EU-Kommission und Monsanto stoppen - Glyphosat verbieten!

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Glyphosat STOP  Corporate-Europe-Observatory27.04.2017: Mit gekauften Studien und WissenschaftlerInnen versucht Monsanto, die Krebsgefahr durch Glyphosat zu verschleiern * Europäische Chemikalienagentur kapitulierte vor der Agrochemie-Lobby * EU-Kommission drückt auf Tempo und hat Entscheidung vorverlegt, um Europäische Bürgerinitiative auszuhebeln * Europäische Bürgerinitiative fordert Verbot von Glyphosat: Jetzt unterzeichnen!


Weltweit ist der Agrarkonzern Monsanto eines der unbeliebtesten Unternehmen. Die Vorwürfe sind vielfältig. Monsanto monopolisiert Saatgut, patentiert seit Generation verwendete Samen, gefährdet Ökosysteme und Verbraucher mit genverändertem Saatgut, kauft 'wissenschaftliche' Studien, setzt mit einer enormen Lobbymacht Medien und Politiker und mit seinem Saatgutmonopol Bauern unter Druck, … .

Ein Riesengeschäft

Gegenwärtig steht der Einsatz von Glyphosat im Zentrum der Kritik. Mais oder Soja werden gentechnisch verändert - so überleben sie, wenn das Feld mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat besprüht wird und alle anderen Pflanzen eingehen. Monsanto verkauft Saatgut und Unkrautvernichter im Paket. Und macht damit ein Riesengeschäft, denn Glyphosat wird weltweit in großem Maßstab eingesetzt. Sein Einsatz hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Mehr als 5.000 Tonnen des Wirkstoffs sprühten Bauern in Glyphosat RoundUpDeutschland in den vergangenen Jahren im Kampf gegen Unkraut alljährlich auf die Felder. Je nach Schätzung werden 30 bis 40 Prozent der deutschen Ackerflächen damit behandelt.

Um welch gewaltige wirtschaftliche Interessen es dabei geht, wird an der geplanten Übernahme von Monsanto durch den Leverkusener Pharma- und Chemieriesen Bayer deutlich: 66 Milliarden Dollar legt Bayer für die Übernahme auf den Tisch. Da kommt auch Bayer der Streit um Glyphosat zur unrechten Zeit. (siehe auch: Das Geschäft mit der Nahrung)

Weltgesundheitsorganisation: Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend"

Die auf EU-Ebene gültige Genehmigung für Glyphosat ist bereits am 31. Dezember 2015 ausgelaufen. Die EU-Kommission wollte die Zulassung um 15 Jahre verlängern. Doch nach Protesten aus einigen Mitgliedstaaten und dem Europaparlament wurde die Zeit nach und nach verkürzt – zunächst auf Glyphosat Studie-WHOneun Jahre und zuletzt auf anderthalb Jahre. In dieser Zeit soll eine neue Studie der europäischen Chemikalienagentur klären, ob Glyphosat Umwelt und Menschen schädigt.

Glyphosat steht schon lange in der Kritik. Es habe drastische Konsequenzen für die Tier- und Pflanzenvielfalt, führe zu negativen Auswirkungen auf das menschliche Hormonsystem, zu Fehlbildungen und zu einem erhöhten Krebsrisiko – so die Vorwürfe. Sogar im Bier wurden Rückstände des Pflanzenschutzmittels festgestellt. Seit die Internationale Behörde für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der WHO, im März 2015 im Ergebnis einer Untersuchung zu dem Schluss gekommen ist, das Glyphosat für den Menschen "wahrscheinlich krebserregend" ist, haben sich die Forderungen nach einem Verbot des Pflanzenschutzmittels vervielfacht.

Europäische Chemikalienagentur und Bundesinstitut für Risikobewertung: Anwälte der Agrochemie-Lobby

Doch am 15. März 2017 hat die Europäische Chemikalienagentur (Echa) bekanntgegeben, dass nach ihren Analysen das Pestizid Glyphosat "nicht krebsgefährdend" sei. Damit steigen für Monsanto – und die künftige Konzernmutter Bayer - die Chancen, dass das Pestizid weiterhin in Europa zugelassen bleibt.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das im Auftrag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) arbeitet, war bereits vorher zu dem Schluss gekommen, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Sowohl Echa wie das Bfr haben sich bei ihrem Urteil vor allem auf die von der Industrie vorgelegten Studien verlassen. In einer Neubewertung hat das BfR mehrere glyphosatkritische Studien als "nicht zuverlässig" eingestuft. Gegen ein Verbot werden "große Bedenken" wegen der "bedeutenden wirtschaftlichen Folgen" geäußert.

