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verdi sue streik 2015 metzroth 302111.08.2015: Wir brauchen sie unser Leben lang, die Beschäftigten der sozialen und Erziehungsberufe. Nicht nur jene, die  über drei Wochen die Kindertagesstätten bestreikten. Auch die in den Altenheimen, in der stationären und mobilen Pflege und in den Krankenhäusern und Kureinrichtungen. Ohne sie würde schon die Geburt unserer Kinder und Enkel eine riskante Angelegenheit. Wir vertrauen sie ihnen in Kindertagesstätten und Schulen an, wo wichtige Grundlagen für das ganze Leben gelegt werden. Wenn sie oder wir selbst schwer krank sind, tut es in jeder Hinsicht gut, sie in der Nähe unseres Krankenbetts zu wissen. Und irgendwann brauchen wir fast alle mal Pflege. Wir sind froh, daß sie, wenn nötig, für unsere Eltern und Großeltern da sind, ob in der ambulanten oder in der stationären Pflege.

Warum aber werden Kita-Erzieher*innen nicht akademisch ausgebildet, wie in anderen Ländern auch? Warum sind Kitas, Krankenhäuser und Pflegeheime unterbesetzt? Warum gibt es für angestellte Lehrer immer noch keine Tarifverträge, werden Vertretungslehrkräfte über den Sommer in die Arbeitslosigkeit entlassen? Warum tummeln sich gerade in der Pflege wie in der Weiterbildung Unternehmen, deren Geschäftsmodell Armutslöhne sind?

Weil den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen Anderes wichtiger ist. Ob „Schwarze Null“, Auslandseinsätze der Bundeswehr, Steuergeschenke für Reiche oder die Rettung von Zockern und Spekulanten. Ob da nun für 172 Mrd. Euro die faulen Papiere der HRE (Hypo Real Estate) übernommen wurden oder unter dem verlogenen Titel „Griechenlandrettung“ 250 Mrd. an Athen und allen Griech*innen vorbei gleich in den Tresoren vor allem deutscher und französischer Banken landeten, während das Gros der Menschen in Griechenland verarmt, teils verelendet.

Die betroffenen Mitglieder von ver.di und GEW haben nun den Schlichterspruch abgelehnt, der einige Verbesserungen für wenige, gefühlte Almosen für viele und nichts für nicht wenige Sozialarbeiter*innen vorsah. Die Stimmung vieler dürfte ein Gedicht von Erich Kästner wiedergeben: „Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!

Für die Gewerkschaften ver.di und GEW ist das eine schwierige Situation. Weitere wochenlange Vollstreiks treffen Kinder und Eltern, die politisch Verantwortlichen sitzen das einfach aus, sparen sogar noch Personalkosten dabei. "Ich sehe keine Luft nach oben", sagte der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Thomas Böhle jetzt. Nicht abschließen hieße aber auch, daß für alle neu Eingestellten ein tarif- und damit teils rechtloser Zustand eintreten würde. Den Kampf weiterführen mit vielfältigen Aktionen, auch Streiks, mal hier, mal da, mal diese, mal nächste Woche könnte ein Weg sein. Das aber müssen aber die Gewerkschafter*innen selbst diskutieren und umsetzen. Was sie können, haben sie in den vergangenen Monaten eindrucksvoll gezeigt.

Deshalb sollten wir alle im gemeinsamen Interesse an „unsere“ Politiker*innen herantreten. „Ihr habt kein Geld für uns, sagt Ihr. OK. Dann beschafft es Euch. Ihr könnt das. Als es darum ging, Banken, oder genauer gesagt Zocker und Spekulanten zu retten, da ging es doch auch. In sechs Tagen habt Ihr ein ganzen Gesetzgebungsverfahren, von Einbringen in den Bundestag, erster Lesung, Ausschußberatungen, zweiter und dritter Lesung, Beschlußfassung, Beratung und Beschlußfassung im Bundesrat, Ausfertigung durch den Bundespräsidenten und Veröffentlichung im Bundesanzeiger, durchgezogen. Und schon waren 480 Milliarden für die Banken da. Da gab es genug „Luft nach oben“. Nein, wir erwarten das jetzt nicht in 6 Tagen, auch nicht in 6 Wochen, aber 6 Monate müßten doch wohl reichen. Oder? Und 480 Milliarden müssen es auch nicht sein. Ach so, Eure Banken waren systemrelevant! Wir nicht? Wenn Euch die Banken, die Vermögen der Millionäre und Milliardäre, die Ihr seit Jahrzehnten durch Senkung der Spitzensteuersätze und der Körperschaftssteuer, faktische Abschaffung der Vermögenssteuer und nur symbolische Erbschaftssteuer wichtiger sind als wir, als unsere Kinder und Enkel und unsere Alten und Hilfsbedürftigen, dann sagt es. Aber bitte laut und deutlich, und noch vor den ersten Wahlen im März 2016, damit es alle wissen, die es betrifft und die es bisher noch nicht gemerkt haben sollten!“

Der Umgang mit den Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsberufen zeugt über weite Strecken von wenig Wertschätzung. Wenig Wertschätzung aber auch für uns, für die Arbeitenden, die Rentner, unsere Kinder und Jugendlichen, die wir immer wieder auf funktionierende Sozial- und Erziehungseinrichtungen angewiesen sind. Zunehmend stellt sich die Frage, wie wir leben wollen. Der Mensch muß vor dem Profit kommen. Wenn wir jetzt solidarisch sind, die Beschäftigten aller Erziehungs- und Sozialbereich unterstützen, tun wir vor allem uns selbst etwas Gutes!

Text/Fotos: Volker Metzroth

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