Industrie 4.0 – eine neue industriellen Revolution – Fluch oder Segen?

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industry 4 0 cc keltel15.07.2016: Es war ein äußerst spannendes Seminar im Reinhold-Jürgensen-Zentrum Elmshorn, zu dem die Bezirks-, Kreis- und Ortsorganisation der DKP eingeladen hatten. Das Thema interessierte Mitglieder der DKP und der Partei DIE LINKE sowie parteilose Linke. Der Referent Reiner Liebau ging in mehreren Schritten durch das Thema. Ergänzt und erweitert wurden seine Ausführungen von Volker Metzroth.

Reiner Liebau wies nach, dass es keinen Bruch in der Entwicklung der Produktivkräfte gibt, sondern neue technische Möglichkeiten wie Steuerungssysteme und Optimierung der Abläufe eine Weiterentwicklung darstellen. Das Kapital will z.B. eine enge Verzahnung von Arbeitszeit und Material, um in der internationalen Konkurrenz bessere Profitbedingungen zu erreichen. Es geht nicht nur um Entwicklungen in der Industrie, sondern auch um die Umstellung von Dienstleistungen.

Dabei nimmt die Ortsgebundenheit der Arbeit  in vielen Bereichen ab. Letztlich geht es um die Digitalisierung der gesamten Gesellschaft. Die Frage, ob es Gründe gäbe für einen futuristischen Optimismus, beantworteten die Referenten mit konkreten Planungen des Kapitals: Erosion der Tarifstandards, Diktatur der Kennziffern, atmende Fabrik.

Die Gewerkschaftsarbeit soll auch auf Betreiben der EU-Kommission noch mehr verbetrieblicht werden, was letztendlich schwächt, da nicht mehr die Starken die Schwachen nach oben ziehen wie in Zeiten des „Rheinischen Kapitalismus“, sondern im „globalisierten neoliberalen Kapitalismus“ dem Konkurrenzdruck oft nicht mehr stand halten können. Die gesundheitlichen Belastungen werden noch weiter zunehmen, insbesondere im psychischen Bereich.

Auch für die Waffentechnologie und damit die Kriegsführung gibt es gravierende neue Möglichkeiten.

Die umfassenden Auswirkungen dieser kapitalistischen Weiterentwicklung haben gravierende Auswirkungen. So werden prekäre Arbeitsverhältnisse noch weiter anwachsen und die Spaltung zwischen Kern- und Randbelegschaften droht vertieft zu werden. Es entstehen ungeheure Datensammlungen, die neue Dimensionen der Überwachung eröffnen und auch durch Hacker missbraucht werden können.

Zentrale gesellschaftliche Aufgaben sind die Qualifizierung der Beschäftigten, die Neuregelung von Arbeitszeiten in Richtung neues Normalarbeitsverhältnis und neue Tarifregelungen. Die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums zu Gunsten der Beschäftigten und dem Ausbau öffentlicher Dienstleistungen gilt es zu erkämpfen.

Die begonnene Diskussion zu Arbeitszeitforderungen der Gewerkschaften muss jetzt besonders intensiviert werden, z.B. die 30 Stunden Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Aber auch Forderungen gegen die Folgen der Produktivkraftentwicklung in anderen Bereichen sind jetzt nötig:

  • eine neue Qualität der Mitbestimmung
  • eine echte gesellschaftliche Kontrolle
  • antimonopolistische Reformen

Für Marxisten ist es unabdingbar, eine sozialistische Zukunft in diese Debatte einzubringen.

In der Aussprache wurde auch kontrovers diskutiert. Verschiedene Aspekte wurden vertieft und zusätzlich eingebracht. Einige Beispiele:

  • Die Zukunft der Gewerkschaftsbewegung muss gründlich diskutiert werden. Es gibt Gefahren auch für ihre Existenz
  • Was folgt aus der permanent notwendigen Weiterbildung für Arbeits- und auch private Lebensbedingungen?
  • Wie regiert die Jugend auf diese Herausforderungen?
  • Wie können Sozialismusvorstellungen massenwirksam entwickelt werden?
  • Die Gesellschaft ist unzureichend informiert. Wie können wir das ändern?
  • Lösung von Teilen der Gewerkschaften von Vorstellungen der SPD, die Probleme im sozialpartnerschaftlichen Konsens lösen zu können
  • Entwicklung marxistischer Positionen bei realistischer Einschätzung der Stärke und Möglichkeiten

