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MUC-gegen-Leerstand 122.09.2016: München ist die teuerste Stadt Deutschlands. Mietwohnungen sind rar und nahezu unbezahlbar. Gleichzeitig stehen Häuser leer. Zwei davon in bester Lage im Münchner Westend. Seit Jahren. Die Investoren warten ab. Sie wollen ein Hotel und Luxuswohnungen bauen. Und seit Jahren wird gegen den Leerstands protestiert und die Immobilienspekulation protestiert. Jetzt war es wieder einmal so weit. Aber es wurde nicht nur demonstriert, sondern der Stadt München auch ein Konzept übergeben, wie sich hier bezahlbarer Wohnraum schaffen ließe.

 

Zu der Aktion gegen Leerstand und Mietwucher in München vor zwei leerstehenden Häusern hatte ein mietenpolitisches Bündnis aufgerufen. Mit dabei das Mietshäusersyndikatsprojekt Ligsalz 8, die Wohnprojektgruppe el caracol, die Aktionsgruppe Untergiesing und die Wagenburg Stattpark Olga. Vor dem stadtbekannten leerstehenden „Döner macht schöner“-Haus und dem gegenüberliegenden Schnitzelwirt-Haus in der Schießstättstr. wurde mit viel Musik und Reden auf die Mietsituation in München aufmerksam gemacht. Auf einer Postkarte, die an den Münchner Oberbürgermeister Reiter adressiert ist, konnten AnwohnerInnen ihren Protest, aber auch ihre Nutzungs-Wünsche für den Leerstand im Viertel ausdrücken.

Auf der Karte steht: "Sehr geehrter Herr Reiter, das 'Schnitzelhaus' ist tot. Seit über drei Jahren. Einfach leer. Für viele Wohnungssuchende ist das eine Katastrophe. Für eine Stadt wie München eine brachliegende Chance. Für uns als BewohnerInnen dieser Stadt ein Grund aktiv zu werden – wir sind voll gegen Leerstand! Wir wünschen uns die Wiederbelebung dieses Hauses in unserem Viertel!!! Als Wohnraum, als Lebensraum, als…..“

Die Presse hatte im Vorfeld der Aktion groß berichtet, unter anderem das Jugendmagazin des Bayrischen Rundfunks, PULS.

MUC-gegen-Leerstand 2Dort antwortete Kerem Schamberger, aktiv gegen Gentrifizierung in der Aktionsgruppe Untergiesing, auf die Frage: Wie ist der Rückhalt aus den Vierteln, in denen ihr aktiv seid? "Wenn wir mit den Leuten auf der Straße reden, dann merken wir, dass die Wut groß ist. Die Leute sind empört, weil es sie ganz konkret betrifft. Am Monatsanfang sehen sie: Scheiße, schon wieder 1.000 Euro für die Miete draufgegangen. Die Wut ist also groß. Woran es noch hapert: Diese Wut in Aktivität umzuwandeln und nicht nur in Rumgranteln. Sondern zu sagen: Ich mach da jetzt auch was dagegen. Natürlich: So eine Aktion wird den Mietmarkt nicht entspannen. Aber wenn wir nicht auf die Straße gehen und wenn wir die Leute aus den Vierteln nicht dazu bringen, gegen die Situation zu protestieren, dann wird sich gar nichts ändern. Also zusammengefasst: Die Wut ist groß, die Unterstützung ist da und wenn viele zur Demo kommen, dann hat das Motto 'Voll gegen Leerstand' bei mir am Abend auch noch eine andere Bedeutung."
(Das ganze Interview unter http://www.br.de/puls/themen/leben/interview-demo-gegen-leerstand-westend-100.html)

Das Schnitzelhaus (im Bild rechts im Hintergrund) steht seit mehreren Jahren leer. MUC-gegen-Leerstand 3

Das gegenüberliegende „Döner macht schöner“-Haus seit mehr als zehn Jahren. Ein Bauspekulant hatte das Gebäude gekauft, mit dem Plan ein weiteres Hotel im Viertel zu errichten, inklusive zweier Luxuslofts, da ihm die Schaffung von "Wohnfläche“ vorgeschrieben wurde. Anscheinend ist er nun aber pleitegegangen und das Haus wird Ende September zwangsversteigert. Dies erfuhren die Protestierenden am Tag der Aktion vor den beiden Häusern von aufmerksamen Anwohnern. Und so wird nun von den AktivistInnen versucht werden, dieses Gebäude mit Hilfe der Stadt zu erwerben, um dort ein weiteres Mietshäusersyndikatsprojekt aufzubauen und so bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

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