlich. Es konnte kein positiver Nutzen festgestellt werden". Die Troika und die Kanzlerin aber beharren darauf, dass es weiterhin "wehtut" - zur Gesundung der Marktwirtschaft. Papst Franziskus geißelt die "Tyrannei des vergötterten Marktes".

Text: Fred Schmid, isw   Foto : vatican

 

Marseille-Forum

Am 10. und 11. November treffen sich die progressiven Kräfte Europas in Marseille zum Marseille-Forum, um eine Alternative Zukunft für Europa zu diskutieren. Die Europäische Linke unterstützt dieses Treffen.
Pierre Laurent, Nationalsekretär der Französischen Kommunistischen Partei (PCF):

EL Marseille-Forum PierreLaurent


 

100 Jahre Oktoberrevolution

marxistische linke lädt ein

Logo-Revolution-Gegenrevolution

Das 20. Jahrhundert war eines der Revolutionen: in Russland, Ungarn, Deutschland, Spanien, China, Mexico, Chile, Cuba und vielen anderen Staaten. Daraus ragen die Oktoberrevolution und Maos Langer Marsch mit dem Sieg der Kommunisten 1949 als epocheprägende Ereignisse heraus. Diese Revolutionen sind Teil des langen Zyklus von Revolution und Gegenrevolution, der mit der französischen Revolution 1789 eröffnet wurde. Ging dieser lange Revolutionszyklus mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Ende?  Was kann Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute noch heißen?
Wir diskutieren mit

Frank Deppe
Autor des Buches: 1917 | 2017 - Revolution & Gegenrevolution

Sa., 25. November 2017, 15:00 Uhr
Frankfurt a.M.
Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-71

Hinweis
Mi, 22. November 2017, 20:00 Uhr, Rüsselsheim, Stadtbücherei am Treff
Veranstalter: attac, DGB und Naturfreunden Rüsselsheim


 

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Demnächst entscheidet die EU über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. Die EU will, dass Monsanto seinen Bestseller weitere zehn Jahre verkaufen darf.

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet
Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

wenn die umstaende 300p

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Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

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