Für Umweltverbände weist dies darauf hin, dass es sich bei der Neubewertung des BfR um eine "vorsätzliche Fälschung handelt", deren Ziel gewesen sei, "wissenschaftlich exzellente Studien" abzuqualifizieren. Lobbycontrol stellt beim Führungspersonal und den ExpertInnen des Amtes Verflechtungen mit der einschlägigen Industrie fest. Testbiotech, ein Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie, kommt zu dem Ergebnis, dass "viele der Beteiligten ihre Interessenkonflikte verschwiegen". "Dadurch ergibt sich insgesamt das Bild einer organisierten und zumindest teilweise verdeckten Einflussnahme der Industrie in zentralen Einrichtungen des Bundes, die im Bereich der Agrogentechnik mit der Risikoabschätzung und der Forschungsförderung befasst sind“, urteilt Testbiotech.

Monsanto manipuliert 'wissenschaftliche' Studien und die Öffentlichkeit

Am 14. März 2017 berichtete die New York Times wie Monsanto in der Vergangenheit Wissenschaftler und Behörden in den USA beeinflusst hat. Monsanto-TribunalGeleakte E-Mails zeigen, dass der Konzern WissenschaftlerInnen für 'Studien' bezahlt, die Monsanto-freundliche Ergebnisse ausweisen und die Öffentlichkeit darüber hinwegtäuschen sollen, wie gefährlich Glyphosat ist. So habe Monsanto im Verborgenen an Studien mitgearbeitet, die später als Arbeiten unabhängiger Wissenschaftler ausgegeben worden seien. Zudem habe Monsanto gezielt darauf hingewirkt, eine eigenständige Untersuchung des Unkrautvernichters durch das US-Gesundheitsministerium zu verhindern. Mit diesen zweifelhaften Methoden nimmt Monsanto Einfluss auf die öffentliche Meinung und übt Druck auf die EU-Kommission aus, damit diese die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation ignoriert, die Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" einstuft. (siehe auch 'Monsanto soll Glyphosat-Studien beeinflusst haben')

EU-Kommission zieht Entscheidung vor – Höchste Zeit, die Europäische Bürgerinitiative zu unterstüzen!

Nun hat die EU-Kommissionbekanntgegeben, dass die Entscheidung über die Zulassung von Glyphosat vorgezogen wird – und zwar bevor die Europäische Bürgerinitiative (EBI) für ein Glyphosat-Verbot zu Ende geht.

Glyphosat EBI-LogoDie Initiatoren der EBI antworten: "Jetzt heißt es schnell sein: Innerhalb kurzer Zeit haben sich uns bereits 700.000 Menschen aus ganz Europa angeschlossen. Für eine erfolgreiche Bürgerinitiative fehlen uns noch 300.000 Unterstützer/innen: Mit einer Million Unterschriften können wir sicherstellen, dass nicht nur die Konzerne, sondern auch wir Bürgerinnen und Bürger in Brüssel gehört werden.
Unser Plan: Am 13. Mai sammeln tausende Menschen in ganz Europa Unterschriften. Gemeinsam knacken wir die Millionmarke – und kommen der EU zuvor. Ob Madrid, Paris oder Wanne-Eickel – machen auch Sie mit! Sie haben noch nie Unterschriften gesammelt? Kein Problem – wir unterstützen Sie dabei."

Die Europäische Bürgerinitiative fordert:

 Verbot von Glyphosat und Schutz von Menschen und Umwelt vor giftigen Pestiziden
Wir rufen die Europäische Kommission auf, den Mitgliedstaaten ein Verbot von Glyphosat vorzuschlagen, das Genehmigungsverfahren für Pestizide zu reformieren und EU-weit verbindliche Reduktionsziele für den Einsatz von Pestiziden festzulegen.
Verbot von Herbiziden auf Glyphosat-Basis, deren Exposition mit Krebs beim Menschen in Verbindung gebracht wurde und zu einer Verschlechterung des Zustands von Ökosystemen geführt hat; Sicherstellung, dass die wissenschaftliche Bewertung von Pestiziden für die Genehmigung durch die Regulierungsbehörden der EU allein auf der Grundlage veröffentlichter Studien erfolgt, die von den zuständigen Behörden und nicht von der Pestizidindustrie in Auftrag gegeben wurden; Festlegung EU-weit verbindlicher Reduktionsziele für den Einsatz von Pestiziden mit Blick auf die Erreichung einer pestizidfreien Zukunft.

Jetzt unterzeichnen: https://www.campact.de/glyphosat/buergerinitiative/widget/


Manu-Chao Seeds-of-freedomManu Chao hat einen neuen Song 'Seeds of Freedom' (Samen der Freiheit) geschrieben zur Unterstützung des Monsanto Tribunals und des Kampfes der Bäuerinnen und Bauern für das Recht auf Saatgut und gegen Monsanto, Bayer und eine zerstörerische Landwirtschaft.

 

fotos:  oben: Corporate Europe Observatory, andere: Monsanto-Tribunal, Manu Chao


siehe auch:

 

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