Das Seminar war ein intensiver Meinungs- und Erfahrungsaustausch, Referenten und Teilnehmer vermittelten neues Wissen. Diskutiert wurden auch ideologisch-politische Fragen wie das Verhältnis Reform und Revolution, die marxistische Position zur Aktionseinheitspolitik in den Gewerkschaften, und auch zu den möglichen Folgen des Brexit und zu Forderung nach Austritt aus der EU auch in linken Parteien, also zu strategischen und taktischen Fragen marxistischer Politik.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren hochzufrieden mit Inhalten und Atmosphäre des Seminars. Es wurde angeregt, vergleichbare Veranstaltungen regelmäßig im Reinhold – Jürgensen – Zentrum durchzuführen.

Text: Heinz Stehr    Foto: Helge V. Keitel

im Anhang: Referate von Reiner Liebau und Volker Metzroth

 

Marseille-Forum

Am 10. und 11. November treffen sich die progressiven Kräfte Europas in Marseille zum Marseille-Forum, um eine Alternative Zukunft für Europa zu diskutieren. Die Europäische Linke unterstützt dieses Treffen.
Pierre Laurent, Nationalsekretär der Französischen Kommunistischen Partei (PCF):

EL Marseille-Forum PierreLaurent


 

100 Jahre Oktoberrevolution

marxistische linke lädt ein

Logo-Revolution-Gegenrevolution

Das 20. Jahrhundert war eines der Revolutionen: in Russland, Ungarn, Deutschland, Spanien, China, Mexico, Chile, Cuba und vielen anderen Staaten. Daraus ragen die Oktoberrevolution und Maos Langer Marsch mit dem Sieg der Kommunisten 1949 als epocheprägende Ereignisse heraus. Diese Revolutionen sind Teil des langen Zyklus von Revolution und Gegenrevolution, der mit der französischen Revolution 1789 eröffnet wurde. Ging dieser lange Revolutionszyklus mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Ende?  Was kann Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute noch heißen?
Wir diskutieren mit

Frank Deppe
Autor des Buches: 1917 | 2017 - Revolution & Gegenrevolution

Sa., 25. November 2017, 15:00 Uhr
Frankfurt a.M.
Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-71

Hinweis
Mi, 22. November 2017, 20:00 Uhr, Rüsselsheim, Stadtbücherei am Treff
Veranstalter: attac, DGB und Naturfreunden Rüsselsheim


 

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Demnächst entscheidet die EU über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. Die EU will, dass Monsanto seinen Bestseller weitere zehn Jahre verkaufen darf.

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet
Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

wenn die umstaende 300p

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


Sie kommen im Morgengrauen!

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von Bettina Jürgensen

18.11.2017: Am Montag in aller Frühe kam die Nachricht, dass es bei unserem Genossen Kerem Schamberger aus München eine Hausdurchsuchung gegeben hat! Die erste Frage war: Was wollen DIE schon wieder von Kerem? In letzter Zeit wurde immer häufiger seine Facebookseite gesperrt, vor fast genau einem Jahr sollte die Zulassung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni in München verhindert werden, Kerem kämpfte erfolgreich gegen sein drohendes Berufsverbot. Jetzt musste er bei seiner Hausdurchsuchung zusehen und Handy, Laptop, USB-Sticks wurden beschlagnahmt.

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Marsch ins militärische Kerneuropa

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Kommentar von Leo Mayer
15.11.2017: Am Montag haben die Außen- und Verteidigungsminister von 23 der 28 EU-Staaten mitgeteilt, eine Militärunion zu gründen. "Ein großer Tag für Europa", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Brüssel dazu. Ein großer Tag vor allem für die Rüstungsindustrie. Denn jeder EU-Staat, der sich an der Militärunion beteiligen will, muss sich verpflichten, die nationalen Rüstungsausgaben regelmäßig zu steigern.

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Walter Baier: "Forum in Marseille ist ein erster Schritt"

Walter Baier:

Frage: Am 10. und 11. November beraten in Marseille Parteien, Initiativen und Organisationen über neue Formen der Zusammenarbeit . Es gibt bereits verschiedene linke Foren und Denkfabriken, transform! ist eine davon. Warum muss jetzt noch ein weiteres Forum entstehen?

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

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